Hamburger Öffentliche Bücherhallen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hamburger Öffentliche Bücherhallen
Hamburger Öffentliche Bücherhallen-Logo

Gründung 1. Oktober 1899
Bestand 1.734.862
Bibliothekstyp Öffentliche Bibliothek
Ort Hamburg
ISIL DE-H10 (Hamburger Öffentliche Bücherhallen, Zentralbibliothek)
DE-H107 (Hamburger Öffentliche Bücherhallen, Zentralbibliothek, Abteilung Musik)
Betreiber Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen (HÖB)
Leitung Frauke Untiedt
Website http://www.buecherhallen.de/
Zentralbibliothek im ehemaligen Bahnpostamt am Hühnerposten (2014)

Die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen (HÖB) sind eine Stiftung privaten Rechts, die im Stadtstaat Hamburg öffentliche Bibliotheken betreibt.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 wurden in 36 Bücherhallen sowie 65 nebenamtlich geleiteten Ausgabestellen 1.780.906 Medien bereitgestellt, womit die Bücherhallen zu den größeren Bibliotheken in Hamburg zählen. In den Jahren 2014 bis 2016 wurden jeweils 4,80 bis 4,83 Mio. Besucher gezählt.

Der Gesamtaufwand betrug 2016 33.6 Millionen Euro (davon 20,6 Mio. € für Personal sowie 11,9 Mio. € Sachaufwand inkl. 3,6 Mio. € Medienmittel).[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kohlhöfen 26, 1910–1914 ehemaliges Stammhaus der Zentralbibliothek und erster Neubau von 1910
Volkslesehalle in der Mönckebergstraße, erbaut 1914 von Fritz Schumacher und bis 1971 Standort der Zentralbibliothek, seither gastronomisch genutzt.

1899–1914: Kohlhöfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als eigentlicher Initiator für eine Volksbibliothek in Hamburg gilt Eduard Hallier. Er konnte gemeinsam mit dem Reeder Hermann Blohm und dem Gründer von Schülke & Mayr Rudolf Schülke den Vorstand der Patriotische Gesellschaft dazu bewegen eine Volksbibliothek in Hamburg ins Leben zu rufen.[2] Die Gründung erfolgte am 1. Oktober 1899 mit 6000 Bänden in der Neustadt an den Kohlhöfen unter der Leitung von Gottlieb Fritz. Nach 1902 entstanden die ersten Stadtteil-Bücherhallen. Am 17. Januar 1910 eröffnete der von Hugo Groothoff entworfene Neubau der Zentralbibliothek an den Kohlhöfen. Die erste Freihand-Ausleihmöglichkeit war dort für belehrende Literatur eingerichtet.

1914–1971: Mönckebergstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1914 entstand am Mönckebergbrunnen in der Mönckebergstraße die Bibliothek in dem von Fritz Schumacher unter dem Namen Volkslesehalle angeregten Bau. Die Trennung von der Patriotischen Gesellschaft als eigenständige Stiftung erfolgte 1919.

Bereits März 1933 – nachdem am 8. März ein neuer Hamburger Senat unter nationalsozialistischer Führung gewählt wurde – fand die Aussonderung von „zurückzustellenden“ Büchern durch den seit 1931 amtierenden Bücherhallen-Direktor Wilhelm Schuster statt[3], noch bevor es die „schwarzen Listen“ gab. Am 15. Mai 1933 kam es zur ersten Bücherverbrennung am Kaiser-Friedrich-Ufer durch den SA-Studentensturm 6/76. 1934 wechselte Schuster nach Berlin und folgend hatte Albert Krebs – zuvor von 1926 bis 1928 NSDAP-Gauleiter in Hamburg – den Posten bis 1938 inne.[4] 1937 wurden die acht 1919 entstandenen Wandbilder von Maximilian Jahns in der Bücherhalle Kohlhöfen auf Anweisung der Nationalsozialisten übermalt. Ende Oktober 1938 wurden Schilder Juden unerwünscht an den Bibliotheken angebracht. Von 1938 bis Ende 1966 war Rudolf Joerden Direktor der Hamburger Öffentliche Bücherhallen.[5]

Durch die Bomberangriffe der Operation Gomorrha im Juli 1943 verlor die städtische Bibliothek rund 700.000 Bände, darunter die allermeisten ihrer Hamburgensien.[6] 1945, nach dem Zweiten Weltkrieg, war der Buchbestand durch Bombenschäden mit der Zerstörung von sechs Bibliotheken und Aussonderung von Büchern nationalsozialistischen Inhalts auf 160.000 Titel reduziert.

