Halbe Brüder

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Filmdaten
OriginaltitelHalbe Brüder
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2015
Länge116 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
JMK 12[2]
Stab
RegieChristian Alvart
DrehbuchDoron Wisotzky,
Michael Ostrowski
ProduktionChristian Alvart,
Marc Conrad,
Jan S. Kaiser,
Siegfried Kamml,
Maren Knieling
MusikChristoph Blaser,
Steffen Kahles
KameraChristof Wahl
SchnittMarc Hofmeister
Besetzung

Halbe Brüder ist eine deutsche Filmkomödie von Christian Alvart aus dem Jahr 2015. In dem Road-Movie spielt der deutsche Rapper Sido zusammen mit Tedros Teclebrhan und Fahri Yardım die Hauptrolle. Der Kinostart war am 9. April 2015.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Julian Lindemann schlägt sich als Trickbetrüger durchs Leben. Als ihm der große Coup gelingt, legt er alles für seine drei Kinder auf der Bank an und verordnet sich selbst eine Sperre, so dass er nie wieder an das Geld herankommt. Endlich hat er sein Leben auf die Reihe bekommen und wähnt sich in Sicherheit. Als er plötzlich von einem Notar informiert wird, dass er zwei Brüder hat, ist ihm das zunächst egal. Dabei handelt es sich um den schwarzen Nachwuchs-Gangsta-Rapper Ademola ‚Addi‘ Tomo, dessen Freundin gerade ein Kind erwartet, und den Millionärssprössling mit türkischem Background und Nierenleiden Yasin Philip Blöckers. Die drei erfahren, dass ihre Mutter trotz ihres Lebens als Nonne ein gewisses lasterhaftes Leben geführt hatte, und sie daher die Kinder verschiedener Väter und auch verschiedener Ethnien sind. Sie ist nun verstorben und stellt den drei ein großes Vermögen in Aussicht, dafür müssen sie aber ihrer Herkunftsgeschichte auf den Grund gehen. Einziger Hinweis ist eine Postkarte. Julian lehnt ab, doch als er nach Hause kommt, erwartet ihn ein Inkassoschläger in einem Hasenkostüm. Dieser bringt ihn zum berüchtigten „U-Bahn Lemmele“. Es stellt sich heraus, dass Julian Geld von diesem verzockt hat und schuldet ihm jetzt 120.000 Euro. Zufällig ist dies genau die Summe, die sie angeblich gemeinsam erben sollen. Er beschließt notgedrungen zusammen mit seinen beiden Halbbrüdern die Reise anzutreten.

Die erste Station führt die drei nach Frankfurt am Main. Dort muss jedoch Addi erstmal einen Drogendeal durchziehen, der gehörig in die Hosen geht. Nun sind sowohl der Mann im Hasenkostüm als auch die Polizei hinter den dreien her. Dennoch gelingt es ihnen, zum Haus von Herr Zequera, Addis Vater, zu gelangen. Dieser stellt sich als Roberto Blanco heraus, der jedoch dem letzten Teil seines Namens alle Ehre macht. Er stellt sich zunächst unwissend, wer denn die Mutter sein solle, nimmt Addi aber als seinen Sohn an. Die drei dürfen in Blancos Haus übernachten. Vorher lernt Yasin noch die Ausreißerin Jenny kennen. In der Nacht beschließen die drei Roberto etwas näherzu befragen. Mit Klebeband ziehen sie ihm nacheinander die Brusthaare ab und erfahren so, etwas mehr über die Mutter. Er habe sie in einem Club in Köln kennen gelernt. Die drei machen sich auf dem Weg nach Köln, doch dort werden sie in einer Raststätte erkannt. Sie beschließen den Wagen loszuwerden, doch verbrennen dabei aus Versehen ihre gesamten Sachen.

Völlig pleite gehen sie in besagten Club und treffen dort auf Yasins Vater, der sich als Schlammcatcher in einem Schwulenclub herausstellt. Auch er stellt sich zunächst unwissend, bis Yasin ihn im Schlammcatchen besiegen kann. Er gibt zu, einmal etwas mit einer Frau gehabt zu haben. Aus dieser Verbindung ist dann Yasin entstanden. Er kann ihnen aber nur wenig weiterhelfen, kann ihnen aber zumindest sagen, dass die Frau auf der Postkarte ihre Mutter ist. Im Hintergrund ist ein Leuchtturm zu sehen. Also befragen sie in einer Kneipe einen alten Seemann. Dieser schickt sie nach Fehmarn. Zunächst versuchen sie durch einen Auftritt Addis auf der Domplatte Geld zusammen zu bringen, doch die Summe reicht nicht aus. Schließlich hilft ihnen Jenny. Bei der Übernachtung im Hotel finden sie und Yasin zueinander.

