Hambach an der Weinstraße

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hambach
Ortswappen von Hambach
Koordinaten: 49° 20′ 11″ N, 8° 7′ 51″ O
Höhe: 183 m ü. NHN
Fläche: 1,72 km²
Einwohner: 5288 (2012)
Bevölkerungsdichte: 3.069 Einwohner/km²
Eingemeindung: 7. Juni 1969
Postleitzahl: 67434
Vorwahl: 06321
Karte
Hambach (rot) innerhalb der Gemarkung von Neustadt
Blick durch die Schlossgasse hinauf zum Hambacher Schloss
Blick durch die Schlossgasse hinauf zum Hambacher Schloss

Hambach, das als Winzerdorf seit 1935[1] den Namenszusatz „an der Weinstraße“ trug, wurde im Jahre 1969 in die kreisfreie Stadt Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz) eingemeindet, deren zweitgrößter Ortsteil es ist.[2] Der Ort gilt als Wiege der deutschen Demokratie, weil 1832 auf dem nahen Hambacher Schloss eine große Freiheitskundgebung stattfand, das Hambacher Fest; dadurch erlangte der Ort überregionale Bekanntheit.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hambach liegt in der Vorderpfalz am Osthang der Haardt und am westlichen Rand des Oberrheingrabens auf (von Ost nach West) etwa 150 bis 300 m ü. NHN;[3] das Alte Rathaus hat eine Höhenlage von 182 m.[3] Direkt nordöstlich grenzt die Kernstadt von Neustadt an der Weinstraße an, unmittelbar südlich der weitere Ortsteil Diedesfeld. Westlich des Siedlungsgebiets erstreckt sich der Gemeindewald Hambach.

Die drei ursprünglichen Ortsbereiche Ober-, Mittel- und Unterhambach sind nach ihrer Höhenlage benannt und schon lange zusammengewachsen.[2] Unterhambach wird häufig mit seiner bedeutendsten Straße, der Andergasse (pfälzisch die „anner Gass“, also die „andere Gasse“), gleichgesetzt.

Erhebungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick aus Nordosten auf Hambach; im Hintergrund befindet sich der Schlossberg samt Hambacher Schloss

Südwestlich der Bebauung erhebt sich der 379,2 Meter hohe Schlossberg und nordwestlich von diesem der Rittersberg (531,8 Meter). Weiter nördlich in Siedlungsnähe liegen der Heidelberg (313,4 Meter) und der Häuselberg (319,8 Meter). Ganz im Norden des Ortes erstrecken sich der 490,3 Meter hohe Nollenkopf und der Nollensattel (320,4 m). Alle gehören zur Haardt, dem Ostrand des Pfälzerwalds.

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hambach entspringt am Nordfuß des Schlossbergs, wo seit der Römerzeit helle Esskastanien­wälder dominieren, und fließt durch Mittelhambach nach Osten.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hanglage am Rande der Tiefebene bewirkt ein mildes Klima. Kalte Luftmassen, die mitunter in Frühjahrsnächten auftreten und dann zu Spätfrösten führen, gleiten von den Hängen zu Tal und fließen in die Ebene ab. Die im Westen vorgelagerten Erhebungen Häuselberg, Heidelberg und Schlossberg halten einen Großteil der Niederschläge ab.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Römerweg, der in seinem unteren Teil jetzt Dammstraße heißt, wurde in der Vergangenheit fälschlich für die alte römische Verbindung zwischen Straßburg und Mainz gehalten; diese verlief allerdings nicht zwischen den Hügeln an der heutigen Weinstraße, sondern etwas weiter östlich in der Ebene. Die römischen Siedlungskernen gegebene Benennung „Hantio“ fand keinen Eingang in spätere Urkunden. Hambachs Name leitet sich von der fränkischen Bezeichnung Haganbach her. Diese fand erstmals 865 urkundliche Erwähnung und deutet auf einen Bachlauf hin, der aus einem lichten Wald, einem Hag, kam. In Frage hierfür kommt wegen seines Namens der Hambach.

Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zum Hochstift Speyer. Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Hambach in den Kanton Neustadt (Donnersberg) eingegliedert und besaß eine eigene Mairie. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte der Ort wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1817 bis 1862 gehörte die Gemeinde dem Landkommissariat Neustadt an; aus diesem ging das Bezirksamt Neustadt hervor.

Hambacher Schloss

1832 fand das bekannteste Ereignis in der Ortsgeschichte in Form der Freiheitskundgebung, die 1832 auf dem Hambacher Schloss stattfand und als Hambacher Fest in die Geschichtsbücher eingegangen ist, statt.

