Hanna-Elisabeth Müller

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Hanna-Elisabeth Müller, Dezember 2016

Hanna-Elisabeth Müller (* 3. Mai[1] 1985 in Mannheim) ist eine deutsche Opern-, Konzert- und Liedsängerin in der Stimmlage Sopran.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musikalische Förderung in Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanna-Elisabeth Müller erhielt von Kindheit an Geigenunterricht in Speyer bei dem Violinpädagogen Dinu Hartwich und seit ihrem elften Lebensjahr Gesangsunterricht bei Judith Janzen,[2] um bei ihrer Mitwirkung im Chor Solopartien zu übernehmen. Unter anderem sang sie 1998 beim „Kultursommer Ludwigshafen“ den Knabensopran in der Mass von Leonard Bernstein.[3] Während ihrer Schulzeit pflegte sie den Gesang in dem überregional auftretenden Dannstadter Kinder- und Jugendchor Juventus vocalis als Hobby[2] und gewann mehrere Preise bei Jugend musiziert.

Ausbildung, Preise und erste Engagements[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrem Abitur sang Hanna-Elisabeth Müller an neun Musikhochschulen vor und wäre an allen zum Studium zugelassen worden. Sie studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim in der Solistenklasse von Rudolf Piernay[3] und nahm an Meisterklassen von Dietrich Fischer-Dieskau,[4] Júlia Várady, Edith Wiens, Elly Ameling, Thomas Hampson und Wolfram Rieger teil.

Im Jahr 2009 erhielt sie beim Liedduo-Wettbewerb in Enschede (Niederlande) zusammen mit ihrer Klavierpartnerin Mihaela Tomi den 1. Preis, den Publikumspreis und den Preis für die beste Interpretation eines zeitgenössischen Werkes.[5] 2010 gewann sie den 1. Preis im Gesangswettbewerb „Ton und Erklärung – Werkvermittlung in Musik und Wort“ des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft.[6] Dieser Preis wurde von einer neunköpfigen Jury unter dem Vorsitz von Francisco Araiza vergeben[7] und bescheinigt ihr, dass sie Werke nicht nur auf höchstem Niveau darbieten, sondern auch überzeugend erläutern kann.[8] 2011 erhielt sie bei der Ada Sari International Vocal Art Competition in Nowy Sącz sämtliche der vergebenen Preise.[9]

Ihre ersten Debüts in bedeutenden Opernrollen gab Hanna-Elisabeth Müller im April 2010 als Eurydike in Orpheus und Eurydike an der Kammeroper Rheinsberg[10] und im November 2011 als Pamina in der Zauberflöte am Theater & Philharmonie Thüringen, Gera.[11] Diese Rolle stellte sie im März 2012 auch am Teatro dell’Opera di Roma dar.[12] Am 22. Dezember 2013 wurde sie von Rolando Villazón bei Arte im Rahmen der Sendung „Stars von morgen“ vorgestellt.[13]

Hanna-Elisabeth Müller, November 2014

Als Solistin an der Bayerischen Staatsoper[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Bayerischen Staatsoper war Hanna-Elisabeth Müller in der Spielzeit 2010/11 Mitglied des Opernstudios. In diesem Rahmen trat sie in kleineren Rollen auf und wirkte als Fillide an einer Produktion von La fedeltà premiata von Joseph Haydn mit.[14] Von der Spielzeit 2012/2013 bis 2015/2016 war sie Ensemblemitglied.[15] Daraus ergaben sich Rollendebüts, u. a. als Gretel in Hänsel und Gretel (März 2013), Zerlina in Don Giovanni (Mai 2013), Susanna in Le nozze di Figaro (Sep. 2013), Hüter der Schwelle des Tempels in Die Frau ohne Schatten (November 2013, Premiere), Servilia in La clemenza di Tito (Februar 2014, Premiere), Sophie in Werther[16] (Okt. 2015) und Marzelline in Fidelio[17] (Feb. 2016). Auch Rollen, in denen sie schon anderswo aufgetreten war, stellte sie an der Bayerischen Staatsoper dar, darunter mit besonderem Erfolg die Zdenka in Andreas Dresens Neuinszenierung von Arabella bei den Münchner Opernfestspielen im Juli 2015[18] und die Sophie im Rosenkavalier im Juli 2016.[19] 2013 erhielt sie den Festspielpreis der „Gesellschaft zur Förderung der Münchner Opernfestspiele“.[20]

