Hanno Berger

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Hanno Berger (* 1951 in Elm) galt lange Zeit als der profilierteste deutsche Anwalt für Steuer- und Finanzprodukte und wird zugleich als der führende Berater und Initiator von Dividendenstripping-Geschäften (sogenannte „Cum-Ex“- oder „Cum-Cum“-Transaktionen) angesehen.[1][2][3]

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berger war zunächst Assistent des deutschen Rechtswissenschaftlers Manfred Wolf und promovierte 1980.[4] Er begann seine Karriere bei der hessischen Finanzverwaltung und war dort 12 Jahre für die steuerliche Bankenprüfung bei dem Finanzamt Frankfurt am Main-Börse tätig.[5] Er war am Ende seiner Beamtentätigkeit Regierungsdirektor und in dieser Funktion der ranghöchste Steuer-Bankprüfer in Hessen.[5]

Berger verließ 1996 den Staatsdienst und wurde als Partner der Rechtsanwaltskanzlei Pünder, Volhard, Weber & Axster (heute: Clifford Chance) tätig. 1999 wechselte er dann zu der US-Kanzlei Shearman & Sterling und 2004 ins Frankfurter Büro der mittlerweile insolventen US-Kanzlei Dewey Ballantine (später: Dewey & LeBoeuf).[6] Dort wurde er Managing Partner und begleitete den Ausbau des Frankfurter Büros von drei auf rund 60 Anwälte. 2010 verließ Hanno Berger Dewey & LeBoeuf und gründete zusammen mit Kai-Uwe Steck die Kanzlei Berger Steck & Kollegen.[2][7] Diese Kanzlei löste sich 2013 nach Ermittlungen gegen Berger und Steck wegen der Beratung zu Cum-Ex-Geschäften auf[8].   

Verwicklung in den Cum-Ex-Skandal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berger gilt als der führende Berater und Initiator von Dividendenstripping-Transaktionen, die laut einem Bericht der ZEIT einen Steuerschaden von über 55 Mrd. EUR verursacht haben.[5]

Öffentlich bekannt ist seine Beteiligung an folgenden Cum-Ex-Geschäften: 

M.M. Warburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berger soll bei Cum-Ex-Geschäften der M.M. Warburg (auf eigene Rechnung oder für ihre Kunden) beraten haben, bei denen ein Steuerschaden von rund 280 Mio. EUR entstanden sein soll.[5]

Rajon (Raphael Roth)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berger beriet Rajon, eine Investmentgesellschaft des bekannten Immobilieninvestors Rafael Roth, maßgeblich bei Cum-Ex-Geschäften in den Jahren 2006–2008. Diese brachten Rajon Steueranrechnungen von 123,7 Mio. EUR. Diese Steueranrechnungen wurden später wieder vom Finanzamt Wiesbaden II zurückgenommen.[9] Die HVB, die die zugrundeliegenden Aktientransaktionen abwickelte und deswegen Haftungsschuldnerin für die Rückabwicklung der Steueranrechnungen war, verklagte daraufhin u. a. Rajon und Berger vor dem LG Frankfurt auf den ihr entstandenen Steuerschaden. Das Gerichtsverfahren endete mit einem von dem Investor Clemens Vedder vermittelten Vergleich, bei dem HVB den Großteil des Steuerschadens übernahm und Rajon sich verpflichtete, an die HVB rund 30 Mio. EUR zu bezahlen. Berger musste hingegen keinen Schadensersatz übernehmen. Zuvor hatte das LG Frankfurt darauf hingewiesen, dass es die Schadensersatzklage der HVB gegen Berger für aussichtslos hält.[10]

Sheridan-Fonds[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berger soll maßgeblicher Berater und Initiator von Fonds des Luxemburger Fondshauses Sheridan gewesen sein, die in Cum-Ex-Aktiengeschäfte mit Aktien deutscher Blue Chips investierten und von dem Schweizer Bankhaus Sarasin vertrieben wurden.[11] Investoren dieser Fonds waren u. a. AWD-Gründer Carsten Maschmeyer sowie seine Frau, Schauspielerin Veronica Ferres, der Fußballtrainer Mirko Slomka, Fleischfabrikant Clemens Tönnies, Medienanwalt Matthias Prinz, Sportunternehmer Peter Schöffel und Drogerieunternehmer Erwin Müller.[12][13][14]

Die anwaltliche und steuerliche Beratung auf Basis des Gutachtens von Bergers Kanzlei ist laut Medienbericht mit einer gesonderten Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung von EUR 100 Mio. von der Allianz, HDI Gerling und der Versicherungsstelle Wiesbaden versichert worden. Die Prämie betrug EUR 300.000.[15] Einer der Investoren, der Sportunternehmer Peter Schöffel, gab an, die Versicherung habe sein Vertrauen in sein Fondsinvestment von rund EUR 5 Mio. erhöht. Nach dem Zusammenbruch des Sheridan-Fonds verweigerten jedoch die Versicherungen Schadenersatzzahlungen auf Basis der Versicherungspolice.[16] Bei diesen Fonds verweigerte der Fiskus jedoch eine Erstattung der Steuern, wodurch sie zum Verlustgeschäft für die Investoren wurden. 

Strafverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen Berger wird wegen seiner Beteiligung an Dividendenstripping-Transaktionen in drei Verfahren strafrechtlich ermittelt. Er wird der mittäterschaftlichen schweren Steuerhinterziehung mit einem Schaden in dreistelliger Millionenhöhe beschuldigt.[17] Deswegen wurden 2012 und 2014 seine Kanzlei- und Privaträume in Deutschland und der Schweiz durchsucht.[18][5] Zudem wurden Telefonate von ihm mit Geschäftspartnern im Herbst 2014 von Ermittlern des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes abgehört.[18] Anfang Oktober 2017 wurde gegen Berger und frühere Aktienhändler der Hypovereinsbank durch die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main Anklage vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Wiesbaden erhoben.[19] Berger wird unter anderem von Wolfgang Kubicki und Norbert Gatzweiler verteidigt.[20]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berger ist verheiratet und hat eine Tochter. Er lebt mit seiner Frau in Zuoz.[21]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berger, H., Schadensverteilung bei Bankbetriebsstörungen – zugleich ein Versuch der Konkretisierung des Risikogedankens und des Haftungssystems in Fällen der Manifestation von Betriebs- bzw. Organisationsrisiken (Dissertation, 1980)
  • Berger, H., Steck, K.-U., Lubbehüsen, D., Investmentgesetz, Investmentsteuergesetz, Kommentar, 2010

Web-Links[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die CumEx-Files. Von CORRECTIV - Journalisten-Netzwerk, gemeinnütziges Recherchezentrum. Abgerufen am 21. Oktober 2018

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. High Noon im Cum-Ex-Ausschuss: Zeugen zur Rolle von Freshfields. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  2. a b Überraschende Trennung: Hanno Berger verlässt Dewey & LeBoeuf. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  3. Elmer Steueranwalt Berger fühlt sich vom Staat verfolgt und sitzt in Schweiz fest. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  4. Gedächtnisschrift Manfred Wolf. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 11. Juni 2017.@1@2Vorlage:Toter Link/www.beck-shop.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. a b c d e Der Coup des Jahrhunderts. 18. Oktober 2018, abgerufen am 18. Oktober 2018.
  6. Prominenter Zuwachs: Shearman-Steuerpartner Berger geht zu Dewey. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  7. Neustart: Berger Steck & Kollegen gründen Steuer- und Investmentboutique. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  8. Frankfurt: Großes Berger Steck-Team entscheidet sich für Heuking. 2. September 2013, abgerufen am 11. Juni 2017.
  9. Cum-Ex-Trades: Rajon scheitert mit Berger Steck vorläufig vor Finanzgericht. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  10. Vergleich: Gleiss-Mandantin HVB beendet Cum-Ex-Streit mit Roth. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  11. Die Milliardärsformel – das Cum-Ex Netzwerk weitet sich aus. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  12. Prozessauftakt: Drogerieunternehmer will 45 Millionen Euro von Sarasin. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  13. Umstrittene Cum-Ex-Deals: Maschmeyer verklagt Sarasin, auch Medienanwalt Prinz und weitere Prominente beteiligt. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  14. Mit dem Siegel der Großfinanz. Abgerufen am 1. Oktober 2017.
  15. Mit dem Siegel der Großfinanz. Abgerufen am 1. Oktober 2017.
  16. Mit dem Siegel der Großfinanz. Abgerufen am 1. Oktober 2017.
  17. Lutz Ackermann, Benedikt Becker, Manuel Daubenberger, Philip Faigle, Karsten Polke-Majewski: Cum-Ex: Der größte Steuerraub in der deutschen Geschichte. In: Die Zeit. 8. Juni 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 18. September 2017]).
  18. a b Der kleine deutsche Lauschangriff. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  19. Klaus Ott: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Milliarden-Raubzugs. In: Süddeutsche Zeitung. 3. Oktober 2017, abgerufen am 5. Dezember 2017.
  20. Felix Rohrbeck, Christian Salewski, Oliver Schröm: Der doppelte Kubicki. In: Die Zeit, Nr. 47 vom 16. November 2017, S. 27.
  21. "Elmer Steueranwalt Berger fühlt sich vom Staat verfolgt und sitzt in Schweiz fest" fuldaerzeitung.de vom 14. Februar 2015