Ab 1939 war Hambach Bestandteil des Landkreises Neustadt an der Weinstraße. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des Regierungsbezirks Pfalz im damals neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde Hambach am 7. Juni 1969 in die kreisfreie Stadt Neustadt an der Weinstraße eingemeindet.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1815 hatte der Ort insgesamt 1500 Einwohner. Mit mehr als 5000 Einwohnern ist Hambach der zweitgrößte Neustadter Ortsteil. Im Juni 2011 hatte es 5531,[4] im Januar 2012 5288[5] Einwohner. Aufgrund seiner Hanglagen hatte es auch schon vor der Eingemeindung große Bedeutung als hochwertiger Wohnvorort von Neustadt. Besonders der Römerweg gilt als beliebte Wohnlage.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Stadtteil Hambach wurde ein Ortsbezirk gebildet. Dem Ortsbeirat gehören 15 Beiratsmitglieder an, den Vorsitz im Ortsbeirat führt die direkt gewählte Ortsvorsteherin.[6]

Zur Zusammensetzung des Ortsbeirats siehe die Ergebnisse der Kommunalwahlen in Neustadt an der Weinstraße.

Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsvorsteherin ist Gerda Bolz (CDU). Bei einer Stichwahl am 16. Juni 2019 wurde sie mit einem Stimmenanteil von 50,77 % wiedergewählt, nachdem bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 keiner der ursprünglich drei Bewerber eine ausreichende Mehrheit erreicht hatte.[7]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Hambach an der Weinstraße
Blasonierung: „In Grün ein silbernes Hufeisen mit den Stollen nach unten.“

Das Hufeisen verfügt über eine Zehenkappe und sieben rechteckigen Nagellöchern

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmalgeschütztes altes Rathaus

Mit dem Hambacher Schloss sowie den Ortskernen von Oberhambach und Mittelhambach verfügt der Ortsbezirk über drei Denkmalzonen. Ersteres erhebt sich auf dem Schlossberg über dem Ort. Es ist alternativ bekannt unter seinem alten Namen „Kästenburg“ (von pfälzisch „Keschde“ für die Kastanienbäume, die am Schlossberg wachsen) oder als „Maxburg“ (seit 1842, nach dem späteren bayerischen König Maximilian).

Hinzu kommen außerdem mehr als hundert Einzelbauwerke, die unter Denkmalschutz stehen.

Wie das Schloss stammt ebenso die Kirche St. Jakobus in Oberhambach aus dem Mittelalter; teilweise wird sie als Wehrkirche bezeichnet. Das Alte Rathaus wurde 1739 unter Fürstbischof Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim, Kardinal und Ritter des Deutschen Ordens, erbaut. In Unterhambach steht das Bischöfliche Försterhaus. Überall im Ort gibt es Brunnen, die teilweise ebenfalls denkmalgeschützt sind.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einer Eibe und einer Wellingtonie befinden sich im Siedlungsgebiet außerdem zwei Naturdenkmale. Oberhalb des Wohngebiets erstrecken sich die Naturschutzgebiete Haardtrand - Am Häuselberg und Haardtrand - Am Heidelberg.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andergasser Fest

Das Andergasser Fest gehört zu den großen Weinfesten der Pfalz und findet jedes Jahr Anfang Mai statt. Der Name des Festes leitet sich von der Andergasse ab, die als „Festmeile“ fungiert. Sie gibt an ihrem Westende den Blick auf das Hambacher Schloss frei.

Das Andergasser Fest beginnt mit dem Aufstellen des Maibaums in der Obergasse sowie dem Küfer­tanz der ortsansässigen Winzer. Straußwirtschaften, die über den gesamten Vorort verteilt sind, bieten zum örtlichen Wein regionale Spezialitäten wie Spießbraten vom Rebenfeuer, hausgemachten Räucherschinken oder „Flääschknepp“, in Brühe gegarte Fleischklöße, mit Meerrettich.

Hambach schwarz-rot-gold

Als Nachfolgeveranstaltung der Hambacher Brunnen- und Gässelkerwe wird seit 2012 am 2. Wochenende im Juni das Weinfest Hambach schwarz-rot-gold gefeiert. Mit seinem Namen nimmt das Fest Bezug auf das Hambacher Fest von 1832, bei dem die heutige deutsche Flagge mitgeführt wurde und das als Ausgangspunkt der deutschen Demokratiebewegung gilt. Im Jahr 2013 wurde das Fest von der Pfalzweinwerbung als Weinfest des Jahres 2013 ausgezeichnet.

Weitere Veranstaltungen

Weitere Veranstaltungen sind die Jakobus-Kerwe (letztes Wochenende im Juli), CuliVino (Pfingstsamstag und Pfingstsonntag) und die ganzjährig stattfindenden Veranstaltungen auf dem Hambacher Schloss.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinberge bei Hambach

Die günstigen klimatischen Verhältnisse ermöglichen den Anbau hochwertiger Weine. Die Hambacher Weinlagen sind Feuer, Kaiserstuhl, Kirchberg, Römerbrunnen und Schlossberg. Die Gewächse werden nicht nur weltweit vermarktet, sondern können in Weingütern, Weinstuben und Gaststätten auch vor Ort verkostet werden.

