Hahndorf (Goslar)

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Hahndorf
Stadt Goslar
Wappen der ehemaligen Gemeinde Hahndorf
Koordinaten: 51° 57′ 25″ N, 10° 26′ 1″ O
Höhe: 222 m
Einwohner: 1547 (31. Dez. 2015)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 38644
Vorwahl: 05321
Hahndorf (Niedersachsen)
Hahndorf

Lage von Hahndorf in Niedersachsen

Blick vom Kaiserturm auf dem Steinberg auf die Baßgeige und den Stadtteil Jürgenohl. Im Hintergrund Jerstedt und Hahndorf.
Blick vom Kaiserturm auf dem Steinberg auf die Baßgeige und den Stadtteil Jürgenohl. Im Hintergrund Jerstedt und Hahndorf.

Hahndorf ist ein Stadtteil von Goslar im Landkreis Goslar in Niedersachsen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hahndorf liegt etwa 6 Kilometer nördlich vom Goslarer Stadtkern an den südlichen Ausläufern des Salzgitter-Höhenzuges im nördlichen Harzvorland. Zu Hahndorf gehören auch die östlich gelegene Kleinsthofsiedlung, das Gewerbegebiet Grauhof im Süden sowie das Klostergut Grauhof im Südosten.

Am westlichen Ortsrand von Hahndorf entspringt der Jerstedter Bach. In Graufhof entspringt einer der beiden Quellbäche des Weddebachs, der in der Nähe des Guts Grauhof nacheinander den Waldteich, Pfahlteich und Mühlenteich durchfließt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1129 wurde der Ort Hahndorf als hanenthorp erstmals urkundlich erwähnt. Die erste Kirche wurde am 5. November 1133 vom Bischof Bernhard I. von Hildesheim geweiht.

Im Jahr 1523 wurde Hahndorf braunschweigisch. 1570 wurde die Reformation eingeführt. Ende 1625 fielen die Truppen Wallensteins im nördlichen Harzvorland ein, wobei es zu einem Kirchenbrechen in Hahndorf kam. 1643 wurde Hahndorf wieder hildesheimisch. Im Jahr 1664 zählte Hahndorf in der Kopfsteuerbeschreibung des Hochstifts Hildesheim 81 Einwohner. Nach dem Ende der Zugehörigkeit Hahndorfs zum Hochstift Hildesheim 1802 wurde ein Jahr später das Abhängigkeitsverhältnis der Hahndorfer Höfe vom Klostergut Riechenberg gelöst. Hahndorf gehörte ab 1807 zum Königreich Westphalen, bis im Jahr 1813 nach der Völkerschlacht von Leipzig die französische Herrschaft endete. 1815 kam das ehemalige Fürstbistum Hildesheim zum Königreich Hannover. Ab 1866 gehörte Hahndorf wie das gesamte Königreich Hannover zum Preußen.

Grauhof, etwa 1 km südlich des Dorfes gelegenen, erhielt ab 1875 Bahnanschluss. Später kreuzten sich hier die Bahnstrecken Vienenburg – Langelsheim und Hildesheim – Goslar; es entstand ein größerer Rangierbahnhof. Mit der Teilung Deutschlands verlor die Strecke Vienenburg – Langelsheim jedoch ihre Bedeutung. Diese Strecke wurde in den 1950er Jahren abgebaut und der Rangierbahnhof Grauhof stillgelegt.

Zum südlichen Gemeindegebiet Hahndorfs gehörte zwischen 1939 und 1945 das SS-Barackenlager Hahndorf, in dem kurz vor Kriegsende auch ein Außenlager des KZ Neuengamme untergebracht war.

An der Straße nach Immenrode entstand 1953/1954 die Kleinsthofsiedlung, die dazu beitragen sollte, mit bäuerlichen Nebenerwerbsstellen die angespannte Versorgungssituation in den Nachkriegsjahren zu lindern.

Am 1. Juli 1972 wurde Hahndorf in die Kreisstadt Goslar eingegliedert.[2]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zahlen von 1961 (6. Juni) und 1970 (27. Mai) entstammen den Volkszählungsergebnissen.[2]

1821 1848 1885 1939 1943 1950 1955 1961 1970 1972 1980 1994 2009 2011 2014
312 380 348 655 1213 1436 1577 1255 1167 1297 1664 1460 1558 1343 1553

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Wappens von Hahndorf stammt von dem in Isernhagen geborenen und später in Hannover lebenden Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der schon die Wappen von Großburgwedel, Mellendorf, Wunstorf und vielen anderen Ortschaften in der Region Hannover entworfen hat.[3] Der Rat der damaligen Gemeinde Hahndorf beschloss am 20. April 1948 die Einführung eines Siegelabdruckes der Försterbergbuche für ihr Wappen. Dieser Beschluss wurde im Juni desselben Jahres durch den endgültigen Hahn-Entwurf überlagert. Die Genehmigung des Wappens wurde am 31. Mai 1949 durch den Niedersächsischen Minister des Innern Richard Borowski erteilt.[4]

