Haidmühle

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Wappen Deutschlandkarte
Haidmühle
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Haidmühle hervorgehoben

Koordinaten: 48° 50′ N, 13° 47′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Freyung-Grafenau
Höhe: 831 m ü. NHN
Fläche: 21,03 km2
Einwohner: 1319 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 63 Einwohner je km2
Postleitzahl: 94145
Vorwahl: 08556
Kfz-Kennzeichen: FRG, GRA, WOS
Gemeindeschlüssel: 09 2 72 122
Gemeindegliederung: 13 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dreisesselstr. 12
94145 Haidmühle
Website: haidmuehle.eu
Erster Bürgermeister: Heinz Scheibenzuber
Lage der Gemeinde Haidmühle im Landkreis Freyung-Grafenau
Landkreis RegenLandkreis DeggendorfLandkreis PassauSchöfwegWaldhäuserwaldSchönbrunner WaldSchlichtenberger WaldSankt OswaldPleckensteiner WaldPhilippsreuter WaldMauther ForstSpiegelauGraineter WaldAnnathaler WaldZentingWaldkirchenThurmansbangSpiegelauSchönberg (Niederbayern)NeuschönauSankt Oswald-RiedlhütteSaldenburgRöhrnbachRingelaiPhilippsreutPerlesreutNeureichenauMauthJandelsbrunnInnernzellHohenau (Niederbayern)HinterschmidingGrainetGrafenau (Niederbayern)FürsteneckFreyungEppenschlagSchöfwegLeopoldsreuter WaldFrauenberger und Duschlberger WaldHaidmühleÖsterreichTschechienKarte
Über dieses Bild

Haidmühle ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau und ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Haidel auf Haidmühle

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der Region Donau-Wald an der Kalten Moldau im Bayerischen Wald, direkt an der Grenze zu Tschechien an der Glasstraße. Haidmühle befindet sich 25 km von Freyung, 24 km von Waldkirchen und 20 km von der Grenze zu Österreich entfernt. Zusammen mit Philippsreut ist Haidmühle die einzige Gemeinde im Landkreis Freyung-Grafenau, die nur an gemeindefreie Gebiete bzw. Staatsforsten und an Tschechien grenzt, also keine Grenze zu einer anderen Gemeinde hat.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2][3]

Es gibt die Gemarkungen Bischofsreut, Philippsreut und Frauenberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heute namensgebende Gemeindeteil Haidmühle wurde 1770 gegründet und ist daher eine der jüngsten Siedlungen im Landkreis Freyung-Grafenau – entstanden durch die Errichtung einer Mühle. Bereits seit dem 15. Jahrhundert führte ein Weg, der sogenannte Haidweg von Fürholz her zur „großen Haid“ und weiter durch das Tal der Kalten Moldau nach Wallern und Krummau in Böhmen.[4] Der Ortsteil Frauenberg ist eine dicht am Berg Dreisessel gelegene Streusiedlung und bereits im Jahr 1724 entstanden. Das kleine Dorf gehörte bis 1765 zur österreichischen Herrschaft Rannariedl und wurde dann vom Passauer Fürstbischof Firmian mit den sieben künischen Dörfern zurückgekauft.[5] Durch den ältesten, 1705 zur Grenzsicherung gegründeten Ortsteil Bischofreut führt der alte Handelsweg Goldener Steig.

Haidmühle, im ehemaligen Hochstift Passau gelegen, wurde 1803 mit dem größten Teil des hochstiftlichen Gebietes zugunsten Ferdinands von Toskana säkularisiert und fiel erst 1805 mit den Friedensverträgen von Brünn und Preßburg an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau eines Eisenhammerwerkes 1840 und die Eröffnung der Bahnlinie Waldkirchen – Frauenberg – Haidmühle – Prachatitz 1910 führten zu einem wirtschaftlichen Aufschwung.

Um 1912 begann der Tourismus, wodurch Haidmühle einer der ältesten Tourismusorte im unteren Bayerischen Wald wurde[6]. Seit 1946 gehörte die ehemalige Glashüttensiedlung Schwarzenthal zur Gemeinde Bischofsreut, die 1978 zu Haidmühle kam.

Am 27. April 1951 wurde der Gemeindename Frauenberg amtlich in Haidmühle geändert.[7]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Mai 1978 wurde die Gemeinde Bischofsreut (ab dem 27. April 1951, vorher Leopoldsreut) eingegliedert.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 sank die Einwohnerzahl von 1511 auf 1324 um 187 Einwohner bzw. um 12,4 % – gemeinsam mit der Nachbargemeinde Philippsreuth der deutlichste Einwohnerrückgang im Landkreis im genannten Zeitraum.

  • 1961: 1954 Einwohner
  • 1970: 1778 Einwohner
  • 1987: 1526 Einwohner
  • 1991: 1574 Einwohner
  • 1995: 1544 Einwohner
  • 2000: 1512 Einwohner
  • 2005: 1506 Einwohner
  • 2010: 1404 Einwohner
  • 2015: 1341 Einwohner
  • 2019: 1319 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rathaus von Haidmühle

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat setzt sich seit der Kommunalwahl am 15. März 2020 wie folgt zusammen:

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenamtlicher Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2020 Heinz Scheibenzuber[9] (CSU/Freie Wählergemeinschaft).[10]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Haidmühle
Blasonierung: „Durch einen schmalen silbernen Wellenbalken geteilt von Rot und Blau; oben ein oberhalbes goldenes Mühlrad, unten aus dem Schildrand wachsend schräg gekreuzt ein goldener Eisenhammer und ein goldener Schlägel.“[11]

Dieses Wappen wird seit 1970 geführt.

Wappenbegründung: Der Wellenbalken und darüber das Mühlrad im oberen Feld reden für den Ortsnamen und stellen zusammen mit dem Hammerwerkssymbol im unteren Feld die Geschichte der Gemeinde bildlich dar. Eine Mühle an der Kalten Moldau, die sog. Firmiansmühle, bildete mit zwei Anwesen im 18. Jahrhundert die Keimzelle für die Entwicklung des Ortes an der Grenze zu Böhmen. 1838 wurde ein Eisenhammerwerk errichtet, das die Wasserkraft nutzte und Eisen zu Werkzeugen für das Handwerk und die Landwirtschaft verarbeitete. Schon 1863 musste der Hammer, der 1850 über 50 Arbeiter beschäftigte, wegen Unrentabilität schließen. Haidmühle wurde ein Holzhauerdorf mit drei Sägewerken und der erste Touristenort des Unteren Bayerischen Waldes. Die Farben Rot und Weiß verweisen auf die Zugehörigkeit zum Hochstift Passau bis zur Säkularisation 1803, die Farben Weiß und Blau auf die weitere Zugehörigkeit zu Bayern.

ILE Abteiland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist Mitglied der im April 2011 von 11 Kommunen gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Integrierte Ländliche Entwicklung Abteiland“ (ILE Abteiland), deren Ziel es ist, den Natur-, Kultur- und Wirtschaftsraum Abteiland als lebenswerte Heimat zu erhalten und zu gestalten.[12]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Pfarrkirche St. Maximilian

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das KulturLandschaftsMuseum bietet den Besuchern die Möglichkeit, bayer- und böhmerwaldtypische Relikte der Kulturlandschaft zu erleben. Dazu werden die kulturhistorisch bemerkenswerten Elemente wie beispielsweise Wässerwiesen, Allmendeweiden, Steinäcker und vieles mehr an ihrem ursprünglichen Platz in der Landschaft präsentiert und über vielfältig strukturierte Museumssteige verbunden.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Haidmühle finden jährlich internationale Schlittenhunderennen statt, so auch die Schlittenhunde-Weltmeisterschaft 2019.
  • Im Gemeindeteil Bischofsreut findet alle 2–3 Jahre das historische Festspiel Leopoldsreut statt.
  • In den Sommermonaten organisiert die Tourist-Info alle 2 Wochen eine Wanderung.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab 1998 im Bereich der Land- und Forstwirtschaft keine, im produzierenden Gewerbe 67 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 83 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 449. Im verarbeitenden Gewerbe gab es zwei Betriebe, im Bauhauptgewerbe keine Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 74 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 522 ha. Davon waren 3 ha Ackerfläche und 520 ha Dauergrünfläche.

