Haldenstein

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Haldenstein
Wappen von Haldenstein
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Bezirk: Bezirk Landquartw
Kreis: Kreis Fünf Dörfer
BFS-Nr.: 3941i1f3f4
Postleitzahl: 7023
Koordinaten: 759170 / 19409246.8788869.52695566Koordinaten: 46° 52′ 44″ N, 9° 31′ 37″ O; CH1903: 759170 / 194092
Höhe: 566 m ü. M.
Fläche: 18.56 km²
Einwohner: 1001 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 54 Einw. pro km²
Website: www.haldenstein.ch
Haldenstein

Haldenstein

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Haldenstein (in der Ortsmundart [ˈhaːldəˌʃtɑj], rätoromanisch  Lantsch sut?/i)[2] ist ein Dorf nördlich von Chur, am linken Rheinufer. Die seit 960 bezeugte Herrschaft bildet seit 1803 eine politische Gemeinde im Kreis Fünf Dörfer des heutigen Bezirks Landquart im Schweizer Kanton Graubünden.

Geographie[Bearbeiten]

Haldenstein liegt 3 km nördlich von Chur auf der linken Rheinseite. Der Gemeindebann erstreckt sich vom Fluss, der auf rund 6 km Länge die Südostgrenze bildet und den mit 540 m ü. M. tiefsten Punkt markiert, bis hinauf zum Grat des Calandamassivs, wo am Haldensteiner Calanda mit 2'806  m die grösste Höhe erreicht wird. Weder die Spitze des Haldensteiner noch des Felsberger Calandas gehören zum Territorium. Neben dem Haufendorf Haldenstein umfasst die Gemeinde eine Reihe von Maiensässen am Calandahang, so auch den bis 1868 ganzjährig bewohnten Weiler Batänja (1400 m).

18 % des Gemeindegebietes sind unproduktiv, 54 % bewaldet und 26 % werden landwirtschaftlich genutzt, wobei nur 5 % Wies- und Ackerbauland im Talgrund, der Rest Alpweide darstellen.

Nachbargemeinden sind die Stadt Chur, Felsberg, Untervaz, Trimmis sowie Pfäfers im Kanton St. Gallen.

Geologie[Bearbeiten]

Der Calanda wird zu einem schönen Teil von Kalkgesteinen aufgebaut, die dem helvetischen Ablagerungsraum zugeordnet werden. Es kommen mehrere übereinander liegende Gesteinsschuppen vor. Malmkalke bilden die Gesteinsplatten westlich von Haldenstein. Kreidekalke formen unter anderem die markante Felsrippe, die vom Klettergarten über die Ruine Lichtenstein zur Ruine Grottenstein zieht. Daneben kommen in den Kreideschuppen gegen den Calanda hinauf auch Mergellagen vor.

Der Calanda ist geringmächtig von Moränenablagerungen bedeckt. Im nördlichen Teil von Haldenstein wird der Untergrund von Felssturzblöcken aufgebaut.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Silber ein pfahlgestelltes schwarzes Steinbockhorn mit Hornwurzel

Wappen der Herren von Haldenstein.

Geschichte[Bearbeiten]

Die frühesten archäologischen Funde in Haldenstein stammen aus der Jungsteinzeit und wurden bei der Ruine Lichtenstein gemacht. Im Dorfgebiet konnte eine spätbronzezeitliche Besiedlung nachgewiesen werden (um 800 v. Chr.). Im Schloss Haldenstein fand man römische Siedlungsreste. Urkundlich erwähnt wurde das Dorf wahrscheinlich erstmals 1149 als Herkunftsbezeichnung zum Personennamen Iohannes de Lanze. 1375 erscheint der Ortsname als Lentz inferior ‚Unterlenz‘; die Entsprechung des zur Unterscheidung von Oberlentz benutzten Zusatzes lebt im heutigen romanischen Namen Lantsch sut fort. Mit dem Übergange zur deutschen Sprache ersetzte ab dem 14. Jahrhundert der Name der oberhalb des Dorfs gelegenen Burg Haldenstein die ältere Siedlungsbezeichnung, deren Herkunft nicht geklärt ist.[2]

Im 13. und 14. Jahrhundert besassen die Ritter von Haldenstein Burg und Dorf als Lehen des Bistums Chur. 1424 erwarb Peter von Grifensee alle Hoheitsrechte, so dass Haldenstein von nun an (bis 1803) eine autonome Freiherrschaft war, unabhängig von den Drei Bünden. Nach mehreren Eigentümerwechseln gelangte 1542 der französische Gesandte Jean Jacques de Castion durch Heirat in den Besitz des Zwergstaats. 1544–48 entstand das neue Schloss, welches die Burg als Herrschaftsmittelpunkt allmählich ablöste. Auch in den folgenden Jahrhunderten mussten sich die Haldensteiner mit häufig wechselnden Herren arrangieren. Thomas von Schauenstein erhielt 1612 vom Kaiser das Münzrecht, was zum Prägen von Gold- und Silbermünzen ausgenützt wurde; 1616 führte er die Reformation ein.

