Handicap International

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Handicap International
Handicap International Logo 2018.png
Gründung 1982
Sitz Lyon FrankreichFrankreich Frankreich
Personen Manuel Patrouillard, Global Managing Director[1]
Schwerpunkt Humanitäre Organisation
Angestellte 3.278 (Stand: 2018)
Website [1]

Handicap International (HI) ist eine unabhängige gemeinnützige Organisation. Sie setzt sich weltweit für Menschen mit Behinderung und andere schutzbedürftige Menschen ein, um deren Lebensbedingungen zu verbessern. HI hilft bei Armut und sozialer Ausgrenzung, bei Konflikten und Katastrophen. Die Grundpfeiler ihrer Arbeit sind Menschlichkeit und Inklusion.

Auf völkerrechtlicher Ebene „kämpft“ die Organisation gegen die Missachtung der Menschenrechte, den Gebrauch von Landminen und Streubomben sowie Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten. Handicap International Deutschland ist Mitglied der internationalen Organisation Humanity & Inclusion (ehem. Handicap International)[2], die die Umsetzung der Programmarbeit verantwortet.

Die Organisation ist eines der sechs Gründungsmitglieder der Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen (ICBL), die 1997 den Friedensnobelpreis erhalten hat.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation wurde 1982 von den beiden französischen Ärzten Jean-Baptiste Richardier und Claude Simonnot in Lyon gegründet. In den Flüchtlingslagern an der thailändischen Grenze hatten sie Hunderte kambodschanische Geflüchtete erlebt, die durch Projektile, Minen oder Blindgänger schwer verletzt worden waren. Nach den notwendigen Operationen gab es dort keinerlei Hilfe für die ca. 6.000 amputierten Menschen.[4] Richardier und Simonnot gründeten Handicap International, um Menschen mit Behinderung auch in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen und ihnen durch Rehabilitation und die Versorgung mit Prothesen langfristig eine Perspektive zu ermöglichen. Die ersten Prothesenzentren der Organisation entstanden in den Flüchtlingslagern von Kambodscha, bald auch in Myanmar und Laos. Um weitere Opfer explosiver Kampfmittelrückstände zu vermeiden, begann Handicap International 1992 mit den ersten Minenräumungen in Kambodscha und im irakischen Kurdistan. Im selben Jahr gründete der Verein zusammen mit fünf weiteren Organisationen die Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen. Diese trug zum Erfolg des Ottawa-Prozesses und somit zum Übereinkommen über das Verbot des Einsatzes, der Lagerung, der Herstellung und der Weitergabe von Antipersonenminen und über deren Vernichtung bei. Die deutsche Sektion der Organisation wurde 1998 gegründet. Rund 10 Jahre später spielte Handicap International eine Rolle bei der Unterzeichnung des Oslo-Abkommens für ein Verbot von Streubomben.[3]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation möchte weltweit zu einer dauerhaften Verbesserung der Situation von Menschen mit Behinderung und andere besonders schutzbedürftige Menschen, wie schwangere und alleinstehende Frauen, ältere Menschen etc. beitragen. Hierbei wird nicht nur deren Zugang zu medizinischer Versorgung große Bedeutung beigemessen, sondern auch der Veränderung ihrer allgemeinen Lebensbedingungen durch eine Behinderung sowie die soziale (Wieder-)Eingliederung in die Gemeinschaft. Deshalb unterstützt die Organisation lokale Partner, durch die – auch nach Beendigung des Einsatzes von Handicap International – eine langfristige Weiterführung der Projekte möglich ist.

Zudem kämpft die Organisation gegen den Einsatz von Landminen und Streumunition, die in vielen Ländern auch Jahrzehnte nach Beendigung eines Krieges/Konfliktes noch Menschen töten und verstümmeln. Die Organisation setzt sich auch dafür ein, dass Lagerstätten für Kleinwaffen, die nach Bürgerkriegen häufig besonders leicht für die Bevölkerung zugänglich sind, zerstört werden und die Bevölkerung über die Gefahren im Umgang mit Kleinwaffen aufgeklärt wird. Im Rahmen von Nothilfeeinsätzen setzt sich die Organisation für die besonders Schutzbedürftigen, wie Menschen mit Behinderung oder ältere Menschen, ein und ermöglicht, dass auch diese Zugang zu Hilfsgütern und medizinischer Versorgung bekommen.

Weltweite Projektarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation ist in rund 60 Ländern mit über 300 Projekten tätig. Viele dieser Länder sind von Landminen und anderen explosiven Überresten und bewaffneten Konflikten betroffen. Die Projekte beschränken sich nicht nur auf die körperliche Versorgung der Opfer in Orthopädiewerkstätten und Rehabilitationszentren, sondern beziehen die gesamte Lebenssituation von Menschen mit Behinderung in die Hilfe ein. Dazu gehört psychologische Unterstützung und Hilfestellung bei der sozialen Integration, aber auch organisatorische Unterstützung von Selbsthilfeprojekten. Priorität in der Projektarbeit hat die Arbeit mit lokalen Partnerorganisationen und die Ausbildung von lokalen, oftmals selbst behinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

In Nachkriegsregionen haben viele der Programme das Ziel, Unfälle mit Landminen und anderen explosiven Kriegsresten sowie Kleinwaffen durch Aufklärung der Bevölkerung und den Aufbau von Kampfmittelräumungsteams zu verhindern. Zur langfristigen Prävention gehört auch ein internationales politisches Engagement für ein Verbot aller Minen und minenähnlicher Waffen. Handicap International gründete deshalb 1992 gemeinsam mit fünf anderen Organisationen die Internationale Kampagne für ein Verbot von Landminen (International Campaign to Ban Landmines), die 1997 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus gehörte die Organisation 2003 außerdem zu den Gründern der Internationalen Kampagne gegen Streuminen, die Cluster Munition Coalition.

Netzwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Netzwerk besteht aus acht nationalen Vereinen. 1982 wurde der französische Verein gegründet, ab 1986 unterstützte der neugegründete belgische Verein die Hilfe für die Menschen mit Behinderung weltweit. 1996 folgten Vereinsgründungen in der Schweiz, 1997 in Luxemburg, 1998 in Deutschland, 1999 in Großbritannien, 2003 in Kanada und 2006 in den USA. Mit der Gründung der Föderation im Jahr 2009 hat Handicap International eine neue globale Organisation geschaffen, die ihre Fähigkeit zum Einsatz für die schutzbedürftigsten Bevölkerungsgruppen in rund 60 Ländern stärken und erweitern will. Die Föderation Handicap International besitzt unter anderem die Verantwortlichkeiten über die Projekte von Handicap International in den Projektländern.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handicap International Deutschland ist Mitglied der internationalen Organisation Humanity & Inclusion (ehem. Handicap International), die die Umsetzung der Programmarbeit verantwortet. Der deutsche Verein besteht seit 1998 mit einem zentralen Büro in München und ehrenamtlichen Gruppen in anderen Städten. Schwerpunkte des Engagements sind die Lobbyarbeit zum Thema Behinderung in der Entwicklungszusammenarbeit und die Kampagnen gegen Landminen und Streumunition. Er kümmert sich ebenso wie die anderen Vereine in anderen Ländern außerdem darum, Spenden und öffentliche Gelder für die Projektarbeit zu sammeln. In Deutschland besteht darüber hinaus das Projekt ComIn, ein Selbsthilfe- und Schulungsprojekt für Flüchtlinge mit Behinderung in München. Das Anschlussprojekt Crossroads | Flucht. Migration. Behinderung. arbeitet daran, weitere Projekte wie ComIn in ganz Deutschland zu verbreiten.

Daten und Jahresberichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation veröffentlicht regelmäßig einen Jahresbericht und die Jahresbilanz.

Jahr Mitarbeiter
gesamt (vor Ort)
Projekte Länder Budget
(Mio. EUR)
CN 2.1 Rating[5]
2014[6] 3.416 331 57 137 3 von 4 (89,39)
2015[7] 3.146 (2.462) 341 59 152 3 von 4 (89,39)
2016[8] 3.233 (2.522) 337 56 152 3 von 4 (89,18)
2017[9] 3.278 (2.522) 386 63 178

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internationales Logo der Organisation, hier mit dem neuen und dem bisherigen Namen dargestellt

Seit dem 24. Januar 2018 wurde der Name der internationalen Organisation von Handicap International (HI) auf Humanity & Inclusion (HI) geändert. Der neue Name soll die Werte humanity (übersetzt: Menschlichkeit, Humanität) und Inklusion ausdrücken.[10] In Deutschland und einigen weiteren europäischen Ländern wird weiterhin der Name Handicap International verwendet.

Die internationale Organisation hat sich außerdem ein Logo gegeben: Der blaue Umriss einer erhobenen Hand soll sowohl einen freundlichen Gruß und als auch ein Signal zum Anhalten darstellen.[10] Das internationale Logo wird, in abgewandelter Form, auch von der deutschen Organisation verwendet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Handicap International – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://hi.org/en/our-governance
  2. Handicap International. Presseportal, 24. Januar 2018, abgerufen am 11. August 2018.
  3. a b Handicap International: Eine Erfolgsgeschichte seit 1982. Handicap International, abgerufen am 11. August 2018.
  4. Armelle Le Goff: Jean-Baptiste Richardier: «Handicap international est né d'une révolte». In: 20min. 12. Juli 2012, abgerufen am 11. August 2018 (französisch).
  5. Handicap International, dba Humanity & Inclusion. In: Charity Navigator. Abgerufen am 11. August 2018 (englisch).
  6. Handicap International U.S. Annual Report 2014. (PDF; 7,7 MB) Handicap International, abgerufen am 11. August 2018 (englisch).
  7. Handicap International U.S. Annual Report 2015. (PDF; 7,4 MB) Handicap International, abgerufen am 11. August 2018 (englisch).
  8. Handicap International U.S. Annual Report 2016. (PDF; 2,5 MB) Handicap International, abgerufen am 11. August 2018 (englisch).
  9. Humanity & Inclusion Annual Report 2017. (PDF; 2,3 MB) Handicap International, abgerufen am 11. August 2018 (englisch).
  10. a b Humanity & Inclusion becomes new name of Handicap International. Handicap International, 24. Januar 2018, abgerufen am 11. August 2018 (englisch).