Hannsjoachim W. Koch

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Hannsjoachim Wolfgang Koch (* 1933 in München; † unbekannt[1]) war ein britischer Historiker deutscher Herkunft.[2]

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koch erwarb 1965 einen BA in History und American Studies an der Keele University bei Newcastle-under-Lyme.[3] Danach war er Lecturer in History an der University of York.[3] Koch lehrte sowohl an britischen, als auch an deutschen Universitäten,[2] so war er etwa ab 1970 Gastdozent an der Hochschule für Politik München[3]. In den 1980er Jahren erwarb der am Yorker Department of History tätige Koch einen DPhil.[4] Bis zu seinem Tode war er Fellow der Royal Historical Society.[1]

Wenig hilfreich sei die sprachlich bisweilen holprige Studie Der Sozialdarwinismus (1973) für die „weitere Erforschung“ des Themas, wie der Historiker Winfried Baumgart bemerkte.[5] Die Wissenschaftshistorikerin Brigitte Hoppe resümierte: „Trotz Auswertung von Fachliteratur in allgemeinen Feststellungen steckenbleibender, wenig gelungener Versuch“.[6]

Nach dem Historiker Wolfgang Wippermann handle es sich bei Koch um einen „revisionistische[n] Historiker“. So versuchte er in seiner 1988 veröffentlichten Arbeit über den VolksgerichtshofFreisler als einen integren und pflichtbewußten Beamten zu feiern“.[7] Hans-Ulrich Wehler, Historiker, bezeichnet Koch im Zusammenhang mit dem vorgelegten Buch als „rechtsradikalen Autor“.[8]

Das Werk zur Geschichte der Hitlerjugend (1975) sei laut Wippermann als „apologetisch“ einzustufen.[9] Für Michael H. Kater habe Koch „populärschriftstellerische[] Intentionen“ und wolle den „interessierten Laien“ ansprechen. Kater kritisierte Kochs Zitierweise[10] und Quellenanalyse[11]. Auch gebe es „sachliche Fehler“.[11] Letztlich mangele es der Arbeit an einschlägigen Forschungsansätzen.[12] Ebenfalls als populärwissenschaftlich stuft der Historiker Markus Köster die Schrift ein.[13] Gelieferte „Informationen und Bewertungen“ zur frühen HJ seien „wenig überzeugend“, wie der Judaist Heinz Schreckenberg feststellte.[14] Wehler sieht die Schrift „aus der rechtsradikalen Ecke“ geschrieben.[15]

Der Historiker Heinz Hürten sieht das Werk Der Deutsche Bürgerkrieg (1978) als keinen großen Erkenntnisgewinn. Zudem gebe es „sachliche[] Irrtümer“ und formale „Nachlässigkeiten“.[16] Laut dem Historiker Boris Barth stelle Koch „die Ereignisgeschichte korrekt dar“, tendiere jedoch „zu starken Apologien“.[17] Wehler bewertet das Werk als „unverhohlen apologetisch“.[18]

