Hans-Jörg Schmidt

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Hans-Jörg Schmidt (* 1953 in Halle an der Saale) ist ein in Prag lebender deutscher Journalist und Buchautor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Lehre als Maschinenbauer in seiner Geburtsstadt Halle arbeitete er zuerst als Volontär beim dortigen regionalen Hörfunk-Studio des Senders Leipzig von Radio DDR. Später studierte er Journalistik in Leipzig und arbeitete in der Folge in verschiedenen Redaktionen beim Rundfunk der DDR in Berlin, zuletzt in der Osteuropa-Abteilung der Redaktion Außenpolitik. 1990 wurde er als Tschechoslowakei-Korrespondent nach Prag entsandt.

Nach dem Ende der DDR und damit auch des Rundfunks der DDR blieb Schmidt in Prag und wurde freiberuflich journalistisch tätig. Heute schreibt er unter anderem als Korrespondent und Kommentator für Die Welt Berlin, die Sächsische Zeitung Dresden, das tschechische Nachrichtenportal aktuálně.cz und für die LandesZeitung Prag, die Zeitung der Deutschen in der Tschechischen Republik. Er berichtet vorwiegend über die politische Lage in Tschechien, aber auch über die in der Slowakei. Zudem schrieb er bislang zwei Bücher über die Tschechische Republik.

Seit 1990 lebte er in Prag, seit 2008 im früheren sudetendeutschen Chotiněves/Kuttendorf, einem kleinen Ort im Böhmischen Mittelgebirge nahe Litoměřice (Leitmeritz) und Úštěk (Auscha), auf dem Bauernhof seiner tschechischen Lebenspartnerin Libuše Dosedělová. Nach deren Tod kehrte er 2012 wieder zurück nach Prag. Er ist geschieden und hat eine Tochter und zwei Enkeltöchter in Deutschland.

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„... das ‚Mütterchen Prag‘ hat wirklich ‚Krallen‘, wie Kafka schrieb ...“

Hans-Jörg Schmidt, 2013, buch-ist-mehr.de (Verlag 3.0)

„... ‚typisch tschechisch‘ ... die gesunde Neugier ... Kritik [aber] wird schnell als Rechthaberei oder Besserwisserei abgetan ... Ärgerlich ... dass tschechische Politiker glauben, auf einer Insel zu leben, dass ihre Entscheidungen rein innenpolitischer Natur sind, die niemanden sonst interessieren. Das kann zum schwerwiegenden Irrtum werden, etwa dann, wenn mitten in der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft ohne Not die Regierung gestürzt wird und man sich anschließend darüber wundert, dass keiner das Land mehr so richtig ernst nehmen kann ... [in meinem Dorf] schlägt einem eine Offenheit und Herzlichkeit entgegen, die ich aus Deutschland nicht kenne ... Das Kind des Prags der Tschechen, Deutschen und Juden ist nach 1939 für immer in den Brunnen gefallen. Wer glaubt, es wieder zum Leben erwecken zu können, irrt ...
... ‚typisch deutsch‘ ... Die Überregulierung des Lebens in Deutschland. Der Anspruch der Regierenden, dem Volk alles vorschreiben zu müssen ... ebenso typisch deutsch, wie (mir) lästig. Als sehr positiv empfinde ich die innere Disziplin der Deutschen. Hier könnten sich viele Tschechen eine Scheibe abschneiden ... die Deutschen sind [wie die Tschechen] auch keine Europäer per se, sondern eben sehr deutsch ...
... Es wäre toll, wenn sich die innere Disziplin der Deutschen mit der Großzügigkeit der Tschechen paaren könnte. Doch das scheint mir illusionär zu sein. Kein Volk kann am Ende wirklich aus seiner Haut. Aber ist das so schlecht?“

„... mit dem Buch [Tschechien: Eine Nachbarschaftskunde für Deutsche habe ich] versucht, ein Wort von Václav Havel, das ich sehr treffend finde, zu illustrieren: ‚Die Deutschen sind für die Tschechen Inspiration und Schmerz‘ ...
... Gerade in dem Verhältnis zwischen Tschechen und Deutschen ist es aber erforderlich, dass man auch zurück in die Geschichte geht und erklärt warum die Dinge so sind, wie sie heute sind ...
... Eigentlich redet man über die Vertreibung und die Vertriebenen viel zu wenig. Es sind nach vor die Schmuddelkinder – und sie sind es gerade nicht: Durch ihren Bezug zu ihrer alten Heimat in der Tschechoslowakei sind sie eben die, die sich hier für das Land interessieren, und ich bin der festen Überzeugung, dass es die einzigen Deutschen sind, die sich wirklich für das Schicksal Tschechiens interessieren ...“

Publikationen, Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]