Hannibal (Dorstfeld)

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Die Terrassenstruktur an der Westfassade des Dorstfelder Hannibals

Hannibal (auch: Hannibal II) ist der Name eines Wohnkomplexes am Vogelpothsweg in Dortmund-Dorstfeld. Der Komplex besteht aus acht nebeneinander stehenden Terrassenhochhäusern mit bis zu 16 Etagen, die 412 Wohnungen mit Flächen von 20 m² bis 100 m² enthalten, davon 304 Maisonetten und 108 kleinere Studentenwohnungen mit einer Etage. Im Gegensatz zum Hannibal Nordstadt gibt es keine Gewerberäume. Das Gebäude wurde im September 2017 wegen Brandschutzmängeln geräumt und ist seitdem unbewohnbar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hannibal wurde 1972 bis 1975 durch die Dogewo errichtet, die ihn 2004 an das börsennotierte Wohnungsunternehmen Janssen & Helbing verkaufte. Dieses begann umfassende Renovierungsarbeiten, da die Gebäude bauliche Mängel aufwiesen, meldete jedoch 2005 Insolvenz an. Der Komplex wurde unter Zwangsverwaltung gestellt und die Arbeiten abgebrochen, sodass es seither in einem Gebäudeteil modernere Fassaden und Fenster gibt, während der Rest im Zustand der 70er Jahre ist. Die Probleme häuften sich, so wurden die Sicherheitsleute gekündigt, die Überwachungskameras ausgeschaltet und die Reparaturmaßnahmen auf das absolute Minimum beschränkt.

Seitdem wechselten der Besitzer des Komplexes öfters, meist sind es Zwangsverwaltungen, doch die vorherrschenden Mängel wurden nicht beseitigt.[1] Das Hauptproblem vor der Räumung waren die öfter ausfallenden Aufzüge sowie in einigen Teilen gravierende Baumängel wie undichte Fenster und abblätternder Putz.[2][3]

Seit 2011[4] ist die Lütticher 49 Properties GmbH Eigentümer des Gebäudes, diese Firma gehört zur Berliner Intown Gruppe. Seit 2019 tritt die Allsites Property Management GmbH mit Firmensitz am Intown-Standort in Berlin als neue Hausverwaltung auf.[5]

Am 21. September 2017 wurden erweiterte Brandschutzmängel bekannt, insbesondere unzureichende Brandschotts in vertikaler Richtung zwischen Tiefgarage und Wohnbereich. Die Stadt Dortmund entschied, den Gebäudekomplex kurzfristig zu evakuieren und die Nutzung zu untersagen.[6] Alle Wohnungen wurden versiegelt und die Gebäude von einem Wachschutzunternehmen bewacht, zunächst auch seitens der Feuerwehr Dortmund eine Brandsicherheitswache gestellt. Auf Antrag bei den Eigentümern konnten Bewohner jeweils kurzzeitig und in Begleitung ihre Räumlichkeiten aufsuchen. Zum Jahresende 2017 wurde laut dem Versorger DEW21 die Wasserzufuhr in dem Gebäude abgestellt; ebenso wurde die Nahwärme-Contracting-Heizanlage demontiert.[7]

Zum 31. Januar 2018 wurde das Gebäude bis auf weiteres stillgelegt.[8] Die Bewachung erfolgte nur noch lückenhaft.[9] Wenige Mieter erstritten auf dem Rechtsweg die Möglichkeit, ihre Wohnungen zu betreten. Dadurch wurden Wohnungseinbrüche und Verwüstungen offenbar.[10] Laut dem Eigentümer soll der Wohnkomplex ab Mitte 2019 komplett renoviert werden, und Ende 2020 wieder bezugsfertig sein. Er plant, dass mehr Wohnungen zur Verfügung stehen sollen als vorher, unter anderem Studenten- und Singlewohnungen. Die restlichen Mieter sollen zu alten Konditionen zurückkehren dürfen.[11]

Hannibal im Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jede Menge Kohle (1981): In diesem Spielfilm wurden einige Szenen im Wohnkomplex gedreht.
  • Hannibal – Geschichten aus dem Block: Im Kontext des Grid Projects der FH Dortmund wurde ein Film von einem Studenten gedreht, der zeigt, welche Lebensumstände im Wohnkomplex herrschen.[12]
  • Dorstfelder Hannibal liegt brach: eine ZDF-Dokumentation zeigt die Situation des Wohnkomplexes als „Negativbeispiel für sozialen Wohnungsbau“.

Hannibal-Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dorstfelder Hannibal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frostige Stimmung im „Hannibal“ in Dortmund nach Zwangsversteigerung. In: WAZ. 16. Dezember 2011, abgerufen am 31. März 2016.
  2. http://www.lokalkompass.de/dortmund-west/politik/hannibal-in-dorstfeld-schluss-mit-der-flickschusterei-d199846.html
  3. Der lange Weg des Hannibal. In: Ruhrbarone. Abgerufen am 31. März 2016.
  4. Wohnkoloss Hannibal in Dortmund für 7 Millionen Euro versteigert DerWesten.de vom 14. Dezember 2011, abgerufen am 22. Oktober 2017.
  5. Neue Hausverwaltung. Mieterverein Dortmund und Umgebung e.V., 14. März 2019, abgerufen am 19. März 2019.
  6. Dortmund räumt aus Brandschutzgründen riesigen Hochhauskomplex Welt online, 21. September 2017
  7. WAZ: Dortmunder Hannibal ist 2018 wohl ohne Wasser und Heizung
  8. „Hannibal“-Hochhaus: Eigentümer legt Wohnungen still. T-Online, 22. Januar 2018.
  9. Hannibal-Hochhaus ohne permanenten Sicherheitsdienst. Westdeutscher Rundfunk Köln, 20. April 2018, abgerufen am 19. März 2019.
  10. Tobias Grossekemper: Mieter findet in seiner Wohnung ein Trümmerfeld vor. In: Ruhr Nachrichten. Verlag Lensing-Wolff GmbH & Co. KG, 13. März 2018, abgerufen am 19. März 2019.
  11. WDR: Hannibal-Hochhaus in Dortmund soll nach Zwangsräumung saniert werden. 21. September 2018, abgerufen am 1. April 2019.
  12. http://vimeo.com/9746671

Koordinaten: 51° 30′ 2″ N, 7° 25′ 10″ O