1955 bestanden 23 Stadtteilbibliotheken sowie die Musikbücherei. Die Zahl erhöhte sich bis 1988 auf eine Zentralbibliothek, die Musikbücherei, 56 Stadtteilbüchereien, 82 neben- oder ehrenamtlich geleitete und durch die Fachstelle betreute Büchereien bzw. Buchausgabestellen (davon 19 in den Justizvollzugsanstalten), sowie drei Autobüchereien, die die Außenbezirke bedienten.

1971–2004: Gertrudenkirchhof und Große Bleichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zentralbibliothek zog 1971 in ihr neues Domizil in der Landesbank-Galerie am Gertrudenkirchhof. 1986 erfolgte der Umzug in die 1907–1909 von Emil Grossner erbaute Kaisergalerie in der Straße Große Bleichen 36 (die heutige Ladenpassage Kaisergalerie); dort teilte sich die Zentralbibliothek das Gebäude mit dem benachbarten Ohnsorg-Theater.

Einer der zwei Bücherbusse der Bücherhallen Hamburg

Im Januar 1990 wurde Friedrich Andrae, seit 1967 Direktor der Bücherhallen, durch den Hamburger FDP-Kulturpolitiker und ehemaligen Senatsbeauftragten für Film Hanno Jochimsen abgelöst.[7] Jochimsen trieb Strukturreformen und die Computerisierung des Gesamtsystems voran. 1996 übernahm Birgit Dankert die Leitung der Bücherhallen Hamburg und kündigte vier Monate später aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen Senat und Stiftung aufgrund von geforderten drastischen Einsparungen mit dem Ziel der Schließung von zahlreichen Bücherhallen in den Stadtteilen. Die Nachfolge trat im Juni 1996[8] ihre damalige Stellvertreterin Hella Schwemer-Martienßen an, die im September 2019 in den Ruhestand trat.[9]

1988 umfasste das System eine Zentralbibliothek, die Musikbücherei, 56 Stadtteilbüchereien, 82 neben- oder ehrenamtlich geleitete und durch die Fachstelle betreute Büchereien bzw. Buchausgabestellen (davon 19 in den Justizvollzugsanstalten) sowie drei Autobüchereien, die die Außenbezirke bedienten. Seit 1995 wurden 23 meist kleinere Standorte geschlossen. Im Jahr 2006 gab es noch 39 Bücherhallen, davon wurden 20 Standorte neu bezogen und ausgestattet.

Bereits Ende der neunziger Jahre setzten erhebliche Verkleinerungsmaßnahmen am Standort Große Bleichen ein. Mehrere Stockwerke wurden anderen Mietparteien überlassen und der ehemalige Eingangsbereich mit den Ausleihgeräten im Erdgeschoss wurde mit dem Eingangsbereich des Ohnsorg-Theaters zusammengelegt; die Geräte wurden direkt auf die verbliebenen Stockwerke verlegt.

Seit 2004: Hühnerposten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mann und Frau von Stephan Balkenhol vor der Zentralbibliothek

Im Januar 2004 zog die Zentralbibliothek zum Hühnerposten, direkt am Hamburger Hauptbahnhof. Vor dem Haupteingang stehen seit Oktober 2004 die beiden fünf Meter hohen Bronzeskulpturen Mann und Frau des Bildhauers Stephan Balkenhol.

Im Dezember 2005 öffnete die Jugendbibliothek Hoeb4U in den Zeisehallen in Ottensen. Nachdem das Neubauprojekt für eine Zentralbibliothek am Domplatz im Winter 2006/2007 platzte, wurde der Standort am Hühnerposten von 2008 bis 2011 zu einem Haus für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ausgebaut. Am 26. Oktober 2009 wurde die neue Bücherhalle „Elbvororte“ in einem Neubau am Bahnhof Blankenese eröffnet, in die die kurz zuvor geschlossenen Standorte in Iserbrook und Rissen aufgingen. Die Bücherhallen Wandsbek und Dehnhaide zogen 2009 in neu gebaute Räume in unmittelbarer Nachbarschaft der alten Standorte und verbesserten so ebenfalls signifikant Umfeld und Angebot.

