Hainichen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hainichen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Hainichen
Hainichen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Hainichen hervorgehoben
Koordinaten: 50° 58′ N, 13° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Mittelsachsen
Höhe: 304 m ü. NHN
Fläche: 51,57 km²
Einwohner: 8711 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 169 Einwohner je km²
Postleitzahl: 09661
Vorwahl: 037207
Kfz-Kennzeichen: FG, BED, DL, FLÖ, HC, MW, RL
Gemeindeschlüssel: 14 5 22 230
Stadtgliederung: 9 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
09661 Hainichen
Webpräsenz: www.hainichen.de
Bürgermeister: Dieter Greysinger (SPD)
Lage der Stadt Hainichen im Landkreis Mittelsachsen
Altmittweida Augustusburg Bobritzsch-Hilbersdorf Brand-Erbisdorf Burgstädt Claußnitz Döbeln Dorfchemnitz Eppendorf Erlau (Sachsen) Flöha Frankenberg/Sa. Frauenstein (Erzgebirge) Freiberg Geringswalde Großhartmannsdorf Großschirma Großweitzschen Hainichen Halsbrücke Hartha Hartmannsdorf (bei Chemnitz) Königsfeld (Sachsen) Königshain-Wiederau Kriebstein Leisnig Leubsdorf (Sachsen) Lichtenau (Sachsen) Lichtenberg/Erzgeb. Lunzenau Mittweida Mühlau (Sachsen) Mulda/Sa. Neuhausen/Erzgeb. Niederwiesa Oberschöna Oederan Ostrau (Sachsen) Penig Rechenberg-Bienenmühle Reinsberg (Sachsen) Rochlitz Rossau (Sachsen) Roßwein Sayda Seelitz Striegistal Taura Waldheim Wechselburg Weißenborn/Erzgeb. Zettlitz Zschaitz-Ottewig SachsenKarte
Über dieses Bild

Hainichen ist eine sächsische Kleinstadt mit knapp 9000 Einwohnern im Zentrum des Landkreises Mittelsachsen. Sie befindet sich 26 Kilometer nordöstlich von Chemnitz, 66 Kilometer südöstlich von Leipzig, 44 Kilometer westlich von Dresden, 17 Kilometer nordwestlich von Freiberg an der Kleinen Striegis.

Im Jahre 1276 erstmals urkundlich erwähnt, erlangte die Stadt durch die Herstellung von Tuchen überregionale Bedeutung. Von 1933 bis 1990 spielte die Automobilindustrie (Framo, Barkas) eine wichtige Rolle, seit 1990 dominiert ein Automobilzulieferer.

Hainichen ist Geburtsort des Hochschullehrers und Fabeldichters Christian Fürchtegott Gellert, des Mineralogen Christlieb Ehregott Gellert sowie des Erfinders des Holzschliffes, Friedrich Gottlob Keller. Die Stadt wird daher auch Gellertstadt genannt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markt Hainichen

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rossau (Sachsen) Rossau (Sachsen) Striegistal
Frankenberg/Sa. Nachbargemeinden Striegistal
Frankenberg/Sa. Oederan Oberschöna

Alle Nachbargemeinden befinden sich im Landkreis Mittelsachsen

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Hainichen gehören die Ortsteile:

  • Bockendorf
  • Cunnersdorf
  • Eulendorf
  • Falkenau
  • Gersdorf
  • Hainichen
  • Riechberg
  • Siegfried
  • Schlegel.[2]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hainichen und Ortsteile

Hainichen liegt an der Kleinen Striegis.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hainichen liegt im Nordosten der Vorerzgebirgs-Senke, welche Steinkohleflöze sowie Sand- und Tonvorkommen enthält. Es handelt sich dabei um ein intramontanes Sedimentbecken, welches im Unterkarbon herausgebildet wurde.

