Handstreich

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Ein Handstreich bezeichnet allgemein einen den Gegner unvorbereitet treffenden Angriff, der ihn ohne jede wirksame Verteidigungsmöglichkeit überwältigt. Aus dem Militärischen (s. u.) stammend, wird der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch auch für politische oder wirtschaftliche Übernahmen verwendet.

Etymologie[Bearbeiten]

Seit dem 16. Jahrhundert wird der Begriff Handstreich im Deutschen im Sinne von Handschlag verwendet. Unabhängig hiervon wurde das Wort als Lehnwort aus dem französischen Coup de main im Sinne der militärischen Bedeutung übernommen.[1]

Vor der modernen Kriegsführung[Bearbeiten]

In Frühzeiten richtete sich die Kriegsführung hauptsächlich auf die Eroberung und das Halten von wichtigen Städten und Burgen. Zu dieser Zeit verstand man einen Handstreich als Eroberung einer Befestigung des Feindes ohne Belagerung. Im Zusammenhang mit einem Handstreiche auf eine Befestigung kam es häufiger dazu, dass ein Spion oder Überläufer bei Eintreffen des angreifenden Heeres die Tore öffneten.

Die Eroberung Trojas durch den Einsatz des trojanischen Pferdes ist trotz Ausnutzen eines Überraschungsmoments nicht als Handstreich zu sehen, da eine lange Belagerung voraus ging.

Der Obristwachtmeister Graf Heinrich von Dampierre versuchte im Jahr 1620 im Böhmischen Krieg, mit 10.000 Mann die Stadt und das Schloss Pressburg im Handstreich einzunehmen. Der Versuch ist allerdings gescheitert, Dampierre wurde dabei getötet.

In der Kriegsführung[Bearbeiten]

Der Handstreich ist ein überraschender, überfallartiger, aber erkundeter und geplanter Angriff auf Feindkräfte oder auf ein gegnerisches Objekt hinter feindlichen Linien, selten auch in einer feindlichen Gefechtslinie wie im Stellungskrieg des Ersten Weltkriegs durch die Sturmtruppen - zu meist durch eine Teileinheit, selten eine Einheit. Die Gefechtsart Angriff ist im Vergleich zum Handstreich vorausgeplant und vorbereitet, und wird von einem Verband durchgeführt.

Der Handstreich ist eine Gefechtshandlung, die von der Infanterie besonders beim Jagdkampf angewandt wird. Gefechtshandlungen während des Jagdkampfes können nicht durch die den Einsatz führende Kommandoebene befohlen werden. Der Führer vor Ort entscheidet ad hoc über den Einsatz durch Führen mit Auftrag, wenn eine erfolgreiche Durchführung möglich ist.

Der Handstreich wird im Gegensatz zum Hinterhalt als Gefechtshandlung Angriff geführt. Überraschung und schlagartige Ausführung sind für den Erfolg wesentlich. Sinn und Zweck des Handstreichs ist, den Gegner zu überraschen, eine zeitliche und räumliche Überlegenheit herzustellen, um ihn zu vernichten oder Verluste zuzufügen, und sich anschließend vom Feind zu lösen, bevor dieser eine Verteidigung organisieren und zu einem Gegenstoß antreten kann.

Der Handstreich ist in die Gefechtsart Jagdkampf eingebunden, selten eine andere Besondere Gefechtshandlung.

Für den Handstreich wird die Teileinheit in eine Deckungsgruppe mit allen "schweren Infanteriewaffen wie MG und Panzerfaust" und eine Sturmgruppe mit allen übrigen Soldaten aufgeteilt. Wesentlich ist eine genaue Zuweisung der Schusssektoren mit der Hauptschussrichtung sowie linker und rechter Grenze, damit die Sturmgruppe nicht in den Feuerbereich eigener Waffen gerät.

Die Deckungsgruppe hält durch einen Feuerschlag der "schweren Infanteriewaffen" Feind in der Einbruchstelle nieder und verhindert die Zuführung von Feindkräften durch Feuer links und rechts der Einbruchsstelle.

Die Sturmgruppe hält durch Sturmfeuer Feindkräfte beim Sturm nieder, nimmt die Einbruchstelle und vernichtet diese, auch durch Handgranatenwurf. Drahthindernisse oder andere Sperren werden vor dem Sturm durch Sprengmitteln passierbar gemacht. Nach dem Einbruch werden weitere Teilziele genommen und die Deckungsgruppe nachgezogen. Wichtige Einrichtungen des Gegners werden durch Beschuss oder Sprengen unbrauchbar gemacht.

Nach Ausführung des Handstreichs weicht die Teileinheit auf einen festgelegten Sammelpunkt aus und bewegt sich von diesem weiträumig zu einem neuen Versteck. Mit Reaktionen des Gegners auch mit Aufklärungskräften, um die eigenen Kräfte zu stellen, ist zu rechnen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heeresdienstvorschrift 100/100 Führung im Gefecht (TF/G) - Verschlusssache Nur für den Dienstgebrauch (nicht öffentlich), Bonn 1962, 1974, 1998, (Neuausgaben und ständige Fortschreibung), ab 2007 Heeresdienstvorschrift 100/100 Truppenführung von Landstreitkräften
  • Heeresdienstvorschrift 100/900: Führungsbegriffe

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Friedrich Kluge (Begr.), Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017473-1, S. 389.