Hamburger Marschbahn

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Hamburger Marschbahn
Streckennummer (DB): 9126
Kursbuchstrecke (DB): ehem. 110e
Streckenlänge: 33,7 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Betriebsstellen und Strecken[1]
Bahnhof, Station
Billbrook
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Glinde
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
Anschluss Liebigstrasse
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
Anschluss Tidekanal
   
Anschluss Pinkert Weg
   
0,0 Billwerder-Moorfleet
   
Strecke Hamburg–Berlin
   
Anschluss Boehringer
   
0,7 Moorfleet
   
A 1
   
A 25
   
Dove Elbe
   
2,5 Tatenberg
   
5,1 Ochsenwerder
   
7,5 Oortkaten
   
9,6 Fünfhausen
   
12,1 Kirchwerder-Howe
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ehem. Vierländer Bahn von Bergedorf
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15,4
17,0
Zollenspieker Querweg
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16,2 Zollenspieker
   
18,4 Teufelsort
   
Riepenburg (Bedarfshalt)
   
20,7 Krauel
   
22,4 Kiebitzbraak
   
24,4 Elbdeich
   
26,3 Altengamme
   
28,2 Borghorst
   
31,5 Brandenmoor
   
Strecke von Bergedorf
Bahnhof, Station
32,8 Düneberg
   
Pulverfabrik (Anst)
Bahnhof, Station
33,7 Geesthacht
   
Geesthachter Hafen (Anst)
Strecke – geradeaus
Strecke nach Krümmel

Die Hamburger Marschbahn war eine normalspurige Kleinbahn in den Hamburger Vier- und Marschlanden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strecke wurde als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme nach dem Ersten Weltkrieg im Auftrag des Hamburger Senats errichtet. Der am 12. Mai 1921 eröffnete erste Abschnitt zweigte in Düneberg von der Stammstrecke der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn (BGE) ab, führte elbabwärts und vereinigte sich auf der Höhe von Teufelsort mit der von Hamburg-Bergedorf südwärts verlaufenden Strecke der 1912 eröffneten Vierländer Eisenbahn bis zu einem Kopfbahnhof in Zollenspieker an der Elbe.

Abzweigung der Marschbahnstrecken bei Teufelsort, links die Trasse von / nach Tatenberg / Billbrook, in der Mitte von Bergedorf und rechts von Düneberg / Geesthacht. Der mittlere Strang läuft entgegen der Blickrichtung weiter nach Zollenspieker.(2014)

An dem Zweigpunkt der Streckenabschnitte wurde zusätzlich ein nach Nordwesten führender Abzweig eingerichtet, der nach zwei weiteren Stationen zunächst in Fünfhausen endete. In der weiteren Verlängerung nach Westen erreichte die Strecke am 1. April 1923 Ochsenwerder, 1926 Tatenberg und 1927 Moorfleet. Hier folgte die Strecke auf einem Bahndamm dem Verlauf der langgestreckten Straßendörfer, hielt dazu jedoch einigen Abstand. Die offizielle Eröffnung der gesamten Strecke fand am 1. Oktober 1928 statt.

Ehemaliges Bahnhofsgebäude Borghorst
Ehemaliges Bahnhofsgebäude Kiebitzbraak, Zustand 2014
Ehemaliges Bahnhofsgebäude Fünfhausen der Hamburger Marschbahn, Zustand 2014

Die Marschbahn überquerte zusammen mit der Straße Unterer Landweg auf einer Stahlfachwerkbrücke die Gleise der Berlin-Hamburger Bahn bei Moorfleet[2] und endete am Bahnhof Billbrook der 1907 erbauten Billwerder Industriebahn, die seit 21. Oktober 1921 der BGE gehörte. Diese führte auch von Anfang an den Betrieb auf der Marschbahn. Durchgehende Personenzüge verkehrten zunächst zwischen Moorfleet und Geesthacht, später auch ab Billwerder-Moorfleet oder Billbrook. Bedingt durch den Abstand der Strecke zu den Siedlungen, die keine wirklichen Zentren besitzen, war die Auslastung der Strecke von Anfang an gering. Außerdem richtete die BGE bereits ab 15. Mai 1926 einen konkurrierenden Betrieb mit Omnibussen ein, der die Gegend besser zu erschließen versprach.

