Handytarif

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Handytarif ist eine Beschreibung der Bedingungen, die der Mobiltelefon-Nutzung zugrunde liegen. Der Handytarif ist damit neben den AGB die wichtigste Leistungsbeschreibung des Mobilfunk-Anbieters (Provider). Ein Handytarif beschreibt explizit den Preis, die Gestaltung, die Laufzeit und die Verfügbarkeit der einzelnen Leistungen eines Mobilfunk-Anbieters. Implizit beinhaltet er Dienstleistungen und Geräte-Subventionen oder sonstige Auszahlungen, die abhängig vom jeweiligen Tarif gewährt werden.

Niedergelegt ist der Handytarif typischerweise in einer Preisliste, die durchaus pro Tarif einige Seiten und Dutzende von Fußnoten umfassen kann. Erhältlich sind die Handytarife als Druckwerk in den Ladengeschäften der Provider oder im Internet.

Zur nachträglichen Identifizierung eines Handytarifs reichen der Name des Tarifs und des herausgebenden Providers nicht aus. Ältere Tarife wie etwa die Relax-Reihe von T-Mobile sind unter gleichem Namen bereits mehrfach in Details angepasst worden.

Der Mobilfunknutzer kommt in GSM- und UMTS-Systemen über seine SIM-Karte mit seinem Handytarif in Kontakt. Gegenüber dem Mobilfunknetz wird der Nutzer, bzw. seine Karte, eindeutig identifiziert und dann im Abrechnungssystem des Providers mit seinem Handytarif in Verbindung gebracht. Als Ergebnis davon erhält er im Regelfall am Abrechnungstag einen Einzelverbindungsnachweis (EVN), auch Verbindungsübersicht genannt. Darin werden im Idealfall alle in Anspruch genommenen Leistungen gemäß den Bedingungen des Tarifs abgerechnet. Abrechnungsfehler in der Rechnung sind aber nicht selten, eine Überprüfung der Rechnung lohnt sich.

Tarifinhalte[Bearbeiten]

Beispiele expliziter Angaben[Bearbeiten]

  • Gebühr für den Abschluss bzw. die Aktivierung des Tarifs
  • Monatliche Grundgebühr
  • Preis eines Gesprächs aus dem eigenen Mobilfunknetz in das deutsche Festnetz.
  • Taktung, d.h. in welchen Einheiten dieser Anruf abgerechnet wird – "60/1" etwa bedeutet, die erste Minute wird immer voll, danach werden einzelne Sekunden abgerechnet.
  • Abrechnungsart bei Datennutzung - zeitbasiert oder volumenbasiert.
  • Optionen, die der Nutzer wahlfrei zubuchen kann.
  • Laufzeit des Vertrags bzw. der Optionen
  • Es finden sich typischerweise auch Informationen über nicht verfügbare Leistungen im Handytarif. So können Roaming-Anrufe in bestimmten Tarifen in manchen Ländern unmöglich sein.

Beispiele impliziter Angaben[Bearbeiten]

  • Besondere Geschäftskunden-Hotline nutzbar
  • Ein Handy, das mit diesem Tarif erworben wird, wird beim Kauf mit 100 EUR bezuschusst.

Dienste[Bearbeiten]

Dienste die in einem typischen Handytarif explizit beschrieben sind:

  • Sprachanrufe
  • Kurznachrichten (SMS)
  • Multimedianachrichten (MMS)
  • Sprachanrufe zu Sonderrufnummern
  • Sprachanrufe zum Anrufbeantworter
  • CSD-Datenverbindungen
  • GPRS, UMTS und HSDPA-Datenverbindungen
  • Annahme von Sprachanrufen im Ausland (Roaming)
  • Sprachanrufe aus fremden Mobilfunknetzen (Roaming)
  • Sonderdienstleistungen wie etwa Klingelton-Downloads und Handy-Bezahldienste.

Tarif-Arten[Bearbeiten]

Grundsätzlich lassen sich Tarife danach klassifizieren, ob der Nutzer vor oder nach der Nutzung zahlt, bzw. ob die Nutzungsentgelte für das jeweilige Nutzungsprofil weitestgehend fix oder variabel sind.

Guthaben-Tarife[Bearbeiten]

Sobald der Mobilfunkkunde vor der Nutzung zu bezahlen hat, spricht man von Guthaben- oder Prepaid-Tarifen. Diese zeichnen sich im Regelfall durch eine fehlende (mindest- oder fixe) Vertragslaufzeit aus, werden aber bei Nichtbenutzung oder Nichtaufladung anbieterseitig abgeschaltet.

