Hanna Huzol

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hanna Huzol (2012)

Hanna Wassyliwna Huzol (ukrainisch Ганна Василівна Гуцол, russisch Анна Васильевна Гуцол; * 16. Oktober 1984 in Chmelnyzkyj, Ukrainische SSR, Sowjetunion)[1] ist die Gründerin und Leiterin der ukrainischen feministischen Gruppe FEMEN, die durch provokative Aktionen internationale Beachtung gewonnen hat. Sie selbst verwendet die englische Transkription der russischen Schreibweise ihres Namens Anna Hutsol (die deutsche Transkription aus dem Russischen ist Anna Guzol).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanna Huzol (links) und DJ Hell während der Protestaktion „Die Ukraine ist kein Bordell“ am 23. Mai 2009 in Kiew

Hanna Huzol leitete als Schülerin eine marxistische Gruppe und begann 2007 ein Soziologiestudium in Kiew. Dabei stieß sie auf August Bebels 1883 veröffentlichtes Grundlagenwerk für die Gleichstellung der Geschlechter Die Frau und der Sozialismus. Um ihr Studium zu finanzieren, arbeitete sie zeitweise als Tourmanagerin von verschiedenen ukrainischen Rockgruppen, unter anderem als Assistentin der Popsängerin Tina Karol und stellte fest, „dass sich die Leute immer noch mehr für die Höschenfarbe des Starlets interessieren, als für eine Konferenz über Feminismus.“[2]

Femen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008 gründete Huzol mit anderen Studentinnen in Kiew die feministische Gruppe „Femen“.[3] Die Aktivistinnen der Organisation waren und sind vor allem junge Frauen. Zunächst bekleidet, dann mit Oben-ohne-Aktionen brandmarkte Femen mit der Parole „Die Ukraine ist kein Bordell“ (Україна — не бордель!) den grassierenden Sextourismus und die Zuhälterei in der Ukraine und forderte, dass Männer, die sexuelle Dienstleistungen kaufen, bestraft werden sollten.[4][5] Femen erlangte rasch Beachtung in den internationalen Medien, führte in verschiedenen europäischen Ländern Aktionen durch und ist inzwischen international weit verzweigt.

Flucht aus der Ukraine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medienberichten zufolge wurde Hanna Huzol (wie auch andere Femen-Aktivistinnen) wiederholt vom ukrainischen Geheimdienst SBU bedroht.[6] Im November 2012 wurde ihr auf dem Sankt Petersburger Flughafen Pulkowo von russischen Sicherheitskräften die Einreise nach Russland verweigert.[7] Gemeinsam mit anderen Aktivistinnen von Femen verließ Huzol „aus Angst um ihr Leben und ihre Freiheit“ im August 2013 die Ukraine. Sie lebte zunächst in Paris.[8][9]

Gesuch um politisches Asyl in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2013 ersuchte Hanna Huzol in der Schweiz um Asyl.[10]Wir sind im September mit einem französischen Visum aus der Ukraine geflohen“, sagte Huzol in einem Interview des Tages-Anzeiger.[11] Weil sie mit einem französischen Visum aus der Ukraine in den Schengen-Raum einreiste, liege die Zuständigkeit für das Asylverfahren bei den französischen Behörden,[12] führt das Bundesamt für Migration (BFM) bei der Ablehnung des Gesuchs im März 2014 aus. Obwohl Huzols Schwester in Rorschach lebt, seien die Chancen der Aktivistin für ein Verbleiben in der Schweiz gering; eine Familienzusammenführung sei nur für die «Kernfamilie» vorgesehen: „Eigentlich wollte ich einfach bei meiner Schwester leben, aber das ist offenbar nicht möglich.“ Trotz des negativen Entscheids des BFM hofft die Femen-Gründerin, in der Schweiz bleiben zu können; ihr Anwalt habe Rekurs gegen den Entscheid eingelegt.[11] Ob sie in ihre Heimat zurückkehrt, wenn ihr Wiedererwägungsgesuch abgelehnt wird, weiss sie noch nicht: „Alle raten mir davon ab, es ist zu gefährlich,“ und dass sich die Lage in der Ukraine nun verbessern werde, glaube sie nicht, „der Nationalismus nimmt zu, und die Kirche wird stärker.[12]

Huzol lebte während dieser Zeit in einem Asylzentrum in Busskirch. Léa Wertheimer, Sprecherin des Bundesamts für Migration (BFM), bestätigte einen Artikel der Tageszeitung Südostschweiz,[13] dass Huzols Wiedererwägungsgesuch abgelehnt und sie mit dieser Begründung Rapperswil-Jona bereits wieder verlassen musste. Bis zu ihrer Abschiebung nach Frankreich ist sie im Asylzentrum Landegg bei Rorschacherberg untergebracht.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Anna Hutsol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview in Focus.ua vom 25. Oktober 2010
  2. Hanna Huzol, zitiert von Valérie Paillé
  3. Femen. Eine Reportage von Valérie Paillé. Arte 17. Mai 2013 (Memento des Originals vom 6. Januar 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.arte.tv
  4. Ukrainische Studentinnen: Mit Krawall gegen Sextourismus; Spiegel Online 30. Juli 2009
  5. Ukraine protest over NZ 'win a wife' competition prize; BBC News vom 2. März 2011
  6. Ukraine: Die Angst ist zurück; FAZ vom 2. November 2010
  7. Femen Report Leader Detained At Russian Airport; Radio Free Europe 16. November 2012
  8. Reaktion auf Razzia: Femen-Aktivistinnen fliehen aus der Ukraine, SPON vom 31. August 2013
  9. FEMEN activists flee Ukraine over "political persecution, beatings and threats", Kyiv Post vom 31. August 2013
  10. Gründerin von Femen ersucht in der Schweiz um Asyl, Watson vom 2. März 2014
  11. a b Femen-Chefin muss die Schweiz wohl verlassen. Tages-Anzeiger Schweiz. 6. März 2014. Abgerufen am 6. März 2014.
  12. a b Simone Schmid und Anna Jikhareva: Porträt: Die Frau hinter den Brüsten. Tages-Anzeiger Zürich. 8. März 2014. Abgerufen am 9. März 2014.
  13. Femen-Gründerin muss Schweiz verlassen. Tages-Anzeiger Schweiz. 27. März 2014. Abgerufen am 31. März 2014.
  14. Femen-Gründerin Anna Hutsol muss die Schweiz definitiv verlassen. Die Südostschweiz. 26. März 2014. Abgerufen am 31. März 2014.@1@2Vorlage:Toter Link/m.suedostschweiz.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.