Halle (Saale) Hauptbahnhof

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Halle (Saale) Hbf
Empfangsgebäude
Empfangsgebäude
Daten
Lage im Netz Kreuzungsbahnhof
Bauform Inselbahnhof
Bahnsteiggleise 12 + 1
Abkürzung LH
IBNR 8010159
Kategorie 2
Eröffnung 8. Oktober 1890
Profil auf Bahnhof.de Halle__Saale__Hbf
Architektonische Daten
Architekt Friedrich Peltz
Lage
Stadt/Gemeinde Halle (Saale)
Land Sachsen-Anhalt
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 28′ 41″ N, 11° 59′ 12″ O51.47805611.986667Koordinaten: 51° 28′ 41″ N, 11° 59′ 12″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Sachsen-Anhalt
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Halle (Saale) Hauptbahnhof ist der wichtigste Personenbahnhof der Stadt Halle (Saale) im südlichen Sachsen-Anhalt. Er liegt im Osten der Innenstadt und gehört zur Bahnhofskategorie 2. Als Station für den Schienenfern- und Regionalverkehr ist der hallesche Hauptbahnhof gleichzeitig der wichtigste Verkehrsknotenpunkt des Bundeslandes. Daneben ist er in das Netz der S-Bahn Mitteldeutschland eingebunden.

Täglich steigen bis zu 30.000 am Bahnhof ein, aus oder um (Stand: 2015). Rund 600 Züge des Personenfern- und -Nahverkehrs sowie der S-Bahn halten am Bahnhof.[1]

Anlage[Bearbeiten]

Personenunterführung im Bahnhof

Der Haller Hauptbahnhof ist ein Inselbahnhof. Das Empfangsgebäude befindet sich in der Mitte zwischen den Gleisen 6 und 7.

Insgesamt besitzt der Bahnhof 13 Bahnsteiggleise, wovon 10 von Bahnhofshallen überdacht werden. In den Bahnhofshallen sind kleine Läden und Gastronomiebetriebe ansässig.

Nordöstlich der Gleisanlagen des Personenbahnhofs befindet sich der Güterbahnhof Halle.

Geschichte[Bearbeiten]

Bahnhöfe als Vorläufer des Hauptbahnhofs[Bearbeiten]

Mitte 1840 baute die Magdeburg-Köthen-Halle-Leipziger Eisenbahn-Gesellschaft – initiiert vom damaligen Stadtrat Matthäus Ludwig Wucherer, der sich für eine Strecke von Magdeburg nach Leipzig über Halle aussprach – die erste Station in Halle, die 1845 bis 1847 durch den Anschluss der Thüringer Bahn nochmals umgebaut wurde. Die Besonderheit der Strecke zwischen Magdeburg und Leipzig liegt darin, dass sie die erste grenzüberschreitende Eisenbahnverbindung von Preußen durch Anhalt-Köthen nach Sachsen war und als zweite deutsche Ferneisenbahn gilt.

Entstehung des Hauptbahnhofes[Bearbeiten]

Der Hauptbahnhof auf einer Postkarte um 1900

Durch weitere Streckenanschlüsse wurde der Bahnhof bald zu klein, konnte aber durch Einigungsprobleme der verschiedenen Bahngesellschaften über ein Gesamtkonzept nicht erweitert werden. Am 8. Oktober 1890, nach der Verstaatlichung einer Gesellschaft und nach fünfjähriger Bauzeit wurde der neue Personenbahnhof eröffnet. Mit dem Entwurf und der Bauausführung wurde Friedrich Peltz betraut.[2]

Umbauten des Hauptbahnhofes[Bearbeiten]

Die Bahnhofshalle wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend vor der Zerstörung verschont, lediglich der Speisesaal 1. und 2. Klasse erhielt einen leichten Bombentreffer.

