Hanau-Kesselstadt

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50.1333333333338.8833333333333102Koordinaten: 50° 8′ 0″ N, 8° 53′ 0″ O

Kesselstadt
Stadt Hanau
Ehemaliges Gemeindewappen von Kesselstadt
Höhe: 102 m ü. NN
Einwohner: 11.222 (31. Dez. 2013)
Eingemeindung: 1907
Postleitzahl: 63454
Vorwahl: 06181
Wasserturm an der Philippsruher Allee – ein Wahrzeichen von Kesselstadt

Kesselstadt ist seit 1907 ein Stadtteil von Hanau im Main-Kinzig-Kreis in Hessen und war zuvor eine eigenständige Gemeinde.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Kesselstadt liegt zwischen Hanau und Maintal-Dörnigheim auf 102 m über NN, 2,3 km südwestlich der Altstadt von Hanau.

Siedlungsgeografie[Bearbeiten]

Geprägt ist der Stadtteil durch den Main im Süden, das Schloss Philippsruhe mit seinem Park, von dem strahlenförmig mehrere Alleen (Philippsruher Allee, Kastanienallee und Burgallee) wegführen und den alten Ortskern um die Friedens- und die Reinhardskirche. Im Westen daran schließt sich eine von Hochhäusern geprägte Neubausiedlung der 60er und 70er Jahre (auch „Weststadt“ oder „K-Town“ genannt, obwohl kein eigener Stadtteil) und das Gewerbegebiet Ost der Stadt Maintal an. Wenig bewusst ist die Tatsache, dass auch die Wohngebiete rund um die Frankfurter Landstraße und die Gustav-Hoch-Straße mit Beethovenplatz und Rosenau zur Gemarkung Kesselstadt gehören. Im Norden befinden sich die einstigen Wilhelmsbader Basaltsteinbrüche (heute teilweise Naturschutzgebiet), die heute als Golfplatz genutzte Fasanerie und die Parkanlagen und Gebäude der historischen Kuranlage Wilhelmsbad.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor- und Frühgeschichte[Bearbeiten]

Kesselstadt zur Römerzeit
Kastellbad Salisberg, Blick nach Südosten

In der Gemarkung von Kesselstadt wurden Gräber und Siedlungsreste aus fast allen Perioden seit der Jungsteinzeit ausgegraben. Am nördlichen Mainufer befand sich im Bereich des alten Ortskerns eine keltische Siedlung. Der Name Kesselstadt, „Castell-Stätte“, geht jedoch auf ein großes römisches Steinkastell aus römischer Zeit zurück, dass später einen Teil des mittelalterlichen Ortskerns einnahm. Eine weitere bedeutende römische Siedlung befand sich auf dem „Salisberg“ (Salisweg), wo im späten ersten Jh. n.Chr. zunächst das Kastell Salisberg zum Schutz des Mainübergangs angelegt wurde und sich später eine große Zivilsiedlung entwickelte, die bereits einige Jahrzehnte vor dem Limesfall im dritten Jahrhundert n. Chr. unterging. In einem der Brunnen dieser Siedlung wurde unter anderem die älteste datierbare schriftliche Urkunde Deutschlands gefunden: eine kleine hölzerne Schreibtafel, auf der am 5. April des Jahres 130 n.Chr. in Mainz eine Quittung ausgestellt worden war. Weiteres Zeugnis dieser Siedlung sind auf dem Kesselstädter Friedhof (im Baumweg) die Fundamente eines römischen Bades.

Mittelalter[Bearbeiten]

Frühe Siedlungsfunde des mittelalterlichen Kesselstadt wurden vor einigen Jahren bei Ausgrabungen des Hanauer Geschichtsvereins an der Friedenskirche gefunden und reichen bis ins 8. und frühe 9. Jh. zurück. Im Mittelalter war Kesselstadt ein Händler-, Handwerker- und Fischerdorf am Main. 1247 waren die Herren von Eppstein Gerichtsherren in Kesselstadt.

Die späteren Reichsgrafen von Kesselstatt kamen ursprünglich aus dem Ort, verlegten jedoch schon im 14. Jahrhundert ihren Schwerpunkt zunächst nach Montabaur und traten später in kurfürstliche Dienste in Trier.

Das Dorf gehörte zum allodialen Eigentum der Herren von Hanau, zur Herrschaft und späteren Grafschaft Hanau, ab 1458: Grafschaft Hanau-Münzenberg, und hier zum Amt Büchertal. Kirchlich gehörte das Dorf zur Erzbistum Mainz. Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat des Propstes der Kirche St. Maria ad Gradus in Mainz, Landkapitel Roßdorf. Die Kapelle des Dorfes war ursprünglich der heiligen Maria und der heiligen Katharina geweiht. 1353 wurden erstmals ein Pfarrer und ein Kaplan genannt. Das Patronat lag bis zur Reformation 1561 beim Kloster Limburg.

