Hamburg in der Zeit des Nationalsozialismus

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Die Hansestadt Hamburg an der Elbe war zur Zeit der Nationalsozialisten ein wichtiger Standort derselbigen. Nachdem diese den Zweiten Weltkrieg ausgelöst hatten, wurde die Stadt in den späteren Kriegsjahren von schweren Bombardements getroffen. Am 3. Mai 1945 übergaben die führenden Kräfte der Stadt selbige an die Briten.

Die Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Bürgermeister und Reichsstatthalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bald nach der „Machtübernahme“, von den Nationalsozialisten als Tag der nationalen Erhebung gefeiert, traten die SPD-Senatoren auf Grund der Drohungen durch Reichsinnenminister Wilhelm Frick am 3. März 1933 zurück. Zwei Tage später erklärte auch der schwer kranke Bürgermeister Carl Wilhelm Petersen von der Deutschen Staatspartei seinen Rücktritt, am 6. März vollzog auch der Senator Paul de Chapeaurouge (Deutsche Volkspartei) diesen Schritt. Die restliche Bürgerschaft wählte am 8. März mit Beteiligung von DVP und DStP einen neuen, nationalsozialistisch geführten Senat. Zum Ersten Bürgermeister wählte der Senat das NSDAP-Mitglied Carl Vincent Krogmann. Am 19. Mai wurde Krogmanns Stellung zu der eines „Regierenden Bürgermeisters“ umbenannt.[1] Am 30. Juli 1936 wurde Krogmann von Karl Kaufmann abgesetzt, der selbst die Führung der Landesregierung beanspruchte. Am 28. Juni 1933 fand die letzte Sitzung der Bürgerschaft statt.

Hamburger Hochschullehrer solidarisierten sich 1933 größtenteils mit der neuen Bewegung.[2]

Stadt und Staat Hamburg wurden einem Reichsstatthalter unterstellt, zu dem am 16. Mai Karl Kaufmann bestimmt wurde, der auch Gauleiter des Gaus Hamburg war. Die dem Gauleiter unterstellten Parteibezirke entsprachen den früheren Reichstagswahlkreisen. Im heutigen Stadtgebiet Hamburgs befanden sich anfangs außerdem die Sitze der Gauleitungen Schleswig-Holsteins (in der Stadt Altona) und Ost-Hannovers (in der Stadt Harburg-Wilhelmsburg), dessen Fläche grob dem ehemaligen niedersächsischen Regierungsbezirk Lüneburg entsprach. Sie wurden jedoch später nach Kiel bzw. Lüneburg verlegt.

Verfolgung von Regimegegnern, als Juden Verfolgten und anderen Minderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Hamburger Bürger wurden getreu dem Rassenwahn der Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben, umgebracht oder in den Selbstmord getrieben. 1933 wohnten im Bereich des späteren Groß-Hamburgs rund 19.400 Juden. Wie an zahlreichen anderen Orten Deutschlands wurden sie auch in Hamburg Opfer von Ausgrenzung, Entrechtung und unmittelbarer Verfolgung: auf den Judenboykott und das Berufsbeamtengesetz im April 1933 folgte die Reichspogromnacht im November 1938. Nachdem die Reichszentrale für jüdische Auswanderung zunächst die Auswanderung der deutschen Juden in die Wege leitete, wurde sie seit ihrer Zwangsvereinigung mit der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland im Juli 1939 völlig abhängig von den Behörden und verlor im Laufe der nächsten drei Jahre immer mehr an eigenen Handlungsmöglichkeiten. Nach der Befreiung 1945 zählte man in Hamburg nur noch 647 Juden (nach Definition der Nürnberger Rassegesetze); die meisten davon hatten im Schutz einer Mischehe überlebt. Seit dem Kriegsbeginn im September 1939 war es den Juden nahezu unmöglich, aus Deutschland auszuwandern. Beginnend im Oktober 1941 wurden 5.296 Juden in 17 Transporten über den Hannoverschen Bahnhof deportiert; andere begingen Suizid, wurden aus besetzten westeuropäischen Fluchtländern verschleppt oder fielen anderen Verfolgungsmaßnahmen wie der Aktion T4 zum Opfer. Insgesamt verloren 8.877 Hamburger Juden ihr Leben.[3]

