Handauflegung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Handauflegung bei der Priesterweihe

In vielen Religionen ist die Handauflegung eine rituelle Geste der Übertragung von Segen oder Vollmacht.

Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Segenshandlungen wurden bereits im Tanach durch die Handauflegung begleitet. Im Alten Testament wird die Segnung von Ephraim und Manasse, durch den Stammvater Jakob beschrieben (Gen 48,13-16 EU)

„Dann nahm Josef beide, Efraim an seine Rechte, zur Linken Israels, und Manasse an seine Linke, zur Rechten Israels, und führte sie zu ihm hin. Israel streckte seine Rechte aus und legte sie Efraim auf den Kopf, obwohl er der jüngere war, seine Linke aber legte er Manasse auf den Kopf, wobei er seine Hände überkreuzte, obwohl Manasse der Erstgeborene war. Er segnete Josef und sprach: Gott, vor dem meine Väter Abraham und Isaak ihren Weg gegangen sind, Gott, der mein Hirt war mein Lebtag bis heute, der Engel, der mich erlöst hat von jeglichem Unheil, er segne die Knaben. Weiterleben soll mein Name durch sie, auch der Name meiner Väter Abraham und Isaak. Im Land sollen sie sich tummeln, zahlreich wie die Fische im Wasser.“

Die Handauflegung diente auch der Übertragung von Sünden auf ein Opfertier (Lev 4,22-26 EU). Im Buch Leviticus wird in Bezug auf das Sündopfer der Begriff Handauflegung fünf Mal erwähnt.

„Angenommen, ein Sippenhaupt sündigt, tut ohne Vorsatz etwas, was der Herr, sein Gott, verboten hat, und wird dadurch schuldig oder man teilt ihm eine Verfehlung mit, die er begangen hat, so soll er als seine Opfergabe einen fehlerlosen Ziegenbock bringen. Er soll die Hand auf den Kopf des Bockes legen und ihn dort schlachten, wo man das Brandopfer vor dem Herrn schlachtet. Ein Sündopfer ist es. Der Priester soll mit seinem Finger etwas vom Blut des Sündopfers auf die Hörner des Brandopferaltars tun, dann das Blut am Sockel des Brandopferaltars ausgießen und das ganze Fett, wie das Fett des Heilsopfers, auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen. So entsühnt der Priester den Betreffenden und löst ihn von seiner Sünde; dann wird ihm vergeben werden.“

Neues Testament[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Jesus Christus praktizierte nach dem Neuen Testament häufig die Handauflegung. Ein Beispiel unter vielen ist die Kindersegnung in Mt 19,13-15 EU:

„Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte und für sie betete. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Doch Jesus sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich. Dann legte er ihnen die Hände auf und zog weiter.“

Auch die Krankenheilungen waren häufig vom Auflegen der Hände begleitet (Lk 4,40 EU).

„Als die Sonne unterging, brachten die Leute ihre Kranken, die alle möglichen Leiden hatten, zu Jesus. Er legte jedem Kranken die Hände auf und heilte alle.“

Die Apostelgeschichte berichtet von Handauflegungen im Zusammenhang mit der Ordination, dem Empfang des Heiligen Geistes und der Krankenheilung.

Ordination: Sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia. Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam. (Apg 6,5-6 EU)
Empfang des Heiligen Geistes: „Diese zogen hinab und beteten für sie, sie möchten den Heiligen Geist empfangen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen Jesu, des Herrn, getauft. Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist.“ (Apg 8,15-17 EU) Auch die Charismen des Heiligen Geistes können laut 1 Tim 4,14 EU und 2 Tim 1,6 EU durch das Auflegen der Hände empfangen werden. Der Apostel Paulus mahnt Timotheus, die ihm durch Handauflegung erweckten Gnadengaben nicht zu vernachlässigen. In 1. Timotheus 5,22 EU warnt Paulus seinen jungen Mitarbeiter, einem Menschen „vorschnell die Hände aufzulegen“.
Krankenheilung: „Der Vater des Publius lag gerade mit Fieber und Ruhr im Bett. Paulus ging zu ihm hinein und betete; dann legte er ihm die Hände auf und heilte ihn. Daraufhin kamen auch die anderen Kranken der Insel herbei und wurden geheilt.“ (Apostelgeschichte 28,8-9 EU)

