Halbzeug

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Großformatige Metall-Halbzeuge werden vor allem per Bahn auf Flachwagen transportiert

Halbzeuge sind vorgefertigte Gegenstände und entstehen in einem der ersten Schritte im Herstellungsprozess eines Produktes. Sie sind der Oberbegriff dieser aus Bearbeitung von Materialien entstandenen Werkstücke wie beispielsweise Bleche, Stangen, Rohre, Platten und Coils. In der Fertigungstechnik stellen Halbzeuge die mit Abstand verbreitetste Lieferform für Metallwerkstoffe dar. Es werden über 1000 Halbzeugarten zumeist aus Metall sowie Kunststoff unterschieden, zu deren Herstellung häufig Normen jeweils für Material- und Oberflächenqualität, Form und Abmessungen sowie deren Toleranzen aufgestellt wurden.[1]

Nicht zu Halbzeugen zählen u. a. die davor bzw. danach im Produktionsprozess entstehenden unfertigen Rohmaterialien und Halbfabrikate bzw. -produkte. In der Bilanz eines Unternehmens stehen Halbzeuge als Begriff im buchhalterischen Sinne auf der Aktiva-Seite und sind hier ein Teil des Umlaufvermögens dieses Unternehmens.

Eigenschaften und Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erzeugung von Halbzeugen schließt an den Verarbeitungsschritt der Formgebung an, z. B. an das Gießen und anderer Urformverfahren. Es entsteht daraufhin durch Umformung. Typisch für Halbzeug ist, dass durch ein geeignetes Trennverfahren (z. B. Sägen) der benötigte Materialabschnitt abgetrennt wird. Im nächsten Schritt kann dann ein Halbzeug zu einem Fertigteil (vorgefertigtes Bauteil) oder einem Halbfabrikat bzw. -produkt weiterverarbeitet werden.

Rohmaterialien, wie z. B. Schüttgüter, Granulate, Pulver, Flüssigkeiten oder Gase, werden nicht zu den Halbzeugen gerechnet, weil es sich, anders als bei Halbzeugen, nicht um geometrisch bestimmte, feste Körper handelt und damit noch keine „Halb-Fertigstellung“ (s. u.) des Produktes erfolgt ist.

Fertig-Bauteile, Fertig-Bauelemente (z. B. Konstruktionsprofile), Fertig-Bausteine, Baugruppen werden ebenfalls nicht zu den Halbzeugen gezählt, da diese weitgehend in der ursprünglichen Ausführung eingesetzt werden und daher – zumindest in Bezug auf die Materialverarbeitung – als eine Art vorläufige Endprodukte angesehen werden, wenngleich sich für diese noch Montageprozesse und Prozesse des Einpassens anschließen können.

Bedeutung in der Fertigungstechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Halbzeuge stellen als „halbfertiges Material“ ein wichtiges Element einer rationellen und kostengünstigen Fertigung dar. Sie werden in der Regel so ausgelegt, dass sie in Form und Abmessungen dem herzustellenden Produkt möglichst optimal entsprechen. Die Material- und Oberflächenqualitäten sind oft für bestimmte Einsatzzwecke und Fertigungsverfahren optimiert. So gibt es etwa Aluminium-Halbzeuge, die sich besonders zum Schweißen eignen und als so genannte Profile vor allem in der Automatisierungstechnik verwendet werden, oder Stahlbleche, die für das Tiefziehen ausgelegt sind. Die magnetischen Eigenschaften von Elektroblechen sind speziell für den Einsatz als Eisenkerne in Transformatoren, Motoren und Generatoren ausgelegt. Auch der Umstand, dass ca. 75 % des produzierten Weißblechs für die Herstellung von Konserven- und Getränkedosen verwendet wird, ist ein weiteres Beispiel für die oft sehr enge Verzahnung von Auslegung und Einsatzgebiet von Halbzeugen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Creutzig: Neue Großhandelsbetriebslehre. Peter Lang – Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt a. M. 2009, ISBN 978-3631-59082-9.
  • José Luis Moro: Baukonstruktion – vom Prinzip zum Detail, Band 2 Konzeption. Verlag Springer, Berlin 2008, ISBN 978-3540-27790-3.
  • Emil Larek: Wirtschaftsmathematik. Frank & Timme GmbH – Verlag für wissenschaftliche Literatur, Berlin 2012, ISBN 978-3865-96480-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrich Kurz, Hans Hintzen, Hans Laufenberg: Konstruieren, Gestalten, Entwerfen. Vieweg & Teubner-GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8348-0219-4, S. 320.