Hammam

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Ein Hammam oder Hamam (arabisch حَمَّام Hammām, DMG ḥammām ‚Badeplatz, Schwimmbad, Orientalisches Bad, Wasserstelle‘,[1] von arabisch hamma ‚erhitzen, etwas heiß werden lassen‘; türkisch Hamam, osmanisch حمام;[2] syrisch ܗܲܡܵܡ ham mam[3]) ist eine öffentliche Badeanstalt bzw. ein Dampfbad, das man vor allem in der arabischen Welt, im iranischen Kulturraum, in der Türkei und in den ehemaligen Gebieten des osmanischen Reichs findet und das ein wichtiger Bestandteil der orientalischen Bade- und Körperkultur ist. Es ist auch unter den Namen Türkisches Bad oder „Orientalisches Bad“ bekannt. Archäologische Funde weisen auf die Existenz solcher Bäder in der umayyadischen Periode hin, ebenso wie Erwähnungen in historischen Texten, wo von der Errichtung solcher Gebäude in mehreren eroberten Städten geschrieben wurde, unter anderem auch in Basra. Hauptzweck des Hamams ist die Verrichtung der Gesamtwaschung Ghusl.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marmorbecken mit vergoldeten Armaturen im Hamam des Sultans, Topkapı-Palast

Zeichnungen und Darstellungen von Hammamat finden sich nicht nur in den Aufzeichnungen westlicher Reisender wie Jean Chardin und anderer, sondern auch in persischen und türkischen Miniaturen. Zumeist wurden keine Fenster oder Lüftungsöffnungen angebracht, wenn doch waren diese oft mit einstellbaren Lüftungsklappen versehen. Um den Erhalt der Hitze im Inneren des Gebäudes zu gewährleisten, werden diese (bzw. die beheizten Zentralbereiche) zumeist mit dicken Wänden errichtet. Licht dringt nur durch dicke Fenstergläser ins Innere, oftmals sind diese kunstvoll verziert. Die Räumlichkeiten, die den Ofen zur Erhitzung des Hamams beherbergen (chizāna) haben keine direkte Verbindung in den Hauptbereich, wo sich die Gäste aufhalten, sondern sind mit einer Türe zur Strassenseite angelegt, um Lieferungen von Brennstoff anzunehmen; lediglich Öffnungen für die Rohrleitungen sind angelegt. Geheizt wird durch die Zirkulation von im Kessel erzeugtem Heißwasser, Zu- und Abaufrohre sind in den Wänden und im Fussboden verlegt. Die Frischwasserzufuhr erfolgt entweder durch das städtische Wasserversorgungssystem, oder es wurde (früher mit Hilfe von Tieren) nach oben gepumpt. [4]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Wichtigkeit der Gesamtwaschung im Islam wurden Hamams (arabischer Plural hammamat) zumeist als Nebengebäude an Moscheen angebaut, ganze Stadtquartiere bildeten sich um sie herum. Aufgrund der Beliebtheit solcher Bäder wurden später auch private Bäder in Palästen oder großen Privathäusern errichtet. Im Hamam waren vor allem zwei Funktionsträger wichtig: einerseits der Wakkad, der Heizer, andererseits der Sabbal, der für den Nachschub an Brennstoff aus Dung zuständig war. Diese Begriffe sind immer noch in Syrien gebräuchlich, während in Nordafrika andere Bezeichnungen verwendet werden. Eine Bezeichnung, die heute nicht mehr üblich ist, war sahib al-sunduq für den Aufseher, der in den Umkleideräumen für Ordnung sorgte. Ferner gab es den mukayyis oder kayyas, welcher sich in den Baderäumen als Masseur betätigte sowie Friseure (muzayyin).[5]

Die Prozeduren bei Besuchen des Hamams haben sich seit den Anfängen kaum geändert. Zunächst legt der Besucher seine Bekleidung ab und schlägt ein Handtuch um seinen Körper oder zieht leichte Badebekleidung an. Von dort begibt er sich in die Mitte des Gebäudes, wo er vom Personal (Frauen von weiblichem, Männer von männlichem Personal) eingeseift, abgerieben, massiert und enthaart wird. Danach wird mit heißem Wasser abgewaschen, es folgt dann eine angemessene Ruhepause, um sich zu erholen. [4]

Europäer im Hamam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein volkstümliches Hammam im zentralanatolischen Ürgüp

Der schwäbische Prediger Salomon Schweigger (1551–1622) beschreibt in seinem Reisetagebuch aus dem Jahre 1608 pointiert seine Erlebnisse in einem Istanbuler Hamam:

„In der Mitte der weiten Badstuben steht ein niderer Herd, eines Schuchs hoch, von Marmorstein, zum schwitzen verordnet, dann daselbsten ist die Hitz am grösten. Sobald einer hineinkommt, setzt er sich auf diesen Herd. Da kompt ein Badknecht, der umbfahet ihn, renckt ihm den Leib hin und her, als wolt er ihm den Leib ineinanderrichten, deßgleichen dehnet er ihm auch die Glieder, Arm, Händ und die Schenckel, als wolt er mit ihm ringen. (…) Die Männer haben besondere Bäder und die Weiber auch besondere. Sie bedecken sich im Baden fein züchtig und ehrbarlich und nicht so schimpfflich wie die Teutschen. (…) Sie knüpffen aber ein blau leinen Tuch umb die Hüfft, das geht zweymal herumb und geht biß auf den Boden hinab; also daß wir Christen in diesem fall solten Zucht und Erbarkeit von diesen Barbaris lernen.“

Salomon Schweigger[6]
Ein Tellak mit Stelzensandalen zum Schutz vor der Fußbodenhitze im Hammām, (Werk des Enderûnlu Fâzıl, 18. Jhd.)