Gastauftritte an großen Opernhäusern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei ihrem Rollendebüt als Zdenka in Arabella von Richard Strauss bei den Salzburger Osterfestspielen am 12. April 2014 stand sie mit Renée Fleming und Thomas Hampson auf der Bühne des Großen Festspielhauses und überzeugte mit ihrer Leistung das Publikum wie auch die Kritiker.[21][22] Dieser Erfolg war auch ausschlaggebend für die Auszeichnung als Nachwuchskünstlerin des Jahres durch die Zeitschrift Opernwelt.[23] In der Rolle der Zdenka debütierte sie im November 2014 auch an der Semperoper Dresden.[24] Ihr Debüt als Sophie im Rosenkavalier gab sie im September 2015 an der Niederländischen Oper Amsterdam.[25]

Meilensteine ihrer internationalen Karriere erreichte sie mit ihren Hausdebüts an der Metropolitan Opera, New York als Marzelline in Fidelio (März 2017)[26] und an der Mailänder Scala mit der von ihr erstmals dargestellten Donna Anna in Don Giovanni (Mai 2017).[27]

Wirken als Konzert- und Liedsängerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanna-Elisabeth Müller tritt neben ihrer Tätigkeit an der Oper auch als Liedsängerin auf. Die Förderung, die sie von 2013 bis 2015 im SWR2 New Talent Programm erhielt,[28] gab ihr die Möglichkeit, mit zwei im Rundfunk übertragenen Liederabenden ein breites Publikum zu erreichen. In diesem Rahmen gab sie am 26. Mai 2013 zusammen mit Juliane Ruf am Klavier ihr Debüt bei den Schwetzinger Festspielen.[29] Auch ihre im Juni 2017 erschienene erste Solo-CD Traumgekrönt ist ganz der Liedkunst gewidmet.[30]

Häufig ist sie auch als Solistin in Oratorien und symphonischen Werken zu hören. Im Oktober 2014 sang sie bei einer in 3sat übertragenen Aufführung des Deutschen Requiems von Johannes Brahms mit dem Symphonieorchester des WDR unter Jukka-Pekka Saraste das Sopransolo. An der Mailänder Scala trat sie erstmals bei einem Konzert am 19. Juli 2015 mit Arien von Wolfgang Amadeus Mozart auf und dem Publikum in China stellte sie sich bei der Tournee der Staatskapelle Dresden im November 2015 als Solistin in der 4. Symphonie von Gustav Mahler vor.[31] Im März 2016 sang sie erstmals Vier letzte Lieder von Richard Strauss mit dem „Orquesta Sinfónica del Principado de Asturias“ in Bilbao[32] und mit dem Symphonieorchester des WDR in Viersen[33] und Duisburg.[34] Beim Eröffnungskonzert der Salzburger Festspiele im Juli 2016 sang sie die Sopranpartie (Gabriel und Eva) in der Schöpfung von Joseph Haydn,[35] beim Saisoneröffnungskonzert in der Philharmonie de Paris im September 2016 erstmals das Gretchen in den Szenen aus Goethes Faust von Robert Schumann.[36]

Am 11. Januar 2017 sprang sie bei der Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie kurzfristig für Camilla Tilling ein und sang, ohne vorher mit Chor und Orchester proben zu können,[37] die Sopranpartie im 4. Satz der 9. Sinfonie d-moll von Ludwig van Beethoven.[38]