Museumsloks im Bw Halle P am 15. Juni 1988

1967 wurde die S-Bahn eröffnet und dafür ein neuer Bahnsteig an der Westseite hinzugefügt. Die Bahnhofshalle wurde 1967/68 ganz im Sinne der damaligen Architektur und Ideologie mit Aluminium-Wellblech-Verkleidungen umhüllt, was dem Bahnhof das typische sozialistisch-moderne Aussehen verlieh. Bereits 1984 wurden diese Verkleidungen wieder entfernt. Die Kuppelhalle, die Vorhalle sowie der Speisesaal Ost wurden saniert.

Im Jahr 2002 wurde der Bahnhof umfangreich saniert, umgebaut und mit Einkaufsmöglichkeiten ausgestattet. Zur Einbindung der im Bau befindlichen Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle wurde zwischen 2005 und 2011 die südliche Zufahrt auf einer Länge von fünf Kilometern umfassend umgebaut.[3]

Für die Zukunft sind weitere Ausbaumaßnahmen des Eisenbahnknotens Halle mit einem Investitionsvolumen von rund 400 Millionen Euro geplant.[4] Am 26. September 2012 fand der symbolische Spatenstich zum Bau der 146 Millionen Euro teuren neuen Zugbildungsanlage Halle statt.[5] Eine zweite Ausbaustufe umfasst die nördliche Einbindung der Ausbaustrecke Berlin–Halle/Leipzig (VDE 8.3) sowie die Erneuerung der Gleis- und Oberleitungsanlagen im Bahnhofsbereich. Zwei neue Elektronische Stellwerke werden 20 bisherige Stellwerke ersetzen. Ende Oktober 2012 wurde die zugehörige Finanzierungsvereinbarung über 252 Millionen Euro unterzeichnet, hiervon trägt 223 Millionen Euro der Bund.[6] Weitere Finanzierungsvereinbarungen stehen noch aus (Stand: Juni 2013).[7]

Der Bahnknoten soll ab September 2014 für mehr als 500 Millionen Euro saniert werden. Dabei sollen unter anderem die Neu- und Ausbaustrecken sowie der Güterbahnhof eingebunden sowie alle Bahnsteige des Hauptbahnhofs abgerissen und neu aufgebaut werden. Die Einbindung an die Schnellfahrstrecken soll zwischen 2015 und 2017 erfolgen, der Hauptbahnhof selbst soll in den Jahren 2016 und 2017 umgebaut werden. Das Vorhaben, das aus finanziellen Gründen wiederholt verschoben worden war, gilt als das größte Infrastrukturvorhaben der Deutschen Bahn in Sachsen-Anhalt.[7] Die zulässige Höchstgeschwindigkeit im Bahnhofsbereich soll von 40 auf 160 km/h angehoben werden.[8]

Anfang Dezember 2013 schrieb die Deutsche Bahn ein Paket europaweit aus, das unter anderem den Rückbau von 28 km Gleis und 71 Weichen sowie den Neubau von 22 km Gleis und 150 Weichen umfasst. Die Maßnahmen sollen zwischen August 2014 und März 2017 umgesetzt werden.[9]

Im Rahmen eines fünftägigen Vollsperrung sollen am 28. November 2015 54 neue Weichen und vier Kilometer Gleis in Betrieb gehen. Im Jahresfahrplan 2016 soll die Ostseite des Hauptbahnhofs für ein Jahr gesperrt und umgebaut werden, im Jahresfahrplan 2017 soll die Westseite folgen.[8] Der Umbau soll 2018 abgeschlossen werden.[1]

Auf eine zunächst vorgesehene Verknüpfung des Fernverkehrs Berlin–Erfurt und Magdeburg–Leipzig an einem gemeinsamen Bahnsteig je Richtung, einschließlich niveaufreier Ein- und Ausfädelungen, wurde aus Kostengründen verzichtet.[10]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Fernverkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof liegt an der Schnittstelle der Eisenbahnverbindungen Berlin–Erfurt und Dresden–Magdeburg. Halle ist an das Fernverkehrsnetz der deutschen Bahn durch zwei IC-Linien, eine ICE-Linie und eine Nachtreisezuglinie (CNL) angebunden. Die beiden Intercitylinien IC 55 und IC 56 verdichten sich zwischen Leipzig und Hannover gemeinsam zu einem Stundentakt. [11] Die Bahnstrecke Berlin–Halle wurde bis 2006 ausgebaut. Der Bahnverkehr Richtung Erfurt wird seit dem 13. Dezember 2015 südlich von Halle auf die Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle geführt.