Sehr anschaulich beschreibt Helmuth von Moltke in Unter dem Halbmond seinen ersten Besuch in einem Hamam:

„Man schlug mir vor, ins Hamam oder türkische Bad zu gehen (…) Wir traten in ein weites hohes Gebäude, in dessen Mitte ein Springbrunnen plätscherte (…) Ich verspürte nicht die geringste Versuchung, nur das kleinste Stück meiner Toilette abzulegen; überdies sah ich überhaupt keine Badewanne (…) Der Badewärter, der in unseren bedenklichen Mienen las, führte uns in ein zweites Gewölbe, in dem schon eine ganz anständige Hitze war. Hier bedeutete man uns durch Zeichen, dass wir uns entkleiden möchten; man wickelt sich ein halbseidenes blaues Tuch um die Hüften und bekommt ein Handtuch als Turban um den Kopf, von dem angenommen wird, dass er nur aus Versehen nicht geschoren ist. Nach dieser Einkleidung schob man uns in eine dritte gewölbte Halle hinein, deren marmorner Fußboden so stark geheizt war, dass man ihn nur auf hölzernen Pantinen (Galendschi) betreten konnte. Unter der Mitte der Kuppel (…) erhebt sich ein zwei Fuß hohes Plateau mit Marmor, Jaspis, Porphyr und Agat reich ausgelegt, auf welches man sich behaglich hinstreckt.
Der Telektschi oder Badewärter schreitet nun zu einer ganz eigentümlichen Prozedur. Der ganze Körper wird gerieben und alle Muskeln gereckt und gedrückt. Der Mann kniet einem auf der Brust oder fährt mit dem Knöchel des Daumens über das Rückgrat; alle Glieder, die Finger und selbst das Genick bringt er durch eine leichte Manipulation zum Knacken. (…) Man begibt sich nun in die kleinen, noch stärker erwärmten Zellen, welche die große Halle umgeben. Hier sprudelt klares Wasser in Marmorbecken, und zwar nach Belieben, aus zwei Hähnen, warmes und kaltes. Der Patient wird nun demselben Verfahren unterworfen wie die türkischen Pferde beim Striegeln, indem nämlich der Wärter einen kleinen Sack aus Ziegenhaar über die rechte Hand zieht und damit den ganzen Körper anhaltend überfährt. Dies ist allerdings eine gründliche Reinigung, und man möchte sagen, dass man noch nie gewaschen gewesen ist, bevor man nicht ein türkisches Bad genommen hat. Der Telektschi erscheint nun aufs Neue mit einer großen Schüssel mit wohlriechendem Seifenschaum. Mittels eines großen Quastes aus den Fasern der Palmrinde seift er seinen Mann vom Scheitel bis zur Fußsohle, Haare, Gesicht, alles ein, und mit wahrem Vergnügen gießt man sich dann das kalte Wasser über Kopf, Brust und Leib. (…) Wir streckten uns nun in der Eingangshalle so behaglich hin, wie wir es von den Türken sahen.“

Helmut von Moltke: Unter dem Halbmond. Aus den „Briefen über Zustände und Begebenheiten in der Türkei aus den Jahren 1835 bis 1839“, zitiert nach Project Gutenberg

Ein Hamam spielte eine zentrale Rolle in dem 1997 produzierten italienischen Film Hamam – Das türkische Bad. In Japan wurde der BordelltypSoapland“ früher als „Türkisches Bad“ bezeichnet.

Hamamat in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inzwischen haben sich Hamamāt auch in Deutschland etabliert, die den orientalischen Vorbildern nachempfunden sind; sie sind in einigen größeren deutschen Städten vorzufinden.

Rezeption im Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Grotzfeld: Das Bad im arabisch-islamischen Mittelalter. Eine kulturgeschichtliche Studie. Harrossowitz, Wiesbaden 1970, ISBN 978-3-447003-49-0.
  • Wolfgang E. Weick, Alfried Wieczorek, Gisela Framke, Petra Hesse-Mohr (Hrsg.): EVET - Ja, ich will! Hochzeitskultur und Mode von 1800 bis heute: eine deutsch-türkische Begegnung. Ausstellungskatalog. Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim/Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund 2008, ISBN 978-3-927774-24-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hamam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Hamam – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Wehr: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. 5. Auflage. Harrossowitz, Wiesbaden 1985, S. 292 (Digitalisat)
  2. J.W. Redhouse: An English and Turkish Dictionary, London:Bernard Quartich, 1856, Seite 30
  3. Online-Wörterbuch Syrisch – Französisch – Englisch der Association Assyrophile de France.
  4. a b Artikel: Hamam in: Encyclopaedia of Islam (Second Edition), Band 3, Brill: Leiden 1986, S. 139
  5. Hans Wehr: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. 5. Auflage. Harrossowitz, Wiesbaden 1985, S. 542 (Digitalisat); Lanes Lexicon (II), S. 1280 "die Haare gekürzt oder geschnitten bekommen, rasiert werden"; Heinz Grotzfeld: Das Bad im arabisch-islamischen Mittelalter. Eine kulturgeschichtliche Studie. Harrossowitz, Wiesbaden 1970, S. 73 f. (hier in der Google-Buchsuche).
  6. Salomon Schweigger: Ein newe Reiß Beschreibung auß Teutschland nach Constantinopel und Jerusalem. Lochner, Nürnberg 1639, S. 113–115 (Digitalisat).