Hahndorf (Goslar)

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Hahndorf
Stadt Goslar
Wappen von Hahndorf
Koordinaten: 51° 57′ 25″ N, 10° 26′ 1″ O
Höhe: 222 m ü. NHN
Einwohner: 1525 (31. Dez. 2016)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 38644
Vorwahl: 05321
Hahndorf (Niedersachsen)
Hahndorf

Lage von Hahndorf in Niedersachsen

Hahndorf ist ein Ortsteil von Goslar im Landkreis Goslar in Niedersachsen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hahndorf liegt etwa 6 Kilometer nördlich vom Goslarer Stadtkern an den südlichen Ausläufern des Salzgitter-Höhenzuges im nördlichen Harzvorland. Zu Hahndorf gehören auch die östlich gelegene Kleinsthofsiedlung, das Gewerbegebiet Grauhof im Süden sowie das Klostergut Grauhof im Südosten.

Am westlichen Ortsrand von Hahndorf entspringt der Jerstedter Bach; nördlich des Dorfes verläuft der Süllbach. In Graufhof entspringt einer der beiden Quellbäche des Weddebachs, der in der Nähe des Guts Grauhof nacheinander den Waldteich, Pfahlteich und Mühlenteich durchfließt.

Nachbarorte sind Groß Döhren/Klein Döhren im Norden, Immenrode im Osten, die Stadt Goslar (mit Ortsteilen) im Süden, Jerstedt im Westen und Dörnten im Nordwesten.

Blick vom Kaiserturm auf dem Steinberg auf die Baßgeige und den Stadtteil Jürgenohl; im Hintergrund Jerstedt und Hahndorf

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1129 wurde der Ort Hahndorf als hanenthorp erstmals urkundlich erwähnt. Die erste Kirche wurde am 5. November 1133 vom Bischof Bernhard I. von Hildesheim geweiht.

Im Jahr 1523 wurde Hahndorf braunschweigisch. 1570 wurde die Reformation eingeführt. Ende 1625 fielen die Truppen Wallensteins im nördlichen Harzvorland ein, wobei es zu einem Kirchenbrechen in Hahndorf kam. 1643 wurde Hahndorf wieder hildesheimisch. Im Jahr 1664 zählte Hahndorf in der Kopfsteuerbeschreibung des Hochstifts Hildesheim 81 Einwohner. Nach dem Ende der Zugehörigkeit Hahndorfs zum Hochstift Hildesheim 1802 wurde ein Jahr später das Abhängigkeitsverhältnis der Hahndorfer Höfe vom Klostergut Riechenberg gelöst. Hahndorf gehörte ab 1807 zum Königreich Westphalen, bis im Jahr 1813 nach der Völkerschlacht von Leipzig die französische Herrschaft endete. 1815 kam das ehemalige Fürstbistum Hildesheim zum Königreich Hannover. Ab 1866 gehörte Hahndorf wie das gesamte Königreich Hannover zum Preußen.

Grauhof, etwa 1 km südlich des Dorfes gelegenen, erhielt ab 1875 Bahnanschluss. Später kreuzten sich hier die Bahnstrecken Vienenburg – Langelsheim und Hildesheim – Goslar; es entstand ein größerer Rangierbahnhof. Mit der Teilung Deutschlands verlor die Strecke Vienenburg – Langelsheim jedoch ihre Bedeutung. Diese Strecke wurde in den 1950er Jahren abgebaut und der Rangierbahnhof Grauhof stillgelegt. Bis in die 1990er Jahre blieb ein Gleisanschluss für die ansässigen Betriebe übrig.

Zum südlichen Gemeindegebiet Hahndorfs gehörte zwischen 1939 und 1945 das SS-Barackenlager Hahndorf, in dem kurz vor Kriegsende auch ein Außenlager des KZ Neuengamme untergebracht war.

An der Straße nach Immenrode entstand 1953/1954 die Kleinsthofsiedlung, die dazu beitragen sollte, mit bäuerlichen Nebenerwerbsstellen die angespannte Versorgungssituation in den Nachkriegsjahren zu lindern.