Mit zusammen 146 regelmäßigen An- und Abfahrten pro Tag im Fernverkehr war der Hauptbahnhof im Sommerfahrplan 1989 der viertbedeutendste Knoten im Netz der Deutschen Reichsbahn.[12]

Linie Linienverlauf Takt EVU
ICE 15 (StralsundPasewalkEberswalde –) BerlinHalle (Saale)ErfurtFrankfurt (Main) einzelne Züge DB Fernverkehr
IC 55 DresdenRiesaLeipzigHalle (Saale)MagdeburgBraunschweigHannoverBielefeldDortmundWuppertalKöln 120 min DB Fernverkehr
IC 56 Leipzig – Flughafen Leipzig/HalleHalle (Saale) – Magdeburg – Braunschweig – Hannover – BremenOldenburgLeerEmden 120 min DB Fernverkehr
CNL Berlin – Lutherstadt WittenbergHalle (Saale) – Erfurt – Frankfurt (Main) SüdKarlsruheFreiburgBaselZürich einzelner Zug DB Fernverkehr


Regionalverkehr[Bearbeiten]

Linie Linienverlauf Takt EVU
RE 3 Halle (Saale) – Bitterfeld – Lutherstadt Wittenberg – Jüterbog – BerlinEberswaldeAngermündeSchwedt (Oder) einzelner Zug DB Regio Nordost
HEX 4 Halle (Saale) – Könnern – Aschersleben – Halberstadt – Wernigerode – Ilsenburg – VienenburgGoslar 120 min Transdev
RE 9 Bitterfeld – Halle (Saale) – Lutherstadt Eisleben – Sangerhausen – NordhausenLeinefeldeKassel-Wilhelmshöhe 120 min Abellio
RE 19 (Dessau –) Bitterfeld – Halle (Saale) – Lutherstadt Eisleben – Sangerhausen – Nordhausen – Leinefelde 120 min Abellio
HEX 24 Halle (Saale) – Könnern – Sandersleben – Aschersleben – Gatersleben – Halberstadt 120 min Transdev
RE 30 Magdeburg – Calbe (Saale) – KöthenHalle (Saale)MerseburgNaumburg (Saale) 060 min DB Regio Südost
RB 20 Halle (Saale) – Merseburg – Weißenfels – Naumburg – ApoldaWeimar – Erfurt – Gotha – Eisenach 060 min (Mo–Fr)
120 min (Sa–So)
Abellio
HEX 47 Halle (Saale) – Halle-Trotha – Wallwitz – Könnern – Baalberge – Bernburg 060 min (Mo–Fr)
120 min (Sa–So)
Transdev
RB 75 EilenburgDelitzschHalle (Saale) – Röblingen am See – Lutherstadt Eisleben (– Sangerhausen – Nordhausen) 060 min (Mo–Fr)
120 min (Sa–So)
Abellio
DB Regio Südost
RB 80 Halle (Saale) – Bitterfeld – Gräfenhainichen – Lutherstadt Wittenberg (– Zahna / Jüterbog) einzelne Züge DB Regio Südost
S 3 Halle-Trotha – Halle (Saale) – Schkeuditz – Leipzig – Leipzig-Connewitz – Markkleeberg – Borna – Geithain 060 min (Trotha–Halle)
030 min (Halle–Borna)
060 min (Borna–Geithain)
DB Regio Südost
S 5 Halle (Saale) – Leipzig/Halle Flughafen – Leipzig – Leipzig-Connewitz – Markkleeberg – AltenburgZwickau 060 min (Halle–Altenburg)
120 min (Altenburg–Zwickau)
DB Regio Südost
S 7 Halle (Saale) – Halle-Silberhöhe – Halle Neustadt – Halle-Nietleben 030 min DB Regio Südost

Innerstädtische Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Bahnhofsvorplatz mit Straßenbahnquerung

Im Öffentlichen Personennahverkehr ist der Hauptbahnhof über die Straßenbahnlinien 2, 4, 5, 7, 9, 10 und 12 sowie die Stadtbuslinien 30 und 43 der HAVAG angebunden. Über die Straßenbahnstrecke Halle–Bad Dürrenberg mit der darauf verkehrenden Linie 5 besteht eine Verbindung über Schkopau, Merseburg und Leuna bis Bad Dürrenberg. Am westlichen Bahnhofsausgang befindet sich der zentrale Omnibusbahnhof der Stadt.

