Halbinsel Hel

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Halbinsel Hel
Luftaufnahme Richtung Südost
Luftaufnahme Richtung Südost
Gewässer 1 Ostsee
Gewässer 2 Danziger Bucht

Geographische Lage

54° 38′ 30″ N, 18° 46′ 53″ OKoordinaten: 54° 38′ 30″ N, 18° 46′ 53″ O
Halbinsel Hel (Polen)
Halbinsel Hel
Länge 34 km
Breite 3 km
Halbinsel Hela
Halbinsel Hela

Die Halbinsel Hel (polnisch: Półwysep Helski, Mierzeja Helska, kaschubisch: Hélskô Sztremlëzna, deutsch Halbinsel Hela oder Putziger Nehrung) ist eine 34 Kilometer lange Landzunge in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Halbinsel, die etwa 20 Kilometer nördlich von Danzig liegt und zum Landstrich Kaschubien zählt, trennt die Danziger Bucht teilweise von der Ostsee und bildet dabei die Putziger Wiek. Die Landzunge ist zwischen 200 Metern und drei Kilometer breit und wird meerwärts vor der Brandung durch drei bis zu 25 Meter hohe Dünenreihen geschützt. Ihre schmalsten Stellen hat die Landzunge bei Władysławowo (Großendorf) und Kuźnica (Kussfeld).[1]

Orte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orte auf der Halbinsel Hel sind:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Halbinsel Hela nördlich von Danzig, an der Danziger Bucht, auf einer Landkarte von 1910.

Die Halbinsel entstand aus einer Kette von kleinen Inseln, die sich bis zum 18. Jahrhundert hier befanden. Nach und nach schlossen sich durch die Strömung die Lücken zwischen den Inseln mit Dünen. Damit stellt die Halbinsel Hela eine Nehrung dar, wie sie für eine Ausgleichsküste dieses Teils der Ostsee typisch ist. Im Gegensatz zur Frischen und zur Kurischen Nehrung war aber die dahinter liegende Danziger Bucht zu groß, als dass sie wie ein Haff fast vollständig von der Ostsee hätte abgetrennt werden können.

Die Halbinsel Hela liegt in der Landschaft Pomerellen, die in älterer Zeit zum Herzogtum Pommern gehört hatte, als dieses im Osten noch bis an die Weichsel ausgedehnt war. Als Teil Pomerellens kam die Landzunge durch den Vertrag von Soldin (1309) und den Vertrag von Kalisch (1343) unter die Hoheit des Deutschordensstaats. Mit einer Urkunde vom 17. August 1378 verlieh Winrich von Kniprode, damals Hochmeister des Deutschen Ordens auf der Marienburg, der größten Ortschaft auf der Halbinsel, seinerzeit Heyle genannt, Stadtrecht, und zwar zu Lübischem Recht.[2]

Die Stadt Hela schloss sich 1440 dem Preußischen Bund an und gehörte seit 1457 zur autonomen Stadtrepublik Danzig, die sich 1454 vom Deutschen Orden losgesagt und sich freiwillig der Schirmherrschaft des damals regierenden polnischen Königs Kasimir III unterstellt hatte. Im Rahmen der Ersten Teilung Polen-Litauens 1772, mit der die Wiedervereinigung westlicher Teile Preußens mit Ostpreußen einherging, kam die Halbinsel an das Königreich Preußen, zu dem sie bis 1808 und ab 1814 bis 1919 als Teil der Provinz Westpreußen völkerrechtlich gehörte. In der Zeit zwischen 1808 und 1814 war das komplette Gebiet der Halbinsel Hela Territorium der napoleonischen Republik Danzig.

Im Jahr 1836 kam es auf Hela zu einem der letzten Vorfälle von Hexenwahn: Eine vermeintliche Hexe wurde von den Fischern der Halbinsel der Wasserprobe unterworfen und, da sie nicht sank, gewaltsam ertränkt.[3]

Für die beidseitige Strandaufsicht auf der Halbinsel Hela waren im Jahr 1875 vier Strandvogteien zuständig:[4]

  1. Strandvogtei Hela, für den Bereich von der Helaer Spitze bis zum Leuchtturm von Danziger Heisternest
  2. Strandvogtei Putziger Heisternest, für den Bereich vom Leuchtturm von Danziger Heisternest bis Kussfeld
  3. Strandvogtei Ceynowa, für den Bereich von Kussfeld bis zum Erlenbusch, genannt Olschin, auf der Mitte zwischen Großendorf und Ceynowa
  4. Strandvogtei Großendorf, für den Bereich vom Erlenbusch bis Großendorf bzw. Rixhöft

Jede dieser Stranvogteien unterstand einem eigenen Strandaufseher.[4]

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags musste die Halbinsel nach dem Ersten Weltkrieg zur Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden. Durch den Polenfeldzug 1939 wurde die Halbinsel in das Reichsgebiet zurückgeführt; sie wurde dem Reichsgau Danzig-Westpreußen angegliedert. Beim Kampf um die Halbinsel Hela (9. September bis 2. Oktober 1939) verlor die angreifende deutsche Luftwaffe rund fünfzig Flugzeuge.[5]

Bei Ende des Zweiten Weltkrieges war die Halbinsel ab März 1945 letzter Zufluchtsort von deutschem Militär und Zivilflüchtlingen, da die langgestreckte, aber nur ein bis zwei Kilometer breite Halbinsel militärisch leicht zu verteidigen war und die beiden Häfen für Fischerei und Kriegsmarine im Ort Hela die letzte Möglichkeit für die Evakuierung militärischer Einheiten, Verwundeter und Zivilflüchtlinge auf dem Seeweg waren. Daher flohen bereits im März über 100.000 deutsche Zivilisten nach Hela, im April kamen weitere 265.000 hinzu. Am 4./5. April 1945 wurden beim „Unternehmen Walpurgisnacht“ ca. 30.000 Menschen von der Oxhöfter Kämpe auf die Halbinsel Hela evakuiert.[6] Flüchtlinge und Soldaten lagerten in den Wäldern und Dünen Helas unvorstellbar dicht zusammengedrängt.

