Ammendorf/Beesen

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Dieser Artikel behandelt den Stadtteil Ammendorf/Beesen der Stadt Halle (Saale). Zum Ortsteil Beesen an der Saale der Stadt Könnern im Salzlandkreis, siehe Beesenlaublingen.
Wappen von Halle
Ammendorf/Beesen
Stadtteil von Halle
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Koordinaten 51° 25′ 37″ N, 11° 58′ 57″ O51.42694444444411.9825Koordinaten: 51° 25′ 37″ N, 11° 58′ 57″ O.
Einwohner 6727 (31. Dez. 2013)
Eingemeindung 1. Jul. 1950
Vorwahl 0345
Verkehrsanbindung
Bundesstraße B91

Ammendorf/Beesen ist ein Stadtteil im Süden der Stadt Halle (Saale). Er besteht aus den ehemals selbstständigen Dörfern Ammendorf und Beesen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Nachweise einer Besiedlung des Gebietes stammen aus der Jungsteinzeit. Die erste urkundliche Erwähnung Ammendorfs erfolgte 1214 im Urkundenbuch der Stadt Halle. Ein gleichnamiges Adelsgeschlecht „von Ammendorf“ entstammte dem Ort.

Ammendorf, Beesen und die Nachbarorte Burg in der Aue und Planena lagen im südlichsten Teil des zum Erzstift Magdeburg gehörigen Saalkreises. Während Burg in der Aue unter der Verwaltung des Amts Giebichenstein stand, gehörten Ammendorf, Beesen und Planena zum Besitz der Theologischen Fakultät in Halle.[1][2] Zur Gerichtsbarkeit des Ritterguts Beesen gehörten u.a. die Orte Ammendorf, Pritschöna und Wesenitz. 1680 kamen die Orte an der Grenze zum kursächsischen Amt Merseburg mit dem Saalkreis zum Herzogtum Magdeburg unter brandenburg-preußischer Herrschaft.

Mit dem Frieden von Tilsit wurden die vier Orte im Jahr 1807 dem Königreich Westphalen angegliedert und dem Distrikt Halle im Departement der Saale zugeordnet. Sie kamen zum Kanton Glaucha.[3] Nach der Niederlage Napoleons und dem Ende des Königreichs Westphalen befreiten die verbündeten Gegner Napoleons Anfang Oktober 1813 den Saalkreis. Bei der politischen Neuordnung nach dem Wiener Kongress 1815 wurden Ammendorf, Beesen, Planena und Burg im Jahr 1816 dem Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen angeschlossen und dem Saalkreis zugeordnet.[4]

Am 1. April 1917 wurde Beesen nach Ammendorf eingemeindet.[5] Am 1. Mai 1920 folgte Planena[6] und am 1. Juni 1920 Burg in der Aue.[7] Ammendorf erhielt am 15. Dezember 1937 das Stadtrecht, welches der Ort bis zur Eingemeindung nach Halle am 1. Juli 1950 behielt.[8]

Ortsteile[Bearbeiten]

Ammendorf[Bearbeiten]

Ammendorf erstreckt sich über die östlichen Bereiche des Stadtteils und war früher ein eigenständiger Ort mit ca. 21.000 Einwohnern und einer Fläche von ca 1935 ha. Das Ortszentrum markiert die Dorfkirche St. Katharinen, die auf einem Hügel oberhalb des nördlichen Randes der Saale-Elster-Aue steht.

Märzkämpfe in Mitteldeutschland im Frühjahr 1921 in Deutschland, Gesprengter Eisenbahnkörper in Ammendorf bei Halle (24. April 1921)
Die Schafbrücke über die Elster bei Ammendorf vor der Mündung in die Saale
Siegelmarke Gemeinde Ammendorf

Ammendorf hatte eine große Bedeutung bei der Industrialisierung der Stadt Halle. Frühzeitig begann die Nutzung der Braunkohle, welche in Ammendorf abgebaut wurde. Es entstand u.a. 1858 die erste Brikett-Fabrik (System Ing. Carl Exter) der Welt. Später erfolgten Industrieansiedlungen der Chemischen Industrie und des Maschinenbaus. Am bekanntesten war der Waggonbau Ammendorf (LOWA), gegründet als Waggonfabrik Gottfried Lindner AG.

In Ammendorf stand auch eine der größten Giftgas-Fabriken Deutschlands, die Orgacid GmbH. Bis 1945 wurde hier ca. 26.000 t des Kampfstoffes S-Lost (Senfgas) hergestellt, kam aber im Zweiten Weltkrieg nicht mehr zum Einsatz. Unter dem ehemaligen Ammendorfer Firmengelände an der heutigen Camillo-Irmscher-Straße liegen acht weitverzweigte grüngeflieste Zisternen, die auf Grund fehlender Baupläne nur schwer zu entgiften waren und nach der Wende hermetisch versiegelt wurden. Dennoch gelangten noch 1990 30 Tonnen Giftstoffe durch das Grundwasser an die Oberfläche. In Ammendorf war von 1933 an ein sehr beliebtes und stets gut besuchtes Sommerfreibad (Entwidmung als öffentliche Einrichtung: 2010, Abriss: 2013) in Betrieb, welches bis zur Schließung aus Kostengründen nach Ende der Sommersaison 2003 Freizeit, - und Erholungsraum für den Süden Halles bot.[9]

Beesen[Bearbeiten]

Beesen ist deutlich kleiner als Ammendorf und erstreckt sich über den westlichen Bereich des Stadtteils. Im Gutshof von Beesen, wurde 1594 eine Brauerei errichtet. Das Braumalz lieferte die Böllberger Mühle. Das Bier hieß Broihan und wurde in der Ammendorfer Broihanschenke verkauft. Heute hat Beesen keine größere Bedeutung, es ist hauptsächlich für das Spaßbad Maya Mare bekannt. In Beesen befindet sich die Endhaltestelle Beesen der Straßenbahn Halle. Sehenswert ist die aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirche St. Elisabeth.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch Ammendorf führt die Bundesstraße 91, östlich des Ortes befindet sich der Bahnhof Halle-Ammendorf an der Thüringer Bahn. Am Bahnhof befindet sich außerdem die Straßenbahnendhaltestelle Ammendorf.

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Engel: Ammendorf. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, 2. Auflage 2001.
  • Peter Findeisen und Dirk Höhne: Die Dorfkirchen in Halle (Denkmalorte – Denkmalwerte Bd. 3). Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt - Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle 2006, ISBN 3-939414-00-X. Zur St. Katharinenkirche in Ammendorf S. 22–31, zur St. Elisabethkirche in Beesen S. 32–45.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ammendorf/Beesen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erwähnung der Ores im Buch "Geographie für alle Stände", S.124 und 128f.
  2. Geschichte von Ammendorf
  3. Beschreibung des Saale-Departements
  4. Der Saalkreis im Gemeindeverzeichnis 1900
  5. Beesen auf gov.genealogy.net
  6. Planena auf gov.genealogy.net
  7. Burg auf gov.genealogy.net
  8. Halle (Saale) und seine Ortsteile auf gov.genealogy.net
  9. Halles Sommerbad verschwindet, Mitteldeutsche Zeitung online vom 7. Juli 2013, abgerufen am 6. November 2013.