Hafnium(IV)-oxid

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Kristallstruktur
Kristallstruktur von Hafnium(IV)-oxid
__ Hf4+     __ O2−
Raumgruppe

P21/c (Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14

Allgemeines
Name Hafnium(IV)-oxid
Andere Namen

Hafniumdioxid

Verhältnisformel HfO2
CAS-Nummer 12055-23-1
PubChem 292779
Kurzbeschreibung

farbloser Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 210,49 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

9,68 g·cm−3 [1]

Schmelzpunkt

2812 °C[1]

Siedepunkt

5400 °C[1]

Dampfdruck

gering[1]

Löslichkeit

nahezu unlöslich in Wasser[1]

Brechungsindex

2,00 (500 nm)[2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Hafniumdioxid ist eine chemische Verbindung aus den Elementen Hafnium und Sauerstoff. Es gehört zur Stoffklasse der Oxide.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hafniumdioxid wird durch Glühen des Hydroxids, Oxalats, Oxidchlorids oder Sulfats bei 600–1000 °C dargestellt. Die Hydrolyse von Hf(OR)4 (R = i-Amyl) liefert hochreines Hafniumdioxid.[3]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hafnium(IV)-oxid

Hafniumdioxid ist in reinem Zustand ein weißes, mikrokristallines Pulver mit monokliner Kristallstruktur[4], das einen sehr hohen Schmelz- und Siedepunkt sowie eine Dichte von 9,68 g·cm−3 hat. Der Brechungsindex beträgt 1,95 bis 2,00, die Dielektrizitätskonstante der amorphen Form liegt im Bereich von 20 bis 25[5][6]. Das Oxid ist praktisch unlöslich in Wasser und organischen Lösungsmitteln.

Es besitzt eine hohe Härte, eine geringe Wärmeausdehnung und ist chemisch Zirkoniumdioxid (ZrO2) sehr ähnlich.[3] Die Verbindung hat eine monokline Kristallstruktur mit der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14. Bei 1720 °C geht sie in eine Modifikation mit tetragonalem Kristallsystem[3] mit der Raumgruppe P42/nmc (Nr. 137)Vorlage:Raumgruppe/137 und bei 2600 °C in eine kubische Form mit der Raumgruppe Fm3m (Nr. 225)Vorlage:Raumgruppe/225 über. Die tetragonale Form kann durch Dotierung (zum Beispiel mit Si, Ge, Sn, Ti, P, Al) stabilisiert werden. Die Formen unterscheiden sich auch in der Dielektrizitätskonstante. So besitzt die monokline Form eine Dielektrizitätskonstante von 16-18, die tetragonale Form von 30 und die kubische Form von 70.[7] Einige Quellen berichten auch von einer weiteren orthorhombischen Form.[8]

Ferroelektrisches Hafniumoxid[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dünnen dielektrischen Hafniumdioxid-Schichten kann mittels Dotierung und der Erzeugung von Schichtspannungen eine ferroelektrische orthorhombische Kristallphase erzeugt werden[9]. Aufgrund der bereits weiten Verbreitung von Hafniumoxid als high-k Dielektrika und der sehr guten CMOS-kompatibilität ergeben sich neue Anwendungen als Halbleiterspeicher (FeFET, FRAM, FeCap). Solche ferroelektrische Hafniumoxid-Schicht ermöglichen die Herstellung sehr schneller und energieeffizienter nichtflüchtiger Halbleiterspeicher, vor allem für den Einsatz in mobilen Endgeräten und dem Internet der Dinge. Erste ferroelektrische Speicher auf Basis der ferroelektrischen Verbindung Blei-Zirkonat-Titanat (PZT) konnten sich auf Grund mangelnder Skalierbarkeit und der schweren Integration von Blei in den CMOS-Prozess nicht durchsetzen. Ferroelektrisches Hafniumoxid ermöglicht eine wesentliche Verringerung der Strukturgröße im Vergleich zu PZT unter Verwendung bereits etablierter Materialien[10], sodass bereits ferroelektrische Feldeffekttransistoren (FeFET) mit 28 nm Gatelänge hergestellt werden konnten.

