Hammer Park

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„Heckengarten“ im Hammer Park
Hammer Park: Blick vom „Weinberg“ auf Teich und Stadion

Der Hammer Park ist ein unter Denkmalschutz stehender öffentlicher Park im Osten Hamburgs. In seiner heutigen Größe und Gestalt wurde er in den Jahren 1914–20 vom damaligen Hamburger Gartenbaudirektor Otto Linne entworfen. Er geht jedoch auf einen älteren und wesentlich größeren privaten Landschaftsgarten zurück, dessen Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Das gesamte Parkareal einschließlich des angrenzenden Sportstadions ist seit 2011 in die Hamburger Denkmalliste eingetragen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hammer Park liegt etwa fünf Kilometer östlich des Hamburger Stadtzentrums im Stadtteil Hamm. Seine Fläche erstreckt sich über knapp 16 Hektar und wird eingerahmt von den Straßen Hammer Steindamm im Westen, Sievekingsallee und Fahrenkamp im Norden, der Caspar-Voght-Straße im Osten sowie Hammer Hof im Süden. Letztere erinnert dabei an den früheren Namen des Geländes. Der Park ist durch den Bahnhof Hasselbrook im Norden, den U-Bahnhof Hammer Kirche im Süden sowie die Buslinien 116 und 261 an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landhaus Hammer Hof 1807

Ein als Hammer Hof bezeichnetes Grundstück nordöstlich des alten Hammer Dorfkerns ist spätestens seit der Mitte des 17. Jahrhunderts nachgewiesen.[1] 1690 gelangte es in den Besitz des Hamburger Bürgers Peter Burmester, der seinerzeit mit anderen wohlhabenden Landhausbesitzern der Umgebung zu den Stiftern der Hammer Dreifaltigkeitskirche gehörte.[1][2]

Der "Chapeaurougenhof" (1773 bis 1829)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das neue Landhaus auf dem Fahrenkamp um 1820

1773 kaufte der aus Genf stammende Kaufmann Jacques de Chapeaurouge den Hammer Hof und ließ dort einen Garten mit Landhaus anlegen. Dieses befand sich damals an der Südwestecke des späteren Parks bzw. auf dem Gelände des heutigen Stadions. Nach und nach kaufte de Chapeaurouge umliegende Grundstücke hinzu und begann, einen Landschaftsgarten im englischen Stil mit Teichen, Grotten und künstlichen Hügeln anzulegen. In einer zeitgenössischen Beschreibung heißt es über den „Chapeaurougenhof“:

„Unter den Gärten hamburgischer Gartenliebhaber in dieser Gegend ist der des Herrn Chapeaurouge (...) einer von den ausgezeichnetsten. Mit grossem Vergnügen durchwanderten wir ihn, da er von dem humanen Besitzer der öffentlichen Beschauung offen gelassen wird. Es ist vieles in diesen Gartenanlagen wohl gelungen: die verschiedenen Baum- und Gebüscharten sind mit Verstand angewendet; (...) bequeme Wege durchirren diese beschatteten lieblichen Stellen ohne Zwang und winden sich über weite Grasflächen und an künstlichen Blumenbeeten vorbei. Dort lädt eine künstliche Quelle zum Genuss der Kühle (...). Mehr abgelegen zeigt sich eine künstliche Höhe, ein kleiner Berg, an welchem sich schmale Wege zwischen Fichten und Tannen emporwinden. (...) und noch manche Stelle in diesem schönen Garten ist mir lieb und werth gewesen.“

Karl Tauchnitz: Erinnerungen an Hamburg (1803)[3]

Im Winter 1813/14 wurde der Park von französischen Besatzungstruppen weitgehend zerstört, um freies Schussfeld gegen die anrückenden Russen unter General Tettenborn zu schaffen. Dabei wurden zahlreiche Bäume etwa auf Brusthöhe abgesägt, um als Deckung für einzelne Soldaten zu dienen. Viele der älteren Bäume im Park zeigen als sogenannte „Zweispänner“ (zwei Stämme auf einem Stumpf) noch heute die Spuren der einstigen Verwüstung. Nach dem Abzug der Franzosen ließ Jean-Dauphin de Chapeaurouge, der den Hof inzwischen von seinem Vater übernommen hatte, auf einem neuen, weiter östlich gelegenen Standort ab 1814 ein neues Landhaus errichten.