Historische Namensformen[Bearbeiten]

  • Chezsilstat (1059)
  • Keszelstat (1237)
  • Kesselstat (1247)

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Schloss Philippsruhe

Die Reformation setzte sich in der Grafschaft Hanau-Münzenberg in der Mitte des 16. Jahrhunderts zunächst in ihrer lutherischen Ausprägung durch. In einer „zweiten Reformation“, wurde die Konfession der Grafschaft Hanau-Münzenberg erneut gewechselt: Graf Philipp Ludwig II. verfolgte ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik. Er machte vom Jus reformandi Gebrauch, seinem Recht als Landesherr, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, und setzte dies für die Grafschaft weitgehend als verbindlich durch, so auch in Kesselstadt. Er baute an der Wende des 16. zum 17. Jahrhundert am Rand des Dorfes auch eine Sommerresidenz, die, ebenso wie das Dorf, im Dreißigjährigen Krieg schwere Schäden erlitt. Im frühen 18. Jahrhundert errichteten die beiden letzten Hanauer Grafen hier das Schloss Philippsruhe. Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch das Amt Büchertal und mit diesem Kesselstadt.

Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelte sich in Kesselstadt auch wieder eine lutherische Gemeinde, die sich schließlich auch eine eigene Kirche, die heutige Reinhardskirche, baute. Mit der Hanauer Union von 1818 wurde diese konfessionelle Doppelstruktur überflüssig. Die Kirche wurde nun für gottesdienstliche Zwecke aufgegeben und als Schulgebäude und für andere Zwecke genutzt. Heute dient das Gebäude als kommunaler Veranstaltungsraum und kann für private Feierlichkeiten gemietet werden.

Neuzeit[Bearbeiten]

Während der napoleonischen Zeit stand Kesselstadt – wie das übrige Amt Büchertal – von 1806 bis 1810 unter französischer Militärverwaltung und gehörte dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es an Hessen-Kassel, nunmehr „Kurfürstentum Hessen“ genannt, zurück. Hier kam es 1821 zu einer grundlegenden Verwaltungsreform bei der das Dorf dem neu gebildeten Kreis Hanau zugeordnet wurde.

Die für die Entwicklung im Westen von Hanau erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen gaben letztendlich den Ausschlag dafür, dass die Gemeinde Kesselstadt 1907 nach Hanau eingemeindet wurde. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg - die Hanauer Innenstadt lag nach den Luftangriffen völlig in Trümmern – nahm Kesselstadt für einige Jahre die Funktionen der Hanauer Innenstadt wahr. Das unzerstörte Schloss Philippsruhe diente bis 1964 als Hanauer Rathaus. 1973 – 1994 fand für den Ortskern, den historischen Teil von Kesselstadt, eine behutsame Stadterneuerung statt, die das Gebiet erheblich aufwertete.

Einwohner[Bearbeiten]

Im historischen Kern betrug die Einwohnerzahl[1]:

Gasthaus zum Roten Löwen (Vulgo: Zum blutigen Knochen), Teil des historischen Kerns von Kesselstadt
  • 1587: 34 Schützen, 35 Spießer
  • 1632: 38 Dienstpflichtige
  • 1648: ca. 160 Einwohner
  • 1680: ca. 230 Einwohner
  • 1698: ca. 160 Einwohner
  • 1707: 31 Familien
  • 1754: 70 Familien = 372 Einwohner
  • 1871: 988 Einwohner
  • 1885: 1.256 Einwohner
  • 1895: 1.499 Einwohner
  • 1905: 2.678 Einwohner
  • 1974: 545 Einwohner[2]
  • 2008: 425 Einwohner[2]

In den 1960er Jahren entstand als neues Wohnquartier die Weststadt. Deren Einwohnerzahlen betrugen:

  • 1975: 11.092
  • 2008: 11.831

Die Einwohnerzahl des Stadtteils Kesselstadt betrug am 31.12.2013 insgesamt 14.386 Einwohner (nur Erstwohnsitz)[3]

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Kesselstadt ist über die A 66 und B 8 sowie die B 43 und B 45 erreichbar und liegt an der L 3328.

Nächstgelegene Bahnhöfe sind Hanau West und Hanau-Wilhelmsbad, beide an einer der ältesten deutschen Eisenbahnlinien, der 1847 eröffneten Frankfurt-Hanauer Eisenbahn, gelegen.

