Hans-Christof Kraus

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Hans-Christof Kraus (* 3. November 1958 in Göttingen) ist ein deutscher Historiker. Seit 2007 ist er Lehrstuhlinhaber für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Passau.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans-Christof Kraus studierte von 1978 bis 1984 Geschichte, Germanistik und Philosophie an der Georg-August-Universität Göttingen. In den 1980er Jahren war er Redakteur der jungkonservativen Zeitschrift Phönix. Ende der 1980er und in den 1990er Jahren schrieb er Artikel für die rechtskonservativen Zeitschriften Etappe und Criticón.[1]

1992 reichte er dort bei Rudolf von Thadden seine Dissertation im Fach Neuere Geschichte über den preußischen Konservativen Ernst Ludwig von Gerlach ein. 1994/1995 war Kraus Förderstipendiat am Historischen Kolleg in München. Im Jahr 2002 habilitierte er sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einer Studie zum Thema Englische Verfassung und politisches Denken im Ancien Régime 1689–1789. Die Arbeit wurde von Horst Möller, Eckhart Hellmuth und Hans-Michael Körner begutachtet. Nach Lehrtätigkeiten an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften zu Speyer, der Universität Stuttgart, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Friedrich-Schiller-Universität Jena erfolgte im Jahr 2007 die Berufung auf den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Passau.

Kraus’ Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen in der deutschen und englischen Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts, der Geschichte der Politik, der Verfassungsgeschichte, der politischen Ideengeschichte sowie in der Bildungs- und Wissenschaftsgeschichte. Mit seiner Dissertation über Ernst Ludwig von Gerlach legte er eine grundlegende Biographie vor.[2]

Für seine Forschungen wurden Kraus zahlreiche wissenschaftliche Ehrungen und Mitgliedschaften zugesprochen. Kraus ist Mitglied in mehreren Historischen Kommissionen, so der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, der Historischen Kommission zu Berlin und der Vereinigung für Verfassungsgeschichte. Er ist Vorstandsmitglied der Preußischen Historischen Kommission. Er ist Herausgeber der Neuen Deutsche Biographie (NDB) und Mitherausgeber verschiedener historischer Zeitschriften unter anderem der Zeitschrift für Neuere Rechtsgeschichte, des Jahrbuchs Politisches Denken und des Passauer Jahrbuchs. Für seine Dissertation wurde ihm 1994 der Göttinger Akademiepreis zugesprochen. Ihm wurde 2006 der Historikerpreis der Erich und Erna Kronauer-Stiftung verliehen.

Kraus hielt 2015 einen Vortrag über Otto von Bismarck bei der Bibliothek des Konservatismus.[3] Diese Einrichtung gehört mit ihrem Bestand an schwerpunktmäßig konservativer und rechtskonservativer Literatur nach Einschätzung von Wissenschaftlern[4] zu einem Netzwerk der Neuen Rechten.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien

  • Der Wendepunkt des Philosophen von Sanssouci. Duncker & Humblot, Berlin 2017, ISBN 978-3-428-15390-9.
  • Bismarck. Größe – Grenzen – Leistungen. Klett-Cotta, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-608-94861-5.
  • Versailles und die Folgen. Außenpolitik zwischen Revisionismus und Verständigung (1919–1933) (= Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Bd. 4). Be.bra-Verlag, Berlin-Brandenburg 2013, ISBN 978-3-89809-404-7 (Als Lizenzausgabe: (= Bundeszentrale für Politische Bildung. Schriftenreihe. 1540). Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2014, ISBN 978-3-8389-0540-2).
  • Kultur, Bildung und Wissenschaft im 19. Jahrhundert (= Enzyklopädie deutscher Geschichte. Bd. 82). Oldenbourg, München 2008, ISBN 978-3-486-55727-5.
  • Das Ende des alten Deutschland. Krise und Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation 1806 (= Wissenschaftliche Abhandlungen und Reden zur Philosophie, Politik und Geistesgeschichte. Bd. 37). Duncker & Humblot, Berlin 2006, ISBN 3-428-12217-8 (2., korrigierte Auflage. ebenda 2007, ISBN 978-3-428-12492-3).
  • Englische Verfassung und politisches Denken im Ancien Régime. 1689 bis 1789 (= Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London. Bd. 60). Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-57908-8 (Zugleich: München, Universität, Habilitations-Schrift, 2001/2002).
  • Theodor Anton Heinrich Schmalz. (1760–1831). Jurisprudenz, Universitätspolitik und Publizistik im Spannungsfeld von Revolution und Restauration (= Studien zur europäischen Rechtsgeschichte. Bd. 124). Klostermann, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-465-03047-8.
  • Ernst Ludwig von Gerlach. Politisches Denken und Handeln eines preußischen Altkonservativen (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bd. 53). 2 Bände. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1994, ISBN 3-525-36046-0 (Zugleich: Göttingen, Universität, Dissertation, 1992) (online).

Herausgeberschaften

  • Ernst Ludwig von Gerlach: Gottesgnadentum und Freiheit. Ausgewählte politische Schriften aus den Jahren 1863 bis 1866. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen. Karolinger, Wien u. a. 2011, ISBN 978-3-85418-141-5.
  • Konservative Politiker in Deutschland. Eine Auswahl biographischer Porträts aus zwei Jahrhunderten. Duncker & Humblot, Berlin 1995, ISBN 3-428-08193-5.

Quellenedition

  • Fritz Hartung. Korrespondenz eines Historikers zwischen Kaiserreich und zweiter Nachkriegszeit (= Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts. Bd. 76). Duncker & Humblot, Berlin 2019, ISBN 978-3-428-15731-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Niklas Weber: Niklas Weber: Wie eng Konservative und Rechtsradikale verstrickt sind. In: sueddeutsche.de, 3. März 2020.
  2. Vgl. dazu die Besprechungen von David Barclay in: American Historical Review 101, 1996, S. 1234–1235; Jürgen von Gerlach in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung 115, 1998, S. 828–830; Patrick Bahners in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24. August 1995, Julius H. Schoeps in: Die Zeit vom 15. April 1996; Martin Ohst in: Theologische Literaturzeitung Juli/August/1997 (online).
  3. Das Denken in Alternativen – Bismarcks politische Gabe Hans-Christof Kraus über den „eisernen Kanzler“ als „weißen Revolutionär“, Bibliothek des Konservatismus 7. November 2015, abgerufen am 25. November 2020.
  4. Samuel Salzborn: Rechtsextremismus: Erscheinungsformen und Erklärungsansätze. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, Baden-Baden 2015, S. 59 f. Gideon Botsch, Christoph Kopke, Alexander Lorenz: Wie agiert die „Alternative für Deutschland“ vor Ort? Das Fallbeispiel Brandenburg. In: Andreas Zick, Beate Küpper: Wut, Verachtung, Abwertung. Rechtspopulismus in Deutschland. Bonn 2015, S. 146–166, hier: S. 163.