Der Lehm wurde bis 2008 abgebaut und zu Ziegeln gebrannt. Die Steinkohlevorkommen stellten sich als nicht abbauwürdig heraus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Gründung bis 1800[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Darstellung von Webern

Hainichen wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von fränkischen Siedlern als Waldhufendorf gegründet und im Jahr 1276 erstmals urkundlich als Marktflecken villa forensis Heynichen erwähnt.[3] In einer Urkunde aus dem Jahr 1282 liest man „…Frankenberg et Haynnechyn opida nostra…“ hier wird Hainichen, zusammen mit der Nachbarstadt Frankenberg als Stadt bezeichnet.[4]

Wappen der Familie von Schönberg

Als Besitzer Hainichens wird erstmals 1283 die Familie von Honsberg (Arnsdorf) genannt. Diese Familie besaß die Stadt nachweislich bis ins Jahr 1435.[5] Kurz darauf ging der Besitz in die Familie von Maltitz über, die Hainichen aber bereits 1446 an die Familie von Schönberg verkaufte.[6][3][7][8]

Die Grundherrschaft einschließlich der Patrimonialgerichtsbarkeit oblag dem Rittergut Oberschöna und später dem Rittergut Wingendorf.[9][10] Am 1. Februar 1851 erhielt Hainichen städtische Rechte und die Gerichtsherrschaft ging auf den sächsischen Staat über.[3][10]

Die Grundherrschaft der späteren Ortsteile Berthelsdorf, Bockendorf, Crumbach, Cunnersdorf, Eulendorf, Riechberg und Schlegel besaß hingegen das 1162 gestiftete Zisterzienser-Kloster Altzelle (später: Amt Nossen), während Hainichen als Exklave zum Rittergut Wingendorf (Kreisamt Freiberg) gehörte. Ottendorf, Falkenau und Gersdorf bei Hainichen gehörten zu keiner Zeit zum Kloster, sie unterstanden als Exklaven der Herrschaft Arnsdorf (Amt Leisnig).[11]

Tuchmacher und Leineweber prägten schon zeitig die Stadt, wovon heute noch die Spülgasse oder der Rahmenberg künden. Der Innungsartikel der Tuchmacher wird 1481 von Caspar von Schönberg ausgestellt.[12] 1784 wurde das Innungshaus der Tuchmacher, das heute im städtischen Besitz befindliche Tuchmacherhaus, gebaut.

Der Gasthof „Goldener Löwe“ wurde 1586 erstmals erwähnt.[3]

1607 fallen 682 Mitglieder der Kirchgemeinde der Pest zum Opfer.[3] 1644 werden bei einem Stadtbrand „70 Häuser, Rathaus, Kirche, Pfarrhaus und Schule“ zerstört.[3] Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) sind in Hainichen preußische bzw. österreichische Truppen zu Kosten der Stadt untergebracht.[3]

1800 bis 1933[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht um 1839
Technikum

Am 23. April des Jahres 1800 wurde Hainichen von einem Tornado der höchsten Klasse F5 (nach der Fujita-Skala) heimgesucht und ist damit einer der beiden einzigen bisher bekannten F5-Fälle in Deutschland. Ein großer Stadtbrand am 14. Juli 1832 vernichtete „194 Wohnhäuser, 130 Hintergebäude, die Schule, das Rathaus und das Hospital“.[3][7] Beim Wiederaufbau der Häuser am Markt entstanden die charakteristischen Heisten.

Eine Gellertstiftung für Arme wurde 1815 gegründet.[13] Diese betrieb ab 1859 das Gellert-Kinderheim (oberer Stadtgraben 1). 1871 wurde dieses geschlossen und das Kapital dem Stadtrat übergeben.[14]

1838 wurde die Aktiengesellschaft Hainichener Steinkohlenbauverein gegründet aber bereits 1842 wieder aufgelöst. 1849 wurde der Hainichener Steinkohlenbau-Aktienverein ins Leben gerufen, der sich 1853/54 ebenfalls wieder auflöste. Ein Steinkohlenbergbauverein in Berthelsdorf wurde 1857 gegründet. Der Zeitpunkt der Auflösung ist hier nicht belegt. Insgesamt stellten sich die Steinkohlevorkommen in Hainichen als nicht abbauwürdig heraus.[15]

Mit dem Ende der Schönbergschen Patrimonialgerichtsbarkeit wurde am 1. Februar 1851 die Gerichtsbarkeit auf das Königlichen Gericht Hainichen übertragen. Diesem folgte das Gerichtsamt Hainichen. Das heutige Amtsgerichtsgebäude wurde 1878 in der Gerichtsstrasse 26 errichtet. 1879 wurde das Gerichtsamt in das Amtsgericht Hainichen umgewandelt.

