Hackenstedt

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Hackenstedt
Gemeinde Holle
Wappen von Hackenstedt
Koordinaten: 52° 4′ 32″ N, 10° 6′ 20″ O
Höhe: ca. 150 m
Einwohner: 462 (30. Nov. 2017)[1]
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 31188
Vorwahl: 05062

Hackenstedt ist eine Ortschaft der Gemeinde Holle im Landkreis Hildesheim im deutschen Bundesland Niedersachsen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hackenstedt liegt im Harzvorland an der Kreisstraße K 309 zwischen der Hildesheimer Börde und dem Wohldenberg. Die Nähe zu den Autobahnen 7 und 39 sowie zur B 6 und B 243 sorgen für eine gute Verkehrsanbindung. Als öffentliche Verkehrsmittel stehen Busverbindungen oder der Bahnhof Derneburg zur Verfügung.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsratswahl[2]
Wbt.: 68,9 % (+0,7 %p)
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2011

2016


Nach den Kommunalwahlen in Niedersachsen 2016 verteilen sich die fünf Sitze im Ortsrat wie folgt (in Klammern Veränderung zur Wahl 2011):

  • SPD: 3 Sitze (−1)
  • CDU: 2 Sitze (+1)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenso wie bei dem Derneburger Wappen ist der Abt Arnu des Derneburger Klosters mit dem Hackenstedter Wappen in Verbindung zu bringen. Unter seiner Leitung wurde 1727 an der Stelle der baufälligen Fachwerkscheune an der Südseite des Dorfes eine Zehntscheune aus Bruchsteinen gebaut, in die die Hackenstedter ihr Korn-, Brach- und Fleischzehnten abliefern mussten. Diese Scheune schmückt heute das Hackenstedter Wappen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pauluskirche.
Inneres der Pauluskirche.
Ortsmitte.
Hauptstraße.

Die Bedeutung des Namens Hackenstedt passt auf die Lage des Ortes: Hau oder Hav bezeichnet eine Stelle, wo der Wald ausgehauen ist. Auch heute liegt das abseits gelegene Dorf mit seiner Feldmark noch rings vom Wald eingeschlossen, so dass man nur von Söder aus einen Überblick über seine schöne Lage gewinnen kann.

Am südlichen Dorfrand begrüßt den Besucher das Wahrzeichen von Hackenstedt, die aus Bruchsteinen erbaute Zehntscheune, die von dem baufreudigen Abt Arnu des Derneburger Klosters 1727 erbaut wurde. Dieses Baudenkmal weist auch gleich auf den Einfluss des benachbarten Klosters hin, das sich zwischen 1229 und 1481 den Hauptteil der Hackenstedter Güter einverleibte.

Zuvor gehörte der Grundbesitz zum Teil den Wohldenberger Grafen, zum Teil der Familie von Steinberg und von Berkefeld, die ihn vom Hildesheimer Bischof als Lehn bekommen hatten. 1334 verzichteten die Ritter Berthold und Heinrich auf das Patronat der Hackenstedter Kirche und übergaben es dem Kloster Derneburg.

Seit 1730 ist die Pfarrei mit Sottrum kombiniert, und aufgrund der Vergrößerung der Gemeinde wurde die Kirche 1731 im barocken Stil neu erbaut. Nur der massive Turm mit seinen kleinen Lichtschlitzen stammt noch aus älterer Zeit.

Die Volksschule von Hackenstedt stammt aus dem Jahr 1719, ein zweites Schulgebäude von 1803 brannte durch Funkenflug im Jahr 1844 vollständig ab. Im selben Jahr entstand die heutige Schule, die 198 umgebaut und vergrößert wurde. 1924 errichtete die Gemeinde eine Gemeinschaftsschule für beide Konfessionen, die mit dem Bau einer Mittelpunktschule aufgelöst und in einen Kindergarten umgewandelt wurde.

Seit 1815 war der Besitzer Derneburgs, der Graf zu Münster, Grundherr in Hackenstedt. Diese Grundrechte konnten 1840 von den Hackenstedter Bauern mit einem Betrag von 15.300 Talern abgelöst werden. Die anschließende Verkoppelung dauerte von 1854 bis 1865 und konnte erst nach langwierigen Verhandlungen mit den Gütern Söder und Derneburg erfolgreich abgeschlossen werden.

Die erste Wasserleitung in Hackenstedt entstand schon 1911 mit Wasser aus dem Forst, dass den Bedarf des Ortes völlig deckte. 1934 entstand eine Pumpstation im Dorf und 1968 ein Hochbehälter. Der Bau der Neubausiedlungen begann 1953 und in den 70er Jahren erschloss der Landwirt Wilhelm Siebke eigenhändig eine große Siedlung, die er später an die Gemeinde verkaufte.

Eine spannende Geschichte ist von dem Holler Landwirt Siebke aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg überliefert. Zusammen mit dem Pastor Witte, der gerade von seiner Missionstätigkeit aus Indien zurückgekehrt war, und Pastor Drömann holte er in einer abenteuerlichen Autofahrt den späteren Bischof Lilje aus der Gestapohaft in Nürnberg nach Hackenstedt. Danach entstand im alten Pfarrhaus eine Zentralstelle der Leipziger Mission, von der aus Verbindungen über ganz Deutschland geknüpft wurden.

Im Zweiten Weltkrieg verlor Hackenstedt von 100 eingezogenen Soldaten 42, zu deren Ehren in der Kirche eine Gedenktafel aufgestellt wurde.

Der 1877 gegründete Männergesangverein und das Bläsercorps Hackenstedt von 1967 haben durch zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen Hackenstedt auch weit über Holles Grenzen hinaus bekannt gemacht.

Am 1. März 1974 wurde Hackenstedt in die Gemeinde Holle eingegliedert.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zehntscheune von 1727.

Die evangelische Pauluskirche wurde 1731 im Barockstil erbaut. Sie hat einen spätromanischen Westturm mit einem Satteldach und einem zusätzlichen Dachreiter. Das Langhaus mit seinem Krüppelwalmdach wurde 1751/52 umgebaut. In ihrem Innern fällt – abgesehen von der 1751 von G. E. Fabricius und E. H. Löhr bemalten und gewölbten Holzdecke – der barocke Kanzelaltar (1734 von dem Bockenemer Künstler J. H. Varenholz gestaltet) mit farbenprächtigen Holzschnitzereien und mehreren ebenfalls aus Holz geschnitzten Statuen auf. Ein Taufbecken befindet sich nicht in der Kirche. Stattdessen verfügt sie über einen links vom Altar an der Decke befestigten Taufengel von 1734, der eine Muschel in der Hand hält. Bei Taufen wird in die Muschel ein Gefäß mit Wasser gestellt.

In Hackenstedt sind ebenfalls zahlreiche gut erhaltene Fachwerkhäuser beachtenswert.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hackenstedt verfügt über einen Kindergarten, allerdings nicht mehr über eine Schule. In der Mitte des Ortes befindet sich eine Gaststätte.

Verkehrsverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werktags bestehen mehrmals täglich direkte Busverbindungen nach Hildesheim, zum Bahnhof Derneburg sowie nach Seesen. Über das benachbarte Söder erreicht man die Bundesstraße 243, die nach Bad Salzdetfurth und Bockenem führt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerzahlen der Ortsteile der Gemeinde Holle, abgerufen am 27. Dezember 2017
  2. Webseite der Gemeinde Holleabgerufen am 1. Oktober 2016
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 210.