Hadrianstor (Antalya)

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Hadrianstor in Antalya

Das repräsentative Hadrianstor (türkisch: Üçkapılar = „die drei Tore“) in der türkischen Mittelmeermetropole Antalya, dem antiken Attaleia, ist eine der ältesten und bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hadrianstor (Detailfoto)

Das in die Stadtmauer integrierte und von zwei Türmen flankierte Ehrentor wurde anlässlich eines Besuchs des römischen Kaisers Hadrian erbaut.[1] Da Hadrian sowohl zwischen 121 und 125 n. Chr. als auch zwischen 128 und 132 n. Chr. Kleinasien bereiste, ist die Datierung des Bauwerks umstritten.[2]

Der Bau wies zwei Widmungsinschriften auf, von denen die nicht mehr erhaltene den Titel Olympios nennt.[3] Diesen Titel nahm der Kaiser im Jahr 129 n. Chr. an,[4] weswegen diese Inschrift erst nach diesem Zeitpunkt angebracht worden sein kann. Zumindest der südliche der Türme zuseiten des Tores wurde der Schwester Hadrians, Domitia Paulina, von Iulia Sancta gewidmet.[5] Da die Schwester kurz nach Antinoos um 130 n. Chr. starb, wird der Turm wohl vor der zweiten Reise Hadrians gestiftet worden sein.

Die andere, mit vergoldeten Buchstaben auf dem Architrav des Bogens angebrachte Inschrift liefert selbst keinen Anhaltspunkt zur Datierung.[6] Doch könnte sie mit der ersten Reise in Verbindung stehen. Ob der Kaiser bereits bei dieser Reise Attaleia wirklich besuchte, bleibt unklar. Da derartige Besuche jedoch weit im Vorfeld der tatsächlichen Reise angekündigt wurden, nimmt man an, dass die Stadt, die in der nicht erhaltenen Inschrift als Stifter und Auftraggeber genannt wird, sich mit dem Bau des Ehrentores vorbereitete, dessen Bauzeit in dem Fall eher in den Jahren bald nach 120 n. Chr. anzusetzen wäre. Aus Anlass des tatsächlichen Besuches oder der zweiten Reise wäre dann die zweite Inschrift angebracht worden.[7] Etwa zur gleichen Zeit oder bald davor mag der südliche Wehrturm erbaut worden sein, sodass das Tor vermutlich niemals freistand.

Unter dem seldschukischen Sultan Kai Kobad I. wurde im 13. Jahrhundert der rechte Turm erbaut. Das Bauwerk wurde in den Jahren 1959/60 einer gründlichen Restaurierung unterzogen, bei der einige Säulen erneuert wurden.

Architektur und Ornamentik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hadrianstor, Details der Bauornamentik

Der dreibogige Torbau ähnelt auf den ersten Blick einem antiken Ehrenbogen, steht jedoch nicht frei, sondern war – mindestens auf einer Seite – an ein anderes Bauwerk angefügt. Alle drei Durchgänge haben die gleiche Weite von 4,15 Metern bei einer Höhe von 6,18 Metern bis zum Wölbungsscheitel, gemessen vom antiken Pflasterniveau, welches sich aufgrund späterer Erd- und Schuttanschüttungen etwa einen Meter unterhalb des heutigen Straßenniveaus befindet. Auf beiden Seiten des Tores werden die Bögen von vier vorgestellten Säulen kompositer Ordnung gerahmt. Diese Säulen erheben sich auf freistehenden Postamenten, ihre Schäfte sind unkanneliert und aus grauem Granit, während die übrigen sichtbaren Teile des Baus aus weißem Marmor errichtet wurden. Die Säulen stehen auf attischen Basen und haben eine Höhe von 4,94 Metern bei einem unteren Durchmesser von 0,51 Metern. Ihre Kompositkapitelle sind mit Akanthusblättern in zwei Registern dekoriert, der übrige Kapitellkörper ist mit gekehlten Pfeifenstäben überzogen. Sie stehen stilistisch den etwa gleichzeitig entstandenen Kapitellen der Celsus-Bibliothek in Ephesos nahe.[8]

Während die Bögen gleichmäßige Weiten aufwiesen, war der Abstand der Säulen links und rechts des mittleren Durchgangs um 22 Zentimeter erweitert. Über den Säulen ist das 1,28 Meter hohe Gebälk verkröpft. Dessen Architrav, der ursprünglich die in Metallbuchstaben ausgeführte Stiftungsinschrift trug, ist in zwei glatte Bänder (Faszien) geteilt, die reich mit Ornamenten voneinander abgesetzt sind: Perlstab und lesbisches Blattkyma bekrönen die untere Faszie, eine Abfolge aus Perlstab, Eierstab und Blattkyma die obere Faszie. Darüber befindet sich ein Fries aus stark akanthisierten, gleichmäßig rhythmisierten Wellen­ranken, deren Triebe in großen Blüten, Rosetten und Blattwedeln enden. Mit ihren plastisch ausgearbeiteten Stängeln und Akanthuskelchen füllen sie fast die gesamte Friesfläche, dennoch ist der Reliefgrund sauber geglättet und herausgearbeitet.[9] Es folgt eine unter- und oberhalb von Eierstäben gerahmte Zahnschnittleiste. Das darüber befindliche Geison ist als einfache ionische Hängeplatte gebildet. Die das Gebälk abschließende Sima ist mit regelmäßig verteilten Löwenköpfen verziert, zwischen denen ein Anthemion aus je vier Palmetten und drei Lotosblüten vermittelt. Auf den Stirnseiten der verkröpften Gebälkabschnitte über den Säulen ist je ein Löwenkopf mittig zwischen Anthemien angebracht.[10]