Am 14. Juli 1870 erfolgte die amtliche Festlegung der Schreibweise Hainichen für den Stadtnamen.[3] Vorherige Schreibweisen waren Heynichen (1276), Heynnechyn (1282), Heynchin (1335), Heinchin, Henichin (1350), Heynichen (1473), Hähnichen (1721) und Haynichen (1791).[9]

Um 1859 wird Hainichen als „Amts- u. Fabrikstadt“ bezeichnet und verfügt über Woll-, Baumwoll- und Leinenspinnereien, Putzwarenfabriken, eine Gerberei sowie Wollhandel.[8] Hainichen erlangte europaweite Berühmtheit für die Qualität seiner Flanell- und Friesstoffe.[13]

Die industrielle Entwicklung von Hainichen wurde durch die Bahnstrecke Roßwein–Niederwiesa begünstigt. Das Teilstück Niederwiesa–Frankenberg–Hainichen wurde 1869 eröffnet und 1874 bis nach Roßwein erweitert.[3]Eine weitere Bahnstrecke von Hainichen nach Freiberg wurde von Hainichen gefordert und 1900 sowie 1912 im Landtag diskutiert aber nie realisiert.[16]

Um 1885 bestanden 22 Spinnereien, 2000 Webstühle, Färbereien und Bleichen sowie Leder-, Lederlack-, Chenille- und Plüschfabriken.[17]

Vom 4. November 1900 bis zum 1. April 1934 war Hainichen Heimat eines Technikums, an dem bis zu 400 Studenten Maschinenbau bzw. Elektrotechnik hörten.[18]

Seit 1933 ist die Automobilindustrie ein bedeutender Wirtschaftszweig in Hainichen. In diesem Jahr wurde die Kleinlastwagenproduktion der Framo-Werke aus der Nachbarstadt Frankenberg nach Hainichen verlegt. Framo bezog das Gebäude der in Konkurs geratenen Wollhaarkämmerei und Spinnerei des Nordwolle-Konzerns.[19]

1933 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Framo-Logo

Von 4. April bis 13. Juni 1933 befand sich ein Internierungslager (frühes KZ) der SA im Volks- und Sportheim in der Oederaner Straße.[20] Ca. 200 bis 300 Männer durchliefen dieses Lager. Interniert wurden Sympathisanten, Mitglieder und Funktionäre linker Parteien. Die Häftlinge wurden anschließend nach KZ Sachsenburg und Schloss Colditz verbracht.

Ein Frauen-Außenlager des KZ Flossenbürg wurde vom 2. September 1944 bis 30. April 1945 betrieben.[21] Die 500 jüdischen Frauen aus Ungarn und Polen waren in der Frankenberger Straße (ehemalige Nadelfabrik) untergebracht und mussten in der Gottlob-Keller-Straße (Framo-Werke) Zwangsarbeit verrichten.[22] Berichte über eine brutale Oberaufseherin liegen vor.[23] Mindestens zwanzig KZ-Häftlinge lassen ihr Leben in Hainichen (siehe Gedenkstätten). Die Häftlinge wurden im April 1945 in das KZ Theresienstadt verbracht.[24] Im Frühjahr 1945 bestand ein Lager der SS im Goßberger Wald für ca. 1500 weibliche Häftlinge.[3] Dazu kamen weitere Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern (insbesondere Frankreich und Serbien) als Zwangsarbeiter, von denen viele in der Landwirtschaft arbeiteten.[23] Mindestens vier Zwangsarbeiter verstarben in Hainichen (siehe Gedenkstätten).

Seit Ende 1944 trafen Heimatvertriebene aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches in Hainichen ein. Sie wurden im Hotel 'Goldener Löwe' untergebracht und anschließend auf Hainichener Familien aufgeteilt.[23] Infolge der Ankunft der Heimatvertriebenen erreichte die Einwohnerzahl ihren Höchststand. Noch heute leben viele Schlesier und Ostpreußen in Hainichen.

Am 8. Mai 1945 wurde Hainichen von sowjetischen Panzern befreit.[3]

1945 wurden tatsächliche und vermeintliche Nationalsozialisten aus Hainichen und Jugendliche, denen die Mitgliedschaft in den Werwölfen vorgeworfen wurden, im NKWD-Internierungslager Toszek und Speziallager Nr. 1 Mühlberg interniert.[23] Der Geschäftsführer der Framo-Werke, Hans Rasmussen, verstirbt unter anderem in Toszek.[19][25]

1945 bis 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Barkas vermarkteter V 901 (vormals Framo V 901)
Barkas B 1000 in einer Feuerwehrausführung