Zwischen 1958 und 1960 wurde in der Feldmark „In den Schlagackern“ nach Erdöl und Erdgas gebohrt. Ende 1960 war eine Tiefe von 2450 Metern erreicht, ohne jedoch das vermutete Erdöl zu finden.[2]

In den 1970er Jahren wurden die Mehrzweckhalle Hahndorf (1970), der Sportplatz (1975) und die Tennisplätze am Försterberg (1978) gebaut.[2]

Am 1. Juli 1972 wurde Hahndorf in die Kreisstadt Goslar eingegliedert.[3]

Bevölkerungsentwicklung
Entwicklung Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1821 312 1970 1167
1848 380 1972 1297
1885 400 1980 1664
1939 655 1994 1460
1943 1213 2009 1558
1950 1436 2011 1343
1955 1577 2014 1553
1961 1255 2016 1525
Die Zahlen von 1961 (6. Juni) und 1970 (27. Mai) entstammen den Volkszählungsergebnissen.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf kommunaler Ebene wird Hahndorf vom Rat der Stadt Goslar vertreten.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Wappens von Hahndorf stammt von dem in Isernhagen geborenen und später in Hannover lebenden Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der schon die Wappen von Großburgwedel, Mellendorf, Wunstorf und vielen anderen Ortschaften in der Region Hannover entworfen hat.[4] Der Rat der damaligen Gemeinde Hahndorf beschloss am 20. April 1948 die Einführung eines Siegelabdruckes der Försterbergbuche für ihr Wappen. Dieser Beschluss wurde im Juni desselben Jahres durch den endgültigen Hahn-Entwurf überlagert. Die Genehmigung des Wappens wurde am 31. Mai 1949 durch den Niedersächsischen Minister des Innern erteilt.[5]

Wappen von Hahndorf (Goslar)
Blasonierung: „In Blau ein goldener Ständer mit einer Dreiblattspitze (Lebensbaum), belegt mit einem goldenen rechtsgewandten Wetterhahn.“[5]
Wappenbegründung: Das redende Wappen weist auf den am 1. Juli 1972 eingemeindeten Goslarer Ortsteil Hahndorf hin. Die abgebildete Dreiblattspitze ist zudem ein uraltes Motiv der Volkskunst und stellt einen Lebensbaum dar.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche St.-Kilians-Kirche wurde am 5. November 1133 geweiht. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche durch größere Umbauten Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts. Zu Ostern 1845 wurde die neue Orgel eingeweiht. Ursprünglich war die Kirche mit einem Gelände umgeben, auf dem die Toten bestattet werden konnten. Heute bedeckt nur noch grüner Rasen diesen früheren Friedhof.[6]

Rund um die Kirche finden sich im alten Ortskern noch heute zahlreiche Fachwerkhäuser.

Am Eingang des Friedhofs an der Försterbergstraße erinnert seit 1990 eine steinerne Gedenktafel an Henry Jens Sörensen, der am 20. Oktober 1944 als KZ-Häftling im SS-Barackenlager Hahndorf ums Leben kam, sowie an zwei weitere verstorbene Häftlinge aus dem Goslarer Außenlager des KZ Buchenwald.

Auf dem zu Hahndorf gehörenden Gut Grauhof im Südosten steht die Stiftskirche St. Georg.

Eine Besonderheit sind die „Hahnenbänke“, die an zahlreichen Stellen im Ort zu finden sind. Diese Sitzbänke mit zwei charakteristischen Hahnenköpfen werden seit 2008 von einer Initiative Hahndorfer Bürger aufgestellt.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Ecke Grubenweg/Weißer Weg steht eine alte, groß gewachsene Rosskastanie, die in die Liste der Naturdenkmäler im Landkreis Goslar aufgenommen ist.