Im Freiland reifen neben Esskastanien auch Mandeln, Feigen und Zitrusfrüchte. Insbesondere der Schlossberg fällt im Frühjahr schon von weitem durch das hellgrüne Laub der Esskastanien auf, die dort 80 % des Baumbestandes ausmachen.

Hambach ist staatlich anerkannter Erholungsort und besitzt am östlichen Ortsrand ein großes beheiztes Freibad. Zudem war die Vereinigte Lohnsteuerhilfe zeitweise in Hambach ansässig. Am östlichen Siedlungsrand befindet sich außerdem die Hambacher Mühle.

Im Zuge der Haingeraide war Hambach an der sogenannten ersten Haardtgeraiden beteiligt, die in der frühen Neuzeit aufgelöst und die teilweise der Gemeinde unterstellt wurde. Der Haagwald wurde 1822 Bestandteil des Gemeindewalds.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Hambach führte von 1912 bis 1955 die Pfälzer Oberlandbahn, eine straßenbahnähnliche Schmalspurbahn, die Neustadt und Landau verband.

Die Verkehrsanbindung Hambachs erfolgt über die A 65 (Anschlussstelle 13/Neustadt-Süd) in die Richtungen Ludwigshafen am Rhein und Karlsruhe sowie über die ehemalige B 38 (heute L 516) und die durch den Ort führende Deutsche Weinstraße, die hier auch als Ortsstraße die Bezeichnung „Weinstraße“ führt, nördlich nach Neustadt. In südlicher Richtung erreicht die Deutsche Weinstraße nach 1 km Diedesfeld.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitten durch Hambach verlaufen die Deutsche Weinstraße und der Radweg Deutsche Weinstraße. Über Hambach führte die Nordroute der Pfälzer Jakobswege, der Teil des historischen Pilgerweges nach Santiago de Compostela war. Einige Kilometer weiter westlich des Siedlungsgebiets mitten im Pfälzerwald befindet sich das Hellerplatzhaus.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karolina Burger (1879–1949), katholische Lehrerin und Stiftsgründerin, arbeitete 1898 als Krankheitsvertretung in Hambach.
  • Eibe Riedel (* 1943), emeritierter Rechtsprofessor, wohnt in Hambach.
  • Johannes von Geissel (1796–1864), katholischer Geistlicher, Bischof von Speyer, Erzbischof von Köln und Kardinal, war 1818/19 für kurze Zeit Kaplan in Hambach.
  • Georg Grohé (1846–1919), Gutsbesitzer und Weinhändler in Hambach, war Reichstagsabgeordneter und Ortsbürgermeister.
  • Franz Xaver Remling (1803–1873), katholischer Geistlicher, 1833–1852 Pfarrer von Hambach, Bischöflicher Geistlicher Rat, Domkapitular der Diözese Speyer, verfasste mehrere historische Werke.
  • Franz Schwarzwälder (* 1949), Fußballtorwart u. a. beim 1. FC Nürnberg und beim FSV Mainz 05, ist in Hambach aufgewachsen.
  • Aloys Weisenburger (1815–1887), katholischer Geistlicher, Prediger, Schriftsteller und Publizist, wohnte in Hambach.
  • Benno Zech (* 1928), von 1969 bis 1996 Ortsvorsteher, war von 1957 bis 1983 Lehrer an der Dr.-Albert-Finck-Schule und dort ab 1977 Rektor.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Thon: Hambach. In: Jürgen Keddigkeit (Hrsg.): Pfälzisches Burgenlexikon. Beiträge zur pfälzischen Geschichte. Band 12.2. Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern 2002, ISBN 3-927754-48-X, S. 271.
  • Paul Habermehl: Hambach an der Weinstraße. Führer durch die Ortsgeschichte. Neustadt-Hambach 1977 (Festgabe zur Einweihung des Pfarrzentrums St. Jakobus).
  • Philipp Otto Abel: Hambach an der Weinstraße. Ein Gang durch die Ortsgeschichte. Verlag Kraemer, Landau 1956.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hambach an der Weinstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Weinstraße. In: NSZ Rheinfront. Ludwigshafen 21. Oktober 1935.
  2. a b Hambach. Stadt Neustadt an der Weinstraße, abgerufen am 17. November 2011.
  3. a b Lage von Hambach auf: Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise).
  4. Allg. Daten zum Dienstbezirk Neustadt an der Weinstraße. (Nicht mehr online verfügbar.) Polizei Rheinland-Pfalz, archiviert vom Original am 5. Januar 2012; abgerufen am 16. April 2012.
  5. Angaben auf der Website der Stadt Neustadt.
  6. Stadt Neustadt an der Weinstraße: Hauptsatzung. (PDF, 134 kB) § 3 bis 5. 30. August 2019, abgerufen am 19. Oktober 2019.
  7. Stadt Neustadt an der Weinstraße: Stichwahl Ortsvorsteher/in Hambach 2019. Abgerufen am 19. Oktober 2019.