Die Framo-Werke wurden als Reparationsleistung vollständig demontiert. Alle Produktionseinrichtungen wurden in die Sowjetunion verbracht. 1946 beginnt die Produktion von Haushaltsgütern wie Töpfen, Handwagen, Kartoffelkörben und KFZ-Ersatzteilen, unter anderem aus Granatenrohlingen, die gegen Kriegsende noch auf dem Hainichener Bahnhof lagerten.[19][23] 1949 erfolgte die Wiederaufnahme der Fahrzeugproduktion. 1957 entstanden aus den Framo-Werken der VEB Barkas-Werke. Von 1961 bis 1991 wurden in Hainichen Kleinlasttransporter und Minibusse der Marke Barkas B 1000 produziert. In Hainichen befand sich die Endmontage, während die Rohkarosserie und Komponenten in Frankenberg und Chemnitz hergestellt wurden.

Hainichen war von 1952 bis 1990 Sitz der Verwaltungseinheit Kreis Hainichen im Bezirk Karl-Marx-Stadt der DDR.[9] Im Jahr 1985 fand die 800-Jahr-Feier statt.

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Am 7. Oktober 1989 fand nachmittags eine Demonstration von knapp 20 Jugendlichen statt, die von der Volkspolizei aufgelöst wurde.

Im Anschluss an eine Diskoveranstaltung kam es in der Nacht vom 7. zum 8. Oktober zu einer weiteren spontanen Demonstration von zunächst etwa 150 Personen, die auf der Gellertstraße gewaltsam von der Volkspolizei aufgelöst wurde. Etwa 30 bis 40 Personen wurden verhaftet und im Speisesaal des Ziegelwerkes unter menschenunwürdigen Umständen festgehalten. Mindestens 7 Personen wurden in das Gefängnis auf dem Kaßberg in Karl-Marx-Stadt überführt. Aufgrund des anhaltenden Druckes durch die Bevölkerung kamen die Gefangenen am 12. und 13. Oktober 1989 wieder frei.

Am 2. November 1989 bildete sich in Hainichen eine Untersuchungskommission zu den Ereignissen des 7./8. Oktober 1989. Es wurden mindestens acht Anklagen gegen Angehörige der Deutschen Volkspolizei erhoben und vier Verurteilungen ausgesprochen.

Seit 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produktion des Barkas B 1000 wurde 1991 eingestellt. Der Maschinenpark wurde demontiert, aber die angestrebte Produktionsverlagerung nach China, Russland oder Litauen fand nicht statt.

Im Jahr 1994 wurde der Kreis Hainichen aufgelöst und Hainichen verlor den Status einer Kreisstadt. 1995 erregte der Fall des Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Hainichen Kurt Fischer für Aufsehen, der einer geplanten Entführung des Landrates Andreas Schramm für schuldig befunden wurde. Im Jahr 2005 wurde das Gellertgymnasium geschlossen.

2008 wurde die HWG, das kommunale Wohnungsunternehmen, mit 1.100 Wohnungen und circa 78.100 m² Wohnfläche an die Kommunale Wohnen AG verkauft. Der Verkaufspreis betrug schätzungsweise 3 bis 4 Millionen Euro bzw. 22 bis 24 Millionen Euro unter Berücksichtigung der Altschulden.[26] Dies entspricht ca. 20.000 bis 22.000 Euro pro Wohnung.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Berthelsdorf[27][28] 1. Juli 1950
Bockendorf[29] 1. Januar 1994
Crumbach[27][28] 1. Juli 1950
Cunnersdorf[29] 1. Januar 1994
Eulendorf[29] 1. Januar 1994
Falkenau[27] 1. Januar 1979 Eingemeindung nach Gersdorf
Gersdorf[29] 1. Januar 1994
Ottendorf[27][28] 1. Juli 1950
Riechberg (mit Siegfried)[29] 1. Januar 1994
Schlegel[29] 1. Januar 1999

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung von 1834 bis 2008 (schwarz, volle Kreise) und Prognose bis 2025 (grau, offene Kreise).[30] Einwohnerzahlen ab 1990 beziehen sich auf den Gebietsstand von 1999, also inklusive der später eingemeindeten Dörfer.

