Hans-Jürgen Kuhl

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Jürgen Kuhl in seiner Galerie

Hans-Jürgen Kuhl, auch Jürgen Kuhl (* 1941 in Dattenfeld/Sieg), ist gelernter Fotokaufmann und als freier Grafik-Designer tätig, wurde jedoch international als Geldfälscher bekannt.

Beginn als Künstler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kuhl stammt aus wohlhabendem Hause, sein Vater war Fabrikbesitzer. Seit 1944 lebte er mit den Eltern und fünf Geschwistern in Köln. Er schloss eine Ausbildung zum Fotokaufmann ab, seit 1970 arbeitete er zunächst als freier Grafik-Designer und Repro-Fotograf. Im grafischen Bereich spezialisierte sich Kuhl auf Collagen aus Fotografien und/oder Zeichnungen, die er als Quelle für das eigentliche künstlerische Endprodukt verwendete: den Siebdruck im eigenen Atelier.

Erfolge im Modebereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1961 geriet er in Kontakt zur Kölner Unterwelt, wo er regional bekannte, rivalisierende Kriminelle wie „Dummse Tünn[1] und „Schäfers Nas“ kennenlernte und auf der Kölner Ringszene selbst den Spitznamen „De Duv“ (Die Taube) erhielt, den er noch lange nach seinen „kriminellen“ Machenschaften beibehielt.

Er sagte sich von diesem Milieu los und gelangte, aufgrund der im Sommer 1971 aufkommenden Mode der Hot Pants, zu kommerziellem Erfolg mit eigenen Mode-Kreationen. Aufgrund von Unregelmäßigkeiten bei der Ausübung des Geschäfts wurde er in dieser Zeit zu einer Freiheitsstrafe von einem Monat verurteilt.[2] Es folgte die Gründung eines eigenen Modelabels unter dem Namen Paloma, das ebenfalls kommerziell erfolgreich war.[3]

Aktivitäten als Künstler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1985 schuf er sein erstes Kunstwerk. Er orientiere sich dabei plagiatsnah am berühmten Flowers-Motiv von Andy Warhol, den er in Köln kennengelernt hatte, und verkaufte die Blumen als poppige Siebdrucke; Rechtsstreitigkeiten mit Warhol entstanden durch Kuhls Dombild, das Warhols Original Cologne Cathedral ähnlich war. Die Kunstwerke fertigte er in einer eigenen Werkstatt in Pulheim. Am 31. Dezember 1997 berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger über Kuhls neuestes Werk, Drucke und Acrylbilder von Lady Diana in Pop-Art.

Geldfälschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine finanzielle Lage verschlechterte sich in dieser Zeit, er geriet erneut in kriminelle Kreise. Seine künstlerischen Fähigkeiten nutzte er ab diesem Zeitpunkt zur Geldfälschung.

Tatvorbereitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit vier Komplizen beschloss er, US-Dollar-Noten zu fälschen, hierzu wurden Computer, Scanner, eine Siebdruckanlage und Offsetmaschinen erworben. Anstatt des für den US-Dollar verwendeten Originalpapiers der Sorte Cranes Crest verwendeten sie ein Papier, das sie aus dem ehemaligen Jugoslawien bezogen und das – wie der US-Dollar – unter UV-Licht nicht leuchtet. Als Originalvorlage erwarb Kuhl bei einer Sparkasse einen 100-Dollar-Schein und scannte ihn ein. In seiner Pulheimer Werkstatt veränderte er mit einem Standard-Grafikprogramm die Seriennummern, fasste zwölf Scheine zu einem Bogen zusammen, belichtete die Filme und stellte die Druckplatten her. Nach vielen Fehlversuchen entstanden schließlich qualitativ hochwertige Fälschungen in großer Anzahl. Die Bande plante, für marktübliche 10 % des Dollar-Nominalwerts in Euro Abnehmer der Fälschungen zu finden, was jedoch nicht gelang.