Aktuell betreiben die Bücherhallen Hamburg außer der Zentralbibliothek mit Kinderbibliothek, der Jugendbibliothek sowie den zwei Bücherbussen auch 32 Stadtteilbibliotheken. Am 26. Februar 2014 veröffentlichten die Bücherhallen Hamburg eine App, mit der das Medienangebot und entsprechende Leistungen über Smartphones mit den Betriebssystemen Apple iOS oder Android genutzt werden kann.[10] Seit dem 5. April 2014 steht ein 3D-Drucker in der Zentralbibliothek für Benutzer zur Verfügung.[11]

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neubau der HÖB in Hamburg-Horn (eröffnet 2016)

Neben der Zentralbücherei am Hühnerposten existieren folgende Zweigstellen im Hamburger Stadtgebiet:

Alstertal (Poppenbüttel), Altona (Ottensen), Barmbek (Barmbek-Nord), Bergedorf, Billstedt, Bramfeld, Dehnhaide (Barmbek-Süd), Eidelstedt, Elbvororte (Blankenese), Eimsbüttel, Farmsen, Finkenwerder, Fuhlsbüttel, Harburg, Holstenstraße, Horn, Jenfeld, Kirchdorf, Langenhorn, Lokstedt, Mümmelmannsberg, Neuallermöhe, Neugraben, Niendorf, Osdorfer Born, Rahlstedt, Schnelsen, Steilshoop, Volksdorf, Wandsbek, Wilhelmsburg, Winterhude.

Jugendbibliothek Hoeb4U[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jugendbibliothek Hoeb4U ist eine Spezialbibliothek der Bücherhallen Hamburg, deren Schwerpunkt auf Freizeitmedien für Jugendliche liegt, wobei die Zielgruppe sich dabei vor allem an 13- bis 23-Jährige richtet.[12] Die Jugendbibliothek wurde am 9. Dezember 2005 als erste Jugendbibliothek in Hamburg eröffnet. Es werden Medien passend zu den Freizeitinteressen der Jugendlichen angeboten, sodass schulrelevante Medien nicht im Bestand anzutreffen sind. So soll erreicht werden, dass Jugendliche die Bibliothek als Freizeitort ansehen und freiwillig besuchen. Ebenfalls gilt die Jugendbibliothek Hoeb4U als Trendbibliothek, da neue Medien oder Veranstaltungen in der Praxis getestet werden. Es werden vor allem Auszubildende im zweiten Ausbildungsjahr [zur/zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste] in der Jugendbibliothek eingesetzt. Im Jahr 2019 besaß die Jugendbibliothek ca. 17.800 Medien, die 151.000 mal ausgeliehen wurden. Zusätzlich zu der Jugendbibliothek Hoeb4U haben alle 32 Bücherhallen einen eigenen Jugendbereich.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bücherhallen Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bücherhallen Hamburg: [ Jahresbericht 2016 (PDF)]
  2. Jeder nur ein Buch!, taz.de vom 1. Oktober 1999
  3. Handbuch der völkischen Wissenschaften: Akteure, Netzwerke, Forschungsprogramme, herausgegeben von Michael Fahlbusch, Ingo Haar, Alexander Pinwinkler, De Gruyter Oldenburg (2017), S. 748
  4. 100 Jahre Hamburger Öffentliche Bücherhallen - Abendblatt-Serie, Teil IV: Die NS-Zeit. Lautlos gleichgeschaltet, abendblatt.de vom 6. September 1999
  5. Rudolf Joerden 65 Jahre. Der gute Geist der Bücherhallen, abendblatt.de vom 15. August 1966
  6. Klaus Garber: Das Gomorrha der deutschen Bibliotheken. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. Mai 2015, S. N3.
  7. Weniger Bücher ausgeliehen, abendblatt.de vom 20. März 1990
  8. Gespräch mit den neuen HÖB-Chefinnen Hella Schwemer-Martienßen und Marie-Luise Warnk, abendblatt.de vom 6. Juni 1996
  9. https://www.hamburg.de/bkm/12791214/senator-biermann-ratjen-medaille-an-hella-schwemer-martienssen/, zuletzt abgerufen am 14. Oktober 2019
  10. Bücherhallen Hamburg: Medien mobil entdecken mit der App der Bücherhallen Hamburg
  11. Bücherhallen Hamburg: 3D-Druck für alle (Memento vom 29. November 2014 im Internet Archive)
  12. Webseite der Jugendbibliothek Hoeb4U

Koordinaten: 53° 32′ 59,2″ N, 10° 0′ 30″ O