Hans-Joachim Fränkel

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Hans-Joachim Fränkel (* 31. August 1909 in Liegnitz; † 21. Dezember 1996[1] in Marburg) war ein deutscher, evangelischer Bischof der schlesischen Kirche.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fränkel, Sohn eines Studienrates, legte 1928 in Liegnitz das Abitur ab und studierte anschließend evangelische Theologie in Bethel, Breslau und Tübingen. Als Student trat er in die Bekennende Kirche ein und ließ sich 1936 für deren Kirchendienst ordinieren. Er übernahm im gleichen Jahr das Pfarramt in Kreuzburg und wechselte 1938 nach Seidenberg.

Als Mitglied der Naumburger Bekennenden Kirche lehnte er die Zusammenarbeit mit den Deutschen Christen ab. Ebenso wenig kam es für ihn in Frage, mit dem von den Nationalsozialisten eingesetzten Provinzialkirchenausschuss zu kooperieren.[2] Er wurde zum Militärdienst eingezogen und mit schweren Verwundungen 1943 entlassen.

Er kehrte nach Breslau zurück, wo er gemeinsam mit Ernst Hornig das neue Konsistorium der Evangelischen Kirche von Schlesien aufbaute, das nach Görlitz verlegt wurde, nachdem die Kirchenleitung 1946 aus Breslau vertrieben worden war. 1952 wurde er Oberkonsistorialrat und war von 1964 bis 1979 in der Nachfolge von Bischof Ernst Hornig in dieser evangelischen Kirche, die ab 1968 Evangelische Kirche des Görlitzer Kirchengebietes hieß.

Zugleich war Fränkel Mitglied des Rates der EKU und der Konferenz der Kirchenleitungen in der DDR. 1977 wurde er als Delegierter zur Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes nach Daressalam entsandt.

Als mit Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki 1975 immer mehr Menschen die DDR mit Hilfe eines Ausreiseantrags verlassen wollen, vertrat Bischof Hans-Joachim Fränkel die Meinung, es sei Pflicht der Kirchen für die Menschenrechte – also auch für das Recht auf freie Wahl des Wohnortes – einzutreten.

In den 1970er Jahren änderte sich die Haltung von Fränkel zur sozialistischen Obrigkeit und er wurde vom kritischen Kirchenführer und Gegner des SED-Staates zum Zuträger der Stasi:[3][4] In den Jahren 1951 bis 1957 und 1972 bis 1976 verfolgte das Ministerium für Staatssicherheit den Bischof mit den Operativvorgängen „Plakate“ und „Martyrium“ und Zersetzungsmaßnahmen. Später änderte es die Strategie und stellte 1976 Kontakt her. Durch Erschleichung seines Vertrauens im Privatleben wurde er auf der Basis der Überzeugung am 13. Oktober 1977 als inoffiziellen Mitarbeiter „Bruder“ (Registriernummer XII 819/77 bei der Kreisdienststelle Görlitz) angeworben. Bei Fränkel als leitendem Theologen der evangelischen Kirche wurde auf eine schriftliche Verpflichtung verzichtet, sondern mündlich Vertraulichkeit und Konspiration zugesichert. Fränkel drängte auch erfolglos seinen Amtsnachfolger Wollstadt zur Verpflichtung als IM.[4]

Nach seiner Pensionierung übersiedelte er in die Bundesrepublik Deutschland und verbrachte seinen Ruhestand in Marburg. 1965 erhielt er von der Theologischen Fakultät Bonn die Ehrendoktorwürde und 1993 die Ehrenbürgerwürde von Görlitz.

In Nachrufen wurde hervorgehoben, dass Fränkel sich dem ideologischen Wahrheits- und Totalanspruch des NS-Staates und des DDR-Regimes widersetzte und dafür Repressionen ausgesetzt war. In Sachsen erhielt er in den 1970er Jahren zeitweise Predigtverbot.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Kirchenkampf in Schlesien. In: Peter Maser (Hrsg.): Der Kirchenkampf im deutschen Osten und in den deutschsprachigen Kirchen Osteuropas. 1992

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Presse: Evangelische Kirche erinnert an Bischof Hans-Joachim Fränkel.@1@2Vorlage:Toter Link/www.sonnenorgel.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven) Pressemitteilung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, 9. Juli 2009, Sonnenorgel.de; abgerufen am 13. Dezember 2011
  2. Fränkel, Hans-Joachim in der Ostdeutschen Biographie (Kulturportal West-Ost), abgerufen am 13. Dezember 2011
  3. Hans-Joachim Fränkel. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1980 (online).
  4. a b Gerhard Besier: Kirchenpolitik: In den Fängen der Stasi Der Weg des früheren Görlitzer Bischofs Fränkel vom Gegner des DDR-Regimes zum Zuträger der Stasi Focus 43/1995 vom 23. Oktober 1995
VorgängerAmtNachfolger
Ernst HornigBischof der Ev. Kirche …
von Schlesien (bis 1968)
des Görlitzer Kirchengebietes
(ab 1968)
1963–1979
Hanns-Joachim Wollstadt