Der Sievekingsche Hof (1829 bis 1914)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sievekingsche Landhaus im Jahre 1869. Nach der Öffnung des Parks 1920 wurde es als Restaurant genutzt und 1943 bei alliierten Luftangriffen zerstört.
Hammerhof um 1900, Zeichnung von Max Kuchel

Nach dem Tod de Chapeaurouges erwarb 1829 sein Schwiegersohn, der hamburgische Senatssyndicus Karl Sieveking (1787–1847), das Anwesen und ließ es nach dem Vorbild seines Patenonkels Caspar Voght und dessen Flottbeker Anwesen zu einer ornamented farm umgestalten. Dazu ließ er von dem befreundeten Architekten Alexis de Chateauneuf unter anderem eine Brauerei und Kornbrennerei, eine Meierei, eine Ziegelei sowie Kuh- und Pferdeställe errichten.[4] Mit der Bewirtschaftung wurde ein Pächter beauftragt. In dem ebenfalls von de Chateauneuf um- und ausgebauten neuen Landhaus empfing der vielseitig interessierte Syndikus zahlreiche Gelehrte, Künstler, Diplomaten und Fürsten, darunter auch den dänischen König Christian VIII., für den dort extra eine Kunstausstellung des Hamburger Künstlervereins von 1832 organisiert wurde.[5] Auch die Gründung der Stiftung Rauhes Haus erfolgte 1833 nach einem Besuch des Theologen Johann Hinrich Wichern bei Sieveking, der ihm für sein geplantes „Kinderrettungsdorf“ ein Stück Land mit dem namensgebenden Haus schenkte.[1]

Erste Bebauungspläne und Ankauf durch die Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Sievekings Tod wurde das Landhaus von den Erben zeitweilig vermietet, ab 1857 aber wieder selbst bewohnt. Als nach der Eingemeindung Hamms im Jahre 1894 der Bedarf an Bauland rasant anstieg, bot die Familie ihren gesamten Grundbesitz, der weit über den heutigen Park hinaus bis an die Grenze zu Wandsbek reichte, der Stadt Hamburg zum Kauf an.[4] Die ersten Pläne sahen eine Bebauung mit Einzelhäusern und Villen (wie im benachbarten Marienthal) sowie eine Parkanlage vor, die allerdings deutlich kleiner als der heutige Park ausfallen sollte. Nach Protesten aus der Bürgerschaft wurden der zu erhaltende Park schließlich auf die heutige Größe festgelegt und die Familie Sieveking im Gegenzug dadurch entschädigt, dass auf den verbleibenden Bauland anstelle von Einzelhäusern nunmehr lukrativere Etagenwohnhäuser vorgesehen waren, deren Bau ab 1920 unter der Gesamtplanung von Oberbaudirektor Fritz Schumacher erfolgte.

Parkgestaltung durch Otto Linne (1914–1943)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plan von Gartendirektor Otto Linne zur Umgestaltung des Hammer Parks, 1914. Die dunkel schraffierten Flächen zeigen an, wie Linne alte Pflanzenbestände in die Neuplanung einbezog.
Revidierter Linne-Plan von 1920 (?) mit Bezeichnung der einzelnen Parkareale, z. B. Musterkleingärten (8) und Tennisplätzen (6)

Nach jahrelangen Verhandlungen mit der Stadt ging das Gelände schließlich 1914 in öffentlichen Besitz über.[6] Bis 1920 wurde der heutige Park, der nur einen kleinen Teil des ehemals Sievekingschen Besitzes umfasst, von Gartenbaudirektor Otto Linne als Volkspark neu gestaltet und unter anderem mit Sport- und Spielplätzen versehen. Als Zeugnisse der Linneschen Planung sind vor allem das Wegenetz, das Stadion sowie der „Heckengarten“ im Nordosten des Parks erhalten.

Das ehemalige Herrenhaus diente mit seinen Nebengebäuden zunächst als Schulgebäude für das Kirchenpauer-Gymnasium,[7] später als öffentliches Restaurant. Bei den alliierten Bombenangriffen im Juli 1943 wurde es ebenso zerstört wie die Scheunen oder das im Schweizerstil gehaltene Obergärtnerhaus.

