Halle-Saale-Schleife

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Streckenprofil der Halle-Saale-Schleife

Die Halle-Saale-Schleife ist eine Motorsport-Rennstrecke in Halle (Saale).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1950 regten sich erste Gedanken in der Hallenser Motorsportgemeinschaft (MSG Halle e. V.), den Rennsport in Stadtnähe zu ermöglichen. Es wurde beschlossen, eine für Motorrad- und Automobilrennen geeignete Strecke westlich der Peißnitzinsel anzulegen. Mit einem Budget von 135.000 Ost-Mark wurde am 26. März 1950 der erste Spatenstich gesetzt. Schon am 10. Juni konnte die Strecke fertiggestellt werden. Insgesamt wurden 1,2 km neue Streckenführung errichtet und über 4000 t Baumaterial bewegt.[1]

Am 25. Juni 1950 wurden die Eröffnungsrennen bestritten. Erster Sieger war der Zwickauer Erhart Krumpholz auf IFA-DKW im Lauf der Motorräder bis 125 cm³.[2] Schon am 10. Oktober 1954 wurde im Innenraum der Strecke ein Grasbahnrennen ausgetragen. Die Grasbahn wurde in den 1960er-Jahren vom Neubau der Eissporthalle sowie einer Go-Kart-Strecke verdrängt. Am 23. April 1967 wurde das 22. und für die nächsten 43 Jahre das vorerst letzte Rennwochenende auf der Halle-Saale-Schleife begangen, da infolge des raschen Wachstums von Halle-Neustadt keine Motorsportveranstaltungen mehr möglich waren. Sieger im Rennen der Formel 3 wurde Paul Deetens auf Brabham.[2] Ab 2010 wurden durch die German-Road-Racing GmbH Motorradrennen geplant, aber bisher nur 2010 durchgeführt.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im April 1951 fuhr hier der erste "sozialistische" Formel-2-Rennwagen.[3]
  • Im Jahr 1953 ging hier das MZ-Werksteam erstmals an den Start.[4]
  • Auf der Strecke debütierte Brigitte Döhler, wurde sofort Dritte und gewann bald darauf auch auf der Halle-Saale-Schleife.[5]
  • Joachim Jahnke, der die Halle-Saale-Schleife als seine Hausstrecke betrachtete, sah sich nach einer neuen Strecke um und wurde im nahen Teutschenthal fündig, wo er den Talkessel Teutschenthal etablierte.[6]

Rennen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Formelrennen 1950–1967[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Sieger Fahrzeug Rennserie Quellen
1950 Deutschland Demokratische Republik 1949Deutsche Demokratische Republik DDR Paul Greifzu BMW Greifzu Formel 2 [7]
1951 Deutschland Demokratische Republik 1949Deutsche Demokratische Republik DDR Rudolf Krause BMW Greifzu Formel 2 [8][9]
Deutschland Demokratische Republik 1949Deutsche Demokratische Republik DDR Karl-August Bergmann Grün KB BMW Formel 3
1951 Deutschland Demokratische Republik 1949Deutsche Demokratische Republik DDR Paul Greifzu BMW Greifzu Formel 2 [10]
1952 Deutschland Demokratische Republik 1949Deutsche Demokratische Republik DDR Edgar Barth IFA-DAMW Formel 2 [11]
DeutschlandDeutschland BRD Hellmut Deutz Scampolo 501 Formel 3
1952 DeutschlandDeutschland BRD Kurt Kuhnke Cooper T11 (Cooper Car Company) Formel 3 [12]
1953 Deutschland Demokratische Republik 1949Deutsche Demokratische Republik DDR Edgar Barth EMW 52/53 Formel 2 [13][14]
Deutschland Demokratische Republik 1949Deutsche Demokratische Republik DDR Gerhard Zschoche Grün BMW Formel 3
1953 DeutschlandDeutschland BRD Kurt Kuhnke Cooper T11 Formel 3 [15]
1954 Deutschland Demokratische Republik 1949Deutsche Demokratische Republik DDR Rudolf Krause BMW Greifzu Formel 3 [16]
DeutschlandDeutschland BRD Theo Helfrich Cooper T31 Formel 3
1955 DeutschlandDeutschland BRD Kurt Ahrens sen. Cooper T36 Formel 3 [17]
1956 DeutschlandDeutschland BRD Kurt Ahrens sen. Cooper T42 Formel 3 [18]
1957 DeutschlandDeutschland BRD Kurt Kuhnke Cooper T26 Formel 3 [19]
1958 DeutschlandDeutschland BRD Kurt Ahrens sen. Cooper T42 Formel 3 [20]
1959 DeutschlandDeutschland BRD Kurt Ahrens sen. Cooper T42 Formel 3 [21]
1960 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR Heinz Melkus Melkus 60 Formel Junior [22]
1961 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR Willy Lehmann Scampolo 502 Formel Junior [23]
FinnlandFinnland Finnland Jouko Nordell Cooper T52 Formel Junior
1962 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR Willy Lehmann Wartburg SEG I Formel Junior [24]
SchweizSchweiz Schweiz Silvio Moser Lotus 20 Formel Junior
1963 FrankreichFrankreich Frankreich Éric Offenstadt Lola Mk5A Formel Junior [25]
Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR Hans Roediger Melkus 63 Formel Junior
1964 BelgienBelgien Belgien Jacques Bernusset Cooper T72 Formel 3 [26]
1965 BelgienBelgien Belgien Jacques Bernusset Cooper T76 Formel 3 [27]
1966 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR Willy Lehmann Wartburg SEG II Formel 3 [28]
1967 BelgienBelgien Belgien Paul Deetens Brabham BT16 Formel 3 [29]
Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR Siegfried Scholz Wartburg SEG II Formel 3