1803 kam Haldenstein zu Graubünden. 1825 brannte ein grosser Teil des Dorfes ab. 1943 erfasste ein vom Zielgebiet des Churer Schiessplatzes ausgehender Waldbrand den ganzen Calandahang, verschonte aber das Dorf.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerungszahl von Haldenstein nahm in den letzten 200 Jahren im Ganzen und im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts, nach einem zwischenzeitlichen Einbruche, deutlich zu.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1803 1850 1900 1950 1970 1980 1990 2000 2002 2005
Einwohnerzahl 349 492 464 521 478 671 677 808 855 894

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Haldenstein finden 274 Personen Beschäftigung, wovon immerhin noch 13 % im primären Sektor (Landwirtschaft), 44 % im sekundären (Industrie/Gewerbe) und 43 % im Dienstleistungssektor arbeiten (Stand 2002). Rund zwei Drittel der Bewohner von Haldenstein finden allerdings ausserhalb der Gemeinde, zum Beispiel in Chur, Arbeit. Neben Landwirtschaftsbetrieben gibt es in Haldenstein Gewerbe- und Industriebetriebe – Bäckerei, Schreinerei, Metallbau, Verpackungsmaschinenbau, Kieswerk. Seit Frühjahr 2013 steht in Haldenstein die erste grosse Windenergieanlage des Kantons Graubünden.[3] Diese soll so viel Elektrizität produzieren, wie in Haldenstein verbraucht wird.[4]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt verkehrsgünstig nahe dem Autobahnanschluss Chur-Nord an der A13. Ans Netz des öffentlichen Verkehrs ist sie mit der (jenseits des Rheins auf Churer Gebiet gelegenen) Station Haldenstein der Rhätischen Bahn sowie der Stadtbuslinie 3 angeschlossen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Reformierte Kirche von 1732.
  • Burg Haldenstein. Die im 12. Jahrhundert erbaute Stammburg der Ritter von Haldenstein war mindestens bis 1695 bewohnt. Im 18. Jahrhundert verfiel sie zusehends, wozu auch ein Erdbeben 1787 massgeblich beitrug. Neben dem dreieckigen Bergfried mit fünf Geschossen haben sich Mauerreste des Wohntrakts erhalten.
  • Burg Lichtenstein, volkstümlich Katzenburg genannt. Die Feste der 1180 erwähnten, wohl mit den Rittern von Haldenstein verwandten Herren von Lichtenstein stammt aus derselben Epoche. Sie wurde bereits im 16. Jahrhundert als Ruine bezeichnet.
  • Burg Grottenstein. Von der unter einem Felsvorsprung gelegenen Höhlenburg fehlen urkundliche Zeugnisse. Ein rund 20 m langer Abschnitt der Frontmauer ist noch vorhanden.
  • Schloss Haldenstein. Das im 16. Jahrhundert im Renaissancestil am Dorfrand erbaute Schloss wurde 1732 nach einem Brand erneuert. Seit 1701 im Besitz der Salis-Maienfeld, beherbergte es 1763–71 eine Erziehungsanstalt des Philanthropismus. Heute wird das seit 1966 einer Stiftung gehörende, von 1986 bis 2005 restaurierte Gebäude von der Gemeindeverwaltung und vom Archäologischen Dienst des Kantons genutzt. Seit 2001 wird im Zweijahresrhythmus im Schloss eine Freiluftoper durch die kammerphilharmonie graubünden  unter der Leitung von Marcus R. Bosch aufgeführt.
  • Ensemble Zumthor: Atelier Zumthor, 1986[5] und Wohn- und Atelierhaus Zumthor, 2004[6], Architekt: Peter Zumthor
  • Haus Clavuot-Merz, 2002, Architekt: Conradin Clavuot[7]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Peter Zumthor (* 1943), Architekt, lebt und arbeitet in Haldenstein
  • Gimma (* 1980), Rapper, lebt in Haldenstein

Literatur[Bearbeiten]

  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band VII: Die Stadt Chur und der Kreis der fünf Dörfer. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 20). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1948, DNB 760079668.
  • Georg Lütscher: Geschichte der Freiherrschaft und Gemeinde Haldenstein. Überarbeitet und ergänzt von Silvio Margadant. Haldenstein 1995, ISBN 3-905241-51-X
  • Otto P. Clavadetscher, Werner Meyer: Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich 1984, S. 297–302, ISBN 3-280-01319-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Haldenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b Andres Kristol, Haldenstein GR (Landquart) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen– Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG).Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 427.
  3. Daten
  4. Calandawind.ch
  5. Ensemble Zumthor: Atelier Zumthor
  6. Ensemble Zumthor: Wohn- und Atelierhaus Zumthor
  7. Haus Clavuot-Merz