Auf Fehmarn angekommen treffen sie auf Julians Onkel, der ihnen die Hippie-Vergangenheit ihrer Mutter erklärt. Julian lernt zwar seinen Vater nicht persönlich kennen, weil dieser schon tot ist. Sein Onkel zeigt ihm jedoch eine Filmaufnahme von einem Musik-Festival auf der Fehmarn, auf der sein Vater und seine Mutter zusammen in jungen Jahren als Hippies zu sehen sind. Unter einem Denkmal für Jimi Hendrix finden sie schließlich den Schatz. Es handelt sich um ein Kästchen voller fünf Deutsche Mark-Münzen, die Julian direkt als Sonderprägung erkennt. Die anderen beiden halten die Münzen jedoch für nahezu wertlos. Er beschließt seine Brüder abzuzocken und tauscht das Geld schnell um, verpasst aber den letzten Zug zum Festland. Alle drei übernachten bei seinem Onkel. Als ihm seine Brüder offenbaren, dass sie beschlossen haben, ihm auszuhelfen, bringt er es nicht mehr übers Herz, die beiden zu betrügen. Ohne Geld kehrt er zu U-Bahn-Lemmle zurück. Seine Brüder retten ihn aber schließlich und geben die Summe an U-Bahn-Lemmle. Nicht reich, aber zumindest als Familie vereint, beschließen die drei nun ihr Leben gemeinsam auf die Reihe zu kriegen.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Halbe Brüder ist eine gemeinsame Produktion von ConradFilm, Bavaria Pictures und Syrreal Entertainment im Verleih von Universal Pictures. Die Dreharbeiten fanden ab dem 19. Mai 2014 an den Originalschauplätzen in Köln, Frankfurt, Berlin und auf der Insel Fehmarn statt. Kinostart war der 19. März 2015.[3] Am 29. Oktober 2015 erschienen DVD und Blu-Ray des Films.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Road-Movie erntete überwiegend schlechte Kritiken. Getragen von zahlreichen Gastauftritten von Roberto Blanco, Ralf Richter, Anna Ewelina, Detlev Buck und Lilo Wanders kann der Film nach Ansicht der Kritiker nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei dem Film um eine „losen Aneinanderreihung von Episoden in der Tradition der Supernasen-Reihe“ handelt und „kaum eine Geschmacklosigkeit ausgelassen“ wird.[4] Der epd Film konstatiert, die Handlung des Films „erschöpf[e] sich (…) in einer Aneinanderreihung von mal mehr, mal weniger amüsanter Episoden, die so mühsam verdrahtet sind, dass man fast das »ach, egal« der Drehbuchautoren hört.“ Besonders schlimm stieß ihnen die Frauenfeindlichkeit des Films auf. Frauen seien im Film bloße „Story-Krücken“. Die Filmemacher bekräftigen „nicht nur das reaktionäre Hure-Heilige-Schema – hier als Hippiehure-Heilige-Kunstfigur modernisiert –, sondern nutzen es als kleinsten gemeinsamen Nenner und Integrationsmittel. Ein ziemlich finsterer Lösungsvorschlag.“[5] Auch weitere Kritiken äußerten sich ähnlich:

„Bemühte Provokationen, dümmliche Kalauer, ein wenig Gefühl und ein Schuss Toleranzbestreben – ‚Halbe Brüder‘ will ein abgedrehter Roadmovie-Spaß sein, vermengt diese Zutaten aber zu einem ungenießbaren Komödienbrei.“

Christopher Diekhaus: Spielfilm.de[6]

Josef Engels vom Hamburger Abendblatt und Der Welt dagegen lobte den Film. Zwar sah er auch Schwächen, insbesondere durch den zum Teil infantilen Humor, doch lobte er vor allem Sidos Darstellung. Regisseur Christian Alvart sei es gelungen, „diesen albernen Wahnsinn in ein aufgeräumtes Buddy-Bruder-Movie zu verwandeln. Ergänzt um einen gewitzten Trip durch 50 Jahre deutsche Pop-Kulturgeschichte.“[7][8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Halbe Brüder. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Februar 2015 (PDF; Prüf­nummer: 150 035 K).
  2. Alterskennzeichnung für Halbe Brüder. Jugendmedien­kommission.
  3. Dreharbeiten für „Halbe Brüder“ haben begonnen / Kinostart am 19. März 2015. Bavaria Film; abgerufen am 18. Januar 2016.
  4. Rüdiger Suchsland: Drei Supernasen auf Identitäts-Trip. artechock, 9. April 2015; abgerufen am 10. Oktober 2017.
  5. Birgit Roschy: Kritik zu Halbe Brüder. epd Film, 17. März 2015; abgerufen am 18. Januar 2016.
  6. Christopher Diekhaus: Kritik: Halbe Brüder. Spielfilm.de; abgerufen am 18. Januar 2016.
  7. Josef Engels: Film-Tipp: Drei halbe Brüder machen Spaß - mit Sido. Hamburger Abendblatt, 12. April 2015; abgerufen am 18. Januar 2016.
  8. Josef Engels: Zwischen dealenden Omas und Hippie-Onkeln. Die Welt, 12. April 2015; abgerufen am 18. Januar 2016.