2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinz Rosner, der Drittplatzierte in der 250-cm³-Klasse

Am 10. Juli 2010 wurde der Rennbetrieb mit dem 23. Internationalen Halle/Saale-Schleifen-Rennen durch den Veranstalter des Fischereihafen-Rennens in Bremerhaven, der German-Road-Racing GmbH, wieder aufgenommen.[30] Vor ca. 8500 Zuschauern wurden sieben Wertungsklassen und zusätzlich zwei Klassen Demonstrationsläufe ohne Wertung gefahren. Den dritten Platz in der 500-cm³-Klasse belegte der damals 71-jährige Heinz Rosner auf einer Werks-MZ-RE Twin (Baujahr 1968). Rosner bestritt bereits 1958 als 19-Jähriger auf der Halle-Saale-Schleife sein erstes Motorradrennen und belegte in den folgenden Jahren auf dieser Strecke mehrere zweite und dritte Plätze.[31]

2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das geplante 24. Internationale Halle/Saale-Schleifen-Rennen wurde im April 2011 vom Veranstalter abgesagt. Grund waren Auflagen der Stadt Halle und mangelndes Sponsoreninteresse.[32] Der Veranstalter seinerseits begründete die Absage mit Problemen, das nötige Budget für das Rennen zusammen zu bekommen.[33]

Start der Super Bike Open 2010, Didier Grams (Startnummer 26) in Führung

Hochwasser 2013 und die Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem Hochwasser im Juni 2013 standen Teile der Strecke unter Wasser und der westlich angrenzende größte Stadtteil Halle-Neustadt war bedroht. Der hier schützende Gimritzer Damm wurde beschädigt und musste mit Sandsäcken verstärkt werden, um das Durchsickern zu verhindern.[34][35] Daher gab es Pläne, einen neuen Damm zu errichten.[36]

Im Juli 2013 wurde der östliche Teil der Rennstrecke abgerissen um einem neuen Hochwasserschutzdeich Platz zu schaffen. Dem halleschen Oberbürgermeister Bernd Wiegand wurde im dem Zusammenhang vorgeworfen, eigenmächtig und ohne den Stadtrat zu beteiligen vorgegangen zu sein, was das Verwaltungsgericht Magdeburg 2021 letztlich bestätigte.[37] Im November 2013 wurde für den Erhalt der Strecke demonstriert.[38] Das Verwaltungsgericht Halle verhängte im März 2015 einen Baustopp für den neuen Hochwasserschutzdeich, der vom Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt im Mai 2015 bestätigt wurde.[39] Nach einem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Sachsen-Anhalt im Mai 2020 wurde der Baustopp aufgehoben und die Stadt Halle plant nach Errichtung des Deiches die Halle-Saale-Schleife wieder herzurichten.[40][41]

Streckenführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Teilabriss 2013 existierten alle Teile der ursprünglichen Rennstrecke von 1967 und dienten dem öffentlichen Straßenverkehr. Start- und Ziel der 5,267 km[42] langen Strecke lagen bis 1967 auf dem Gimritzer Damm, der damals als Betongerade bezeichnet wurde. Gefahren wurde von dort aus in Richtung Südkehre, von der aus es auf das Peißnitzgelände ging. Nach Durchfahrung der langgezogenen Kurve der Jugend und einer folgenden Gerade ging es über die schnelle Weinbergkurve auf den Weinbergweg in Richtung Kröllwitz. Nach einer 90°-Linkskurve, der Nordkurve, führte die Strecke an der heutigen Uniklinik vorbei auf den Hubertusplatz. Diese Kehre wurde als Hubertuskehre oder auch Friedensring bezeichnet. Von dort aus ging es über zwei Kilometer fast vollgas über die Heideallee und Start- und Ziel bis hin zur Südkehre. Bei einigen Veranstaltungen wurde auch eine auf 2,66 km verkürzte Variante mit einer Kehre vor der Weinbergkurve zum Gimritzer Damm hin befahren.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Halle-Saale-Schleife – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freiheit: Seit 15 Jahren heulen die Motoren im Mai 1965.
  2. a b Mike Jordan: Ergebnisse der Straßenrennen auf der Halle-Saale-Schleife 1950–1967.
  3. Thomas Imhof: Wie Ferrari dreist DDR-Wagen ausspionierte. In: Welt. 5. Dezember 2014, abgerufen am 23. Juli 2020.
  4. Günther Wiesinger: Die Ernst-Degner-Affäre: Der große Deal (Teil 1). In: speedweek.com. 10. Januar 2015, abgerufen am 23. Juli 2020.
  5. Brigitte Döhler liebt die Geschwindigkeit. Renn-Damen der DDR wurde kürzlich 80 Jahre. In: blick.de. 12. September 2018, abgerufen am 23. Juli 2020.
  6. Thoralf Abgarjan: Bundesverdienstorden für Joachim Jahnke. In: speedweek.com. 23. September 2015, abgerufen am 23. Juli 2020.
  7. I. Halle-Saale-Schleife-Rennen 1950
  8. II. Halle-Saale-Schleife-Rennen 1951
  9. Halle-Saale-Schleife-Rennen - 1. Lauf DDR
  10. III. Halle-Saale-Schleife-Rennen 1951
  11. IV. Halle-Saale-Schleife-Rennen 1952
  12. Halle-Saale-Schleife-Rennen
  13. V. Halle-Saale-Schleife-Rennen 1953
  14. Halle-Saale-Schleife-Rennen - 3. Lauf DDR
  15. Halle-Saale-Schleife-Rennen
  16. VI. Halle-Saale-Schleife-Rennen 1954
  17. | tytuł = Halle-Saale-Schleife-Rennen - 3. Lauf DDR
  18. Halle-Saale-Schleife-Rennen - 2. Lauf DDR
  19. Halle-Saale-Schleife-Rennen - 1.LAUF DDR
  20. Halle-Saale-Schleife-Rennen - 1.LAUF DDR
  21. Halle-Saale-Schleife-Rennen
  22. Halle-Saale-Schleife-Rennen - 1. Lauf DDR
  23. Halle-Saale-Schleife-Rennen - 1. Lauf DDR
  24. Halle-Saale-Schleife-Rennen - 2. Lauf DDR
  25. Halle-Saale-Schleife-Rennen - 1. Lauf DDR
  26. Halle-Saale-Schleife-Rennen - 1. Lauf DDR
  27. Halle-Saale-Schleife-Rennen - 1. Lauf DDR
  28. Halle-Saale-Schleife-Rennen - 1. Lauf DDR
  29. Halle-Saale-Schleife-Rennen - 1. Lauf DDR
  30. Halle-Saale-Schleife wird wieder zur Rennstrecke
  31. Michael Sonnick: Mister MZ Heinz Rosner feiert 80. Geburtstag. In: Vogtlandspiegel. 12. Januar 2019, abgerufen am 23. Juli 2020.
  32. Halle-Saale-Schleifen-Rennen abgesagt@1@2Vorlage:Toter Link/www.halleforum.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  33. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven:@1@2Vorlage:Toter Link/www.fischereihafen-rennen.de Absage Halle Saale Schleife
  34. Deutschland versinkt im Hochwasser. Land unter in Bayern und Sachsen. n-tv, 3. Juni 2013, abgerufen am 23. Juli 2020.
  35. Hochwasserschutz. Gimritzer Damm in Halle kann erneuert werden. Mitteldeutscher Rundfunk, 17. Februar 2020, abgerufen am 23. Juli 2020.
  36. Hochwasserschutz: neuer Damm auf der Halle-Saale-Schleife. HalleSpektrum, 15. Juli 2013, abgerufen am 23. Juli 2020.
  37. Niederlage für Wiegand vor Gericht - Wegen drei Verfehlungen: Halles OB wird das Gehalt gekürzt
  38. Halle-Saale-Schleife: Demo für den Erhalt von Halles Rennstrecke. HalleSpektrum, 12. November 2013, abgerufen am 23. Juli 2020.
  39. https://ovg.sachsen-anhalt.de/aktuelles/pressemitteilungen/?cHash=aa5ab0d44396eca23a1917c97edf1426&tx_tsarssinclude_pi1%5Baction%5D=single&tx_tsarssinclude_pi1%5Bcontroller%5D=Static&tx_tsarssinclude_pi1%5Buid%5D=64947 Pressemitteilung des OVG Sachsen-Anhalt
  40. Gimritzer Damm. Ursprüngliche Variante wegen Untergrund problematisch. HalleSpektrum, 20. November 2013, abgerufen am 23. Juli 2020.
  41. Wiederherstellung der Halle-Saale-Schleife aus Flutmitteln? HalleSpektrum, 23. Mai 2016, abgerufen am 23. Juli 2020.
  42. Streckenbeschreibung im Programmheft vom ersten Rennen am 25. Juni 1950

Koordinaten: 51° 29′ 29″ N, 11° 56′ 38″ O