Handelskrieg

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Der Handelskrieg ist in Wirtschaft und Politik ein im Außenhandel mit kriegerischen Mitteln geführter Konflikt zwischen mindestens zwei Staaten zwecks Unterbindung des Handels.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort wird auch für einen mit ausschließlich ökonomischen Mitteln ausgetragenen Handelsstreit verwendet, der durch Maßnahmen und Gegenmaßnahmen eskaliert. Die friedliche Methode zur Unterbindung des Handels ist der Handelsstreit. Bei ihm werden repressive Außenhandelsinstrumente oder Handelshemmnisse eingesetzt. Gewaltsame Handelskriege können durch Unterbrechung der Landwege, Seewege und/oder Luftwege stattfinden. Mittel entsprechend die gewaltsame Landblockade beim Landkrieg, Seeblockade beim Seekrieg oder die Luftblockade beim Luftkrieg. Dadurch wird entweder global die Wirtschaft geschwächt, indem keine Gewinne aus exportierten Gütern erzielt werden können und/oder der Import von Waren unterbunden und damit ein Mangel erzeugt wird, der die Binnenwirtschaft und damit auch die militärischen Fähigkeiten hemmt. Es können auch selektive Blockaden etwa für bestimmte strategisch wichtige Waren vorgenommen werden.

Im Falle eines militärischen Handelskrieges steigt das Ausfallrisiko für die Handelspartner, was in der Regel mit einer Verteuerung der Waren verbunden ist. Um mögliche finanzielle Verluste abzuwenden, gibt es im Vertragsrecht im Rahmen der höheren Gewalt so genannte Force Majeure-Klauseln, die einen gegenseitigen Rücktritt ermöglichen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Juni 1258 brach vor Akkon ein echter Handelskrieg um die Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer aus, den die Wirtschaftsmetropolen Pisa, Genua, Venedig und Marseille in der Adria anzettelten, wobei allein Genua die Hälfte seiner 48 Kriegsschiffe und 1700 Mann verlor.[1] In Akkon gab es ein vergleichsweise kleines venezianisches Handelsquartier, es bot venezianischen Kaufleuten und ihren Waren Raum. Eine Vereinbarung über getrennte Handelsplätze beendete erst im Januar 1261 diesen Handelskrieg. Im August 1267 blockierten die Genuesen Akkon erneut, wurden aber von den Venezianern unter ihrem Dogen Lorenzo Tiepolo in die Flucht geschlagen. Im Jahre 1372 brach ein weiterer Handelskrieg zwischen Venedig und Genua aus, einem Rachefeldzug, der bis 1373 andauerte.

Versenkung eines englischen Handelskreuzers durch ein deutsches U-Boot (Gemälde von Willy Stöwer, 1915)
Luftblockade. Ein deutsches Marine-Luftschiff überprüft einen dänischen Dampfer, vermutlich in der Nordsee. Zeichnung von Willy Stöwer 1915

Der Kölner Kaufmann Hermann von der Hallen wurde trotz seines herzoglichen Geleitbriefs in Geldern gewaltsam daran gehindert, dort seine Waren zu verkaufen. Der Herzog von Geldern drohte ihm mit schwersten Repressalien, der Rat der Stadt Köln gestattete im Gegenzug im Oktober 1463 die Behinderung geldrischer Kaufleute in Köln.[2] Ein Kölner Ratsbeschluss vom 5. Oktober 1465 erlaubte die Beschlagnahme von Waren und Personen aus dem Gelderland. Selbst Kaiser Friedrichs III. Intervention vom 12. August 1468 zur Streitbeilegung fand keine Beachtung,[3] so dass er am 15. Januar 1474 der Stadt Köln die Erlaubnis erteilte, mit Geldern jede Art Handel zu treiben.[4]

Der Nationalökonom Adam Smith sah den Freihandel als Möglichkeit, absolute Kostenvorteile zwischen den Ländern zu nutzen. Smith billigte zwar den Freihandel, betrachtete ihn jedoch als Utopie. Er behielt Recht, denn im Juli 1759 begann das preußische Hilfskriegsschiff „Prinz Ferdinand“ im Mittelmeer den Handelskrieg durch Kaperei und brachte bis zu seiner Heimkehr im März 1760 insgesamt 14 Schiffe auf,[5] nachdem Friedrich II. per Befehl diese Kaperei verboten hatte.

Die von Napoleon im November 1806 in Berlin verfügte Kontinentalsperre (französisch blocus continental) galt als eine Wirtschaftsblockade über die britischen Inseln, die bis März 1813 in Kraft blieb. Sie sollte Großbritannien mit den Mitteln des Wirtschaftskrieges in die Knie zwingen. Darüber hinaus sollte diese Maßnahme die französische Wirtschaft gegen europäische und transatlantische Konkurrenz schützen. Der Kontinentalsperre ging bereits die englische Blockade über die Weser und Elbe in den Jahren 1803 bis 1805 voraus, wobei die Hansestädte wegen des abnehmenden Schiffsverkehrs maßgeblich betroffen waren.[6] Zwischen 1815 und 1819 trugen die Hudson’s Bay Company und die konkurrierende North West Company einen bewaffneten Handelskrieg um die Kontrolle der Red-River-Kolonie und die Vorherrschaft im Fellhandel aus, den Pemmikan-Krieg.

Auch in den beiden Weltkriegen fanden Handelskriege statt. So begann im Februar 1915 der Handelskrieg mit U-Booten in der Nordsee als Gegenmaßnahme gegen die zur wirtschaftlichen Abschnürung Deutschlands geführte britische Blockade. Im April 1915 begann der U-Boot-Handelskrieg in der Ostsee.[7] Diese Handelskriege dauerten bis Januar 1917. Zwischen Januar und März 1941 gab es einen Handelskrieg im Nordatlantik. Dieser letzte große Handelskrieg zur See fand während der Atlantikschlacht des Zweiten Weltkrieges statt, als England mit einer Seeblockade Deutschland vom Nachschub über See abschnitt und Deutschland versuchte, durch die Versenkung von Frachtschiffen in großem Umfang vor allem mit U-Booten aber auch mit Handelsstörkreuzern, England wirtschaftlich niederzuringen. Die auf deutscher Seite wie auch schon im Ersten Weltkrieg häufig aufgestellte Rechnung, die Seeblockade sei erfolgreich, wenn mehr Schiffsraum (Tonnage) versenkt werde als zugleich auf Werften gebaut werden könne, führte auch zur gelegentlichen Bezeichnung Tonnagekrieg.[8]

Durch die Berliner Luftbrücke zwischen Juni 1948 und Mai 1949 konnte trotz der Berlin-Blockade durch die Sowjetunion die Versorgung West-Berlins aufrechterhalten werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Detlef Wienecke-Janz (Hrsg.), Die große Chronik-Weltgeschichte: Blüte und Herbst des Mittelalters 1204-1492, 2008, S. 98
  2. Leonhard Ennen, Geschichte der Stadt Köln, Band 3, 1869, S. 440
  3. Leonhard Ennen, Geschichte der Stadt Köln, Band 3, 1869, S. 447
  4. Leonhard Ennen, Geschichte der Stadt Köln, Band 3, 1869, S. 452
  5. Albert Röhr, Handbuch der deutschen Marinegeschichte, 1963, S. 29
  6. Ursula M. Becker, Kaffee-Konzentration, 2002, S. 71
  7. Albert Röhr, Handbuch der deutschen Marinegeschichte, 1963, S. 138
  8. Wolfgang Meyer, U-SEEWOLF, 280 Seetage auf U-509, 2015, S. 70