Hajo Jahn

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Hajo Jahn (* 31. Mai 1941 in Berlin) ist ein deutscher Journalist und Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft, die sich dem Erbe der Wuppertaler Dichterin Else Lasker-Schüler verpflichtet fühlt.

Leben[Bearbeiten]

Nach einem zweijährigen Volontariat bei der Westfälischen Rundschau in Dortmund, für die er bereits als Reporter fotografiert und geschrieben hatte, wurde der ehemalige Bergmann dort Redakteur, dann freiberuflicher Journalist für den WDR und die ARD. Als Rundfunk- und Fernsehmoderator und -reporter arbeitete er von 1970 bis 2000 als WDR-Studioleiter in Wuppertal, zunächst als Einmann-Redaktion. 1973 spielte er in dem Wolfgang Petersen-Film Smog einen Moderator.

1990 wurde Jahn Gründer, ehrenamtlicher Geschäftsführer und später auch Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft sowie der Stiftung „Verbrannte und verbannte Dichter – für ein Zentrum der verfolgten Künste“. Diese im Frühjahr 2008 unter dem Dach des Museum Baden in Solingen realisierte Einrichtung, eine in Europa singuläre Einrichtung, ist eine beispielhafte interdisziplinäre Institution mit ersten Dauerausstellungen verfemter expressionistischer Maler aus der „Sammlung Gerhard Schneider" und der Exil-Literatur-„Sammlung Jürgen Serke“, angekauft von der Else-Lasker-Schüler-Stiftung. Ihr gehören sechs Originalbriefe von Thomas Mann sowie 23 Originalzeichnungen von Else Lasker-Schüler, die 1937 als entartet aus der Berliner Nationalgalerie Berlin beschlagnahmt worden waren. Es ist die weltweit zweitgrößte Sammlung von Lasker-Schüler-Bildern außerhalb der Nationalbibliothek Israels in Jerusalem.

Jahn initiierte 1992 Dichterlesungen in Asylbewerberheimen bundesweit, nachdem es brutale Anschläge von Neonazis gegen Asylanten gegeben hatte in Schwerin, Cottbus, Rostock und vielen anderen Städten. Jahn schaffte es, prominente Schriftsteller in all diese Asylbewerberheime zu Lesungen und Diskussionen zu holen, und damit die deutschen Nachbarn als Zuhörer, die sich bis dahin nur im Fernseh-Sessel die entsetzlichen Bilder angeschaut hatten.

Den Stiftungsaufruf für ein „Zentrum der verfolgten Künste“ haben der Exil-PEN in London und mehr als 50 Autoren unterzeichnet, darunter Salman Rushdie als weltweit bekanntester verfolgter Schriftsteller, aber auch Günter Grass und Siegfried Lenz, Eva Demski und Peter Härtling sowie Dichter, die selbst Verfolgung erlebt hatten wie Wolf Biermann, Sarah Kirsch oder Herta Müller. Begleitend dazu initiierte Hajo Jahn zwei Internetprojekte: Den pädagogisch ausgerichteten „Exil-Club“ mit „Schulen ans Netz e.V., Bonn“ und www.exil-archiv.de, das virtuelle „Zentrum“ als Gemeinschaftsprojekt mit dem Solinger Museum Baden und inzwischen mehr als 1100 Biografien verfemter Schriftsteller, Musiker, bildender Künstler, Politiker, Gewerkschafter, Theologen, Natur- und Geisteswissenschaftler bis hin zu Sportlern.

Jahn organisiert seit 1993 die Else-Lasker-Schüler-Foren mit Ausstellungen, Konzerten, Lesungen, Zeitzeugen in Schulen, zu literarischem und politischem Austausch, so in Wuppertal/Solingen, Jerusalem, Breslau, Prag, Zürich, Catania oder Wien als Beispiele für die Arbeit eines aktiven Zentrums der verfolgten Künste. Dafür gewann er prominente Autoren wie Pavel Kohout, Sarah Kirsch oder Herta Müller und Schirmherren wie den dichtenden Staatspräsidenten Václav Havel, Lech Wałęsa (Polen), Lennart Meri (Estland), den Friedensnobelpreisträger Shimon Peres, Johannes Rau, die Flüchtlingskommissarin Mary Robinson (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen), den Schweizer Bundespräsidenten Moritz Leuenberger oder Władysław Bartoszewski, den ehemaligen Außenminister Polens.

Für Hajo Jahn hat die Katastrophe des 20. Jahrhunderts mit der Vertreibung der Künstler und Intellektuellen begonnen. Wie eine Metapher dafür sei das Schicksal von Else Lasker-Schüler, die in Berlin berühmt wurde, der Geburtsstadt von Hajo Jahn, der heute in Wuppertal lebt und arbeitet, der Geburtsstadt der malenden Dichterin.

2009 initiierte Jahn eine Petition an den Deutschen Bundestag. Damit wollte er erreichen, dass das "Zentrum gegen Vertreibung" in Berlin um das Thema der Vertreibung von Künstlern und anderen Intellektuellen erweitert wird. Zu den mehr als 2.000 Unterzeichnern gehören u.a. Władysław Bartoszewski, Ralph Giordano, die Autoren Elfriede Jelinek, Reiner Kunze, Erich Loest, der polnische Schriftstellerverband, die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, die Deutsch-Israelische Gesellschaft mit Präsident Johannes Gerster, die Naturfreundejugend Österreichs (verboten im Dritten Reich), Hannelore Hoger, Iris Berben u. Renan Demirkan, Journalisten wie Gert von Paczensky sowie der Vorstand des Deutschen Journalistenverbands, aber auch Norbert Blüm, Konrad Schily, Friedrich Schorlemmer, PEN-Präsident Jiří Gruša, Bischöfin Maria Jepsen.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Für seine Verdienste wurde ihm 2003 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2006 der Rheinlandtaler und 2010 der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen.

Werke[Bearbeiten]

Hajo Jahn ist Herausgeber der Else-Lasker-Schüler-Almanach-Ausgaben

  • mit Sarah Kirsch und Jürgen Serke: Meine Träume fallen in die Welt. Hammer, Wuppertal 1995.
  • mit Hans Joachim Schädlich: Fäden möchte ich um mich ziehen. Hammer, Wuppertal 2000.
  • mit Ulla Hahn: In meinem Turm in den Wolken. Hammer, Wuppertal 2002.
  • Zweiseelenstadt. Hammer, Wuppertal 2004.
  • Manchmal habe ich Sehnsucht nach Prag. Hammer, Wuppertal 2005.
  • Wo soll ich hin? Zuflucht Zürich – Fluchtpunkt Poesie. Hammer, Wuppertal 2007.
  • Jeder Vers ein Leopardenbiss. Jubiläumsalmanach zum 20-jährigen Bestehen der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft. Hammer, Wuppertal, 2011

sowie

  • Zwischen Theben und Shanghai. Oberbaum, Chemnitz, Berlin, St. Petersburg 1998.
  • Gewissen gegen Gewalt. Edition Künstlertreff, Wuppertal 1999.
  • Momente in Jerusalem. Bleicher, Gerlingen 2002.

Weblinks[Bearbeiten]