Laufzeit-Tarife[Bearbeiten]

Verträge mit einer Laufzeit - Laufzeit- oder Postpaidverträge - werden zum Ende eines Abrechnungszeitraums (typischerweise ein Kalendermonat) durch Bankeinzug bezahlt.

Flatrates[Bearbeiten]

Hauptartikel: Flatrate

Flatrates sind im Regelfall Laufzeit-Tarife, die nur zu bestimmten Zielen keine variablen Gesprächsgebühren oder Datennutzungsgebühren verursachen. Der Begriff Flatrate ist missverständlich, weil bisher kein sogenannter Tarif tatsächlich ausschließlich fixe monatliche Zahlungen umfasst. Alle Tarife sind nur in das Fest-, ihr Heimatnetz oder die anderen deutschen Mobilfunknetze „flat“. Anrufe zu Sondernummern und Roaming-Gespräche werden weiterhin variabel abgerechnet. Mittlerweile werden bereits Guthaben-Flatrates angeboten, die über einen Mindestumsatz möglich werden.

Discount-Tarife[Bearbeiten]

Discount-Tarife können sowohl per Guthaben als auch per Laufzeit geregelt sein. Unterscheidungsmerkmal zu den oben angesprochene Laufzeit-Tarifen ist, dass es keine Mindestvertragslaufzeit und keine monatliche Grundgebühr gibt. Mobilfunk-Discounter bieten daneben auch Flatrates an.

Geschichte[Bearbeiten]

Im September 1995 wurden in Deutschland 136[1], Juni 1996 über 260[2] und im März 1997 laut Focus 280 Handytarife angeboten. Die aktuellen Handytarife unterscheiden sich strukturell von denen aus den letzten Jahren. So sind mittlerweile viele „Flatrates“ auf dem Markt. Außerdem geht bei den Providern seit etwa 2006 der Trend ganz klar zu Kontingenttarifen (oder auch Bucket-Tarife genannt). Dabei erwirbt der Konsument durch die Zahlung einer monatlichen Gebühr im Regelfall ein Minutenkontingent, bspw. 100 Minuten in das Festnetz und in das eigene Mobilfunknetz. Durch die höhere monatliche Grundgebühr sind diese attraktiver für die Provider - der Customer Lifetime Value ist deutlich höher. Beide Entwicklungen, Flatrates- und Kontingenttarife, setzen auf die Risikoaversion der Nutzer, die – so die These – lieber etwas mehr zahlen, dafür einen kalkulierbaren, festen Betrag.

Als Gegenentwicklung sind im Jahr 2005 mit der Marke Simyo die Discount-Tarife entstanden. Diese zeichnen sich durch eine etwas übersichtlichere Gestaltung des Tarifs, durch die ursprünglich fehlende Grundgebühr/Mindestumsatz und deutlich gesenkte Minutenpreise in alle deutschen Netze aus. Nach Simyo starteten mehrere Mitbewerber, u. a. Blau, Easymobile (jetzt Callmobile), klarmobil, debitel-light (mittlerweile mit Blau fusioniert) und Weitere (Siehe Mobilfunk-Discounter). Auch die großen Handelsketten haben eigene Tarife aufgelegt: u. a. smobil (Schlecker), Medion-Mobile (ALDI), Fonic (Lidl). Auch im Segment der Discount-Tarife gibt es mittlerweile Bestrebungen, unterschiedliche Tarife, mit Laufzeit, Mindestverbrauch und Optionen zu verkomplizieren.

Datentarife[Bearbeiten]

Anfang 2007 haben die Discounter im E-Plus Netz ihre Preise für die Datenkommunikation dramatisch um 97 % gesenkt. Bis dahin waren die meisten Tarife für die Dienste HSCSD, GPRS und UMTS deutlich zu teuer für Konsumenten. Andere Anbieter boten dann bald ähnliche Preise an. Neben speziellen Tarifen für die "menschliche" Datennutzung, gibt es des Weiteren Handytarife speziell für die M2M (Machine to Machine) Kommunikation. Damit werden beispielsweise Lastwagen oder Getränkeautomaten ausgestattet, die ihren aktuellen Ort oder ihren Warenbestand an die Zentrale übermitteln.

