Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung

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Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung
Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung
Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung
Kategorie: An-Institut
Träger: keiner (rechtlich selbstständiger eingetragener Verein)
Standort der Einrichtung: Dresden
Art der Forschung: Grundlagenforschung
Fächer: Geschichtswissenschaft
Politikwissenschaft
Leitung: Günther Heydemann
Homepage: www.hait.tu-dresden.de/

Das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. (HAIT) ist ein An-Institut der Technischen Universität Dresden, das sich der vergleichenden Diktaturforschung widmet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der systematischen Untersuchung des Kommunismus und des Nationalsozialismus.

Geschichte[Bearbeiten]

Unmittelbar nach der Deutschen Wiedervereinigung fasste der Sächsische Landtag auf Betreiben führender Protagonisten der Bürgerbewegung in der ehemaligen DDR den Beschluss, ein Institut zur Erforschung totalitärer Strukturen und ihrer Auswirkungen auf Mensch und Gesellschaft einzurichten. Nach Abschluss der Planungen konnte das HAIT 1993 seine Arbeit aufnehmen. Die Namensgebung ist Referenz an die deutsch-amerikanische Philosophin und Politikwissenschaftlerin Hannah Arendt, die mit ihrem Werk The Origins of Totalitarianism (1951) die Totalitarismusforschung nachhaltig geprägt hat.

Bis zu seinem Tod 1995 wurde das HAIT von Alexander Fischer geleitet. Zu dessen Nachfolger wurde 1997 Klaus-Dietmar Henke berufen, der bis 2001 im Amt war. Im Jahr 2003 übernahm Gerhard Besier die Leitung des HAIT. Nach einem Misstrauensvotum der Mitarbeiter sowie öffentlicher Kritik wurde sein Vertrag 2008 nicht verlängert. Seit Herbst 2009 wird das Institut von Günther Heydemann geführt. Seine Stellvertreter sind Uwe Backes und Clemens Vollnhals. Daneben beschäftigt das HAIT weitere Totalitarismusforscher wie Lothar Fritze, Steffen Kailitz oder Mike Schmeitzner.

Konflikt 1999/2000[Bearbeiten]

Im Anschluss an eine Publikation von Lothar Fritze über den Hitler-Attentäter Georg Elser kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen dem Institutsdirektor Klaus-Dietmar Henke, dessen Stellvertreter Clemens Vollnhals auf der einen Seite und Fritze, dem zweiten Stellvertreter Uwe Backes sowie dem Beiratsmitglied Eckhard Jesse auf der anderen Seite. Die Kontroverse wurde zum Teil in der überregionalen Presse ausgetragen, wobei es zu einer erheblichen Beeinflussung der Institutsarbeit durch die Politik kam, wie eine Studie Ulrich von Hehls belegt: Zu nennen sind in dieser Hinsicht 1. die ständigen Versuche des Kuratoriums, den Beirat zu gängeln oder zu umgehen; 2. die Knüpfung der Stelle eines zweiten Stellvertretenden Direktors an politische Bedingungen; 3. befremdliche Auslassungen auf der Kuratoriumssitzung vom 11. September 2000, die auf stärkeren Einfluß des Kuratoriums auf die wissenschaftliche Institutsarbeit zielten; 4. die satzungswidrige Abwahl Henkes vor Einholung des Votums des Wissenschaftlichen Beitrats; 5. die Beschränkung des Kuratoriumsvorsitzes auf einen Landtagsabgeordneten und die Dubiosen Umstände von Rößlers »Wahl«.[1] In der Folge trat das Beiratsmitglied Saul Friedländer zurück und es wurde der Vertrag Henkes nicht verlängert. Damit hatte sich mit Unterstützung Matthias Rößlers die Gruppe um Fritze und Backes durchgesetzt.

Kurswechsel im Jahr 2011[Bearbeiten]

Heydemann kündigte für das Jahr 2011 an, in Zukunft werde das Institut mehr über den Nationalsozialismus forschen und entsprechend weniger über die DDR-Geschichte: Die DDR ist besser erforscht als die alte BRD. Daraus muss man Konsequenzen ziehen. ... (bezüglich des NS gibt es) wissenschaftliche Defizite. Auch soll der Vergleich zwischen beiden totalitären Gesellschaften stärker gezogen werden.[2] Der CDU-Politiker und frühere DDR-Bürgerrechtler Arnold Vaatz lehnte diese Neuorientierung ab und deutete an, öffentliche Mittel könnten gestrichen werden.[3] Heydemann verwahrte sich gegen Vaatz' Vorwürfe.[4] Er sagte, das HAIT habe bislang schwerpunktmäßig, etwa zu 80 Prozent,[5] seine Forschungen mit Blick auf die DDR geleistet. Es entspricht ... der historischen Tatsache, dass die zweite deutsche Diktatur aus der ersten hervorging. Wir müssen die Verbindungen untersuchen... Wir wollen dem nachgehen, wie aus einer Diktatur eine andere werden konnte.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Zehn Jahre Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden. Eigenverlag, Dresden 2003, ISBN 3-931-64844-3
  • Ulrich von Hehl: "Eine deutsche Affäre"? Beobachtungen zum Verlauf des Konflikts am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung. In: Manfred Hetting, Uwe Schirmer und Susanne Schötz (Hrsg.): Figuren und Strukturen. Historische Essays für Hartmut Zwahr zum 65. Geburtstag. München 2002, S. 120-139.

Weblinks[Bearbeiten]

Notizen[Bearbeiten]

  1. Ulrich von Hehl: "Eine deutsche Affäre"? Beobachtungen zum Verlauf des Konflikts am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung. In: Manfred Hetting, Uwe Schirmer und Susanne Schötz (Hrsg.): Figuren und Strukturen. Historische Essays für Hartmut Zwahr zum 65. Geburtstag. München 2002, S. 120-139, hier S. 136
  2. in Sächsische Zeitung 2. Juni 2011, zit. nach Rheinische Post 9. Juni 2011
  3. Sächs. Ztg. 2. Juni 2011 Interview mit Thilo Alexe
  4. Artikel der Sächs. Ztg. bei Aktion Zivilcourgage
  5. er meint vermutlich: seiner Mittel bzw. personellen Ressourcen
  6. Sächs. Ztg. nach AZ, ebd.