Hanns Joachim Friedrichs

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Hanns Joachim „Hajo“ Friedrichs (* 15. März 1927 in Hamm; † 28. März 1995 in Hamburg) war ein deutscher Journalist. Er war zuletzt Moderator der Nachrichtensendung Tagesthemen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrichs besuchte zunächst das humanistische Gymnasium Hammonense im westfälischen Hamm und zog – nach Absetzung seines Vaters als Amtsbürgermeister des ehemaligen Amts Pelkum durch die Nationalsozialisten – erst nach Hamm, dann nach Herford. Am dortigen Friedrichs-Gymnasium legte er ein Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg sein Abitur ein zweites Mal ab, nachdem sein Kriegsabitur am Hennebergischen Gymnasium im thüringischen Schleusingen nicht anerkannt worden war.[1] Vor Kriegsende war er noch Luftwaffenhelfer, Arbeitsdienstmann und Soldat; bei Kriegsende kam er noch kurz in Kriegsgefangenschaft.[2] Später absolvierte er ein Volontariat bei der Tageszeitung Telegraf in Berlin. Durch einen Fortbildungskurs zum Thema Parlamentarische Demokratie kam er im Frühjahr 1949 nach London, wo er einen ersten Text für die BBC schrieb. Im Herbst 1950 meldete sich die BBC bei ihm, um ihn für drei Jahre als Nachrichtenredakteur beim Deutschen Dienst der BBC anzustellen.[3]

Auf deutschen Bildschirmen war Friedrichs erstmals 1954 bei einer Übertragung zum 80. Geburtstag von Winston Churchill zu sehen. Im Jahre 1955 begann er beim Nordwestdeutschen Rundfunk in Köln als Korrespondent und Reporter. Er moderierte auch das Regionalmagazin Hier und heute. Nachdem er 1964 vom ZDF engagiert wurde, moderierte er ab 1969 die Nachrichtensendung Heute und war ab 1973 Sportchef des ZDF. Im Jahre 1985 wechselte Friedrichs vom ZDF zur ARD. Er wurde für das Nachrichtenmagazin Tagesthemen als Moderator verpflichtet, das er abwechselnd mit Ulrike Wolf und später mit Sabine Christiansen moderierte. Sein Nachfolger wurde am 1. Juli 1991 Ulrich Wickert.

Im Jahr 1988 sprach Friedrichs den Prolog zu dem Lied Gehet hin und vermehret Euch von Udo Jürgens, das sich angesichts der Zunahme der Weltbevölkerung kritisch mit der Sexualmoral der katholischen Kirche auseinandersetzte. Zu hören war er 1988 in der Studiofassung von Udo Jürgens’ Das blaue Album, sowie 1990 auf den Live-Alben Live – ohne Maske und 1992 Open Air Symphony, bei denen Friedrichs’ Prolog vom Band eingespielt wurde, während Jürgens und das Orchester live dazu spielten.

Grab von Hanns Joachim Friedrichs

Am Abend des 9. Oktober 1989 kündigte er in den Tagesthemen den heimlich vom Turm der Reformierten Kirche erstellten Bildbericht vom „Marsch der 70.000“ Demonstranten auf dem Leipziger Innenstadtring mit den Worten „Wie uns ein ‚italienisches Filmteam‘ zuspielte …“ an.[4]

Am 9. November 1989 begann er die Tagesthemen wie folgt: „Im Umgang mit Superlativen ist Vorsicht geboten, sie nutzen sich leicht ab. Aber heute darf man einen riskieren: Dieser 9. November ist ein historischer Tag. Die DDR hat mitgeteilt, dass ihre Grenzen ab sofort für jedermann geöffnet sind, die Tore in der Mauer stehen weit offen.“[5][6] Um 22:42 Uhr, als die Sendung begann, traf diese Meldung noch nicht zu. Im sich anschließenden Schaltgespräch mit Robin Lautenbach, der am Grenzübergang Invalidenstraße stand, war davon nichts zu sehen. Erst nach dieser Aussage Friedrichs strömten auf beiden Seiten der Grenze viele Menschen zu den Grenzübergängen und die Berliner Mauer wurde zu Fall gebracht.[7][8]

Hanns Joachim Friedrichs erlag am Morgen des 28. März 1995 gegen 1 Uhr einer Lungenkrebserkrankung, von der er am 27. Dezember 1994 erfahren hatte. Er wurde auf dem Nienstedtener Friedhof in Hamburg begraben. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel führte mit ihm 1995 ein letztes Gespräch und machte daraus eine Titelgeschichte,[2] einen Tag nach dem Erscheinen der entsprechenden Ausgabe des Spiegel starb Friedrichs.

