Hambach an der Weinstraße

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Koordinaten: 49° 20′ 11″ N, 8° 7′ 51″ O

Hambach
Ortswappen von Hambach
Höhe: 183 m
Fläche: 1,72 km²
Einwohner: 5288 (2012)
Bevölkerungsdichte: 3.069 Einwohner/km²
Eingemeindung: 7. Juni 1969
Postleitzahl: 67434
Vorwahl: 06321
Karte

Hambach (rot) innerhalb der Gemarkung von Neustadt

Blick aus Nordosten über Neustadt auf Hambach mit dem Schloss im Hintergrund

Blick aus Nordosten über Neustadt auf Hambach mit dem Schloss im Hintergrund

Hambach, das als Winzerdorf seit 1935[1] den Namenszusatz „an der Weinstraße“ trug, wurde im Jahre 1969 in die kreisfreie Stadt Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz) eingemeindet, deren zweitgrößter Ortsteil es ist.[2] Der Ort gilt als Wiege der deutschen Demokratie, weil 1832 auf dem nahen Hambacher Schloss eine große Freiheitskundgebung stattfand, das Hambacher Fest.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hambach liegt in der Vorderpfalz am Osthang der Haardt und am westlichen Rand des Oberrheingrabens auf (von Ost nach West) etwa 150 bis 300 m ü. NHN;[3] das Alte Rathaus hat eine Höhenlage von 182 m.[3] Direkt nordöstlich grenzt die Kernstadt von Neustadt an der Weinstraße an, unmittelbar südlich der weitere Ortsteil Diedesfeld.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hanglage am Rande der Tiefebene bewirkt ein mildes Klima. Kalte Luftmassen, die mitunter in Frühjahrsnächten auftreten und dann zu Spätfrösten führen, gleiten von den Hängen zu Tal und fließen in die Ebene ab. Die im Westen vorgelagerten Erhebungen Häuselberg, Heidelberg und Schlossberg, die zur Haardt gehören, halten einen Großteil der Niederschläge ab.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hambacher Schloss

Der Römerweg, der in seinem unteren Teil jetzt Dammstraße heißt, wurde in der Vergangenheit fälschlich für die alte römische Verbindung zwischen Straßburg und Mainz gehalten; diese verlief allerdings nicht zwischen den Hügeln an der heutigen Weinstraße, sondern etwas weiter östlich in der Ebene. Die römischen Siedlungskernen gegebene Benennung „Hantio“ fand keinen Eingang in spätere Urkunden. Hambachs Name leitet sich von der fränkischen Bezeichnung Haganbach her. Diese fand erstmals 865 urkundliche Erwähnung und deutet auf einen Bachlauf hin, der aus einem lichten Wald, einem Hag, kam. In Frage hierfür kommt wegen seines Namens der Hambach, der am Nordfuß des 379,2 m hohen[4] Schlossbergs entspringt – wo seit der Römerzeit helle Esskastanienwälder dominieren – und durch Mittelhambach nach Osten fließt.

Über Hambach führte die Nordroute der Pfälzer Jakobswege, der Teil des historischen Pilgerweges nach Santiago de Compostela war. Die drei ursprünglichen Ortsbereiche Ober-, Mittel- und Unterhambach sind nach ihrer Höhenlage benannt und schon lange zusammengewachsen.[2] Unterhambach wird häufig mit seiner bedeutendsten Straße, der Andergasse (pfälzisch die „anner Gass“, also die „andere Gasse“), gleichgesetzt.

Wichtigstes Ereignis in der Ortsgeschichte war die Freiheitskundgebung, die 1832 auf dem Hambacher Schloss stattfand und als Hambacher Fest in die Geschichtsbücher eingegangen ist.

Am 7. Juni 1969 endete die Selbstständigkeit des Dorfes mit der Eingemeindung in die Stadt Neustadt an der Weinstraße.[5] Die später angestrebte Wiederausgliederung wird nicht mehr verfolgt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Rathaus
Blick durch die Schlossgasse hinauf zum Schloss

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbeirat von Hambach hat 15 Mitglieder, den Vorsitz führt die Ortsvorsteherin Gerda Bolz.[6]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das frühere Gemeindewappen zeigt auf grünem Grund ein silbernes, nach unten geöffnetes Hufeisen mit Zehenkappe und sieben rechteckigen Nagellöchern.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hambach verfügt über drei Denkmalzonen und mehr als hundert Einzelbauwerke, die unter Denkmalschutz stehen. Auf dem Schlossberg über dem Ort erhebt sich das Hambacher Schloss. Es ist auch bekannt unter seinem alten Namen „Kästenburg“ (von pfälzisch „Keschde“ für die Kastanienbäume, die am Schlossberg wachsen) oder als „Maxburg“ (seit 1842, nach dem späteren bayerischen König Maximilian). Wie das Schloss stammt auch die Wehrkirche in Oberhambach aus dem Mittelalter. Das Alte Rathaus wurde 1739 unter Fürstbischof Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim, Kardinal und Ritter des Deutschen Ordens, erbaut. In Unterhambach steht das Bischöfliche Försterhaus. Überall im Ort gibt es sehenswerte Brunnen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andergasser Fest

Das Andergasser Fest gehört zu den großen Weinfesten der Pfalz und findet jedes Jahr Anfang Mai statt. Der Name des Festes leitet sich von der Andergasse ab, die als „Festmeile“ fungiert. Sie gibt an ihrem Westende den Blick auf das Hambacher Schloss frei.

Das Andergasser Fest beginnt mit dem Aufstellen des Maibaums in der Obergasse sowie dem Küfertanz der ortsansässigen Winzer. Straußwirtschaften, die über den gesamten Vorort verteilt sind, bieten zum örtlichen Wein regionale Spezialitäten wie Spießbraten vom Rebenfeuer, hausgemachten Räucherschinken oder „Flääschknepp“, in Brühe gegarte Fleischklöße, mit Meerrettich.

Hambach schwarz-rot-gold

Als Nachfolgeveranstaltung der Hambacher Brunnen- und Gässelkerwe wird seit 2012 am 3. Wochenende im Juni das Weinfest Hambach schwarz-rot-gold gefeiert. Mit seinem Namen nimmt das Fest Bezug auf das Hambacher Fest von 1832, bei dem die heutige deutsche Flagge mitgeführt wurde und das als Ausgangspunkt der deutschen Demokratiebewegung gilt. Im Jahr 2013 wurde das Fest von der Pfalzweinwerbung als Weinfest des Jahres 2013 ausgezeichnet.

Weitere Veranstaltungen

Weitere Veranstaltungen sind die Jakobus-Kerwe (letztes Wochenende im Juli), CuliVino (Pfingstsamstag und Pfingstsonntag) und die ganzjährig stattfindenden Veranstaltungen auf dem Hambacher Schloss.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinberge bei Hambach

Die günstigen klimatischen Verhältnisse ermöglichen den Anbau hochwertiger Weine. Die Hambacher Weinlagen sind Feuer, Kaiserstuhl, Kirchberg, Römerbrunnen und Schlossberg. Die Gewächse werden nicht nur weltweit vermarktet, sondern können in Weingütern, Weinstuben und Gaststätten auch vor Ort verkostet werden.

Im Freiland reifen neben Esskastanien auch Mandeln, Feigen und Zitrusfrüchte. Insbesondere der Schlossberg fällt im Frühjahr schon von weitem durch das hellgrüne Laub der Esskastanien auf, die dort 80 % des Baumbestandes ausmachen.

Hambach ist staatlich anerkannter Erholungsort und besitzt am östlichen Ortsrand ein großes beheiztes Freibad.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit mehr als 5000 Einwohnern ist Hambach der größte Neustadter Ortsteil. Im Juni 2011 hatte es 5531,[7] im Januar 2012 5288[8] Einwohner. Aufgrund seiner Hanglagen hatte es auch schon vor der Eingemeindung große Bedeutung als hochwertiger Wohnvorort von Neustadt. Besonders der Römerweg gilt als beliebte Wohnlage.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verkehrsanbindung Hambachs erfolgt über die A 65 (Anschlussstelle 13/Neustadt-Süd) in die Richtungen Ludwigshafen am Rhein und Karlsruhe sowie über die ehemalige B 38 (heute L 516) und die durch den Ort führende Deutsche Weinstraße, die hier auch als Ortsstraße die Bezeichnung „Weinstraße“ führt, nördlich nach Neustadt. In südlicher Richtung erreicht die Deutsche Weinstraße nach 1 km Diedesfeld.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karolina Burger (1879–1949), katholische Lehrerin und Stiftsgründerin, arbeitete 1898 als Krankheitsvertretung in Hambach.
  • Eibe Riedel (* 1943), emeritierter Rechtsprofessor, wohnt in Hambach.
  • Johannes von Geissel (1796–1864), katholischer Geistlicher, Bischof von Speyer, Erzbischof von Köln und Kardinal, war 1818/19 für kurze Zeit Kaplan in Hambach.
  • Georg Grohé (1846–1919), Gutsbesitzer und Weinhändler in Hambach, war Reichstagsabgeordneter und Ortsbürgermeister.
  • Franz Xaver Remling (1803–1873), katholischer Geistlicher, 1833–1852 Pfarrer von Hambach, Bischöflicher Geistlicher Rat, Domkapitular der Diözese Speyer, verfasste mehrere historische Werke.
  • Franz Schwarzwälder (* 1949), Fußballtorwart u. a. beim 1. FC Nürnberg und beim FSV Mainz 05, ist in Hambach aufgewachsen.
  • Aloys Weisenburger (1815–1887), katholischer Geistlicher, Prediger, Schriftsteller und Publizist, wohnte in Hambach.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Thon: Hambach. In: Jürgen Keddigkeit (Hrsg.): Pfälzisches Burgenlexikon. Beiträge zur pfälzischen Geschichte. Band 12.2. Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern 2002, ISBN 3-927754-48-X, S. 271.
  • Paul Habermehl: Hambach an der Weinstraße. Führer durch die Ortsgeschichte. Neustadt-Hambach 1977 (Festgabe zur Einweihung des Pfarrzentrums St. Jakobus).
  • Philipp Otto Abel: Hambach an der Weinstraße. Ein Gang durch die Ortsgeschichte. Verlag Kraemer, Landau 1956.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hambach an der Weinstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Weinstraße. In: NSZ Rheinfront. Ludwigshafen 21. Oktober 1935.
  2. a b Hambach. Stadt Neustadt an der Weinstraße, abgerufen am 17. November 2011.
  3. a b Lage von Hambach auf: Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise).
  4. Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise)
  5. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, S. 189 (PDF; 2,6 MB).
  6. Stadt Neustadt an der Weinstraße: Verzeichnis Ortsbeiräte. Abgerufen am 20. Januar 2015.
  7. Allg. Daten zum Dienstbezirk Neustadt an der Weinstraße. Polizei Rheinland-Pfalz, abgerufen am 16. April 2012.
  8. Angaben auf der Website der Stadt Neustadt.