Businesstarife[Bearbeiten]

Vor allem die Netzbetreiber Telekom, Vodafone und O2 bieten gesonderte Geschäftskunden-Tarife an, die sich zumeist durch geringere Verbindungsentgelte auszeichnen. Aber auch die angebotenene Tarifpakete orientieren sich an den Bedürfnissen von Firmenkunden, die häufig ein deutlich höheres Minutenkontingent benötigen, und auch der Datentarif für die mobilen Onlinedienste bereits inbegriffen sein sollte. Vor allem die Telekom aber auch Vodafone bieten zudem Rahmenverträge für Business-Kunden, die über zusätzliche Vorteile bei Verbindungen innerhalb des Firmennetzwerkes beinhalten und exakt auf die Bedürfnisse der Belegschaft zugeschnitten werden können. Jedoch ist Voraussetzung für einen Rahmenvertrag die Bereitstellung von mindestens 3 SIM-Karten.

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland gab es Ende 2006 etwa 700 Handytarife[3], wobei viele dieser Tarife sehr ähnlich sind. Provider, die Netzminuten bei den vier Netzbetreibern einkaufen, verkaufen die Tarife der Netzbetreiber häufig mit geringen Änderungen oder Ergänzungen an die eigene Kundschaft weiter. Ende 2007 werden knapp 1000 Handytarife in über 366.000 Varianten angeboten.[4]

Tarif-Optionen[Bearbeiten]

Die meisten Handytarife verfügen über Optionen die Ergänzungen zum Handytarif darstellen. Manche dieser Optionen sind abhängig, d.h. lassen sich nur mit bestimmten anderen Optionen buchen, manche sind unabhängig von anderen Optionen. Mit den Optionen kann der Mobilfunknutzer Handytarife auf sein Profil anpassen. Beispiele für Optionen sind:

  • Wochenende-Optionen – bei denen gegen Zahlung einer Grundgebühr die Telefonate etwa in das Festnetz und das eigene Mobilfunknetz kostenlos sind.
  • Fremdnetz-Optionen – gegen Zahlung einer Grundgebühr sind Anrufe in Fremdnetze kostenlos oder verbilligt.
  • Auslands-Optionen – gegen Zahlung einer Grundgebühr werden Anrufe in bestimmte Länder vergünstigt.
  • Datentarif-Optionen – gegen Zahlung einer Grundgebühr erwirbt der Nutzer ein bestimmtes Zeit- oder Volumenkontingent zur Nutzung von Datenservices.

Manche Handytarife verfügen über bis zu zwei Dutzend Optionen die zum gewählten Tarif hinzugebucht werden können.

Vergleich[Bearbeiten]

Motivation[Bearbeiten]

Praktisch seit es Handytarife für Konsumenten gibt[5] versucht man über automatisierte Vergleiche den individuell Günstigsten zu finden. Durch die Auswahl des richtigen Handytarifs lässt sich im Schnitt die Handyrechnung halbieren. Statistisch betrachtet können die Kunden der T-Mobile sogar ca. 70% und Vodafone-Kunden über 60% einsparen.[6] Eine Vielzahl von Anbietern mit immer neuen Tarifoptionen erschwert es Kunden, den Überblick zu behalten und den für sich sinnvollen Vertrag zu finden.[7] Tarifvergleichsrechner helfen dabei.

Offline[Bearbeiten]

Programme, die mehrere Tarife vergleichen, waren vor einigen Jahren noch gängig[8]. Diese sind mittlerweile aber praktisch komplett durch Online-Angebote abgelöst worden.

Online[Bearbeiten]

Manuell - Der Nutzer sieht sich seine letzten Rechnungen und Einzelverbindungsnachweise an und errechnet manuell ein grobes Telekommunikationsprofil. Mit diesem Profil stellt er diese Werte, wie etwa "durchschnittliche Dauer eines Anrufs", "Verteilung der eigenen Anrufe auf die deutschen Telefonnetze" bei einem manuellen Online-Tarifrechner ein. Vorausgesetzt er hat die Daten richtig errechnet und übertragen, erhält man dadurch eine Auswahl der günstigsten Tarife.

Automatisch - Der Mobilfunknutzer verfügt über elektronische Rechnungsdokumente und Einzelverbindungsnachweise von seinem Mobilfunkprovider. Er lädt diese bei einer Mobilfunk-Suchmaschine hoch, die exakt seine Dokumente analysiert und die günstigsten Tarife individuell für den Nutzer präsentiert und die Einsparungen im jeweiligen Tarif berechnet.

