Handicap International

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Handicap International
Handicap International Logo 2018.png
Gründung 1982
Sitz Lyon FrankreichFrankreich Frankreich
Schwerpunkt Humanitäre Organisation
Personen Manuel Patrouillard, Global Managing Director
Mitarbeiter 3.327 (Stand: 2019)
Website https://hi.org/

Handicap International (HI) ist eine unabhängige gemeinnützige Organisation. Sie setzt sich weltweit für Menschen mit Behinderung und andere schutzbedürftige Menschen ein, um deren Lebensbedingungen zu verbessern. HI hilft bei Armut und sozialer Ausgrenzung, bei Konflikten und Katastrophen. Die Grundpfeiler ihrer Arbeit sind Menschlichkeit und Inklusion.

Auf völkerrechtlicher Ebene „kämpft“ die Organisation gegen die Missachtung der Menschenrechte, den Gebrauch von Landminen und Streubomben sowie Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten. Handicap International Deutschland ist Mitglied der internationalen Organisation Humanity & Inclusion (ehem. Handicap International),[1] die die Umsetzung der Programmarbeit verantwortet.

Die Organisation ist eines der sechs Gründungsmitglieder der Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen (ICBL), die 1997 den Friedensnobelpreis erhalten hat.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation wurde 1982 von den beiden französischen Ärzten Jean-Baptiste Richardier und Claude Simonnot in Lyon gegründet. In den Flüchtlingslagern an der thailändischen Grenze hatten sie Hunderte kambodschanische Geflüchtete erlebt, die durch Projektile, Minen oder Blindgänger schwer verletzt worden waren. Nach den notwendigen Operationen gab es dort keinerlei Hilfe für die ca. 6.000 amputierten Menschen.[3] Richardier und Simonnot gründeten Handicap International, um Menschen mit Behinderung auch in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen und ihnen durch Rehabilitation und die Versorgung mit Prothesen langfristig eine Perspektive zu ermöglichen. Die ersten Prothesenzentren der Organisation entstanden in den Flüchtlingslagern von Kambodscha, bald auch in Myanmar und Laos. Um weitere Opfer explosiver Kampfmittelrückstände zu vermeiden, begann Handicap International 1992 mit den ersten Minenräumungen in Kambodscha und im irakischen Kurdistan.[2]

Im selben Jahr gründete der Verein zusammen mit fünf weiteren Organisationen die Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen (ICBL). Diese erhielt 1997 den Friedensnobelpreis[4] und trug zum Erfolg des Ottawa-Prozesses und somit zum am 3. Dezember 1997 getroffenen Übereinkommen über das Verbot des Einsatzes, der Lagerung, der Herstellung und der Weitergabe von Antipersonenminen und über deren Vernichtung („Ottawa-Konvention“) bei.[2]

Die deutsche Sektion der Organisation wurde 1998 gegründet. Rund 10 Jahre später spielte Handicap International eine Rolle bei der Unterzeichnung des Oslo-Abkommens für ein Verbot von Streubomben.[2]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation möchte weltweit zu einer dauerhaften Verbesserung der Situation von Menschen mit Behinderung und andere besonders schutzbedürftige Menschen, wie schwangere und alleinstehende Frauen, ältere Menschen etc. beitragen. Hierbei wird nicht nur deren Zugang zu medizinischer Versorgung große Bedeutung beigemessen, sondern auch der Veränderung ihrer allgemeinen Lebensbedingungen durch eine Behinderung sowie die soziale (Wieder-)Eingliederung in die Gemeinschaft. Deshalb unterstützt die Organisation lokale Partner, durch die – auch nach Beendigung des Einsatzes von Handicap International – eine langfristige Weiterführung der Projekte möglich ist.