Entstehung der ferroelektrischen Kristallphase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Atomlagenabscheidung hergestellte amorphe dünne Hafniumdioxidschichten (<20 nm) kristallisieren nach der Temperung in der nicht ferroelektrischen monoklinen Phase[9]. Mit Hilfe von Metallelektroden, die die Hafniumdioxid-Schicht umschmließen, kann eine Spannung in der Schicht von mehreren GPa induziert werden. Diese ermöglicht beim Abkühlen die Transformation der monoklinen Kristallphase in die orthorhombische und tetragonale. Diese Transformation kann durch Dotierung der Schicht mit zum Beispiel Silizium, Yttrium und Zirkon unterstützt werden[11][12]. Die orthorhombische Phase weißt eine nicht-zentrosymmetrsiche Kristallachse auf. Diese ermöglicht die Positionsänderung von Sauerstoffionen zwischen zwei stabilen Gitterplätzen im Kristallgitter durch einwirken eines elektrischen Felds und erzeugt einen dielektrischen Verschiebungsstrom (Polarisation). Der Einfluss der Schichtspannung auf die Kristallphase sinkt mit steigender Schichtdicke, sodass dicke Schichten trotz Metallelektroden in der monoklinen Phase kristallisieren und die remanente Polarisation sinkt. Dünne Schichten im Bereich 10 bis 15 nm weißen hingegen die besten ferroelektrischen Eigenschaften auf. Bei diesen Schichtdicken ist jedoch der Einfluss eines eventuellen Leckstromes durch die Schicht nicht zu vernachlässigen.

Zirkonoxiddotiertes Hafniumoxid[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mischoxid aus dem monoklinen Hafniumoxid und Zirkonoxid zeigt über einen breiten Mischungsbereich von ~25–75 % Zirkonoxidanteil im Hafniumoxid ferroelektrisches Verhalten. Dabei wird eine maximale remanente Polarisation bei 50 % Zirkonoxidanteil[11]. Mit steigender Zirkonbeimischung findet eine Phasentransformation von der monoklinen Phasen des Hafniumoxid in die antiferroelektrische tetragonale Phase des Zirkonoxids statt. XRD-Messungen zeigen, dass dieser Phasenübergang unter Ausbildung der orthorhombischen Phase stattfindet.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwendet wird Hafniumdioxid in der Halbleiterproduktion als High-k-Dielektrikum oder als Vergütungs- oder Spiegelmaterial in der optischen Industrie.

Aufgrund seiner gegenüber Siliciumdioxid erhöhten Dielektrizitätskonstante sah man Hafniumdioxid als Werkstoff an, der z. B. bei der Produktion von Halbleiterbausteinen mit 45 nm-Struktur das bisher verwendete Siliciumdioxid ersetzen könnte.[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Datenblatt Hafnium(IV)-oxid bei AlfaAesar, abgerufen am 15. Dezember 2010 (JavaScript erforderlich).
  2. ltschem.com: Hafnium Oxide, abgerufen am 2. November 2014.
  3. a b c Georg Brauer (Hrsg.): Handbuch der Präparativen Anorganischen Chemie. 3., umgearb. Auflage. Band II. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-87813-3, S. 1371.
  4. Robert Ruh, H. J. Garrett, R. F. Domagala, N. M. Tallan: The System Zirconia-Hafnia. In: Journal of the American Ceramic Society. Band 51, 1968, S. 23–27.
  5. Pan Kwi Park, Sang-Won Kang: Enhancement of dielectric constant in HfO[sub 2] thin films by the addition of Al[sub 2]O[sub 3]. In: Applied Physics Letters. 89, 2006, S. 192905, doi:10.1063/1.2387126.
  6. M.N. Jones, Y.W. Kwon, D.P. Norton: Dielectric constant and current transport for HfO2 thin films on ITO. In: Applied Physics A. 81, 2005, S. 285–288, doi:10.1007/s00339-005-3208-2.
  7. Daniel Cunningham: "A First-Principles Examination of Dopants in HfO2". In: Honors Scholar Theses. Paper 359. University of Connecticut, 5-2-2014, S. 25, abgerufen am 8. Februar 2015 (englisch).
  8. P. Rauwel and E. Rauwel: Probing the Electronic Structure of HfO2 polymorphs via Electron Energy Loss Spectroscopy, abgerufen am 8. Februar 2015.
  9. a b Ferroelectricity in hafnium oxide thin films. In: Applied Physics Letters. Band 99, Nr. 10, 5. September 2011, S. 102903, doi:10.1063/1.3634052.
  10. J. Müller, E. Yurchuk, T. Schlösser, J. Paul, R. Hoffmann: Ferroelectricity in HfO2 enables nonvolatile data storage in 28 nm HKMG. In: 2012 Symposium on VLSI Technology (VLSIT). 1. Juni 2012, S. 25–26, doi:10.1109/VLSIT.2012.6242443.
  11. a b Ferroelectric Zr0.5Hf0.5O2 thin films for nonvolatile memory applications. In: Applied Physics Letters. Band 99, Nr. 11, 12. September 2011, S. 112901, doi:10.1063/1.3636417.
  12. Ferroelectricity in yttrium-doped hafnium oxide. In: Journal of Applied Physics. Band 110, Nr. 11, 1. Dezember 2011, S. 114113, doi:10.1063/1.3667205.
  13. NZZ Online: (Noch) keine Grenzen für das Mooresche Gesetz, 23. Mai 2007.