(ab 1960 Stichtag: 31. Dezember):

Jahr Einwohner
1551[9][31] ca. 680
1748[9][31] ca. 1.265
1806[32] ca. 2.427
1834[9] 4.623
1847, ca.[33] 5.580
1859, ca.[8] 6.140
1871[9] 8.331
Jahr Einwohner
1885[17] 8.053
1890[9] 8.260
1900[34] 7.932
1910[9] 7.862
1925[9] 7.809
1933 8.047
1939[9] 8.004
Jahr Einwohner
1946[9] 8.875
1950[9] 11.984
1960 11.188
1964[9] 11.467
1990[2] 9.149
1991[2] 9.100
1992[2] 9.073
Jahr Einwohner
1993[2] 8.936
1994[2] 10.461
1995[2] 10.359
1996[2] 10.294
1997[2] 10.185
1998[2] 10.018
1999[2] 10.266
Jahr Einwohner
2000[2] 10.061
2001[2] 9.888
2002[2] 9.744
2003[2] 9.628
2004[2] 9.554
2005[2] 9.502
2006[2] 9.314
Jahr Einwohner
2007[2] 9.236
2008[2] 9.131
2009[2] 8.972
2010[2] 8.876
2012[2] 8.714

Hainichen ist eine schrumpfende Stadt mit einem Geburtendefizit und einem Migrationsdefizit. Unter Berücksichtigung der später eingemeindeten Ortsteile (1.842 Einwohner im Jahr 1990[35]) hat Hainichen von 1990 bis 2008 17 % seiner Einwohner verloren. Gemäß dem Demographiebericht der Bertelsmann-Stiftung wird die Stadt 2025 nur noch ca. 7.500 Einwohner zählen.[30] Dies entspricht einer Verringerung um 31 % (unter Berücksichtigung der Eingemeindungen) im Vergleich zu 1990.

Bevölkerungspyramide von Hainichen 2006 und 2025 nach einer Prognose der Bertelsmann-Stiftung
Jahr Prognose Bertelsmann Stiftung[30] Prognose Stat. Landesamt[36]
2010 8.902 9.000 bis 9.100
2015 8.438
2020 7.999 8.200 bis 8.500
2025 7.554

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche
Katholische Kirche

Hainichen ist traditionell protestantisch geprägt. 1925 waren 92 % der Bevölkerung evangelisch und 2 % katholisch.[9] Weiterhin gab es 1925 eine kleine jüdische Gemeinde von 14 Personen.[9] Hainichen verfügt über zwei Kirchen. Die Trinitatis-Kirche der evangelisch-lutherischen Gemeinde (erbaut 1899) sowie die Sankt Konrad Kirche (erbaut 1936) der katholischen Gemeinde.[37][38] Die Trinitatis-Kirche ist mit 72m das höchste Gebäude von Hainichen.[18] Die katholische Gemeinde gehört seit 2002 zur Pfarrei St. Laurentius Mittweida.[38] Seit 1993 besitzt Hainichen ein Familien- und Jugendzentrum von „Jugend mit einer Mission“.[39]

Eine Mehrheit der Hainichner ist heute konfessionell nicht gebunden wie ca. 75 % aller Bewohner von Sachsen.

Denkmäler und Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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  • Gellertdenkmal auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Das im Bronzeguss hergestellte Standbild des Philosophen entwarf der Dresdner Bildhauer Ernst Rietschel. Es wurde am 26. Oktober 1865 enthüllt.[18]
  • Gedenkanlage auf dem Karl-Marx-Platz für Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus aus Hainichen: Franz Hübsch, Max Curt Pötzscher, Alfred Kühn, Vikar Joseph Schwarz, Rudolf Papsdorf
  • Grabstätten auf dem Neuen Friedhof sowie ein Gedenkstein für vier namentlich genannte Zwangsarbeiter(innen)
  • Grabstätte und Gedenkstein auf dem Alten Friedhof für 16 jüdische Frauen-Häftlinge (darunter vier inzwischen namentlich ermittelt), die bei einem Todesmarsch aus den KZ-Außenlagern Leipzig-Schönefeld und Taucha im April 1945 von SS-Männern ermordet wurden
  • Auf dem Friedhof des Ortsteiles Berthelsdorf sind vier unbekannte KZ-Häftlinge, deren Leichen von SS-Angehörigen im April 1945 aus einem Transportzug aus einem Außenlager des KZ Flossenbürg geworfen wurden, begraben.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitzverteilung im Stadtrat

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Stand 2014)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieter Greysinger (SPD), seit dem 1. Dezember 2004