Koch war verheiratet und Vater von zwei Kindern.[3]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Sozialdarwinismus. Seine Genese und sein Einfluss auf das imperialistische Denken (= Beck'sche schwarze Reihe. Bd. 97). Beck, München 1973, ISBN 3-406-02497-1.
  • Geschichte der Hitlerjugend. Ihre Ursprünge und ihre Entwicklung, 1922–1945. Vom Verfasser autorisierte Übersetzung [The Hitler youth] durch Helmut Kossodo und Ulrich Riemerschmidt, Schulz, Percha am Starnberger See 1975, ISBN 3-7962-0070-2.
  • Der deutsche Bürgerkrieg. Eine Geschichte der deutschen und österreichischen Freikorps 1918–1923. Aus dem Englischen von Klaus Oelhaf und Ulrich Riemerschmidt, Ullstein, Berlin u. a. 1978, ISBN 3-550-07379-8. (Ed. Antaios, Dresden 2002, ISBN 3-935063-12-1.)
  • Geschichte Preussens. Aus dem Englischen [A history of Prussia] von Joachim Heimannsberg und Ulrich Riemerschmidt, List, München 1980, ISBN 3-471-77951-5.
  • Volksgerichtshof. Politische Justiz im 3. Reich. Teilübersetzung aus dem Englischen von E. Malsch, Universitas, München 1988, ISBN 3-8004-1152-0.
  • Deutsche Nationalgeschichte – warum?. Ein kritischer Essay (= Türmer-Taschenbuch. No. 18). Türmer-Verlag, Berg 1990, ISBN 3-87829-139-5.
  • Die Befreiungskriege, 1807–1815. Napoleon gegen Deutschland und Europa. Verlagsgesellschaft Berg, Berg am Starnberger See 1998, ISBN 3-86118-075-8.
  • Die deutschen Armeen im 19. und 20. Jahrhundert. Übersetzung aus dem Englischen durch Sigrun Augstein, Vorwinkel, Berg/Starnberger See 1999, ISBN 3-921655-99-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Academic Who's who 1973-1974: University Teachers in the British Isles in Arts, Education and Social Sciences. A. & C. Black, Löndon 1973, ISBN 0-7136-1340-8, S. 260.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Report of Council, Session 1998–1999. In: Transactions of the Royal Historical Society 9 (1999), S. 353–361 und 363–372, hier: S. 359 f.
  2. a b Verlagsangaben, vgl. Michael H. Kater: Die unbewältigte Jugendbewegung. Zu neuen Büchern von Rudolf Kneip, Werner Kindt und Hansjoachim W. Koch. [Sammelrezension]. In: Archiv für Sozialgeschichte Bd. 17 (1977), S. 559–566, hier: S. 564.
  3. a b c d The Academic Who's who 1973-1974: University Teachers in the British Isles in Arts, Education and Social Sciences. A. & C. Black, Löndon 1973, ISBN 0-7136-1340-8, S. 260.
  4. Vgl. List of Fellows of the Royal Historical Society. In: Transactions of the Royal Historical Society 31 (1981), S. 244–287, hier: 266; List of Fellows of the Royal Historical Society. In: Transactions of the Royal Historical Society 37 (1987), S. 187–240, hier: S. 214.
  5. Winfried Baumgart: Der Sozialdarwinismus. Seine Genese Und Sein Einfluß Auf Das Imperialistische Denken von Hannsjoachim W. Koch. In: Historische Zeitschrift 219 (1974) 2, S. 431 f.
  6. Brigitte Hoppe: Die Evolutionstheorie im deutschen Sprachgebiet. Zur wissenschaftlichen, epistemologischen und wissenschaftshistorischen Auseinandersetzung im vergangenen Jahrzehnt. In: History and Philosophy of the Life Sciences 7 (1985) 1, S. 121–147, hier: S. 140.
  7. Wolfgang Wippermann: Umstrittene Vergangenheit. Fakten und Kontroversen zum Nationalsozialismus (= Antifa-Edition). Elefanten-Press, Berlin 1998, ISBN 3-88520-717-6, S. 68.
  8. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. [1700–1990]. Band 4: Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten, 1914–1949. 2. durchgesehene Auflage, Beck, München 2003, ISBN 3-406-32264-6, S. 1134.
  9. Wolfgang Wippermann: Umstrittene Vergangenheit. Fakten und Kontroversen zum Nationalsozialismus (= Antifa-Edition). Elefanten-Press, Berlin 1998, ISBN 3-88520-717-6, S. 172, Fn. 62.
  10. Michael H. Kater: Die unbewältigte Jugendbewegung. Zu neuen Büchern von Rudolf Kneip, Werner Kindt und Hansjoachim W. Koch. [Sammelrezension]. In: Archiv für Sozialgeschichte Bd. 17 (1977), S. 559–566, hier: S. 564.
  11. a b Michael H. Kater: Die unbewältigte Jugendbewegung. Zu neuen Büchern von Rudolf Kneip, Werner Kindt und Hansjoachim W. Koch. [Sammelrezension]. In: Archiv für Sozialgeschichte Bd. 17 (1977), S. 559–566, hier: S. 565.
  12. Michael H. Kater: Die unbewältigte Jugendbewegung. Zu neuen Büchern von Rudolf Kneip, Werner Kindt und Hansjoachim W. Koch. [Sammelrezension]. In: Archiv für Sozialgeschichte Bd. 17 (1977), S. 559–566, hier: S. 566.
  13. Markus Köster: Jugend, Wohlfahrtsstaat und Gesellschaft im Wandel. Westfalen zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik (= Forschungen zur Regionalgeschichte. Bd. 30). Schöningh, Paderborn 1999, ISBN 3-506-79602-X, S. 250, Fn. 6.
  14. Heinz Schreckenberg: Erziehung, Lebenswelt und Kriegseinsatz der deutschen Jugend unter Hitler. Anmerkungen zur Literatur (= Geschichte der Jugend. Bd. 25). Lit, Münster u. a. 2001, ISBN 3-8258-4433-1, S. 244.
  15. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. [1700–1990]. Band 4: Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten, 1914–1949. 2. durchgesehene Auflage, Beck, München 2003, ISBN 3-406-32264-6, S. 1059, Fn. 15.
  16. Heinz Hürten: Der Deutsche Bürgerkrieg. Eine Geschichte Der Deutschen Und Österreichischen Freikorps 1918–1923 von Hannsjoachim W. Koch. In: Historische Zeitschrift 235 (1982) 3, S. 735 f.
  17. Boris Barth: Europa nach dem Großen Krieg. Die Krise der Demokratie in der Zwischenkriegszeit, 1918–1938. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-593-50521-3, S. 301, Fn. 23.
  18. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. [1700–1990]. Band 4: Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten, 1914–1949. 2. durchgesehene Auflage, Beck, München 2003, ISBN 3-406-32264-6, S. 1027, Fn. 3.