Hanna Nagel

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Hanna Nagel (als Johanna Nagel; * 10. Juni 1907 in Heidelberg; † 15. März 1975 ebenda) war eine deutsche Zeichnerin, Grafikerin und Buchillustratorin. In ihrer Frühphase gilt sie als Vertreterin des Verismus und der Neuen Sachlichkeit. Ihr Werk umfasst vor allem Handzeichnungen, Druckgrafik und Buchillustrationen. In ihren zunächst satirisch anmutenden, später „traumdunklen“ Arbeiten dominiert die weibliche Figur, in der sich die Künstlerin als Frau in vielfachen Rollen und Selbstentwürfen kritisch reflektiert.

Leben und Arbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanna Nagel wuchs als älteste Tochter des Großkaufmanns Johannes Nagel und seiner Frau Bertha geb. Nuß, mit einer Schwester, Margarete, in Heidelberg auf, wo sie eine Mädchenschule besuchte. Bereits als Kind zeichnete die Linkshänderin eifrig und begann 1924 eine Lehre als Buchbinderin. 1925 bis 1929 studierte sie an der Badischen Landeskunstschule Karlsruhe bei Karl Hubbuch, Wilhelm Schnarrenberger und Hermann Gehri, zuletzt als Meisterschülerin in der Radierklasse bei Walter Conz. Im Herbst 1929 siedelte sie, wie ihr späterer Mann, nach Berlin über und nahm 1930 das Studium an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst auf. Sie gehörte den Klassen von Emil Orlik und Hans Meid an. Professor Orlik förderte sie in besonders hohem Maße und sah in ihr eine „neue Kollwitz“; dort und bei Professor Meid, einem sehr erfolgreichen Illustrator, konnte sie Meisterateliers nutzen.

1931 heiratete sie den Maler Hans Fischer und schloss kurz darauf, Anfang 1932, das Studium ab. 1933-36 folgten Aufenthalte in der Villa Massimo in Rom, nachdem Hanna Nagel und später ihr Mann den Rompreis erhalten hatten. 1936 erschien das erste der über 100 von ihr illustrierten Bücher, darunter auch Kinderbücher. U.a. illustrierte sie Anton Tschechows Die Möwe, Maxim Gorkis Nachtasyl und Werke von Daphne du Maurier. Zu Hanna Nagels Grafikzyklen zählen „Phantasien zu 24 Chopin-Préludes“, „Die Träumende“ und „Angst“. Wegen entschiedener Ablehnung der NS-Kunstszene und der in Hanna Nagels Arbeiten unübersehbaren Kritik z.B. an geltenden Geschlechterrollen musste sich Familie Fischer-Nagel zunächst mit Kleinaufträgen (etwa Kalenderblättern oder Werbegrafik) durchschlagen.

Die heutige Malerin und Lyrikerin Irene Fischer-Nagel kam 1938 in Heidelberg als einziges Kind zur Welt. Der Vater wurde 1940 zum Kriegsdienst eingezogen; 1947 trennte sich das Ehepaar. Die letzten 30 Jahre verbrachte die dauernd unter Schmerzen leidende Mutter in Heidelberg. 1963 musste sie nach einer Armoperation auf die rechte Hand umstellen.

Hanna Nagel schuf zahllose Zeichnungen, Lithografien und Radierungen. Ihr umfangreiches Werk ist zum Teil noch nicht publiziert, ihr künstlerischer Nachlass größtenteils in Privatbesitz. Einen schriftlichen Teilnachlass verwahrt das Germanische Nationalmuseum Nürnberg.

Der nach ihr benannte Hanna-Nagel-Preis wird alljährlich von einer prominenten Frauen-Jury (u.a. Jutta Limbach) in Karlsruhe verliehen.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Irene Fischer-Nagel (Hrsg.): Hanna Nagel. Ich zeichne weil es mein Leben ist. Mit einer Einführung von Klaus Mugdan. Braun, Karlsruhe 1977, ISBN 3-7650-9012-3.
  • Irene Fischer-Nagel: Hanna Nagel. In: Luise F. Pusch, Susanne Gretter (Hrsg.): Berühmte Frauen. Dreihundert Porträts (ein Spiel mit Begleitbuch), Insel-TB 2593, Frankfurt am Main, Leipzig 1999, ISBN 3-458-34293-1, S. 224. (online mit Bildbeispielen, Zitaten und Literaturliste).
  • Sylvia Bieber, Ursula Merkel (Hrsg.): Hanna Nagel. Frühe Werke 1926–1933. Das Verborgene Museum, Berlin / Städtische Galerie, Karlsruhe 2007. ISBN 978-3-923344-67-3 (Ausstellung 12. Mai 2007 – 5. August 2007, Städtische Galerie Karlsruhe; 16. August bis 14. Oktober 2007).
  • Cornelia Nowak: Hann Nagel. In: Ernst Herrbach (Hrsg.): Der Erfurter Kunstverein: zwischen Avantgarde und Anpassung; eine Dokumentation von 1886 bis 1945. Angermuseum, Erfurt 2009, ISBN 978-3-930013-14-2, S. 142–143.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Rüdiger (Hrsg.): Junge Kunst im Deutschen Reich. i. A. des Reichsstatthalters & Reichsleiters Baldur von Schirach. Ausstellung Februar – März 1943 im Künstlerhaus Wien. Ehrlich & Schmidt, Wien 1943, Kurzbiografie S. 57–58

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]