Zerstörung und Neugestaltung nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch der übrige Park wurde vom Feuersturm schwer in Mitleidenschaft gezogen. Zeitweise wurden Teile des Parks mit Behelfsheimen für Ausgebombte bebaut, an deren Stelle später ein Haus der Jugend, das Gartenbaurevier des Bezirksamtes sowie eine Seniorentagesstätte errichtet wurden. Andere Flächen wurden als „Grabeland“ an Anwohner verpachtet und dienten dem Anbau von Kartoffeln und Gemüse.[8] Nach dem Krieg wurden u. a. eine Roller- und Rollschuhbahn, zwei Freiluft-Schachfelder sowie eine Minigolf-Anlage ergänzt. Anstelle des zerstörten Herrenhauses stand bis 1966 ein reetgedeckter Pavillon, in den 1980er Jahren eine Holzkonstruktion mit Regendach. Vorschläge zur Neuerrichtung eines Gartenlokals oder Kiosks haben sich bis heute jedoch nicht realisiert.[8]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Park bieten ein Spielplatz, ein Planschbecken für Kinder, Liegewiesen, ein Kräutergarten, Blumen- und Heckengarten, ein Minigolfplatz, Tischtennisplatten sowie eine Garten-Schachanlage vielfältige Möglichkeiten der Erholung.

Zum Gelände des Parks gehört auch ein Stadion für Fußball und Leichtathletik. Es besitzt eine Tribüne für 2000 Zuschauer und ist unter anderem Heimat des Landesligisten Hamm United FC sowie der American Football-Mannschaft Hamburg Huskies. Des Weiteren trainiert dort die Leichtathletikabteilung der TH-Eilbeck (die ehemalige LG Hammer Park[9]).

An das Sportstadion grenzt ferner eine Tennisanlage der Hamburger Turnerschaft von 1816.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Encke: Die öffentlichen Grünanlagen in Hamburg. In: Die Gartenkunst, Heft 1/1929, S. 1–18 (zum Hammer Park S. 7 ff.)
  • Heinz Krause u. a. (Red.): Der Hammer Park zwischen gestern und heute. (Stadtteilarchiv Hamm Bd. 1), Hamburg 1988.
  • Gunnar Wulf, Kerstin Rasmußen: Der Hammer Park. Kleinod zwischen Backsteinen. (Stadtteilarchiv Hamm Bd. 6), Hamburg 1995 ISBN 3-9803705-3-4
  • G. Herman Sieveking: Die Geschichte des Hammerhofes, 3 Bde. Hamburg 1898–1933.
  • Holger Paschburg u. a. (Bearb.): Hammer Park in Hamburg. Pflege- und Entwicklungsplan. Gutachten im Auftrag des Bezirksamts Hamburg-Mitte, Garten- und Tiefbauabteilung, Hamburg 2005.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hammer Park – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Heinz Krause u. a. (Red.): Der Hammer Park zwischen gestern und heute. (Stadtteilarchiv Hamm, Heft 1), Hamburg 1988, S. 6 ff.
  2. Adolf Diersen: Aus der Geschichte der Hammer Dreifaltigkeitskirche. Holzminden 1957, S. 11.
  3. zit. in: G. H. Sieveking: Die Geschichte des Hammerhofes, Bd. 1, S. 107 f.
  4. a b Gunnar Wulf u. a. (Red.): Der Hammer Park. Kleinod zwischen Backsteinen. (Stadtteilarchiv Hamm - Band 6), Hamburg 1995, S. 13 ff.
  5. G. H. Sieveking: Geschichte des Hammerhofes Bd. 2, S. 155.
  6. Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft vom 20. Mai 1914, abgedruckt in: Der Hammer Park. Kleinod zwischen Backsteinen..., S. 21 ff.
  7. Zehn Jahre Kirchenpauer-Realgymnasium, Druckerei des Rauhen Hauses, Hamburg 1924.
  8. a b Gunnar Wulf u. a.: Der Hammer Park. Kleinod zwischen Backsteinen..., S. 43 ff.
  9. LG Hammer Park vor der Auflösung

Koordinaten: 53° 33′ 30″ N, 10° 3′ 29″ O