Im Jahre 1942 übernahm die BGE, deren Aktien fast hundertprozentig dem Hamburger Staat gehörten, von diesem auch das Eigentum der rund 33 Kilometer langen Marschbahn. Seit 1942 diente die Bahn im Verbund mit der Vierländer Eisenbahn und einem dort neu geschaffenen Anschlussgleis in das KZ Neuengamme hinein dem Transport von Zwangsarbeitern und der von ihnen produzierten Güter Richtung Hamburg.

Nachdem spätestens ab Sommer 1950 der Verkehr zwischen Geesthacht und Zollenspieker zum Erliegen gekommen war, wurde der Betrieb auf der restlichen Marschbahn am 1. März 1952 eingestellt. Allerdings gibt es eine Quelle, die aussagt, dass der Güterverkehr dort erst am 9. Mai 1955 offiziell beendet wurde.

Die Gleisanlagen der Hamburger Marschbahn sind heute fast vollständig abgebaut. Auf dem Bahndamm wurde die asphaltierte Straße Marschbahndamm angelegt, die vorwiegend als Radwanderweg genutzt wird. Einige Bahnhofsgebäude sind noch erhalten, ebenso die Pfeiler der Brücke über die Dove Elbe in Höhe der Tatenberger Schleuse. Die Brücke über die Fern- und S-Bahn-Gleise an deren Haltepunkt Billwerder-Moorfleet stellte bis 1976 den Anschluss der Gütergleise im Gewerbegebiet im Süden Billwerders an die Billwerder Industriebahn her.[3] Sie wurde vermutlich in den 1980er Jahren[3] durch eine neue, reine Straßenbrücke für den Unteren Landweg ersetzt.[2] Auf einem kleinen Stück der Marschbahn vor dem Bahnhof Billbrook liegen noch Gleise; sie werden von der AKN befahren, um die Strecke der ehemaligen Südstormarnschen Kreisbahn nach Glinde zu erreichen.

Der öffentliche Personennahverkehr in den Vier- und Marschlanden wird seit 1954 von den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) durchgeführt, in denen die BGE aufgegangen ist. Sie betreibt dort rund 15 Buslinien, die zum großen Teil auf den Bahnhof Bergedorf ausgerichtet sind. Zwei Buslinien führen zum Hamburger ZOB, außerdem gibt es einen ausgeprägten Schülerverkehr in Buslinien zu den verschiedenen Schulen im Gebiet.

Namensähnlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls als Marschbahn wird die Eisenbahnstrecke von Elmshorn nach Westerland bezeichnet, die durch die schleswig-holsteinischen Elb- und Nordseemarschen führt. „Holsteinische“ bzw. „Schleswig-Holsteinische Marschbahn-Gesellschaft“ sind die früheren, aufeinander folgenden Namen der Unternehmen, die diese Bahn anfangs betrieben.

Der im Artikel erwähnte Ort Fünfhausen liegt im Bezirk Bergedorf von Hamburg und ist nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls hamburgischen Fünfhausen im Bezirk Harburg auf der anderen Seite der Elbe.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Meyer: 100 Jahre Eisenbahn zwischen Bergedorf und Geesthacht – Von der BGE zur AKN-Güterbahn. Lokrundschau, Gülzow 2006, ISBN 3-931647-21-8
  • Jürgen Opravil: Die Bergedorf Geesthachter-Eisenbahn. Kurt Viebranz, Schwarzenbek 1978, ISBN 3-921595-01-0
  • Rolf Wobbe: Chronik der Vierländer Eisenbahn. Walter Flügge, Geesthacht 1984, ISBN 3-923952-03-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hamburger Marschbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eisenbahnatlas Deutschland 2007/2008. 6. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2007, ISBN 978-3-89494-136-9.
  2. a b Drehscheibe-online.de (Memento vom 5. August 2014 auf WebCite); private Webseite mit Karten und Fotos zur Brücke über die Fernbahngleise bei Billwerder Moorfleet
  3. a b „Gleismannsbahnhof Gleis 13.M, stillgelegt: Die Bahnstrecke Billbrook – Geesthacht“ (private Seite)