Dunkelbraun: ehemalige Städte; hellbraun: ehemalige sonstige Dörfer, Gemeinden und Gebiete
Dunkelbraun: ursprüngliches Hamburger Gebiet; hellbraun: eingemeindetes Gebiet

Schon am 16. Mai 1940 waren etwa 550 Sinti und Roma in Hamburg - zusammen mit etwa 200 aus Schleswig-Holstein und rund 160 aus Bremen - festgenommen worden und vier Tage lang im Fruchtschuppen 10 am Magdeburger Hafen interniert. Am 20. Mai 1940 deportierte man sie vom nahegelegenen Hannoverschen Bahnhof in die Arbeitslager von Bełżec.[4]

Sicher ermittelt werden konnten die Namen von rund 20.400 Menschen, die im Konzentrationslager Neuengamme einschließlich der Nebenlager bis Ende März 1945 starben; seriöse Schätzungen belaufen sich auf 26.800 Todesopfer. Bei den Räumungsmärschen und der Bombardierung von Schiffen wie der Cap Arkona kamen weitere 16.100 Häftlinge um.[5]

Nach dem Krieg wurden nur ca. 8.500 Hamburger als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt. Etwa 1.500 Täter wurden im Rahmen der Entnazifizierung bestraft. Zwischen 40.000 und 60.000 Hamburger waren als Soldaten im Krieg gefallen. Unter den 1.417 politischen Opfern waren auch 20 Abgeordnete der Bürgerschaft.

Territoriale Veränderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Groß-Hamburg-Gesetz vom 26. Januar 1937, welches am 1. April 1937 in Kraft trat, ergaben sich für die Hansestadt große territoriale Veränderungen, die bis heute gültig sind (siehe auch Bezirke in Hamburg). Die Stadtkreise Altona, Wandsbek und Harburg-Wilhelmsburg sowie zahlreiche Gemeinden gingen von Preußen auf Hamburg über. Die Stadt hatte, trotz des Verlustes früher hamburgischer Gebiete (u.a. Cuxhaven, Geesthacht), nunmehr eine zusammenhängende Gesamtfläche von 755 km² statt zuvor von 415 km². Mit Wirkung vom 1. April 1938 wurden alle auf Hamburg übergegangenen Städte und Gemeinden mit der Stadt Hamburg zu einer einzigen Gemeinde „Hansestadt Hamburg“ zusammengeschlossen.

Anmerkung: Das Groß-Hamburg-Gesetz regelte auch eine Reihe weiterer Gebietsveränderungen. Besonders hervorzuheben ist, dass das Land Lübeck seine Selbstständigkeit verlor und auf Preußen überging.

Der Zweite Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriegsproduktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Hamburger Hafen befand sich ein Lager von konfiszierten Glocken, der Glockenfriedhof.

Flaktürme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Hamburger Flaktürme

In Reaktion auf die alliierten Luftangriffe auf Berlin erging am 9. September 1940 der „Führerbefehl zur Aufstellung von Flaktürmen in Berlin“, der bis Ende 1942 auf die Städte Wien und Hamburg ausgedehnt wurde, um diese vor Bombenangriffen zu schützen. Hamburg wurde während des Zweiten Weltkrieges zum Ziel alliierter Luftangriffe, da sich in der Stadt mehrere große Werften wie Blohm & Voss, Howaldtswerke, Deutsche Werft und H.C. Stülcken Sohn befanden, die U-Boote für die Kriegsmarine bauten. Die Flaktürme wurden unter der Leitung Albert Speers, dem Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, vom Architekt Friedrich Tamms konstruiert und durch die Organisation Todt realisiert, auch mit dem Einsatz tausender Fremd- und Zwangsarbeiter.

Für die Luftraumverteidigung Hamburgs waren drei Flakturmpaare geplant, welche in Dreiecksform über das Stadtgebiet angeordnet werden sollten, um eine gute Schussüberdeckung zu gewährleisten. Der zu jedem Gefechtsturm (G-Turm) gehörende Leitturm (L-Turm) war räumlich mindestens 100 m von diesem entfernt, damit die Vibrationen und der dichte Rauch des Flak-Mündungsfeuers nicht die Messgeräte zur Zielbestimmung beeinflussten. Meistens war der L-Turm mit Radar (beispielsweise mit dem Würzburg-Riesen) ausgestattet.