Schild an der Grenze zu Nové Údolí

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof von Haidmühle war vor dem Ersten Weltkrieg an die Eisenbahn von Passau nach Budweis (Österreich-Ungarn) angebunden. Von Passau fuhr die Königlich Bayerische Staatseisenbahn über Waldkirchen nach Haidmühle (Bahnstrecke Passau–Freyung und Bahnstrecke Waldkirchen–Haidmühle); ab Haidmühle ging es weiter mit den kaiserlich-königlichen österreichischen Staatseisenbahnen über Neuthal und Wallern in Richtung Budweis (Bahnstrecke Číčenice–Haidmühle). 1945 endete der grenzüberschreitende Verkehr. Bis 1963 fuhren noch Personenzüge nach Waldkirchen; der Güterverkehr wurde schließlich 1975 oberhalb Jandelsbrunn stillgelegt. Die Strecke wurde abgebaut. Auf einem Teil der Trasse befindet sich das Klärwerk von Haidmühle. Wenige Meter vom Ort entfernt ist der Grenzübergang Nové Údolí (Neuthal) nach Stožec (Tusset), der für Fußgänger und Radfahrer geöffnet ist. Hier endet direkt am Grenzübergang auf tschechischer Seite die Bahnstrecke Passau–Prachatice (Prachatitz), die von Regionalzügen nach Volary (Wallern) befahren wird. Ein Teil der Strecke ist als Museumsbahn (Pošumavská jižní dráha) in Betrieb.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2012):

  • Kindergarten: 50 Kindergartenplätze bei 32 betreuten Kindern, davon 2 unter drei Jahren
  • Grundschule: 4 Lehrer und 57 Schüler in 3 Klassen[13]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Juli 2014 gibt es das Nachrichten-, Kultur- und Kommunikationsportal www.haibischl.de, das ehrenamtlich betrieben wird.

Internationale Messstationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Sulzberg, nordwestlich von Haidmühle, befinden sich zwei Messstationen des IMS (International Monitoring System) zur Überwachung des Kernwaffenteststopp-Vertrages. Dabei handelt es sich um die Seismische Primärstation GERES (PS19). Mit ihr werden seismische Wellen, die durch Erdbeben und Explosionen entstehen und sich im Erdinneren ausbreiten, gemessen.[14]

Die Messstation I26DE (IS26) dient zur Messung von Druckwellen unterhalb des hörbaren Frequenzbereiches (Infraschall), die durch Explosionen oder andere künstliche oder natürliche Vorgange in der Atmosphäre entstehen und sich dann über große Entfernungen ausbreiten.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Haidmühle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Haidmühle – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-001 Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Haidmühle in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 12. August 2020.
  3. Gemeinde Haidmühle, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 24. Dezember 2021.
  4. Touristinfo Haidmuehle: Haidmühle. In: www.haidmuehle.eu. Abgerufen am 7. Oktober 2016.
  5. ebd.
  6. Touristinfo Haidmuehle: Haidmühle. In: www.haidmuehle.eu. Abgerufen am 7. Oktober 2016.
  7. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 596 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 628.
  9. Rathaus. Gemeinde Haidmühle, abgerufen am 12. August 2020.
  10. Bürgermeister/Oberbürgermeister in kreisangehörigen Gemeinden (Stand: 01.05.2020). (xlsx) Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen am 12. Juni 2020.
  11. Eintrag zum Wappen von Haidmühle in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  12. Entstehung von ILE Abteiland, abgerufen am 25. April 2020.
  13. Bay. Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung: Statistik Kommunal 2012
  14. Deutsche IMS-Station: Seismische Primärstation GERES (PS19). In: bgr.bund.de. Abgerufen am 3. November 2019.
  15. Deutsche IMS-Station: Infraschallstation I26DE (IS26). In: bgr.bund.de. Abgerufen am 3. November 2019.