Im selben Jahr wurde erstmals der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für journalistische Arbeit verliehen. Das Motto, unter dem der Preis seitdem jährlich verliehen wird,[9] geht auf einen berühmten Satz von Friedrichs zurück: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, […] dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache“. Dieses Zitat wurde erstmals als Klappentext auf der Rückseite der Friedrichs-Biographie Journalistenleben von 1994 gedruckt.[10] Er berichtet darin fast wortgleich von den Maximen seines Mentors Charles Wheeler bei der britischen BBC.[11]

Kurz vor seinem Tod sagte er fast gleichlautend:

„Das hab’ ich in meinen fünf Jahren bei der BBC in London gelernt: Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, daß die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.“

Hanns Joachim Friedrichs: Interview mit dem Spiegel 13/1995[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hanns Joachim Friedrichs: Journalistenleben. S. 11 u. 35.
  2. a b c „Cool bleiben, nicht kalt“ – Der Fernsehmoderator Hanns Joachim Friedrichs über sein Journalistenleben. Interview. In: Der Spiegel. Nr. 13/1995, 27. März 1995, ISSN 0038-7452, S. 112–119; hier: S. 113–115 (spiegel.de [PDF; 456 kB; abgerufen am 20. Januar 2022]): „Das hab’ ich in meinen fünf Jahren bei der BBC in London gelernt: Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, daß die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.“
  3. Hanns Joachim Friedrichs: Journalistenleben. S. 23.
  4. Ex-Bürgerrechtlerin Freya Klier während ihrer Rede im sächsischen Landtag zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2014; Quelle: MDR Fernsehen.
  5. #throwback89 Tagesthemen mit Hanns-Joachim Friedrichs. Abgerufen am 10. November 2019.
  6. Michael Meyer: Der ungeplante Mauerfall. In: Deutschlandfunk. 7. November 2019, abgerufen am 8. November 2019.
  7. Hans-Hermann Hertle: Chronik des Mauerfalls: die dramatischen Ereignisse um den 9. November 1989. 11. Auflage. Ch. Links Verlag, ISBN 978-3-86153-541-6, S. 286–288 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Eleni Klotsikas: Katalysatoren der Maueröffnung. Die Rolle der Medien am 9. November 1989. In: Deutschlandfunk. 7. November 2009, abgerufen am 8. November 2019.
  9. Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. In: hanns-joachim-friedrichs.de. Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus e.V., archiviert vom Original am 8. Oktober 2014; abgerufen am 8. Oktober 2014 (siehe Titelbild): „‚Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.‘ (Hanns Joachim Friedrichs)“
  10. Armin Wolf: Womit darf sich ein Journalist „gemein machen“? Nachtrag vom 9. Dezember. In: www.arminwolf.at. 9. Dezember 2018, abgerufen am 20. Januar 2019 (siehe Foto des Klappentextes der Autobiographie „Journalistenleben“ von Hanns Joachim Friedrichs): „Einen guten Journalisten erkennt man daran, daß er Distanz zum Gegenstand seiner Betrachtung hält; daß er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; daß er immer dabei ist, aber nie dazugehört.“
  11. Hanns Joachim Friedrichs (mit Harald Wieser): Journalistenleben. Autobiographie. 1. Auflage. Droemer Knaur, München 1994, ISBN 978-3-426-26834-6, S. 70 f. (284 S.): „Bei diesen Begegnungen hat […] Charles Weber […] eher beiläufig davon geredet, […] was er mir empfehlen, wovor er mich warnen würde. Zu seinen Maximen gehörte die Erkenntnis, daß ein seriöser Journalist ‚Distanz zum Gegenstand seiner Betrachtung‘ hält; daß er sich ‚nicht gemein‘ macht mit einer Sache, ‚auch nicht mit einer guten Sache‘; daß er nicht in lauten Jubel einstimmt oder in öffentlicher Betroffenheit versinkt; und daß er auch im Umgang mit Katastrophen ‚cool bleibt‘, ohne ‚kalt‘ zu wirken. ‚Immer dabeisein – nie dazugehören‘, dieses Journalisten-Motto beschreibt den Reporter Charles Weber wohl am treffendsten.“