Hannelore Willbrandt

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Hannelore Willbrandt (verheiratete Sieber, dann Ploog) (* 21. September 1923 in Hamburg; † 10. Februar 2003) war eine zentrale Persönlichkeit der Weißen Rose Hamburg, einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus. Sie arbeitete Anfang der 1940er Jahre als Buchhändlerin in der Buchhandlung Kloss in Hamburg und stellte zahlreiche Kontakte zwischen verschiedenen gegen das NS-Regime opponierende Personen und Gruppen her, wie die candidates of humanity, die sich am Universitäts-Krankenhaus Eppendorf (UKE) organisiert hatten und dem Musenkabinett, einem Kreis von Künstlern und Intellektuellen. Im Sommer 1942 lernte sie die Studenten Margaretha Rothe und Heinz Kucharski kennen und machte diese mit ihrem Freund, dem Medizinstudenten Albert Suhr bekannt. Diese vier organisierten gemeinsam mit den Philologiestudenten Karl Ludwig Schneider und Reinhold Meyer konspirative Treffen im Keller der Buchhandlung der Agentur des Rauhen Hauses am Jungfernstieg, diskutierten, vervielfältigten und verbreiteten einige der Flugblätter der Weißen Rose aus München.

Am 18. Dezember 1943 wurde Hannelore Willbrandt aus dem Kriegshilfsdienst im Hamburger Ausweichkrankenhaus Ricklingen bei Neumünster von der Gestapo verhaftet, zunächst in das Polizeigefängnis Neumünster und am 25. Dezember 1944 in das Gestapo-Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel verbracht. Nach 10 Monaten Einzelhaft wurden sie und 18 andere Mitglieder der Weißen Rose Hamburg in das Untersuchungsgefängnis Hamburg-Stadt am Holstenglacis gebracht. Am 6. November 1944 wurde sie als Untersuchungsgefangene dem Volksgerichtshof überstellt und Anfang November zunächst mit 8 Frauen in das Frauenzuchthaus Cottbus, später über das Gefängnis Leipzig-Kleinmeusdorf in das Zuchthaus St. Georgen in Bayreuth verlegt.

Die Anklage erfolgte wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Feindbegünstigung, Wehrkraftzersetzung und des Rundfunkverbrechens im Verfahren gegen Albert Suhr, Hannelore Willbrandt, Dr. Ursula de Boor, Wilhelm Stoldt und Felix Jud. Das Verfahren sollte in Bayreuth durchgeführt werden, da das Gebäude des Volksgerichtshofes in Berlin aufgrund der alliierten Bombenangriffen am 3. Februar 1945 zerstört worden war. Sie wurde ohne Gerichtsverfahren am 14. April 1945 in Bayreuth von Angehörigen der US-Armee befreit.[1]

Nach dem Krieg lebte sie in der DDR. Sie war Wissenschaftliche Mitarbeiterin am "Zentralinstitut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften der DDR" [2] und leitete die "Kommission zur Erforschung der Geschichte des örtlichen antifaschistischen Widerstandskampfes" beim "Kreiskomitee Weißensee" des "Komitees der Antifastischen Widerstandskämpfer der Deutschen Demokratischen Republik". [3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • ...und Heiner ist auch dabei. Der Kinderbuchverlag Berlin 1951, Ursula Baer [Pseudonym für Hannelore Sieber und Ulla Hengst]
  • Im Netz der Manipulierung - Aldous Huxley und seine 'Brave New World', Akademieverlag Berlin 1979, auch Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-88012-510-4 [Diss. von 1975]
  • Der illegale Kampf der KPD 1933-1945 in Berlin-Weißensee, Berlin 1980

Literatur[Bearbeiten]

  • Angela Bottin: Enge Zeit. Spuren Vertriebener und Verfolgter der Hamburger Universität. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Audimax der Universität Hamburg vom 22. Februar bis 17. Mai 1991. Hamburger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte Band 11, Hamburg 1992, ISBN 3-496-00419-3
  • Herbert Diercks: Die Freiheit lebt. Widerstand und Verfolgung in Hamburg 1933-1945. Texte, Fotos und Dokumente. Herausgegeben von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Hamburger Rathaus vom 22. Januar bis 14. Februar 2010
  • Ursel Hochmuth: Candidates of Humanity. Dokumentation zur Hamburger Weißen Rose anläßlich des 50. Geburtstages von Hans Leipelt; Herausgeber: Vereinigung der Antifaschisten und Verfolgten des Naziregimes Hamburg e.V., Hamburg 1971
  • Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933 - 1945, Zweite Auflage, Frankfurt 1980, ISBN 3-87682-036-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933 - 1945, S. 395 ff.
  2. Hannelore Ploog: Im Netz der Manipulierung - Aldous Huxley und seine 'Brave New World', Umschlagrückseite
  3. Hannelore Ploog (Mitautorin): Der illegale Kampf der KPD 1933-1945 in Berlin-Weißensee, S. 1/2