Am Schloss Philippsruhe startet der Bahnradweg Hessen durch Vogelsberg und Rhön nach Bad Hersfeld und entlang des Mainufers führt der Hessische Radfernweg R3 (Rhein-Main-Kinzig-Radweg), unter dem Motto Auf den Spuren des Spätlesereiters entlang von Rhein, Main und Kinzig über Fulda nach Tann in der Rhön.

Am Schloss Philippsruhe befindet sich ein Schiffsanleger, der im touristischen Verkehr nach Seligenstadt, Aschaffenburg und Frankfurt bedient wird.

Kultur[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

Der heutige Hanauer Stadtteil Kesselstadt verfügt über ein reiches Vereinsleben. Größter Kesselstädter Verein ist der TV Kesselstadt 1860 e.V (TvK). Der Verein wurde 1860 als Turnverein gegründet und beherbergt heute Sportarten wie Handball, Volleyball, Tischtennis und Faustball. Darüber hinaus gibt es Fußballvereine wie den Verein für Rasenspiele (VfR), auch einige Hanauer Sportvereine wie der FC Hanau 93 haben ihr Domizil in Kesselstadt und die Hanau Hornets nutzen für Football-Spiele das Herbert-Dröse-Stadion.

Kunst[Bearbeiten]

Friedenskirche

Rund um Schloss Philippsruhe ist der Skulpturenpark Schloss Philippsruhe entstanden. Mit den Märchenspielen und dem Amphitheater im Baumgarten des Schlosses sowie dem heute Olof-Palme-Haus genannte Anwesen, der ehemaligen Westerfeldschen Villa, aber auch dem berühmten Jazz-Keller an der Philippsruher Allee und an anderen Orten haben sich zahlreiche Theater- und Musikgruppen in Kesselstadt angesiedelt. Dadurch ist der größte Teil der Hanauer Musik- und Theaterszene hier ansässig.

Religionen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Festschrift zur Einweihung der Friedenskirche in Kesselstadt am 25. September 1904. Hanau 1904.
  • Hans Griesel: Die Wilhelm-Geibel-Schule Hanau-Kesselstadt. 1965.
  • Eckhard Meise: Kesselstadt. In: Festschrift des Turnvereins Kesselstadt zu seinem 125-jährigen Jubiläum. 1985.
  • Peter Jüngling: Hanau-Kesselstadt - Zur Archäologie einer Pfarrkirche in Hanau. 2004. (= Hanauer Schriften zur Archäologie und Geschichte 1)
  • Peter Jüngling: Kesselstadts Vorgeschichte - Von den ersten Menschen bis zu den Kelten. In: Kesselstadt - Schlaglichter auf zwei Jahrtausende - 950 Jahre Ersterwähnung Kesselstadt. CoCon-Verlag, Hanau 2009, ISBN 978-3-937774-73-2, S. 8-13. (= Stadtzeit 7)
  • Magistrat der Stadt Hanau: Sanierung Kesselstadt. 2009.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 14, 1926 S. 277f.
  • Jakob Rullmann: Versuch einer Geschichte des Pfarrdorfes Kesselstadt. 1881.
  • Stadtzeit Kesselstadt - Schlaglichter auf zwei Jahrtausende - 950 Jahre Ersterwähnung Kesselstadt. CoCon-Verlag, Hanau 2009, ISBN 978-3-937774-73-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In den Jahren 1632, 1707 und 1754 wurde in der Grafschaft Hanau die Zahl der Einwohner ermittelt. Die Zahlen sind hier für die Jahre 1632–1754 wiedergegeben nach Erhard Bus: Die Folgen des großen Krieges – der Westen der Grafschaft Hanau-Münzenberg nach dem Westfälischen Frieden. In: Hanauer Geschichtsverein: Der Dreißigjährige Krieg in Hanau und Umgebung. 2011, ISBN 9-783-935395-15-9 (formal falsche ISBN), S. 277-320 (289ff.). (= Hanauer Geschichtsblätter 45) die übrigen Zahlen nach: Magistrat der Stadt Hanau, S. 11.
  2. a b Nur historischer Dorfkern.
  3. Incl. der historisch zur Gemarkung Kesselstadt gehörenden Stadtgebiete Rosenau, Richard-Wagner-Straße und Wilhelmsbad, die um 2010 einem künstlich neu geschaffenen Verwaltungsgebilde "Hanau-Nordwest" zugeschlagen wurden.

Weblinks[Bearbeiten]