Hanna Poddig

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Hanna Poddig (2.v.l.), 2013

Hanna Poddig (* 11. November 1985[1]) ist eine deutsche Umweltaktivistin und Autorin. Sie selbst bezeichnet sich als Vollzeitaktivistin.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Poddig wuchs zunächst in Osterladekop, später in Werneck bei Schweinfurt auf. [3][4][5]

Nach ihrem Abitur war sie zwischen 2002 und 2007 im Umweltschutzverein Robin Wood engagiert, davon ein Jahr im Vorstand. Als Kletteraktivistin für Robin Wood war sie an zahlreichen Aktionen beteiligt, darunter an Castor-Blockaden im Wendland oder bei den Protesten gegen das G8-Treffen in Heiligendamm. Im Februar 2008 kettete sie sich bei der Blockade eines Bundeswehr-Bahntransports in Nordfriesland an die Bahngleise,[6] wofür sie zu 90 Tagessätzen verurteilt wurde. Statt die Geldstrafe zu zahlen, entschied sie sich, eine Haftstrafe abzusitzen, die sie am 15. März 2012 in der JVA Frankfurt-Preungesheim antrat.[7][8] Eine Verfassungsbeschwerde wegen der Verletzung ihres Grundrechts auf Versammlungsfreiheit wurde vom Verfassungsgericht nicht zur Entscheidung angenommen.[9]

Hanna Poddig (mittig auf dem Boden sitzend) bei einer Sitzblockade vor der Brennelementefabrik von Areva in Lingen 2013

Im Jahr 2012 nahm sie mit einer Ankettaktion an der Blockade eines Urantransports aus der Urananreicherungsanlage Gronau teil. [10] [11] 2015 wurde sie wegen der Aktion zu 110 Tagessätzen Geldstrafe (der höchsten in Deutschland je wegen einer Ankettaktion an Gleisen verhängten Strafe) durch das Landgericht Münster verurteilt. [12]

Seit 2014 engagiert sie sich in der Kampagne Atomtransporte Hamburg stoppen[13], unter anderem zu sehen in der ZDF-Dokumentation Deutschlands heimliche Atomtransporte.[14]

Seit 2011 ist Hanna Poddig in diversen Straf- und Ordnungswidrigkeitsverfahren als Strafverteidigerin für andere Aktivisten und Aktivistinnen aktiv. Dabei benutzt sie die Möglichkeit einer Zulassung nichtstudierter Juristen nach §138(2) StPO zur Strafverteidigung [15] [16], bisher (2015) unter anderem in Stuttgart, Potsdam, Hamburg, Dortmund, München und Fulda.

Medienauftritte und -Berichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Berichten über ihre Aktionen, als Verfechterin des Containerns und mit polarisierenden[17] kapitalismuskritischen Positionen war Hanna Poddig wiederholt in Talkshows deutscher Fernsehanstalten eingeladen. So trat sie 2009 bei 3 nach 9 und Menschen bei Maischberger[18] auf, 2010 bei Nachtcafé[19] und Maybrit Illner[20], 2011 bei Günther Jauch[21] und in den Jahren 2011 und 2012 bei Markus Lanz, wo sie unter anderem mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen diskutierte.[22][23]

In der WDR-Fernsehdokumentation Gefundenes Fressen – Leben vom Abfall von Britta Dombrowe und Valentin Thurn aus dem Jahr 2008 war sie als „Container-Hanna“ zu sehen.[5][24]

Der ARD-Fernsehsender EinsPlus porträtierte Hanna Poddig 2013 in der Sendung Leben.[25] Im Jahr 2016 ist sie im Kinofilm Projekt A — Eine Reise zu anarchistischen Projekten in Europa [26] zu sehen bei einer Ankettaktion eines Urantransports 2012 in Gronau, bei einer Lesung in der besetzten Clara-Zetkin-Frauenpreis ''Stillen Straße'' in Berlin [27] sowie bei ihrer Haftentlassung aus der JVA Preungesheim in Frankfurt am Main. [28]