Die Bogenwölbungen selbst sind mit eingelegten, flachen Kassetten verziert, die jeweils von Eierstäben gefasste Rosetten- und Blütenornamente enthalten. Die mittleren Pylone des Tores sind so schmal, dass die Archivolten der von ihnen getragenen Bögen aneinanderstoßen. Die demgegenüber breiteren äußeren Pylone enden in flachen Antenpfeilern mit entsprechenden Antenkapitellen.

Bis zur Oberkante des Gebälkes erreicht das Tor eine Höhe von 8,03 Metern. Von dem einst vorhandenen Obergeschoss, das nach Francis Beaufort, der Antalya im Jahr 1812 untersuchte, und die zweite Inschrift trug, lässt sich keine genaue Vorstellung gewinnen. Da Beaufort Reste von insgesamt 14 Säulen sah und nur vier der größeren unteren Ordnung erwähnt, wird das Obergeschoss ebenfalls Säulenstellungen besessen und die verbliebenen zehn Säulen aufgenommen haben.[11] Vom Obergeschoss war gegen Ende des 19. Jahrhunderts nur noch die unterste Steinlage erhalten. Darauf befanden sich zwei quadratische Pfeilerbasen, die bei einer Jochweite von 2,36 Metern keinen Achsbezug zur Säulenstellung des unteren Geschosses aufwiesen. Von den Säulen Beauforts wurden keine Spuren mehr gefunden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hadrianstor (Antalya) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur Datierung, die zwischen 121/22 und 130 schwankt, siehe auch: Susanne Schorndorfer: Öffentliche Bauten hadrianischer Zeit in Kleinasien. Archäologisch-historische Untersuchungen (= Charybdis. Band 14). Lit-Verlag, Münster 1997, S. 195 ff.; Lutgarde Vandeput: The Architectural Decoration in Roman Asia Minor. Sagalassos: A Case Study (= Studies in Eastern Mediterranean Archaeology. Band 2). Brepols, Löwen 1997, S. 34 und passim.
  2. Nihal Tüner Önen: Hadrians Reisen im östlichen Mittelmeer anhand neuer Inschriften aus Phaselis. In: Adalya. Band 16, 2013, S. 93–106 (Online).
  3. Inscriptiones Graecae ad Res Romanas Pertinentes (IGR) III 771: [Αὐτοκράτορι Καίσ]αρι, θεοῦ Τραιανοῦ Παρθικοῦ υἱῷ, [θεοῦ Νέρουα υἱωνῷ / Τραιανῷ Ἁδριανῷ Σεβα]στῷ, Ὀλυμπίῳ, ἀρχι[ερ]εῖ μεγίστῳ, δημαρχικῆς [ἐξουσίας τὸ ιε′ / ὑπάτῳ τὸ γ′ πατρὶ πατρίδος], σωτῆρι τῆς οἰκουμένης ἡ βουλὴ καὶ [ὁ δῆμος] (Digitalisat = CIG 4339b).
  4. Anthony R. Birley: Hadrian. The Restless Emperor. Routledge, London u. a. 1997, S. 215 f.
  5. IGR III 773: Σεβαστοῦ ἀδελ/φὴν Παυλείναν Ἰουλία / Σάνκτα (Digitalisat = CIG 4340); Hansgerd Hellenkemper: Attalos und Attaleia. In: Taner Korkut (Hrsg.): Anadolu'da doğdu : 60. yaşinda Fahri Işıká armağan = Festschrift für Fahri Işık zum 60. Geburtstag. Ege Yayınları, Istanbul 2004, S. 334.
  6. IGR III Nr. 772: Αὐτοκράτορι Καίσαρι Τραιανῷ Ἁδριανῷ... (Digitalisat).
  7. Nihal Tüner Önen: Hadrians Reisen im östlichen Mittelmeeranhand neuer Inschriften aus Phaselis. In: Adalya. Band 16, 2013, S. 100.
  8. Zu den Kapitellen siehe: Mohammad Nassar: Composite Capitals on Hadrian’s Gates during Roman Period: A Preliminary Study. In: Mediterranean Archaeology and Archaeometry. Band 8, Heft 2, 2008, S. 3–20 (PDF).
  9. Zur Ranke siehe: Joachim Kramer: Zu einigen Architekturteilen des Grabtempels westlich von Side. In: Bonner Jahrbücher. Band 183, 1983, S. 153 f.
  10. Abbildung des Gebälks bei: Karl Lanckoroński, Eugen Petersen, George Niemann: Städte Pamphyliens und Pisidiens. Band 1: Pamphylien. Freytag, Leipzig 1890, Tafel VII (Digitalisat).
  11. Francis Beaufort: Karamania or a Brief Description of the South Coast of Asia-Minor. R. Hunter, London 1817, S. 120 f. (Digitalisat).

Koordinaten: 36° 53′ 7,1″ N, 30° 42′ 30,1″ O