Zudem kämpft die Organisation gegen den Einsatz von Landminen und Streumunition, die in vielen Ländern auch Jahrzehnte nach Beendigung eines Krieges/Konfliktes noch Menschen töten und verstümmeln. Die Organisation setzt sich auch dafür ein, dass Lagerstätten für Kleinwaffen, die nach Bürgerkriegen häufig besonders leicht für die Bevölkerung zugänglich sind, zerstört werden und die Bevölkerung über die Gefahren im Umgang mit Kleinwaffen aufgeklärt wird. Im Rahmen von Nothilfeeinsätzen setzt sich die Organisation für die besonders Schutzbedürftigen, wie Menschen mit Behinderung oder ältere Menschen, ein und ermöglicht, dass auch diese Zugang zu Hilfsgütern und medizinischer Versorgung bekommen.

Weltweite Projektarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation ist in rund 60 Ländern mit über 300 Projekten tätig. Viele dieser Länder sind von Landminen und anderen explosiven Überresten und bewaffneten Konflikten betroffen. Die Projekte beschränken sich nicht nur auf die körperliche Versorgung der Opfer in Orthopädiewerkstätten und Rehabilitationszentren, sondern beziehen die gesamte Lebenssituation von Menschen mit Behinderung in die Hilfe ein. Dazu gehört psychologische Unterstützung und Hilfestellung bei der sozialen Integration, aber auch organisatorische Unterstützung von Selbsthilfeprojekten. Priorität in der Projektarbeit hat die Arbeit mit lokalen Partnerorganisationen und die Ausbildung von lokalen, oftmals selbst behinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

In Nachkriegsregionen haben viele der Programme das Ziel, Unfälle mit Landminen und anderen explosiven Kriegsresten sowie Kleinwaffen durch Aufklärung der Bevölkerung und den Aufbau von Kampfmittelräumungsteams zu verhindern. Zur langfristigen Prävention gehört auch ein internationales politisches Engagement für ein Verbot aller Minen und minenähnlicher Waffen. Handicap International gründete deshalb 1992 gemeinsam mit fünf anderen Organisationen die Internationale Kampagne für ein Verbot von Landminen (International Campaign to Ban Landmines), die 1997 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus gehörte die Organisation 2003 außerdem zu den Gründern der Internationalen Kampagne gegen Streuminen, die Cluster Munition Coalition.

Die Organisation Humanity & Inclusion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handicap International wurde 1982 gegründet und ist eine unabhängige und unparteiische gemeinnützige Organisation. Sie besteht aus einem Dachverband und acht nationalen Vereinen: Frankreich (Gründung: 1982), Belgien (1986), Schweiz (1996), Luxemburg (1997), Deutschland (1998), Grossbritannien (1999), Kanada (2003) und USA (2006). Der Dachverband wird durch ihre Mitglieder mit der Umsetzung der Programmarbeit für das gesamte Netzwerk von Humanity & Inclusion beauftragt. Manuel Patrouillard ist seit 2014 internationaler Geschäftsführer und Nachfolger des Mitbegründers der Organisation Jean-Baptiste Richardier. Im Juni 2018 wurde Jean-Noël Dargnies zum Vorstandsvorsitzenden der HI Organisation als Nachfolger von Jacques Tassi ernannt.[5]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handicap International Deutschland ist Mitglied der internationalen Organisation Humanity & Inclusion (ehem. Handicap International). Der deutsche Verein arbeitet seit 1998 mit einem Büro in München und seit 2015 auch in Berlin. Unterstützt werden wir dabei deutschlandweit von ehrenamtlichen Aktivist/-innen. Schwerpunkte unserer Arbeit sind die Spendenwerbung und institutionelles Fundraising. Außerdem betreiben wir Lobbyarbeit und Sensibilisierungsarbeit zu den Themen Behinderung in Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe sowie Kriegsfolgen und engagieren uns im Rahmen der Kampagnen gegen Minen, Streubomben und andere Waffen.

