Hag

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Hag ist ein meist von einer Hecke eingehegtes bzw. eingefriedetes Gelände. Der Wortbestandteil -ha(a)g(en) weist als verbreiteter Flur- oder Ortsname auf diese frühere Siedlungsform hin.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hag leitet sich von germ. *haga/*hagaz/*hagjô/*hagjônUmzäunung, Gehege“ ab und umfasst auch den Begriff „Schutz“ wie in hegen und behaglich. Noch heute wird im Schweizerdeutschen und im Südwestdeutschen die Bezeichnung „Hag“ für eine Einzäunung eines Grundstückes oder einer Weide verwendet.

Das Wort steht zu der germanischen Wurzel *hag: „schlagen, stoßen, stechen“ und umfasst zwei Bedeutungsfelder:

Die zwei Bedeutungsfelder treffen sich in der Schneitelwirtschaft (Baumheu) als frühe Futterwirtschaft. Über die Niederwald­wirtschaft spaltet sich in der mittelhochdeutschen Sprachschicht das Wort Hain als „kleiner Wald“ ab.

Auf dem umfriedeten Gelände befindet sich meist ein Hof (Hofstelle), ein Gehöft oder ein Weiler. Daher ist die Wortwurzel in zahlreichen topographischen Bezeichnungen erhalten. In späteren Phasen des Mittelalters gilt diese Siedlungsform aber schon als ärmlich, und hagestalt bezeichnet ein kleines Anwesen, hagestut bezeichnet einen Kleinbauern, der sich keine eigene Familie leisten konnte, auch Hagesatz, Hagestolz genannt. Heute noch in diesem Sinne verwendet wird das Adjektiv hager.

Als Landhag bezeichnet man in Folge Heckenanlagen als Sperrwerk oder Grenzbefestigung.

Der Hag bot auch Friedhöfen Schutz vor bösen Geistern, insbesondere wenn er aus Eiben oder Buchsbaum bestand. Auch sind sowohl im mitteleuropäischen als auch im nordischen und englischen Sagen­kreis überraschende Durchlässe in Hecken als Übergang in ein Feen­reich oder die Unterwelt zu finden. So leitet sich auch Hexe (ahd. hecse, engl. hag, auch mnl. Hagetisse) aus demselben Wortstamm ab. Als alternative Bezeichnung findet sich Zaunreiter/in.

Orte mit einem Hag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Geschichte und Literatur sind nur wenige kleine Ortschaften bekannt, die in früheren Zeiten über einen Hag verfügten. Eine damals sehr kleine Gemeinde war Großrinderfeld in Nordbaden, an der Grenze zu Bayern gelegen. In der Ortschronik von Behringer ist der Verlauf dieses Hags sehr detailliert beschrieben. Er bestand aus einem Graben mit Holzzaun, bzw. einem Erdwall mit Holzzaun und umschloss die Ortschaft vollständig. Es gab 2 Öffnungen. Das Obere Tor und das Untere Tor. Von einem Nachtwächter wurden die beiden Tore frühs um 6 Uhr geöffnet und nachts um 10 Uhr geschlossen.

Einer der wenigen Orte Deutschlands mit einem noch weitgehend erhaltenen Hagen ist der Ortsteil Dörna der Gemeinde Anrode in Thüringen. An die ehemaligen Öffnungen erinnern heute noch Straßennamen wie z. B. Brückentor und Feldtor. Sowohl die Höfe, als auch die anschließenden Hausgärten sind durch den Hagen geschützt. Die Höfe wurden früher zusätzlich durch die reihenhausartig gebauten Scheunen zwischen Hof und Garten geschützt. Heute dominiert den Hagen ein gemischter Laubbaumbestand mit unterschiedlich stark ausgeprägtem Heckenbewuchs.

Ortsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wortstamm hag weist auf ein eingefriedetes Gelände unterschiedlicher Größe hin:

weitere etymologisch verwandte Formen wie -heck siehe Hecke, -hain siehe Hain

Bei vielen Ortsnamen ist der Zusatz -hag oder -hagen angehängt worden, wie in Eckenhagen, Stadthagen, Den Haag (’s-Gravenhage: ‚Grafenhagen‘), Fürstenhagen, Isernhagen, Stavenhagen, Altenhagen, Neuenhagen, Steinhagen. Mancherorts gibt es darüber hinaus mehrere Orte mit Vornamen + -hagen, wohl nach einem Erstsiedler: Diedrichshagen, Gerdshagen, Hanshagen, Hinrichshagen, Karlshagen, Leopoldshagen, Meinerzhagen, Petershagen.

Andere Ortsnamen fangen mit Hag- an wie Hagen, Hagenow, Hagenbrunn.

Weitere Ortsnamen die auf einen ehemaligen Hagen hinweisen enthalten den Wortstamm -dörn- oder auch -dorn- siehe Dörna oder auch Dornum.

Märchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dornenhecke im Märchen Dornröschen weist ebenfalls auf einen Hagen hin.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Hag – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dietrich Rahn: Die Orts- und Flurnamen des Stadt- und Landkreises Greifswald. Ihre Entstehung und ihre Bedeutung für die Pommersche Heimatkunde, zugleich Dissertation, Universität Greifswald 1923, S. 18.