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • DeutschlandDeutschland Dorsten, Nordrhein-Westfalen

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gellert-Denkmal vor dem Hainichener Rathaus
Tuchmacherhaus

Hainichen weist ein Literaturmuseum zu Ehren von Gellert sowie eine von ungefähr 30 weltweit begehbaren Camera Obscuras auf.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Camera Obscura
  • Herfurthsches Haus
  • Trinitatiskirche von Gotthilf Ludwig Möckel
  • Tuchmacherhaus (Haus der Tuchmacherinnung, 1784 erbaut), heute als Schauweberei genutzt[18]
  • Parkschlößchen (1851/52 als Wohnhaus für Julius Hermann Werner errichtet; heute als Gellert-Museum genutzt)
  • Königlich-sächsische Meilensteine an der B 169 in Falkenau (Halbmeilenstein aus Schlegel – OT Juchhöh) und in Schlegel – OT Juchhöh (Ganzmeilenstein aus Greifendorf)

Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hainichen ist über die Anschlussstelle 73 der Bundesautobahn 4 und die Bundesstraße 169 zu erreichen.

Die Stadt befindet sich im Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Mittelsachsen (VMS). Das Oberzentrum Chemnitz ist über die Regionalbahn 516 der City-Bahn Chemnitz erreichbar, die wochentags im Stundentakt verkehrt. Im Jahr 2004 wurde die Bahnstrecke Roßwein–Niederwiesa (Kursbuchstrecke 516) nach umfangreicher Rekonstruktion auf dem Abschnitt bis Hainichen wiedereröffnet. Mit der Fertigstellung der Stufe 3 des Chemnitzer Modell wird es umsteigefreie Verbindungen von Hainichen bis in die Chemnitzer Innenstadt und nach Altchemnitz geben. Der Streckenabschnitt von Roßwein nach Hainichen durch das malerische Striegistal war bereits 2001 stillgelegt worden. Er wurde demontiert, damit ein Radwanderweg errichtet werden kann.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hainichen haben folgende Einrichtungen und Institutionen ihren Sitz:

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sportvereine (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kegelsportverein Hainichen 92 e. V.
  • Hainichener Fußballverein Blau/Gelb 46 e. V.
  • Motor Sport Verein MSV Hainichen e. V.
  • Radsportverein Hainichen e. V.
  • SV Motor Hainichen e. V.
  • ATV1848 Hainichen e. V.

Sportanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sportzentrum mit Lehrschwimmhalle
  • Freibad mit 50 m Schwimmer- /Nichtschwimmerbecken und großer Liegewiese
  • Automatische 4-Bahn-Kegelanlage
  • Radrennstrecke im Rossauer Wald

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian Fürchtegott Gellert, Porträt von Anton Graff

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christel Foerster, Sigrid Schmidt. Hainichen. Brockhaus-Verlag (Leipzig), 1983.
  • Hainichen in den 50er und 60er- Jahren: 2 Jahrzehnte DDR. Geiger-Verlag (Horb am Neckar), 2006, ISBN 3-86595-122-8.
  • Hainichen: aus der Vergangenheit einer Kleinstadt. Geiger-Verlag (Horb am Neckar), 2001, ISBN 3-89264-594-9.
  • Thomas Kretschmann: Hainichen: Zeitzeugen-Berichte & Dokumente 1930–1950; die vergessenen Schicksale, Naziterror – Krieg – Flucht. Druckhaus Dresden (Dresden), 2008.
  • Wolfgang Schwabenicky und Uwe Richter: Die Geschichte von Hainichen und Umgebung bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Hainichen 1988.
  • Yves Hoffmann und Uwe Richter, Der Hainichener Bildhauer Johann Gottfried Stecher (1718–1776). In: Sächsische Heimatblätter 51, 2005, S. 94–108
  • Eduard Otto Külz: Nachrichten über Hainichen und nächste Umgebung als Beiträge zu einer Ortsbeschreibung. Selbstverlag, Hainichen 1889.
  • Cornelius Gurlitt: Hainichen. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 25. Heft: Amtshauptmannschaft Döbeln. C. C. Meinhold, Dresden 1903, S. 71.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hainichen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Hainichen – Quellen und Volltexte
 Wikivoyage: Hainichen – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w Statistisches Landesamt Sachsen
  3. a b c d e f g h i j k l Geschichte der Stadt Hainichen, auf der Website der Stadt Hainichen
  4. Schwabenicky, Wolfgang; Richter, Uwe: Die Geschichte von Hainichen und Umgebung bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Hainichen 1988.S.20.
  5. Schwabenicky, Wolfgang; Richter, Uwe: Die Geschichte von Hainichen und Umgebung bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Hainichen 1988.S.26.
  6. Schwabenicky, Wolfgang; Richter, Uwe: Die Geschichte von Hainichen und Umgebung bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Hainichen 1988.S.29.
  7. a b Werner Hofmann, Archivar beim Rat der Stadt Hainichen: Bemerkenswertes zur Geschichte Hainichens aus Sicht der DDR, 1981, online: Bürgerportal Hainichen
  8. a b c Hainichen. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 7. Altenburg 1859, S. 858 (online bei zeno.org).
  9. a b c d e f g h i j k l m n o p Hainichen im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  10. a b Siegfried Störzel: Beiträge zur Heimatgeschichte – Erläuterung zu den Meilenblättern, in: Gellertstadt-Bote Hainichen, 14. August 2004 (Memento vom 7. Mai 2007 im Internet Archive) (PDF; 383 kB), S. 11.
  11. Digitales Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  12. Tuchmacherhaus. Abgerufen am 15. Dezember 2015.
  13. a b Encyclopædia Britannica Eleventh Edition (1910–1911)
  14. Gellertmuseum Hainichen
  15. Archivbestand 40121 – Steinkohlenbauvereine des Hainichen-Ebersdorfer Reviers im Bergarchiv Freiberg
  16. Franz Schubert: Die Eisenbahnlinie Freiberg – Hainichen. Abgerufen am 15. Dezember 2015 (PDF).
  17. a b Meyers Konversationslexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885–1892
  18. a b c d Entdeckerpfad Hainichen
  19. a b c Michael Geiger: Barkas.de – Rückblende 1923–1957. Abgerufen am 17. März 2010.
  20. United States Holocaust Memorial Museum, Early Camp Hainichen, http://www.ushmm.org/wlc/article.php?lang=en&ModuleId=10007214
  21. Bundesministerium für Justiz: Verzeichnis der Konzentrationslager und ihrer Außenkommandos gemäß § 42 Abs. 2 BEG
  22. Füßl, Seifert, Simon-Pelanda, Zwangsarbeit, in: Ihrer Stimme Gehör geben, Bd. 1, hrsg. von Arbeitsgemeinschaft ehem. KZ Flossenbürg, Regensburg 2001, online: Frauen in den Außenlagern.
  23. a b c d e Kretschmann, Thomas: Hainichen: Zeitzeugen-Berichte & Dokumente 1930–1950; die vergessenen Schicksale, Naziterror – Krieg – Flucht. Druckhaus Dresden (Dresden), 2008.
  24. Ein Projekt zur Erforschung der nationalsozialistischen Lager und Haftstätten sowie der Orte des Massenmords 1933 bis 1945 http://www.keom.de/denkmal (Memento vom 23. Dezember 2008 im Internet Archive)
  25. Barbara Supp: Die Zeit der Gespenster – Barbara Supp über die vergessenen Toten des sowjetischen Straflagers Tost in Schlesien. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1996, S. 48–52 (online).
  26. Kommunale Wohnen AG, Geschäftsbericht 2008 (PDF; 1,4 MB)
  27. a b c d Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  28. a b c Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen
  29. a b c d e f Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen
  30. a b c Bertelsmann-Stiftung, Wegweiser Kommune (Memento vom 1. Juli 2013 im Webarchiv archive.is)
  31. a b Kalkuliert unter der Annahme von fünf Einwohnern pro besessenem Mann
  32. Hainichen. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 3. Band, Zwickau 1816, S. 731–733.
  33. Hugo von Bose: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen, 1847
  34. Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 747.
  35. Die Einwohnerzahlen der später eingemeindeten Ortsteile betrugen 1990 gemäß dem Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen: Bockendorf 342, Cunnersdorf 288, Eulendorf 164, Gersdorf 398, Riechberg 382 und Schlegel 270.
  36. Statistisches Landesamt Sachsen: 4. Regionalisierte Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen bis 2020
  37. Evangelisch-lutherische Trinitatis Gemeinde Hainichen: Geschichte der Trinitaskirche
  38. a b Sankt Konrad Hainichen: Chronik unserer Gemeinde
  39. http://www.jmem-hainichen.de/