Lange Zeit war die „Friedenseiche“, gepflanzt 1872 zur Erinnerung an den Friedensschluss des Deutsch-Französischen Krieges, ein Naturdenkmal und zugleich Wahrzeichen des Dorfes, bis der kranke Baum im Juli 1998 gefällt werden musste. Noch im gleichen Jahr wurde als Ersatz eine neue Eiche gepflanzt.[7]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Grauhof befindet sich das Brunnen-Museum mit alten Geräten, Maschinen und Dokumenten aus der Geschichte des „Harzer Grauhof“-Brunnens, welches zu üblichen Arbeitszeiten auf Anfrage besichtigt werden kann.[8]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vereinsleben im Ort wird geprägt durch die Freiwillige Feuerwehr Hahndorf, den Radballclub RC Germania Hahndorf, den Hahndorfer Tennisclub sowie den SV Hahndorf (mit den Sparten Fußball, Tischtennis, Gymnastik).

Im Mai 2014 durfte der RCG Hahndorf die Deutschen Meisterschaften im Hallenradsport der Jugend in der Sporthalle „Goldene Aue“ (in Goslar) ausrichten.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährlich gibt es ein Osterfeuer, das Mettessen des RCG Hahndorf (zu Pfingsten), das Jedermannturnier (Kleinfeld-Fußballtunier, im Sommer), einen Garagenflohmarkt (im Sommer) sowie das gemeinsame Weihnachtsbaumschmücken; darüber hinaus werden weitere Veranstaltungen von den Hahndorfer Vereinen ausgerichtet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hahndorf verfügt über eine Mehrzweckhalle, ein kirchliches Gemeindehaus, einen Sportplatz, einen Tennisplatz sowie einen Reiterhof. Weiterhin gibt es ein Restaurant, einen Backshop, einen Tierarzt sowie einen Allgemeinmediziner. Im Ortsteil Grauhof sind einige mittelständische Unternehmen angesiedelt.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort befinden sich ein Kindergarten und eine gemeinsame Grundschule mit Jerstedt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vier großen Hahndorfer Straßen führen nach Jerstedt (Anschluss an die Bundesstraße 6), Groß Döhren, Immenrode (Anschluss an die Bundesstraße 82) und Goslar. Nächstgelegene Autobahn ist die A 395 bei Vienenburg.

Im Westen von Hahndorf verläuft die Bahnstrecke Hildesheim–Goslar, einen Haltepunkt besitzt Hahndorf jedoch heute nicht mehr. Nächstgelegener Bahnhof ist der Bahnhof Goslar. Über eine Stadtbus-Linie ist Hahndorf an die Innenstadt Goslars und den Bahnhof angebunden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die mit dem Ortsteil in Verbindung stehen
  • Walter Krämer (* 1892–1941), Politiker (KPD); KZ-Häftling, in einem Steinbruch bei Hahndorf von der SS erschossen.
  • Sigmar Gabriel (* 1959), Politiker (SPD); Parteivorsitzender, Stellvertreter der Bundeskanzlerin, zwischen Dezember 2013 und Januar 2017 Bundesminister für Wirtschaft und Energie, seit Januar 2017 Außenminister. Gabriel wohnt in der Kleinsthofsiedlung bei Hahndorf.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hahndorf – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Standortdaten & Statistik Stadt Goslar. In: Internetseite der Stadt Goslar. 31. Dezember 2016, abgerufen am 29. Januar 2018.
  2. a b Chronik von Hahndorf. In: Internetseite der Arbeitsgemeinschaft Hahndorf. Abgerufen am 29. Januar 2018.
  3. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 266.
  4. Landkreis Hannover: Wappenbuch Landkreis Hannover. Im Selbstverlag des Autors veröffentlicht, Hannover 1985.
  5. a b Arnold Rabbow: Braunschweigisches Wappenbuch – Mit Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Eckensberger & Co, Braunschweig 1977, S. 44.
  6. Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Kilian Hahndorf. In: Internetseite der Kirchengemeinde. Abgerufen am 29. Januar 2018.
  7. Wolfgang Janz: Geschichte und Geschichten aus Hahndorf am Harz. Hrsg.: Bernd Sternal. Band 1. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8391-3779-6.
  8. Grauhof Brunnen-Museum. In: Internetseite des Harzer Grauhof-Brunnens. Abgerufen am 29. Januar 2018.