Hallstatt (China)

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Hallstatt in China.

Hallstatt (五矿·哈施塔特) ist eine Wohnsiedlung der Stadt Luoyangzhen im Distrikt Boluo in der südchinesischen Provinz Guangdong. Der Kern der Wohnsiedlung ist dem Ortskern von Hallstatt in Österreich nachmodelliert.

Das Areal wurde von der Minengesellschaft China Minmetals für über 900 Millionen US-Dollar[1] gebaut. Die Wohnungen in der Anlage sind meist noch im Bau und stehen zum Verkauf. Das Zentrum des Gebiets enthält eine Kopie der Kirche, des Brunnens und verschiedener Objekte aus dem ursprünglichen Hallstatt in Österreich.

Blaupause Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hallstatt 2.0 - Model-Nachbau

Die Besitzerin des Seehotels Grüner Baum in Hallstatt, Monika Wenger, erfuhr als erste Hallstätterin von den Plänen und teilte diese der Öffentlichkeit mit.[2][3][4] Dies führte zu einer weltweiten Berichterstattung[5][6][7][8][9] und bald darauf zu einem sehr starken Anstieg der Touristen-Zahl im österreichischen Hallstatt.[10] Auch die Besucherzahlen chinesischer Touristen stiegen dort in den folgenden Jahren an.[6]

Während Teile der Bevölkerung von Hallstatt die chinesischen Pläne mit Skepsis betrachteten, sagte Bürgermeister Alexander Scheutz, er habe in dem Projekt eine Chance für den Tourismus im ursprünglichen Hallstatt gesehen. Zur Eröffnungszeremonie im Jahr 2012 war er persönlich anwesend und unterzeichnete eine Vereinbarung für den Kulturaustausch.[11]

Diese zwei Autostunden nördlich von Hongkong gelegene Kopie in China ist symmetrisch gespiegelt zu ihrem 8881 km entfernten Original in Österreich. Selbst die Schachtdeckel tragen Inschriften ihrer Vorbilder. Die Kopie der Kirche diente zunächst als Showroom für Immobilienmakler.[12] Auf dem Marktplatz steht eine englische Telefonzelle.[6]

Ähnliche Projekte in China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau von Hallstatt ist Teil eines Trends in China, andere Teile der Welt nachzuahmen oder wieder aufzubauen. Während dies das einzige Beispiel ist, bei dem ein ganzer Stadtkern repliziert wurde, gibt es viele ähnliche Orte in China. Weitere Beispiele sind Nachbildungen des Eiffelturms und mehrere Kopien europäischer Burgen in Chongqing. Viele dieser Kopien sind Wohnungsbau für die wohlhabendere chinesische Bevölkerung. So hatten die von westlichen Architekten gestalteten Planstädte One City, Nine Towns in Shanghai nach dem Bau viel Leerstand. Der an Jackson (Wyoming) angelehnte Ferienort Jackson Hole (China) – auch Heimatstadt USA in der Region Hebei außerhalb Pekings, sowie das im Norden Pekings gelegene Ju Jun, angelehnt an Orange County (Kalifornien) waren gefragter. Eine Europäische Straße und einige Nachbauten Venedigs sind auch in Einkaufszentren zu finden.

Künstlerische Aufarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der österreichische Künstler Norbert Artner stellte die beiden Hallstatt im Projekt HALLSTATT REVISITED fotografisch gegenüber.[13][14]

Rundfunkberichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Silke Ballweg/haet: Geklaute Bauten: Wie China westliche Städte klont. 3. September 2013, abgerufen am 10. Februar 2017.
  2. Heinz Dietl: Den schönsten Ort der Welt gibt's zweimal. General-Anzeiger (Bonn), 7. Juli 2012, abgerufen im 2. Oktober 2018.
  3. Johanna Pfund: Zu schön für diese Welt. Süddeutsche Zeitung, 22. August 2017, abgerufen im 2. Oktober 2018.
  4. Oft abgelichtet, einmal kopiert, nie erreicht. Brandwork-Studios GmbH, abgerufen im 2. Oktober 2018.
  5. A Real Copy of Austria in China, New York Times, Didi Kirsten Dadlow, 25. Juli 2012, abgerufen am 6. Oktober 2018
  6. a b c Chinas geklonte europäische Dörfer und Städte. In: Die Welt Online. 22. Oktober 2015, abgerufen am 7. Februar 2017.
  7. Hallstatt-Double. China weiht nachgebautes Alpendorf ein. In: Der Spiegel Online. 2. Juni 2012, abgerufen am 8. Februar 2017.
  8. Chinas Fake-Städte, ProSiebenGalileo, Folge 33, Staffel 2015 vom 2. Februar 2015 (YouTube)
  9. Exklusiv-Talk – Mit Bürgermeister Alexander Scheutz (Hallstatt), Brandwork Studios. Archiviert vom Original am 25. Juli 2014. 
  10. https://orf.at/stories/3038441/, Österreichischer Rundfunk, Philip Pfleger, 1. Oktober 2018, abgerufen am 6. Oktober 2018
  11. Hallstatt-Double. China weiht nachgebautes Alpendorf ein. In: Der Spiegel Online. 2. Juni 2012, abgerufen am 8. Februar 2017.
  12. Chinas Fake-Städte, ProSiebenGalileo, Folge 33, Staffel 2015 vom 2. Februar 2015 (YouTube)
  13. aec.at: HALLSTATT REVISITED; abgerufen am 27. April 2017
  14. flickriver.com: Hallstatt Revisited, Norbert Artner in cooperation with Thomas Macho and Ingrid Fischer-Schreiber; abgerufen am 27. April 2017

Koordinaten: 23° 10′ 39″ N, 114° 19′ 35″ O