Wappen von Hahndorf (Goslar)
Blasonierung: „In Blau ein goldener Ständer mit einer Dreiblattspitze (Lebensbaum), belegt mit einem goldenen rechtsgewandten Wetterhahn.“
Wappenbegründung: Das redende Wappen weist auf den am 1. Juli 1972 eingemeindeten Goslarer Stadtteil Hahndorf hin. Die abgebildete Dreiblattspitze ist zudem ein uraltes Motiv der Volkskunst und stellt einen Lebensbaum dar.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche St.-Kilians-Kirche wurde am 5. November 1133 geweiht; ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche durch größere Umbauten Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts. Zu Ostern 1845 wurde die neue Orgel eingeweiht. Ursprünglich war die Kirche mit einem Gelände umgeben, auf dem die Toten bestattet werden konnten. Heute bedeckt nur noch grüner Rasen diesen früheren Friedhof.[5]

Rund um die Kirche finden sich im alten Ortskern noch heute zahlreiche Fachwerkhäuser.

Am Eingang des Friedhofs an der Försterbergstraße erinnert seit 1990 eine steinerne Gedenktafel an Henry Jens Sörensen, der am 20. Oktober 1944 als KZ-Häftling im SS-Barackenlager Hahndorf ums Leben kam, sowie an zwei weitere verstorbene Häftlinge aus dem Goslarer Außenlager des KZ Buchenwald.

Auf dem zu Hahndorf gehörenden Gut Grauhof im Südosten steht die Stiftskirche St. Georg.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Ecke Grubenweg/Weißer Weg steht eine alte, groß gewachsene Rosskastanie, die in die Liste der Naturdenkmäler im Landkreis Goslar aufgenommen ist.

Lange Zeit war die "Friedenseiche", gepflanzt 1872 zur Erinnerung an den Friedensschluss des Deutsch-Französischen Krieges, ein Naturdenkmal und zugleich Wahrzeichen des Dorfes, bis der kranke Baum im Juli 1998 gefällt werden musste. Noch im gleichen Jahr wurde als Ersatz eine neue Eiche gepflanzt.[6]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Grauhof befindet sich das Brunnen-Museum mit alten Geräten, Maschinen und Dokumenten aus der Geschichte des "Harzer Grauhof"-Brunnens, welches zu üblichen Arbeitszeiten auf Anfrage besichtigt werden kann.[7]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vereinsleben im Ort wird geprägt durch die Freiwillige Feuerwehr Hahndorf, den Radballclub RC Germania Hahndorf, den Hahndorfer Tennisclub sowie den SV Hahndorf (mit den Sparten Fußball, Tischtennis, Gymnastik).

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hahndorf gibt es nur einen Backshop. Nahversorgung und Gastronomie sind geschlossen. Hahndorf verfügt über eine Mehrzweckhalle, ein kirchliches Gemeindehaus, einen Sportplatz, einen Tennisplatz sowie einen Reiterhof. Weiterhin gibt es einen Tierarzt sowie einen Allgemeinmediziner.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort befinden sich ein Kindergarten und eine gemeinsame Grundschule mit Jerstedt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vier größten Hahndorfer Straßen führen nach Jerstedt (Anschluss an die Bundesstraße 6), Groß Döhren, Immenrode (Anschluss an die Bundesstraße 82) und Goslar. Nächstgelege Autobahn ist die A 395 bei Vienenburg.

Im Westen von Hahndorf verläuft die Bahnstrecke Hildesheim–Goslar, einen Haltepunkt besitzt Hahndorf jedoch heute nicht mehr. Nächstgelegener Bahnhof ist der Bahnhof Goslar. Über eine Stadtbus-Linie ist Hahndorf an die Innenstadt Goslars und den Bahnhof angebunden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Krämer (* 21. Juni 1892 in Siegen; † 6. November 1941 in Hahndorf), deutscher Politiker (KPD); KZ-Häftling, in einem Steinbruch bei Hahndorf von der SS erschossen.
  • Sigmar Gabriel (* 12. September 1959 in Goslar), deutscher Politiker (SPD); SPD-Parteivorsitzender, Stellvertreter der Bundeskanzlerin, zwischen Dezember 2013 und Januar 2017 Bundesminister für Wirtschaft und Energie, seit Januar 2017 Außenminister. Gabriel wohnt in der Kleinsthofsiedlung bei Hahndorf.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hahndorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.goslar.de/wirtschaft/wirtschaftsstandort Standortdaten & Statistik Stadt Goslar.
  2. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 266.
  3. Landkreis Hannover: Wappenbuch Landkreis Hannover. Im Selbstverlag des Autors veröffentlicht, Hannover 1985
  4. Arnold Rabbow: Braunschweigisches Wappenbuch - Mit Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Verlag: Eckensberger & Co, Braunschweig 1977
  5. Kirchengemeinde St. Kilian Hahndorf
  6. Janz, Wolfgang (2010): Hahndorfer Geschichten & Geschichte, Band 1.
  7. Grauhof Brunnen-Museum