Repertoire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanna-Elisabeth Müller trat u. a. mit folgenden Rollen an bedeutenden Opernhäusern auf:

Ihr Konzertrepertoire umfasst die Sopranpartien zahlreicher Oratorien und Messen sowie auch Orchesterlieder und Konzertarien aus der Zeitspanne vom Barock bis zur Spätromantik. Unter anderem zählen dazu die Missa in angustiis (Nelsonmesse)[39] und Die Schöpfung[35] von Joseph Haydn, die Missa Solemnis von Ludwig van Beethoven,[40] die Szenen aus Goethes Faust von Robert Schumann mit der Partie des Gretchens,[36] der 5. Satz aus Ein Deutsches Requiem von Johannes Brahms, der 4. Satz aus der 4. Symphonie von Gustav Mahler, Lieder von Franz Schubert in der Orchesterfassung von Felix Mottl[41], Sieben frühe Lieder von Alban Berg[42] und Vier letzte Lieder von Richard Strauss.

Bei Liederabenden, die vom Südwestrundfunk (SWR) übertragen wurden, sang sie Lieder von Benjamin Britten, Francis Poulenc, Robert Schumann, Richard Strauss, William Walton und Hugo Wolf.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CD

  • Messe Nr. 3 in f-moll von Anton Bruckner, Hanna-Elisabeth Müller, Anke Vondung, Dominik Wortig, Franz-Josef Selig, Chor des Bayerischen Rundfunks, Bamberger Symphoniker, Robin Ticciati. Erschienen am 21. April 2014 bei Tudor.
  • "Traumgekrönt", Lieder von Richard Strauss, Arnold Schönberg und Alban Berg. Hanna-Elisabeth Müller, Sopran; Juliane Ruf, Klavier. Erschienen am 16. Juni 2017 bei Belvedere.
  • Gustav Mahler, Symphonie Nr. 4 G-Dur. Hanna-Elisabeth Müller, Sopran, Duisburger Symphoniker unter Ádám Fischer. Erschienen im Aug. 2017 bei CAvi.

DVD/Blu-ray

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hanna-Elisabeth Müller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Offizielle Webseiten