Journalistische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanna Poddig ist seit 2007 Autorin der Zeitschrift Graswurzelrevolution und Teil der Redaktion des Grünen Blattes. 2009 erschien ihr Buch Radikal mutig im Rotbuch Verlag. Seit 2012 ist sie Mitarbeiterin im Übersetzungkollektiv rund um den anarchistischen Mailorder black mosquito. [29] Zusätzlich zur Übersetzungsarbeit (neben kürzeren Texten erschienen die Bücher Message in a Bottle [30] und Work [31] mit Übersetzungen von Texten des crimethInc-Kollektivs im Unrast-Verlag) führt sie seit 2014 regelmäßig auch Lesungen [32] dazu durch sowie weitere Veranstaltungen im Rahmen der internationalen Kampagne Alles verändern.[33]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellennachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.rotbuch.de/buecher/autoren-a-z-3/hanna-poddig
  2. Protest als Lebensform. Interview in der Frankfurter Rundschau vom 16. Oktober 2009; abgerufen am 13. Dezember 2011
  3. Ich wohne da, wo mein Rucksack ist, Elbe Wochenblatt vom 31.Oktober 2014, abgerufen am 30. Januar 2016
  4. Die Widerstands-Nomadin, die tageszeitung vom 27. Dezember 2009, abgerufen am 18. März 2012
  5. a b Es ist möglich, komplett vom Containern zu leben.. kinofenster.de vom 18. August 2011, abgerufen am 18. März 2012
  6. Aktivisten stoppen Militärtransport. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag vom 10. Februar 2008; abgerufen am 13. Dezember 2011
  7. Freiwillig in den Knast, taz.de, abgerufen am 16. März 2012
  8. http://krieg.nirgendwo.info/
  9. Haftstrafe beenden! auf www.frieden-mitmachen.de
  10. Bericht zur Ankettaktion 2012 de.indymedia.org vom 30. Juli 2012, abgerufen am 30. Januar 2016
  11. Fotos der Ankettaktion 2012 anti atom aktuell vom 2. August 2012, abgerufen am 30. Januar 2016
  12. Bericht zur Verurteilung 2015, abgerufen am 30. Januar 2016
  13. http://atomtransporte-hamburg-stoppen.de/, abgerufen am 30. Januar 2016
  14. Björn Platz: Deutschlands heimliche Atomtransporte ZDF-Dokumentation, Erstausstrahlung am 29. Juni 2014, abgerufen am 30. Januar 2016
  15. Vor Gericht: Freispruch für Laien-Verteidiger Abendzeitung vom 23. März 2015, abgerufen am 30. Januar 2016
  16. http://laienverteidigung.de.vu/, Webseite zur „Laienverteidigung“, abgerufen am 30. Januar 2016
  17. Bernd Gäbler: Pilawa und Lanz – Erfolg der Biedermänner. Zeit online vom 25. Oktober 2010; abgerufen am 13. Dezember 2011. Zitat: „letztlich besetzen Henryk M. Broder, Roger Willemsen, Matthias Matussek, Roger Köppel oder die Stets-irgendwas-Aktivistin Hannah Poddig doch nur den Talkshow-Polarisierer-Stammplatz. So wird der kluge Außenseiter ins Clownskostüm gesteckt.“
  18. Thilo Maluch: Die Freakshow der Gier bei Sandra Maischberger. Welt online vom 16. Dezember 2009; abgerufen am 13. Dezember 2011
  19. Verdirbt Geld den Charakter? SWR.de zur Nachtcafé-Sendung vom 7. Mai 2010
  20. Stefan Kuzmany: Wenn Logik keine Rolle spielt. Spiegel online vom 23. Juli 2010; abgerufen am 13. Dezember 2011
  21. Ralf Dargent: Aigner und die Frau, die vor dem Essen containert. Welt online vom 10. Oktober 2011; abgerufen am 13. Dezember 2011
  22. Rückblick: Markus Lanz vom 30. November 2011 auf markuslanz.zdf.de; abgerufen am 13. Dezember 2011
  23. Rückblick: Markus Lanz vom 15. März 2012 auf markuslanz.zdf.de; abgerufen am 18. März 2012
  24. Planet Schule: Gefundenes Fressen. WDR-Erstausstrahlung am 18. Mai 2008, abgerufen am 18. März 2012.
  25. Die Vollzeitaktivistin Reportage von EinsPlus auf YouTube, abgerufen am 30. Januar 2016
  26. Homepage des Films Projekt A, abgerufen am 30. Januar 2016
  27. Lesung bei der besetzten Stille Straße, abgerufen am 30. Januar 2016
  28. Bericht nach Haftentlassung, abgerufen am 30. Januar 2016
  29. http://crimethinc.blogsport.de/ Webseite des Übersetzungskollektivs mit den Übersetzungen der crimethInc-Texte, abgerufen am 30. Januar 2016
  30. Message in a Bottle auf der Webseite des Unrast-Verlags, abgerufen am 30. Januar 2016
  31. Work auf der Webseite des Unrast-Verlags, abgerufen am 30. Januar 2016
  32. Mitschnitt einer Lesung auf YouTube, abgerufen am 30. Januar 2016
  33. Alles verändern-Webseite bei crimethInc, abgerufen am 30. Januar 2016
  34. Jörg Bergstedt, Hanna Poddig: Im Namen des Flummiballs, abgerufen am 30. Januar 2016