Handwagen

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Ein beladener Leiterwagen

Ein Handwagen ist ein unmotorisiertes Gefährt, mit dem Fußgänger Lasten durch Zug oder Schub transportieren können. Es gibt verschiedene Ausführungen, die nach Anzahl von Rädern und Achsen unterschieden werden.[1] Als Handwagen werden vierrädrige Gefährte bezeichnet. Geschoben werden beispielsweise Einkaufswagen, Kinderwagen, Puppenwagen und Marktchaise. Handkarren haben dagegen eines bis drei Räder.

Handwagen dürfen am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen, wobei der Gesetzgeber in Deutschland in § 65 Abs. 1 Satz 2 StVZO bestimmt, dass diese keine Bremse benötigen.

Verschiedene Handwagen werden auch in der Armee benutzt, so bei der Bundeswehr als Transportkarre Sanitätsausstattung beim fußbeweglichen Arzttrupp, als Handwagen 4-Rad 0,5 t Plattform[2], als Fernmeldegeräte-Karre[3], Stirnbügelhandwagen für elo-Geräte[4], Prüfgerätewagen Elo[5] oder Stirnwandwagen 500 kg Tragfähigkeit[6].

Bollerwagen (modern)
Verleihstation für Bollerwagen, Kölner Zoo
NSV-Schwester mit Kindern (1943)

Bollerwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Bollerwagen ist ein kleiner, vierrädriger Handwagen mit einer Deichsel zum Transport von Lasten. Er wird als Transportmittel oder von Kindern zum Spielen benutzt.[7] Ein Bollerwagen mit geleitertem Aufbau ist ein kleiner Leiterwagen. Bollerwagen gibt es in verschiedenen Ausführungen, von einfachen Wagen mit Rohrrahmen, Kunststoffrädern und sonstigen Kunststoffteilen bis zu hochwertigen Wagen komplett aus Holz mit Edelstahl-Achsen und -schrauben sowie mit großen, kugelgelagerten Metallrädern. Es gibt sogar einen leichtgewichtigen, faltbaren Bollerwagen, der ähnlich wie ein Kinderwagen zusammengeklappt werden kann.[8]

Die scherzhafte Bezeichnung stammt wohl von dem „bollernden“, polternden Geräusch, das die früher mit Eisen beschlagenen Holzräder auf dem Kopfsteinpflaster machten. In einigen Gegenden Hollands ist der Bollerwagen auch als Bolderkar bekannt, was wohl so viel wie „polternde Karre“ bedeutet.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor allem in Norddeutschland wird der Bollerwagen immer noch als Transportmittel eingesetzt, besonders von Urlaubern. Auf den fünf autofreien ostfriesischen Inseln ist er ein alltägliches Transportmittel. Auch in der Literatur wird er ewähnt, beispielsweise spielt der Handwagen von Mutter Courage in dem Drama Mutter Courage und ihre Kinder eine wichtige Rolle.

In den Alpen wurde traditionell ein Bollerwagen mit eingespanntem Sennenhund zum Transport von Milch benutzt.[9] Ähnliche Gespanne gibt es auch im Hundesport.[10][11]

Bei norddeutschen Kohlfahrten werden traditionell in einem Bollerwagen alkoholische Getränke (z. B. Bier und Korn) mitgenommen, die anlässlich der Spiele (z. B. Boßeln) oder sonstiger Unterbrechungen der Wanderung (z. B. Wegkreuzungen, Kurven) ausgeschenkt werden. Ähnlich den Kohlfahrten findet der Bollerwagen auch bei Vatertags- und Maitouren Einsatz.

Mittlerweile hat sich in Deutschland eine Tuning-Szene entwickelt, deren Ziel das Aufmotzen ihres Bollerwagens darstellt. Unter dem Motto „Pimp My Bollerwagen“ werden Lichtanlagen, Soundsysteme oder Getränkehalter für die Unterwegs-Versorgung installiert. Im Internet beschäftigen sich Foren mit diesem Thema.

Flucht und Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bollerwagen ist auf vielen Fotos aus der Zeit von Flucht und Vertreibung zu sehen, beladen mit allem was die Menschen noch besaßen. Oft saßen noch Kinder oder die Alten darauf. In der nachfolgenden Zeit des Schwarzhandels und der lebensnotwendigen Hamsterfahrten war der Bollerwagen ein wichtiges Transportmittel. [12]

Handkarren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handkarren

Ein einachsiges Gefährt mit ein bis drei Rädern zum Ziehen oder Schieben wird meist als Handkarren bezeichnet. Zweirädrige Handkarren zum Ziehen können oftmals auch als Fahrradanhänger verwendet werden.[13]

Verwendung findet der Handkarren bei der Bundeswehr als Pioniergerät[14], umgangssprachlich auch Pi-Karre. Verwendung fand der von Pferden gezogene Karren bis in den Zweiten Weltkrieg auch beim Militär als Infanteriekarren, als die Infanterie noch nicht motorisiert war, um schwere Ausrüstung und Munition zu transportieren.

Heute werden bei längeren Expeditionen Zugkarren in offenem und teilbedecktem Gelände ebenso wie Pulkas bei Schnee eingesetzt, um Wasser bei Wassermangel in trocken-heißen Regionen und größere Mengen Verpflegung sowie Ausrüstung zu transportieren. Die zweirädrige Zugkarre für das Trekking auch als Wanderanhänger oder Trekkingkarre bezeichnet.[15]

Dreirädrige Handkarren kommen bei der Werbemittelverteilung und Postzustellung zum Einsatz, aber auch in der Freizeit und werden in der Lagerlogistik eingesetzt. Spezielle Konstruktionen dienen als Verkaufsstände. Weitere Ausführungen sind der Kofferkuli auf Bahnhöfen und Flughäfen, die einachsige Schubkarre zum Schieben und die ebenfalls geschobene Sackkarre.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Handwagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Handkarren – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Handwagen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Bollerwagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Bollerwagen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beschreibung diverser Handkarren und Handwagen
  2. Versorgungsnummer 3920-0009
  3. Versorgungsnummer 3920-0013
  4. Versorgungsnummer 3920-0016
  5. Versorgungsnummer 3920-0028
  6. Versorgungsnummer 3920-0023
  7. Bollerwagen als Transportmittel
  8. Beschreibung diverser Bollerwagen
  9. Sennenhunde als Zughunde, Eva Eichenwald
  10. Ina Hoffmann trainiert Berner Sennenhund als Bollerwagen-Zugtier, Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA), 5. April 2014
  11. Silke Habrock , Untersuchung zur zumutbaren Belastung der Berner und Großen Schweizer Sennenhunde beim Ziehen von Lasten, Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2007
  12. Olaf Ihlau: Der Bollerwagen: Unsere Flucht aus dem Osten. Siedler, München 2014, ISBN 978-3-8275-0050-2.
  13. Handkarre/Fahrradanhänger
  14. Versorgungsnummer 3920-0029
  15. Wanderanhänger