Regulierung der Handy-Tarife[Bearbeiten]

Die Europäische Kommission hat wiederholt regulierend in den Markt der Handytarife eingegriffen. So wurden 2007 verbindliche Höchstgebühren für das Roaming festgeschrieben. Am 1. Juli 2009 traten weitere Regelungen in Kraft, welche unter anderem die Gebühren für Roaming, sekundengenaue Abrechnung nach der 30. Sekunde und Höchstgebühren für den Datendownload und das Versenden von SMS im EU-Ausland regelt.[9]

Endkundenhöchstentgelte (netto in Euro) lt. EU-Roaming-Verordnung[10][11][12]
Jahr jeweils ab Juli/August 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Preisobergrenzen fürs Telefonieren (Sprachroaming)
aktiv; für abgehende Anrufe (pro Minute) 0,49 0,46 0,43 0,39 0,35 0,29 0,24 0,19
passiv, für ankommende Anrufe (pro Minute) 0,24 0,22 0,19 0,15 0,11 0,08 0,07 0,05
Preisobergrenze für den Kurzmitteilungsdienst SMS
Absenden einer SMS - - 0,11 0,11 0,11 0,09 0,08 0,06
Preisobergrenzen für Mobiles Internet (Datenroaming)
Datenmenge von 1 Megabyte (MB) - - - - - 0,70 0,45 0,20

Rechtsgrundlagen:

  • Juni 2007 bis Juni 2012: Verordnung (EG) Nr. 717/2007 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. Juni 2007
  • seit 1. Juli 2012: Verordnung (EG) Nr. 531/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 2012

Tarifexterne Ergänzungen[Bearbeiten]

  • Anbieter von Call-Through Produkten und Least-cost Routern[13] auf dem Handy können vor allem bei Gesprächen aus Deutschland in das Ausland deutlich Kosten einsparen.
  • Anbieter von Roaming SIM-Karten ermöglichen das Annehmen von Sprachanrufen im Ausland ohne Gebühren für den Empfänger. Teilweise haben diese Tarife auch günstige Roaming-Preise für abgehende Verbindungen. Erkauft wird die Einsparung für den Nutzer durch heftige Preisaufschläge für den Anrufenden.

Entwicklung[Bearbeiten]

Letztlich werden Handytarife von den Anbietern entwickelt um langfristig ihren Ertrag zu maximieren[14]. Dabei erreichen die Anbieter durch eine differenzierte Preisgestaltung mehrere Ziele:

  1. Die Konsumenten werden segmentiert.
  2. Durch die Konzentration von Konsum auf einen Anbieter lassen sich Bindungseffekte erzielen.
  3. Die Vergleichbarkeit nimmt bei ansonsten sehr ähnlichen Angeboten deutlich ab.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Teleconsult Wolfram Doering (1995), Die Mobilfunkdiskette. Analyse und Beratung für C-, D- und E-Netz-Tarife, Vollversion 2.5 (Tarifstand September 1995)
  2. Conrad Electronic (1996), Tarif-Checker (Tarifstand Juni 1996)
  3. Helge Denker: Wo sich die Kosten im Handy-Vertrag verstecken. auf: Welt online. 4. Dezember 2006.
  4. telfish (2007), Mobilfunk-Suchmaschine, erweiterte Einstellungen (Stand Oktober 2007)
  5. Vgl. Stiftung Warentest (test 1/94, finanztest 1/95)
  6. Jürgen Liebherr: Telfish sucht den günstigsten Mobilfunktarif. auf: computerwoche.de 25. Mai 2007.
  7. Stiftung Warentest: Handytarife im Dauertest test.de, 2. Januar 2013
  8. Skiera, Bernd (1998), "TACO: Eine neue Möglichkeit zum Vergleich von Mobilfunktarifen", Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung, Vol.50, S. 1029-1047"
  9. European Commission: The new proposal for reducing roaming prices
  10. VO-717/2007/EG
  11. VO-544/2009/EG
  12. VO-531/2012/EU
  13. Helge Denker: Software macht Jagd auf Handygebühren. auf: Welt online. 14. Mai 2007.
  14. Knut Haase, Frank Salewski, Bernd Skiera: Preisdifferenzierung bei Dienstleistungen am Beispiel von "Call-by-Call"-Tarifen. In: Zeitschrift für Betriebswirtschaft. Vol. 68, S. 1053-1072.