In München ist auch unser Projekt ComIn angesiedelt, das praktische Unterstützung für Migrant/-innen, speziell Flüchtlinge mit Behinderung, anbietet. Die Förderung der SKala-Initiative ermöglicht es HI seit dem Jahr 2018 auch, mit dem Projekt Crossroads | Flucht.Migration.Behinderung grundlegende Strukturen mit bundesweiter Wirkung für Flüchtlinge mit Behinderung aufzubauen. SKala ist eine Initiative der Unternehmerin Susanne Klatten in Partnerschaft mit dem gemeinnützigen Analyse- und Beratungshaus PHINEO und fördert bundesweit etwa 100 Non-Profit-Organisationen. Das Projekt „Phase 2 – Leave no one behind!: Mainstreaming von Behinderung in der Humanitären Hilfe“ schult deutsche Akteure der humanitären Hilfe und ihre lokalen Partner hinsichtlich Inklusion.[6]

Daten und Jahresberichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation veröffentlicht regelmäßig einen Jahresbericht und die Jahresbilanz.

Jahr Mitarbeiter
gesamt (vor Ort)
Projekte Länder Budget
(Mio. EUR)
CN 2.1 Rating[7]
2014[8] 3.416 331 57 137 3 von 4 (89,39)
2015[9] 3.146 (2.462) 341 59 152 3 von 4 (89,39)
2016[10] 3.233 (2.522) 337 56 152 3 von 4 (89,18)
2017[11] 3.278 (2.522) 386 63 178
2018[5] 3.327 (2.854) 408 62 192

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internationales Logo der Organisation, hier mit dem neuen und dem bisherigen Namen dargestellt

Seit dem 24. Januar 2018 wurde der Name der internationalen Organisation von Handicap International (HI) auf Humanity & Inclusion (HI) geändert. Der neue Name soll die Werte humanity (übersetzt: Menschlichkeit, Humanität) und Inklusion ausdrücken.[12] Die nationalen Vereine heißen in Kontinentaleuropa weiterhin „Handicap International“ (Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und die Schweiz), während sie in Großbritannien, in Kanada und in den USA den Namen „Humanity & Inclusion“ tragen. 26 Vereine und Programme tragen den Namen „Handicap International“, 36 nennen sich „Humanity & Inclusion“.

Die internationale Organisation hat sich außerdem ein Logo gegeben: Der blaue Umriss einer erhobenen Hand soll sowohl einen freundlichen Gruß und als auch ein Signal zum Anhalten darstellen.[12] Das internationale Logo wird, in abgewandelter Form, auch von der deutschen Organisation verwendet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Handicap International – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Handicap International. Presseportal, 24. Januar 2018, abgerufen am 11. August 2018.
  2. a b c d Handicap International: Eine Erfolgsgeschichte seit 1982. Handicap International, abgerufen am 11. August 2018.
  3. Armelle Le Goff: Jean-Baptiste Richardier: «Handicap international est né d'une révolte». In: 20min. 12. Juli 2012, abgerufen am 11. August 2018 (französisch).
  4. The Nobel Peace Prize 1997. In: www.nobelprize.org. 10. Oktober 1997, abgerufen am 30. Oktober 2019 (englisch).
  5. a b Humanity & Inclusion Jahresbericht 2018. (PDF; 4,8 MB) Handicap International, abgerufen am 21. Oktober 2019.
  6. Handicap International - Über uns. Handicap International, abgerufen am 4. November 2019.
  7. Handicap International, dba Humanity & Inclusion. In: Charity Navigator. Abgerufen am 11. August 2018 (englisch).
  8. Handicap International U.S. Annual Report 2014. (PDF; 7,7 MB) Handicap International, abgerufen am 11. August 2018 (englisch).
  9. Handicap International U.S. Annual Report 2015. (PDF; 7,4 MB) Handicap International, abgerufen am 11. August 2018 (englisch).
  10. Handicap International U.S. Annual Report 2016. (PDF; 2,5 MB) Handicap International, abgerufen am 11. August 2018 (englisch).
  11. Humanity & Inclusion Annual Report 2017. (PDF; 2,3 MB) Handicap International, abgerufen am 11. August 2018 (englisch).
  12. a b Humanity & Inclusion becomes new name of Handicap International. Handicap International, 24. Januar 2018, abgerufen am 11. August 2018 (englisch).