Die Flaktürme waren als vollständig autarke Einheit mit eigener Strom- und Wasserversorgung ausgelegt und verfügten über ein Krankenhaus. Durch die Erzeugung eines leichten Überdrucks im Gebäudeinneren waren diese auch gegen Gasangriffe geschützt.

Nur die zwei Flakturmpaare in St. Pauli und Wilhelmsburg wurden gebaut. Das dritte Paar sollte im Osten von Hamburg gebaut werden, was jedoch nicht realisiert wurde.

Bombenkrieg: Die Operation Gomorrha[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Operation Gomorrha

Videoaufnahmen der US-Armee von der Bombardierung Hamburgs.

Durch schwere Bombardierungen amerikanischer und britischer Flugzeugverbände im Juli und August 1943, der Operation Gomorrha, wurden geschätzte 40 bis 50.000 Menschen getötet und rund ein Drittel aller Wohngebäude zerstört. Etwa 125.000 Hamburger wurden verletzt, 900.000 obdachlos. Bis Kriegsende haben bei 213 Luftangriffen ca. 17.000 Flugzeuge etwa 101.000 Sprengbomben und 1,6 Mio. Brandbomben auf die Stadt abgeworfen.

Die Angriffe begannen am 24. Juli 1943 mit der Bombardierung durch 791 britische Bomber. In den nachfolgenden Tagen griffen die Amerikaner mit 122 Bombern vom Typ Flying Fortress (Fliegende Festung) an, und störten somit die angelaufenen Bergungsarbeiten. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juli gipfelten die Angriffe und lösten einen Feuersturm aus, den es in einem solchen Ausmaß bisher noch nie gegeben hat. Der Feuersturm vernichtete große Teile im Osten der Stadt, tötete ca. 35.000 – 45.000 Menschen und machte eine Million Menschen obdachlos. Die genaue Zahl der Toten ließ sich nie ermitteln, da viele Opfer vollständig zu Asche verbrannten.

Es traf vor allem die Stadtteile Rothenburgsort und Hammerbrook völlig unerwartet. Da die Leichen nicht schnell beseitigt werden konnten, wurde das Gebiet des Hammerbrook abgeriegelt, um wegen der erwarteten Seuchengefahr ein Betreten zu verhindern.

Es zeigte sich, dass die vorhandenen Bunker und Schutzräume völlig unzureichend waren. Daher wurde eine Evakuierung eingeleitet, die in einigen Stadtteilen noch rechtzeitig durchgeführt werden konnte, z.B. in Barmbek. Alle Bewohner, die nicht unbedingt in der Rüstungsproduktion benötigt waren, mussten die Stadt verlassen. Kinder wurden weitestgehend aus der Stadt auf das Land verschickt (Kinderlandverschickung), um sie in Sicherheit zu bringen.

Zur Bombardierung wurden Spreng- sowie Brandbomben verwendet. Die Sprengbomben deckten dabei durch ihre enorme Druckwirkung gezielt die Dächer der Häuser ab, damit das Phosphor der nachfallenden Brandbomben direkt in die Wohnungen und Treppenhäuser gelangen konnte. Die fast ausschließlich aus Holz bestehenden Treppenhäuser übertrugen die Flammen der Zimmerbrände in die unteren Geschosse und sorgten für das vollständige Ausbrennen der Gebäude.

Die Angriffe beschränkten sich immer auf einen Sektor der Stadt. Zentraler Ausgangspunkt war der 147,3 m große Turm der Nikolaikirche, deren Ruine nicht wieder aufgebaut wurde und heute als Mahnmal und Dauerausstellung zur Operation Gomorrha dient.

Um den gefürchteten Feuersturm auszulösen, wurden vor allem die Ränder des Sektors bombardiert. Der dadurch entstehende Wind auf das Zentrum des Sektors sorgt für die flächendeckende Zerstörung.

An dem Tag, als der Sektor mit den Stadtteilen Eppendorf, Winterhude und Hoheluft angriffen werden sollte, waren Gewitterwolken am Himmel. Um den Bestand an Bombern nicht zu gefährden, wurde der Angriff abgesagt. Die Stadtteile blieben weitgehend unzerstört.