Nach den biblischen Berichten über das Handauflegen sind es also vor allem fünf Bereiche, in denen dieser Ritus zur Anwendung kommt:

  • die Segnung
  • die Heilung von Krankheiten
  • der Empfang des Heiligen Geistes und die Vermittlung besonderer Gnadengaben
  • die Weihe (Ordination)

Kirchliche Praxis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen, die altkatholische und die anglikanischen Kirche praktizieren die Handauflegung in altkirchlicher Tradition bei der Spendung einiger Sakramente bzw. Sakramentalien. Sie gehört zum Ritus Taufe, der Firmung, der Krankensalbung und der Spendung Weihesakraments, bei dem den Ordinandi von allen anwesenden Priestern die Hände aufgelegt werden. Die Spendung der Jungfrauenweihe war zumindest zeitweise mit der Auflegung der Hände durch den Bischof verbunden.

In den lutherischen Kirchen findet die Handauflegung bei der Taufe, bei der Konfirmation, bei der Trauung und bei der Ordination statt. Bei Diakonen und Diakonissen gibt es Einsegnungsgottesdienste, in denen die segnende Handauflegung im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht.

In der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche wird der Ritus des Handauflegens bei den Sakramenten der Taufe und dem Beichte verwandt. Ebenso ist die Handauflegung bei der Ordination zum Pfarrer, der Konfirmation, der Trauung oder der Krankensalbung vorgeschrieben.

Die Evangelisch-methodistische Kirche kennt statt der Konfirmation den Einsegnungsgottesdienst, bei dem den Jugendlichen ebenfalls die Hände aufgelegt werden. Die Ordination ihrer Geistlichen (Pastoren) geschieht ebenfalls unter Handauflegung mehrerer Amtsträger (z. B. durch den Bischof und den Superintendenten).

In den Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden und Freien evangelischen Gemeinden werden insbesondere Kinder, Täuflinge und Kranke unter Handauflegung gesegnet. Auch bei der Einführung von Ältesten, Pastoren und anderer Mitarbeiter der Gemeinde (zum Beispiel Jugendleiter, Sonntagschulleiter, Hauskreisverantwortliche) wird häufig die Handauflegung praktiziert.

Lückenhaft In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen noch folgende wichtige Informationen:
andere Religionen
Hilf der Wikipedia, indem du sie recherchierst und einfügst.

Anthropologische Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätzlich wurde im 20. Jahrhundert von Anthropologen, Ethnologen, Sozialpsychologen und Soziologen gesehen, dass auch die Handauflegung integrativer Bestandteil vieler Initiationsriten und Übergangsriten in den verschiedensten Religionen ist. Arnold van Gennep war einer der Pioniere auf diesem Gebiet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anthony T. Hanson, Friedemann Merkel: Art. Handauflegung I. Altes Testament/Judentum/Neues Testament/Religionsgeschichtlich II. Kirchengeschichtlich/Praktisch-theologisch. In: Theologische Realenzyklopädie 14 (1985), S. 415–428, De Gruyter, Berlin 1976–2004. ISBN 3-11-002218-4 / ISBN 3-11-013898-0 / ISBN 3-11-016295-4; Studienausgabe: ISBN 3-11-013898-0 / ISBN 3-11-016295-4
  • Johannes Behm: Die Handauflegung im Urchristentum: Nach Verwendung, Herkunft und Bedeutung. In religionsgeschichtlichem Zusammenhang untersucht. Deichert, Leipzig 1911 (2. unveränderte Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1968)
  • Nikolaus Adler: Taufe und Handauflegung. Eine exegetisch-theologische Untersuchung von Apg. 8, 14 – 17. Neutestamentliche Abhandlungen 19,3. Aschendorff, Münster 1951
  • Dominik Leupold-Kirschneck: Das Handauflegen. Eine ärztliche Urgebärde in Geschichte und Gegenwart. Basler Veröffentlichungen zur Geschichte der Medizin und der Biologie 33. Schwabe, Basel u. a. 1981 ISBN 3-7965-0777-8
  • Martina Bühring: Heiler und Heilen. Eine Studie über Handauflegen und Besprechen in Berlin. Krankheit und Kultur 6. Reimer, Berlin u. a. 1993 ISBN 3-496-00421-5
  • Jean Sayre-Adams, Steve Wright: Therapeutische Berührung in Theorie und Praxis. Ullstein Mosby, Berlin u. a. 1997 ISBN 3-86126-615-6