Andauernde sowjetische Luftangriffe forderten hier zahlreiche Todesopfer und erschwerten auch die Schiffstransporte auf das äußerste. Hierunter war die nächtliche Torpedierung des von Hela am 16. April 1945 abgehenden Frachters Goya mit schätzungsweise über 7000 Flüchtlingen (aber auch 200 Angehörigen eines Panzerregiments) die größte Schiffskatastrophe des Zweiten Weltkriegs, noch vor der bekannteren Wilhelm Gustloff. Insgesamt konnten allein im Monat April 387.000 Menschen von Hela evakuiert werden, die letzten Schiffstransporte verließen die Halbinsel noch kurz vor Inkrafttreten der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945. Bei Eintritt der Waffenruhe befanden sich noch etwa 60.000 Flüchtlinge und Soldaten auf Hela. Am Abend des 9. Mai 1945 legte im Hafen von Hela ein von Danzig gekommenes Fährschiff mit russischen Offizieren an. Anschließend wurden die bei der Stadt Hela zur Verteidigung stationierten deutschen Soldaten in russische Gefangenschaft abtransportiert.[7]

Bald nach der Besetzung der Halbinsel durch die Rote Armee wurde die Region unter polnische Verwaltung gestellt. Soweit die eingesessenen deutschen Bewohner der Halbinsel nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben. Zur Zeit der Volksrepublik Polen waren Teile der Halbinsel militärisches Sperrgebiet und durften nicht betreten werden.

Nach der Aufhebung der Sperrzone entwickelt sich hier der Tourismus stürmisch. Am 9. Juli 2011 fand ein deutsch-polnisches Gipfeltreffen auf Hel statt.[8]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kite-Surfer vor Hel

Die Halbinsel ist durch die Bahnstrecke Reda–Hel erschlossen, die alle Orte der Halbinsel mit der Dreistadt Gdynia/Sopot/Gdańsk (Gdingen/Zoppot/Danzig) und in der Ferienzeit mit weiteren polnischen Städten verbindet.

Die Halbinsel ist von Danzig mit Personenschiffen zu erreichen. Saisonal fahren drei Fähren am Tag; Fahrzeit sind rund zwei Stunden.[9] Fahrräder können mitgenommen werden. Die gesamte Länge der Halbinsel ist mit einem Radweg erschlossen. Beliebt ist die Halbinsel bei Tauchern und Kitesurfern.

Die Halbinsel besitzt zwei Strände mit jeweils eigenem Charakter und Mikroklima. Der breitere Strand liegt im Norden, der schmalere, aber häufig wärmere zur Putziger Wiek hin.

Im Kurort Jurata befindet sich die Sommerresidenz des polnischen Präsidenten. Das Gelände umfasst eine Schutzzone mit einem ca. 2 km langen Streifen entlang des Strandes, der für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Der Staatspräsident empfing bereits zahlreiche Staatsoberhäupter aus aller Welt in seiner Sommerresidenz.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II, Marienwerder 1789, S. 58, Nr. 3.2)
  • Friedrich Carl Gottlieb von Duisburg: Versuch einer historisch-topographischen Beschreibung der Königl. Preuß. See- und Handelsstadt Danzig. Zweite Auflage, G. Adolph Krause, Danzig 1816, S. 426–454.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 11.
  • Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, insbesondere S. 189–192.
  • Carl Girth: Geschichte der Halbinsel Hela bis auf die neueste Zeit. Danzig 1891.
  • Ernst Hermann Wünsche: Studien auf der Halbinsel Hela. Dresden 1904.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Halbinsel Hel – Sammlung von Bildern

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 11.
  2. Johannes Voigt: Uebersichtliche Darstellung der Rechtsverfassung Preussens während der Zeit der Ordensherrschaft. Marienwerder 1834, S. 64.
  3. Die Hexenprobe auf der Ostsee im Putziger Wieck im Jahre 1836. In: Preußische Provinzial-Blätter, Band 18, Königsberg 1837, S. 581–593.
  4. a b Reichskanzler-Amt (Hrsg.): Central-Blatt für das Deutsche Reich, Band 3, Berlin 1875, S. 481, Nr. 5.
  5. Henry Steele Commager: The Story of the Second World War, Brassey’s, Washington, D.C. 2004, ISBN 1-57488-741-6, S. 16–19.
  6. Focus, Unternehmen Walpurgisnacht siehe Abschnitt Für die Nacht vom 4. zum 5. April
  7. http://www.rudolfklein.de/index.php?option=com_content&view=article&id=58&Itemid=66
  8. Bericht im Handelsblatt vom 10. Juli 2011, abgerufen am 10. Juli 2011.
  9. Seite des Verkehrsverbundes Danzig, abgerufen am 6. Juli 2011.
  10. Bericht im Polski Radio vom 8. Juni 2007, abgerufen am 12. Oktober 2014.