Tatentdeckung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. September 2006 entdeckten Arbeiter einer Abfallverwertungsgesellschaft Plastiksäcke mit nicht geschredderten Dollarnoten und informierten die Polizei. Wegen der Schwere der Tat und des Umfangs der Geldfälschung gab die Kölner Kriminalpolizei den Fall umgehend an das Bundeskriminalamt (BKA) ab. Die Fälschungsqualität wurde dort von den Experten sofort als „erschreckend perfekt“ eingestuft.[4] Neben den gefälschten Dollarnoten enthielten die Plastiksäcke auch Dokumente,[5] welche die Ermittler schnell zu Kuhls Adresse führten. Daraufhin observierten die Behörden acht Monate lang die Verdächtigen, um auch an die potenziellen Abnehmer zu gelangen, die es jedoch nach wie vor nicht gab.

Dem BKA gelang es, eine Mitarbeiterin unter dem Decknamen Marie Sophie Susann Falkenthal, die sich als Unternehmensberaterin ausgab, einzuschleusen. Anfang April 2007 stellte sie den Kontakt zu Kuhl her und kaufte am 13. April 2007 insgesamt 250.000 gefälschte US-Dollar zum Preis von 21.600 Euro von ihm. Mit diesem Testkauf konnte das Vertrauen Kuhls gewonnen werden. Am 22. Mai 2007 sollten daraufhin weitere 6,5 Millionen Dollar übergeben werden. Bei der Übergabe wurde Kuhl jedoch von der Kölner Polizei festgenommen. Bei der nachfolgenden Durchsuchung von Kuhls Werkstatt und Wohnung sowie bei seinen beiden Hauptkomplizen wurde Falschgeld mit einem Nennwert von 16,5 Millionen US-Dollar beschlagnahmt. Dies war weltweit der drittgrößte Fund von falschen Dollarnoten und der zweitgrößte in Deutschland. Den größten Fund im Zusammenhang mit gefälschten US-Dollar-Noten machte die niedersächsische Polizei im Jahre 1994 in Alfeld/Leine. Damals stellte das Landeskriminalamt Falsifikate im Nennwert von rd. 25 Millionen US-$ sicher.[6]

Prozess und Strafe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Mai 2007 präsentierte die Kölner Polizei auf einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit die Einzelheiten des spektakulären Falles, die Qualität des gezeigten Falschgeldes wurde dabei als „exzellent“ bezeichnet. Am 8. November 2007 wurde Kuhl – nach Ablegen eines umfassenden Geständnisses – vom Landgericht Köln nach nur einem Verhandlungstag wegen Geldfälschung zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er dreieinhalb Jahre im offenen Strafvollzug verbringen durfte. Der Richter nannte ihn einen „außerordentlichen Grafiker“,[7] der wegen einer „massiven finanziellen Schieflage“ zum Geldfälscher geworden sei. Einer der weltweit bedeutendsten Falschgeldfunde der Kriminalgeschichte, betraglich zuvor nur zweimal übertroffen, fand damit ein prozessuales Ende. Als er am 25. August 2010 in der ZDF-Talkshow Markus Lanz zu Gast war, lief das Verfahren über seine Haftverschonung.

Mediale Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der ZDF-Sendereihe Terra X wurde für die erste Folge des Zweiteilers F wie Fälschung der Falschgeldfall unter Kuhls eigener Mitwirkung detailliert nachgestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anton Dumm, ehemaliger Berufsboxer und Leibwächter Romy Schneiders
  2. Christoph Gottwald: Blütenträume – Die unglaubliche Geschichte des Geldfälschers Jürgen Kuhl. DuMont, Köln 2010, ISBN 978-3-8321-9532-8.
  3. Tim Stinauer: Die Blüten des kölschen Andy Warhol. auf: Rundschau-online 30. August 2010
  4. Jörg Diehl, Ralf Hoppe: Der Warhol der Geldfälscher. In: Spiegel online. 7. Juli 2008.
  5. Der Protagonist auf ZDFneo, August 2012
  6. Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 15. Juli 1994
  7. Pascal Beucker: Haftstrafe für Kölner Geldfälscher. In: NRZ. 9. November 2007.