Hannah Ryggen

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Hans und Hannah Ryggen, zweite Hälfte der 1930er Jahre

Hannah Ryggen (* 21. März 1894 in Malmö; † 2. Februar 1970 in Trondheim) war eine schwedisch-norwegische Textilkünstlerin.[1]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hannah Ryggen wuchs in der Provinz Schonen in Südschweden auf und arbeitete eine zeitlang als Lehrerin. Nebenbei nahm sie privat Unterricht bei dem Maler Fredrik Krebs. 1922 lernte sie während einer Europareise in Dresden ihren späteren Ehemann, den Landschaftsmaler Hans Ryggen (1894–1956) kennen. 1924 zog das Paar nach Ørland nahe dem Europäischen Nordmeer und lebte als Selbstversorger webend und malend auf einem kleinen Bauernhof.[2]

Hannah Ryggen fertigte die Webarbeiten stehend an einem Webstuhl, den ihr Mann gebaut hatte. Handgesponnene und pflanzengefärbte Wolle waren ihr Material, mit dem sie direkt und ohne Vorskizzen ihre Ideen umsetzte. Das Motiv auf der Vorder- und Rückseite der Teppiche ist identisch. Die Themen beziehen sich auf spezifische Ereignisse, von denen Ryggen aus Zeitung oder Radio erfuhr.[2]

„Ich bin eine Malerin, keine Weberin; eine Malerin, deren Werkzeug nicht der Pinsel ist, sondern der Webstuhl.“

Hannah Ryggen[3]

Ryggen arbeitet auf der Schnittfläche zwischen traditionell skandinavischen Webtechniken und ihren künstlerischen Vorbildern Francisco de Goya, Pierre Bonnard und Paul Gauguin.[2]

Grabstein des Ehepaars Ryggen

Während der deutschen Besetzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg wurden in Ørland bis zu 7.000 deutsche Soldaten stationiert. In dieser angsterfüllten Zeit hängte die Pazifistin, Kommunistin und Feministin Ryggen ihre handgewebten Wandteppiche, die das Machtgefüge und die Gräueltaten der damaligen Zeit kritisch reflektierten, gut sichtbar auf eine Wäscheleine vor ihr Haus.[2]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drømmedød/Tod der Träume (1936)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Wandteppich (225 × 275 cm), der nicht nur gegen Goebbels und Hitler Anklage erhebt, sondern auch gegen den norwegischen Schriftsteller Knut Hamsun, der die Verurteilung des deutschen Journalisten und Friedensnobelpreisträgers Carl von Ossietzky durch die Nazis in einer Stellungnahme unterstützt hatte.[1]

Hitlerteppet/Der Hitlerteppich (1936)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hitlerteppich thematisiert die Gräueltaten des NS-Regimes und die Verstrickungen der Kirche in den Nationalsozialismus.

Jul Kvale (1956)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses Werk unterstützt den norwegischen Parteiaktivisten Jul Kvale, der sich gegen den Beitritt Norwegens zur NATO engagierte.[3]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gruppenausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1959: Prinz Eugen-Medaille, Schweden
  • 1962: Statens kunstnerlønn, Norwegen
  • 1965: Ritter 1. Klasse Sankt-Olav-Orden[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bjørn Johansen: Hannah Ryggen - bildväverska 28. März 2017 auf YouTube, abgerufen am 22. Dezember 2018 (mit Filmaufnahmen der Künstlerin bei der Arbeit und Interview (norwegisch)).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b dOCUMENTA (13). Das Begleitbuch/The Guidebook. Katalog/Catalog 3/3., 2012, ISBN 978-3-7757-2954-3, Seite 116.
  2. a b c d Mousse Magazine, Maria Lind Art with a Purpose: Notes on Hannah Ryggen’s Tapestries (Memento des Originals vom 17. August 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/moussemagazine.it abgerufen am 7. Juni 2015 (englisch)
  3. a b Kunstlexikon Hannah Ryggen, abgerufen am 7. Juni 2015.
  4. Im Fadenkreuz der erschütternden Ereignisse in FAZ vom 4. Januar 2016, Seite 12
  5. Hannah Ryggen, abgerufen am 7. Juli 2015 (norwegisch).