Han (Ethnie)

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem ostasiatischen Han-Volk. Für das nordamerikanische Volk siehe: Hän. Zu weiteren Bedeutungen siehe Han (Begriffsklärung)

Das Han-Volk (漢人 / 汉人, Hànrén ‚Mensch des Han-Volkes‘) bzw. die Han-Ethnie[1] ist mit rund 1,3 Milliarden die größte Volksgruppe auf der Welt. [2] Heute machen die Han[3] etwa 91,5 % der Gesamtbevölkerung Chinas (Han-Chinesen)[4], rund 95 % der Gesamtbevölkerung Taiwans (Han-Taiwaner)[5] und rund 70 % der Gesamtbevölkerung Singapurs aus. Neben den Han gibt es in China noch 55 und in Taiwan 16 weitere offiziell anerkannte Völker („Nationalitäten“).

Bezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Han leitet sich von dem Han-Kaiserreich her, deren Begründer Liu Bang seinen Machtbereich am Han-Fluss aufbaute. Unter dem Han-Kaiserreich (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) bildete sich die Volksgruppe der Han heraus.

Auch andere Dynastien werden zur Eigenbenennung verwendet. So nannten sich südchinesischen Han nicht Han, sondern Tang (im südostasiatischen Ausland bis heute). Das ist insofern folgerichtig, als ihre Gebiete erst zur Zeit der Tang aus dem Norden besiedelt wurden und die autochthone Bevölkerung verdrängt oder assimiliert wurde.

Heterogenität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Han sind keine homogene Gruppe. Besonders moderne staatliche Institutionen mit ihrem Drang zur Vereinheitlichung und Zentralisierung leugnen diese Heterogenität. Diese zeigt sich jedoch z. B. an den unterschiedlichen Han-Sprachen und an Bezeichnungen für Regionen und ihre Bewohner, die älter sind als das Han-Kaiserreich (z. B. Wu oder Shu).

Untergruppen der Han sind zum Beispiel:

Die Kultur der Han ist deshalb durch Heterogenität und Variabilität gekennzeichnet. Die eigentlichen kulturbildenden Elemente sind die gemeinsame Han-Schrift, die zum Teil sehr unterschiedlichen Han-Sprachen und das Bewusstsein einer gemeinsamen Geschichte und Tradition.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Volk der Han entstand ungefähr im Zeitraum vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. Seit dem 14. Jahrhundert kam es schließlich immer wieder zu großen Wanderungsbewegungen der Han aus ihrem ursprünglichen Siedlungsraum.

Innerhalb Chinas stiegen die Han so zur dominierenden und staatstragenden Kultur auf, eine Entwicklung, welche von der Zentralregierung auch heute noch gefördert wird, zum Beispiel durch Maßnahmen der staatlichen Erziehung und gezielte Zuwanderung (Sinisierung) in Grenzregionen Chinas (Tibet, Xinjiang). So kam es in der Vergangenheit dort immer wieder zu Protesten und staatlichen Repressalien. Andererseits wurde die chinesische Geschichte vom 17. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts maßgeblich auch vom Volk der Mandschu beeinflusst, das immer nur eine kleine Minderheit der chinesischen Völkerfamilie darstellte, aber während der Qing-Dynastie die Geschicke Chinas lenkte.

Auch die meisten der sogenannten Auslandschinesen sind Han. In vielen Staaten Südostasiens haben sich Han im Lauf der Jahrhunderte angesiedelt und bilden dort mittlerweile sehr große Minderheiten, besonders in Malaysia und Thailand (siehe auch: Chinesischstämmige Thailänder). In Singapur stellen Han sogar die klare Bevölkerungsmehrheit. In Kambodscha fiel ein großer Teil der Han-Minderheit der Terrorherrschaft der Roten Khmer zum Opfer. Auch in Vietnam kam es zu Verfolgungen von Han (Boatpeople). In Indonesien kam es nach der Machtergreifung von General Suharto zu einem Völkermord an der Han-Minderheit des Landes mit Zehntausenden von Todesopfern.[6]

Berühmte Han[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Rudolf: Taiwans multi-ethnische Gesellschaft und die Bewegung der Ureinwohner: Assimilation oder kulturelle Revitalisierung? 2003.
  2. Bo Wen: Genetic evidence supports demic diffusion of Han culture. In: Nature. 431, 2004, S. 302–305. doi:10.1038/nature02878. PMID 15372031.
  3. The upper Han. Economist (2016)
  4. CIA Factbook: "Han Chinese 91.6%" out of a reported population of 1,355 billion (July 2014 est.)
  5. Executive Yuan, Taiwan: The Republic of China Yearbook 2016. 2016 (Zugriff am 8. September 2017).
  6. Jochen Hippler, Nasr Hamid Abu Zaid, Amr Hamzawy: Krieg, Repression, Terrorismus. (Memento vom 26. März 2010 im Internet Archive) (PDF; 697 kB) Politische Gewalt und Zivilisation in westlichen und muslimischen Gesellschaften. ifa, Stuttgart 2006, S. 55 ff.