Der hallesche Hauptbahnhof liegt direkt am Riebeckplatz, einer der verkehrsreichsten Kreuzungen Ostdeutschlands. Mehrspurige Straßen gibt es nach Norden (B 6, in Richtung A 14), Süden (B 6 in Richtung Leipzig, B 91 in Richtung Merseburg und A 38), Westen (B 80 nach Halle-Neustadt und Eisleben). In Richtung Osten gibt es einen weiteren Anschluss zur A 14.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ralf Jacob: Hauptbahnhof Halle (Saale): Historie und Tradition, Zukunft und Vision. VGN Verlag Neddermeyer, 2015, ISBN 9783941712508.
  •  DB ProjektBau (Hrsg.): Bahnknoten Halle (Saale) – Elektronisches Stellwerk mit Spurplanumbau. August 2014 (Broschüre, PDF; 875 KB, abgerufen am 12. August 2015).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Halle (Saale) Hauptbahnhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Ralf Jacob: Hauptbahnhof Halle (Saale): Historie und Tradition, Zukunft und Vision. VGN Verlag Neddermeyer, 2015, ISBN 9783941712508, S. 9.
  2.  Ministerium für öffentliche Arbeiten (Hrsg.): Amtliche Mittheilungen. In: Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 9, Berlin 27. Februar 1886, S. 81 (PDF; 1,8 MB, abgerufen am 12. August 2015).
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatLetzte Etappe zur Einbindung der Neubaustrecke in das Stadtgebiet Halle. Deutsche Bahn, 27. März 2011, abgerufen am 10. Dezember 2012.
  4. Deutsche Bahn AG (Hrsg.): Bahngipfel in Sachsen-Anhalt: Landesregierung und Deutsche Bahn treiben Schienenausbau voran. Presseinformation vom 4. April 2012.
  5. Deutsche Bahn startet mit Modernisierung der Zugbildungsanlage Halle (Saale). 26. September 2012, archiviert vom Original am 1. Januar 2013, abgerufen am 12. Dezember 2012.
  6. Rund 252 Millionen Euro für den Ausbau des Eisenbahnknotens Halle. Deutsche Bahn AG, 29. Oktober 2012, archiviert vom Original am 21. Januar 2013, abgerufen am 16. November 2012.
  7. a b Michael Tempel: 500 Millionen für neues Gleisnetz rund um Halle. In: Mitteldeutsche Zeitung. 26. Juni 2013, abgerufen am 12. August 2015.
  8. a b Nächste Etappe beim Umbau des Bahn-Knotens Halle (Saale) für neue Qualität des Reise- und Güterverkehrs. Deutsche Bahn, 12. November 2015, abgerufen am 20. November 2015 (deutsch).
  9. Deutschland-Leipzig: Bauarbeiten für Eisenbahnlinien. Dokument 2013/S 235-408788 vom 4. Dezember 2013 im Supplement zum Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union.
  10.  Andreas Schaack: Gern „vergessene“ Fakten zur ABS/NBS Berlin–Nürnberg. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 10, 2015, ISSN 1421-2811, S. 514–516.
  11. Streckenkarte City Night Line. Deutsche Bahn, November 2014, abgerufen am 12. August 2015 (PDF; 721 KB).
  12.  Ralph Seidel: Der Einfluss veränderter Rahmenbedingungen auf Netzgestalt und Frequenzen im Schienenpersonenfernverkehr Deutschlands. Dissertation an der Universität Leipzig. Leipzig 2005, S. 48.