Hamburg nach dem Bombenangriff 1943

Die gebauten Bunker zum Schutz der Bevölkerung konnten zu dieser Endphase des Krieges nur einen bedingten Schutz bieten, da während des Krieges immer größere Bomben hergestellt wurden, denen die Bunker nicht standhalten konnten. Auch führte der Sauerstoffbedarf der Brände zur Erstickung der Eingeschlossenen.

Kriegsende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Mai 1945 wurde der Generalmajor Alwin Wolz zum Kampfkommandanten von Hamburg ernannt. Mit Gauleiter Karl Kaufmann war er sich über die ausweglose Lage Hamburgs einig. Nachdem auch Reichspräsident Karl Dönitz, der sich mit der letzten Reichsregierung nach Flensburg-Mürwik abgesetzt hatte, einer kampflosen Übergabe Hamburgs zustimmte, begleitete Wolz am 3. Mai 1945 die von Hans Georg von Friedeburg geführte deutsche Delegation zum britischen Hauptquartier bei Lüneburg. In der Villa Möllering unterschrieb Wolz sogleich die Bedingungen zur Übergabe der Stadt. Erst am Folgetag wurde die durch Karl Dönitz autorisierte Teilkapitulation für die deutschen Streitkräfte in Nordwestdeutschland, Holland, Dänemark und Schleswig-Holstein von der deutschen Delegation auf dem Timeloberg südlich von Lüneburg unterschrieben.[6][7] Doch schon am Nachmittag des 3. Mai 1945 marschierten die britischen Soldaten in Hamburg ein und Wolz übergab im Rathaus offiziell die Stadt dem Brigadegeneral Spurling.[8][9] Gauleiter Karl Kaufmann wurde am 4. Mai verhaftet, Wolz ebenfalls, Bürgermeister Krogmann eine Woche später. Die Briten begannen alle Bereiche des öffentlichen Lebens zu kontrollieren. Mit der Kapitulation im Mai 1945 wurde Hamburg Teil der Britischen Zone, daran anschließend erneut ein eigenständiges Land und 1949 Bundesland der Bundesrepublik Deutschland.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Uwe Lohalm: „Modell Hamburg“. Vom Stadtstaat zum Reichsgau. In: Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg (Hrsg.): Hamburg im »Dritten Reich«. Göttingen 2005, ISBN 3-89244-903-1, S. 122.
  2. Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat
  3. Beate Meyer (Hrsg.): Die Verfolgung und Ermordung der Hamburger Juden 1933–1945. Hamburg 2006, ISBN 3-929728-85-0, S.16/47
  4. Deportation nach Bełżec. Bei: In den Tod geschickt. Die Deportationen von Juden, Roma und Sinti aus Hamburg 1940 bis 1945. (Abgerufen am 14. Januar 2011)
  5. KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hrsg.): Die Ausstellungen. Bremen 2005, ISBN 3-86108-075-3, S. 95
  6. Bürgerbrief. Mitteilungen des Bürgervereins Lüneburg e.V. Nummer 75, vom: Mai 2015; Seite 11 f.; abgerufen am: 1. Mai 2017
  7. Oliver Schirg: Bei Nacht und Nebel: Hamburgs Kapitulation. In: Hamburger Abendblatt vom 18. April 2015, S. 20–21 (online).
  8. Der beziehungsweise die Vornamen von Spurling sind unsicher; vgl. beispielsweise: Personennahverkehr in Hamburg 1945 bis 1999, abgerufen am: 2. Mai 2017
  9. Norddeutscher Rundfunk: Am seidenen Faden: Hamburgs Weg zur Kapitulation, vom: 2. Mai 2015; abgerufen am: 1. Mai 2017

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Schmid, Redaktion: Hamburg im „Dritten Reich“. Hrsg. Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Göttingen 2005 ISBN 978-3-89244-903-4.
  • Angelika Ebbinghaus; Karsten Linne Hrsg.: Kein abgeschlossenes Kapitel. Hamburg im „Dritten Reich“. Hamburg 1997 ISBN 3-434-52006-6.
  • Frank Bajohr: „Arisierung“ in Hamburg. Hamburg 1997 (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte Bd. 35) (ISBN 978-3-7672-1302-9).
  • Heinrich Erdmann, Redaktion: Hamburg und Dresden im Dritten Reich: Bombenkrieg und Kriegsende. Landeszentrale für politische Bildung Hamburg Hrsg, Hamburg ISBN 3-929728-56-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hamburg#World War II – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien