Hans-Joachim Herrmann (Flieger)

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Hajo Herrmann (1944)

Hans-Joachim („Hajo“) Herrmann (* 1. August 1913 in Kiel; † 5. November 2010 in Düsseldorf)[1] war ein deutscher Kampf- und Jagdflieger während des Zweiten Weltkriegs, zuletzt im Rang eines Obersts. Danach war er als Rechtsanwalt tätig, der u. a. bekannte Alt- und sogenannte Neonazis, Holocaustleugner und Rechtsextremisten verteidigte.

Einsatz im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herrmann trat im Mai 1933 in die Hamburger Polizei ein und wechselte am 1. August 1935 zur neu entstandenen Luftwaffe.[2] Seine ersten fliegerischen Erfahrungen sammelte er als Leutnant in der Fliegergruppe Nordhausen, bevor er im Sommer 1936 zur 9. Staffel des Kampfgeschwaders 253 wechselte. Von August 1936 bis April 1937 war er als Bomberpilot der Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg eingesetzt. Im Juni 1938 erfolgte die Beförderung zum Oberleutnant und im September 1939 der Wechsel zur 7. Staffel des Kampfgeschwaders 4. Am 20. Juni 1940 übernahm er die Führung dieser Staffel als Staffelkapitän und führte sie während der Luftschlacht um England bis Oktober 1940. Während dieser Zeit hatte er sich u.a. an den Angriffen auf die India-Docks in der großen Themseschleife im Ostteil Londons beteiligt. Nach einer Reihe von weiteren Einsätzen wurde ihm am 13. Oktober 1940 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.[2]

Im Oktober 1940 erfolgte ein Wechsel der gesamten 7. Staffel zum Kampfgeschwader 30. Herrmann blieb ihr Staffelkapitän und wurde am 19. Dezember 1940 in dieser Funktion zum Hauptmann befördert. Im Jahre 1941 übernahm er kurzzeitig die 1. Flughafen-Betriebs-Kompanie des Kampfgeschwaders 54 als Kompaniechef, bevor er im April 1941 zu seiner alten Staffel zurückkehrte. Vom 23. Mai bis 1. September 1941 übte er die Funktion eines Ersten Generalstabsoffiziers (Ia) des IX. Fliegerkorps aus. Am 1. September 1941 übernahm er als Gruppenkommandeur die Führung der III. Gruppe des Kampfgeschwaders 30. Mit dieser wurde er in den Mittelmeerraum verlegt und flog mehrere Luftangriffe auf den strategisch wichtigen britischen Flottenstützpunkt Malta. Bei der Bombardierung von alliierten Nordmeergeleitzügen zum sowjetischen Hafen Murmansk, die von norwegischen Flugplätzen aus erfolgte, erlangte er Erfahrung hinsichtlich der Schiffsbekämpfung. Im Juli 1940 wechselte er in den Luftwaffenführungstab, wo er am 1. März 1943 zum Major befördert wurde.[2]

Hermann erkannte recht früh, dass die deutsche Nachtjagd an Kampfkraft verlor, und schlug am 27. Juni 1943 dem Kommandierenden General der Nachtjäger Josef Kammhuber vor, Tagjäger in einem eigens entwickelten Verfahren – Wilde Sau – direkt über dem Angriffsgebiet operieren zu lassen, was dieser zunächst ablehnte. Erst als die britische Royal Air Force am 25. Juli 1943 die Operation Gomorrha (verheerende Luftangriffe auf Hamburg mit Feuersturm) startete, entschloss man sich, das neue Verfahren zu testen.

Das Jagdgeschwader 300 „Wilde Sau“ wurde aufgestellt. Hermann stieg zum Geschwaderkommodore und Divisionskommandeur auf und hatte zuletzt den Rang eines Obersts inne. Die Abwehr alliierter Nachtbomberangriffe wurde effizienter; dafür erhielt Hermann am 2. August 1943 das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Herrmann konnte als ein Vertrauter von Hermann Göring gelten, der ihn auf Grund seiner organisatorischen Fähigkeiten – oft unter Umgehung der Luftwaffenhierarchie – mit Sonderaufgaben hinsichtlich der Reichsverteidigung gegen die alliierten Bombardements betraute.

Seine Leistungen in der Reichsverteidigung wurden am 23. Januar 1944 mit der Verleihung der Schwerter zum Ritterkreuz gewürdigt. Herrmann war Initiator des Sonderkommandos Elbe (auch als Rammjäger bezeichnet), einer Einheit, die feindliche Bomber durch Rammen zum Absturz bringen sollte. Im April 1945 kamen die ersten Piloten dieses Verbandes zum Kriegseinsatz.

Im Verlauf des Krieges absolvierte er 370 Feindflüge, wobei er selbst viermal abgeschossen wurde.

Aktivitäten nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 1945 kam Herrmann in Kriegsgefangenschaft in die Sowjetunion, aus der er am 12. Oktober 1955 in die Bundesrepublik Deutschland zurückkehrte. Anschließend nahm er ein Studium der Rechtswissenschaften auf und ließ sich 1965 als Rechtsanwalt in Düsseldorf nieder. Herrmann, der selbst bis zu seinem Lebensende nationalkonservative Thesen vertrat, wurde bald zu einem bekannten Verteidiger von sogenannten Alt- und Neonazis, Holocaustleugnern und Rechtsextremisten. Unter seinen Mandanten waren General a. D. Otto Ernst Remer, der britische Autor David Irving sowie der selbsternannte „Gaskammerexperte“ und wegen seiner Ergebnisse deshalb als Holocaustleugner verurteilte Fred A. Leuchter. Herrmann veröffentlichte auch Bücher zum Zweiten Weltkrieg und engagierte sich als Redner für DVU und NPD. Als Träger des Ritterkreuzes gehörte er der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger an.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1959 war Herrmann mit der Sängerin und Hochschullehrerin Ingeborg Herrmann-Reichelt verheiratet.[3] Aus der Ehe stammen zwei Kinder. Die Seebestattung von Hajo Herrmann fand vor seinem Geburtsort statt.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eisernes Kreuz (1939) II. und I. Klasse
  • Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern [5]
    • Ritterkreuz am 13. Oktober 1940
    • Eichenlaub am 2. August 1943 (269. Verleihung)
    • Schwerter am 23. Januar 1944 (43. Verleihung)
  • Deutsches Kreuz in Gold am 5. Juni 1942 [5]
  • Frontflugspange in Gold
  • Spanienkreuz in Bronze mit Schwertern

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publizistische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bewegtes Leben – Kampf- und Jagdflieger 1935 – 1945, Motorbuch 1984, Universitas ab 1993, ISBN 3-613-01008-9
  • Als die Jagd zu Ende war – Mein Flug in die sowjetische Gefangenschaft, Universitas/Herbig-Verlag (1988) ISBN 3-8289-0330-4
  • "Supersoldiers" – Die Wehrmacht im Urteil ausländischer Experten, FZ-Verlag (2006) ISBN 3-924309-77-9 (als Herausgeber)
  • Erinnerungen eines deutschen Luftwaffenoffiziers (2006, selbst gesprochenes Hörbuch auf 2 CDs), Polarfilm
  • Kleine Odyssee – Der Luftangriff auf den Hafen von Piräus (2007, Hörbuch auf 2 CDs – Herrmann spricht die Einleitung)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Obituaries Hans-Joachim Herrmann in: The Daily Telegraph vom 24. November 2010
  2. a b c Henry L. deZeng IV, Douglas G. Stankey: Luftwaffe Officer Career Summaries, Section G–K. 2016, S. 293–294, abgerufen am 4. Februar 2017 (PDF, englisch).
  3. Hamburger Abendblatt vom 26. September 1959
  4. Traueranzeige der Familie in Frankfurter Allgemeine Zeitung, November 2010
  5. a b Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939-1945, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 385