Hannes Bajohr

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Hannes Bajohr (* 1984 in Berlin) ist ein deutscher Autor, Philosoph, Literaturwissenschaftler und Übersetzer.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bajohr wuchs in Berlin und Bonn auf. Nach dem Abitur am Pädagogium Godesberg studierte er Philosophie, Germanistik und Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2010 schloss er sein Hochschulstudium mit einer Arbeit über die Philosophie Hannah Arendts ab. Neben einer Briefedition zu Peter Weiss trat er als Übersetzer der Werke der Politikwissenschaftlerin Judith N. Shklar hervor. 2008 erschien sein Prosadebüt Koordinaten. Als Schriftsteller veröffentlicht er vor allem Experimente mit digitaler Lyrik und konzeptuellem Schreiben. Akademisch arbeitet er zur Sprachphilosophie von Hans Blumenberg und zum Digitalen in der Literatur. [1]

Zusammen mit Gregor Weichbrodt ist er Teil des Textkollektivs 0x0a für digitale konzeptuelle Literatur.[2][3][4] Bekanntheit erlangte 0x0a im Frühjahr 2015 mit einer Sammlung von 282.596 Facebook-Kommentaren der rechtsnationalen Pegida-Bewegung, die Weichbrodt mit Hilfe eines Python-Skriptes über einen Zeitraum von über einem Monat sammeln ließ.[5] Bajohr und Weichbrodt veröffentlichen das Text-Korpus auf ihrer Webseite zum Herunterladen und schickten dem Text eine eigene, literarische Interpretation hinterher: In Glaube, Liebe, Hoffnung sortieren sie alle Sätze aus dem Korpus, die mit „Ich glaube“, „Ich liebe“ oder „Ich hoffe“ begannen nach den paulinischen Tugenden („Glaube, Liebe, Hoffnung“) als Persiflage auf das von der Pegida-Bewegung selbst ernannte Ziel, das christliche Abendland vor einer vermeintlichen Islamisierung Deutschlands zu retten.[5][6][7][8] In einer Vertonung von Alexander Keuk wurden anlässlich des 30. Jubiläums des Dresdner Kammerchors im Februar 2016 Teile des Textkorpus unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann in der Dreikönigskirche in Dresden vorgetragen.[9][10][11]

2015 erschien sein Roman Durchschnitt, für den "alle Bücher aus Der Kanon. Die deutsche Literatur: Romane, herausgegeben von Marcel Reich-Ranicki, 20 Bände, Frankfurt am Main: Insel, 2002, als Textkorpus verwendet, mit Python dessen durchschnittliche Satzlänge bestimmt (18 Wörter), alle Sätze anderer Länge aussortiert und das Ergebnis anschließend alphabetisch geordnet" wurden.[12][13] Er ist damit der digitalen konzeptuellen Literatur zuzuordnen.[14] Mit Swantje Lichtenstein übersetzte er Kenneth Goldsmiths Uncreative Writing, ein Schlüsselwerk des konzeptuellen Schreibens.[15]

2018 erschien Halbzeug. Textverarbeitung, ein Band mit "digitaler Lyrik" im Suhrkamp Verlag.

Bajohr arbeitete während seiner Promotion als Dozent an der Columbia University und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Berlin.[16]

Einzeltitel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Speaker's Profile, CROWD Konferenz. Abgerufen am 9. April 2016.
  2. Schulze, Holger: Trinken gehen, Bus fahren. In: MERKUR. Abgerufen am 9. April 2016 (PDF).
  3. Digitale Poesie im Internet: Lyrik-Code und Daten-Dada | Kultur Info | SWR2. Abgerufen am 29. September 2016.
  4. Das Schreiben erweitern. In: Epitext. 3. Juli 2017 (hkw.de [abgerufen am 26. Juli 2017]).
  5. a b Pegida-Postings bei Facebook: Was der Nachbar denkt, aber nicht ausspricht. In: Spiegel Online. Abgerufen am 9. April 2016.
  6. Aaron Clamann: Literpaturprojekt 'Glaube, Liebe, Hoffnung': Das Glaubensbekenntnis von 'Pegida'. In: RP ONLINE. Abgerufen am 9. April 2016.
  7. Künstler sammeln 282.000 Facebook-Kommentare von Pegida-Fans. In: derStandard.at. Abgerufen am 9. April 2016.
  8. Die Sprache Pegidas. In: 0x0a. Abgerufen am 9. April 2016.
  9. Karsten Blüthgen: Suchende am Puls der Zeit. Hrsg.: Sächsische Zeitung. Sächsische Zeitung, Dresden 2016.
  10. DNN-Online: Uraufführungen – Jubiläumskonzert des Dresdner Kammerchores in der Dreikönigskirche / Kultur News / Kultur – DNN – Dresdner Neuste Nachrichten. In: www.dnn.de. Abgerufen am 9. April 2016.
  11. mehrLicht: Kan Kun. In: mehrlicht.twoday.net. Abgerufen am 9. April 2016.
  12. Ankündigung im Frohmann Verlag. Archiviert vom Original am 22. Februar 2015; abgerufen am 24. Januar 2015. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/frohmannverlag.tumblr.com
  13. Annette Gilbert: »Möglichkeiten von Text im Digitalen«. In: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte. Band 91, Nr. 2, 1. Juni 2017, ISSN 0012-0936, S. 203–221, doi:10.1007/s41245-017-0038-y (springer.com [abgerufen am 9. April 2018]).
  14. Hanna Engelmeier: Was ist die Literatur in »Digitale Literatur«? In: Merkur. Band 71, Nr. 823, Dezember 2017, S. 31–45.
  15. Verlagswebsite: Uncreative Writing. Abgerufen am 9. April 2018.
  16. Hannes Bajohr - ZfL Berlin. Abgerufen am 3. Oktober 2017.