Interviews

Sonstiges

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hanna-Elisabeth Müller - Würdigung auf der Webseite des Ada-Sari Gesangswettbewerbs (2011). Abgerufen am 6. Juni 2017 (polnisch).
  2. a b Beitrag von Hanna-Elisabeth Müller zum Kapitel Erfolgsgeschichten auf buehnefrei.org
  3. a b Interview mit Hanna-Elisabeth Müller, erschienen am 15. Juli 2014 im Münchner Merkur.
  4. Videodokument einer Meisterklassenteilnahme von Hanna-Elisabeth Müller bei Dietrich Fischer-Dieskau im Mai 2009
  5. Webseite der Musikhochschule Mannheim: Biografie von Mihaela Tomi
  6. Preisträgerportrait im Portal des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft
  7. Hannah-Elisabeth Müller erhält Musikpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft,Bericht neue Musikzeitung, online gestellt am 20. September 2010
  8. Videobericht vom Wettbewerb „Ton und Erklärung“ 2010 in Kaiserslautern
  9. Musikhochschule Mannheim, Preise und Auszeichnungen im Frühjahrsemster 2011
  10. Premierenkritik Orpheus und Eurydike in Rheinsberg. In: Tagesspiegel vom 8. April 2010.
  11. Premierenankündigung Zauberflöte in Gera, Nov. 2011
  12. Videodokument (Audioaufnahme und Bilder) von Hanna-Elisabeth Müller als Pamina am Teatro dell’Opera di Roma im März 2012
  13. Ausschnitt aus dem Konzert Stars von morgen mit Rolando Villazon am 22. Dezember 2013
  14. Trailer der Bayerischen Staatsoper zur Produktion des Opernstudios von La fedeltà premiata im März 2011
  15. Biografie von Hanna-Elisabeth Müller auf der Seite der Bayerischen Staatsoper
  16. Rezension im "Online Merker": Bayerische Staatsoper 28.10.15 – WERTHER
  17. Kritik der Aufführung von Fidelio an der Bayerischen Staatsoper am 10. Feb. 2016
  18. Premierenkritik zu Arabella vom 7. Juli 2015 in Musik Heute
  19. Kurzkritik Opernfestspiele: Der Rosenkavalier, Süddeutsche Zeitung, online-Ausgabe vom 15. Juli 2016.
  20. Gesellschaft Freunde der Künste: Artikel vom 1. August 2013
  21. Bericht im Salzburger ORF-Portal vom 13. April 2014
  22. Porträt von Hanna-Elisabeth Müller in den Salzburger Nachrichten vom 17. April 2014
  23. Kritikerumfrage 2014 der Zeitschrift Opernwelt.
  24. Kritik über die Dresdner Arabella, Nov. 2014. In: Der Neue Merker, Wien.
  25. Premierenkritik zum Rosenkavalier an der Niederländischen Oper Amsterdam in 8weekly (in Niederländischer Sprache)
  26. Anthony Tommasini: Review: Spruce and Taut, the Met Opera’s ‘Fidelio’ Looks Good at 17. New York Times, 17. März 2017, abgerufen am 18. März 2017 (englisch).
  27. Pietro Gandetto: Chi son io tu non saprai (Kritik der Aufführung von Don Giovanni an der Mailänder Scala am 6. Mai 2017). L'Ape musicale, 8. Mai 2017, abgerufen am 9. Mai 2017 (italienisch).
  28. Vorstellung von Hanna-Elisabeth Müller im Portal des SWR
  29. Rezension in www.lokalmatador.de
  30. Michael Wersin: Richard Strauss, Alban Berg, Arnold Schönberg, „Traumgekrönt“ (Lieder); Hanna-Elisabeth Müller, Juliane Ruf. RONDO Magazin, 24. Juni 2017, abgerufen am 24. Juni 2017.
  31. Kritik des Konzerts der Staatskapelle Dresden in Shanghai am 9. Nov. 2015 in CRI online
  32. Konzertankündigung (in Spanisch)
  33. Rezension des Konzerts des WDR-Symphonierorchesters in Viersen am 11. März 2016 in RP online
  34. Rezension des Konzerts des WDR-Symphonierorchesters in Duisburg am 12. März 2016 in RP online
  35. a b Rezension der Eröffnungskonzerts der Salzburger Festspiele. In: Drehpunkt Kultur, Salzburg, 24. Juli 2016
  36. a b Clément Taillia: Faust avoué... Szenen aus Goethes Faust, Schumann - Paris (Philharmonie), Rezension vom 20. Sep. 2016 in forumopera.com. 20. September 2016, abgerufen am 20. September 2016 (französisch).
  37. Stefan M. Dettlinger: „Es ist traumhaft, auf dieser Bühne zu singen“. Morgenweb (Nachrichtenportal Rhein-Neckar), 12. Januar 2017, abgerufen am 13. Januar 2017.
  38. Joachim Mischke: Elbphilharmonie - Wie es sich anhört? Einfach umwerfend! Hamburger Abendblatt, 11. Januar 2017, abgerufen am 11. Januar 2017.
  39. Augsburger Allgemeine, Konzertkritik vom 30. März 2015
  40. Rezension einer Aufführung von Beethovens Missa Solemnis mit dem RIAS-Kammerchor in "Der Tagesspiegel" vom 3. Jan. 2012
  41. Dieter Albrecht: 2. "Dialoge"-Konzert in der Gothaer Margarethenkirche. Thüringer Allgemeine, 27. Januar 2012, abgerufen am 7. Mai 2017 (deutsch).
  42. Klaus Albrecht: Eine sinfonische Großtat (Rezension des ersten Saisonkonzerts der Essener Philharmoniker). derwesten.de, 24. September 2016, abgerufen am 7. Oktober 2016.