Hans-Joachim Fuchtel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hans-Joachim Fuchtel (2014)
Video-Vorstellung (2014)

Hans-Joachim Fuchtel (* 13. Februar 1952 in Sulz am Neckar) ist ein deutscher Politiker (CDU). Seit 1987 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 2009 Parlamentarischer Staatssekretär. Im Kabinett Merkel IV ist er seit 2018 Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft. Von Herbst 2011 bis Mai 2018 war Fuchtel Beauftragter der Bundeskanzlerin für Griechenland.[1]

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur in Nagold absolvierte Fuchtel ein Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, welches er mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. Nach Ableistung des Referendariats legte er 1980 auch das zweite Staatsexamen ab und trat anschließend in den Höheren Dienst des Landes Baden-Württemberg ein. 1986 wurde er als Parlamentsrat zur CDU-Landtagsfraktion abgeordnet. Seit 1992 ist er als Rechtsanwalt zugelassen. Fuchtel gehörte dem Verwaltungsrat der Sparkasse Pforzheim Calw an. Er gab dieses Mandat – wie auch andere Ämter – auf, nachdem er im Herbst 2009 als Parlamentarischer Staatssekretär ein Regierungsamt antrat.[2]

Hans-Joachim Fuchtel ist geschieden und hat vier Kinder. Er ist evangelisch-lutherischer Konfession.[3]

Politische Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans-Joachim Fuchtel trat 1968 in die Junge Union (JU) ein und war von 1969 bis 1974 Vorsitzender des JU-Kreisverbandes Calw. Von 1974 bis 1979 gehörte er dem JU-Deutschlandrat und von 1979 bis 1982 dem Landesvorstand der JU Baden-Württemberg an. Fuchtel war außerdem von 1973 bis 1987 stellvertretender Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Calw.

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans-Joachim Fuchtel gehörte von 1975 bis 1987 dem Stadtrat von Altensteig an und war von 1979 bis Oktober 2009[4] Mitglied des Kreistages des Landkreises Calw.

Seit 1987 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er seit 2002 stellvertretender Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses des Haushaltsausschusses und seit Januar 2006 Beisitzer im Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Fuchtel amtierte bis Oktober 2009 als Obmann der Schriftführer des Parlaments.[5] Bei der Wiederwahl von Bundespräsident Horst Köhler am 22. Mai 2009 war er Obmann der auszählenden Schriftführer.

Fuchtel zog stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Calw in den Bundestag ein, in dem seit 2009 Saskia Esken für die SPD gegen ihn antrat und jeweils Zweite wurde. Bei der Bundestagswahl 2013 erreichte er 58,5 % der Erststimmen, 2017 waren es bei der bisher letzten Bundestagswahl noch 43,3 %.[6]

Im Mai 2020 kündigte er an, bei der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag nicht erneut kandidieren zu wollen.[7]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fuchtel ist Mitglied der überparteilichen Europa-Union Deutschland, die sich für ein föderales Europa und den europäischen Einigungsprozess einsetzt.[8]

Parlamentarischer Staatssekretär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans-Joachim Fuchtel wurde in der im Oktober 2009 gebildeten schwarz-gelben Bundesregierung unter Angela Merkel (CDU) einer der beiden Parlamentarischen Staatssekretäre bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Ursula von der Leyen. Nach Bildung der Bundesregierung der großen Koalition im Dezember 2013 wechselte Fuchtel als Parlamentarischer Staatssekretär zum Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.[9] Während dieser Zeit war er zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, einer Tochtergesellschaft der KfW, die Projekte in Entwicklungsländern unterstützt.[10] Darüber hinaus vertrat er die deutsche Regierung in den Verwaltungsräten der Asiatischen Entwicklungsbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank.

Bei der Neubildung des Kabinett Merkel IV wechselte er 2018 zur Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft.

Griechenland-Beauftragter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2011 wurde Hans-Joachim Fuchtel von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Beauftragten für die Deutsch-Griechische Versammlung ernannt. Die Deutsch-Griechische Versammlung soll die deutsch-griechische Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene fördern.[11] Im Mai 2018 folgte ihm der Abgeordnete Norbert Barthle in diesem Amt.[1]

Neben dem Aufbau vieler Partnerschaften auf kommunaler Ebene vermittelte Fuchtel 2016 die Ansiedlung einer neuen Bank in Griechenland, der auf die Finanzierung mittelständischer Unternehmen spezialisierten ProCredit Bank in Thessaloniki.[12][13]

Im November 2012 erregte Fuchtel in Thessaloniki mit der Aussage, 1.000 deutsche Arbeitnehmer leisteten die Arbeit von 3.000 Griechen, vor dem Hintergrund bevorstehender Entlassungen im kommunalen Bereich den Zorn griechischer kommunaler Angestellter. Es kam zu Zusammenstößen von Bediensteten der Kommunen mit der Polizei und zu Angriffen auf Mitglieder der deutschen Delegation, darunter den deutschen Konsul in Thessaloniki.[14] In griechischen Medien wurde Fuchtel damals als „Merkels Gauleiter“ bezeichnet.[15] Andererseits wurde ihm in Griechenland der Spitzname „Fuchtelos“ (mit einer griechischen Endung) zuteil[16], ähnlich wie bei „Rehakles“ für Fußballtrainer Otto Rehhagel.[17]

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans-Joachim Fuchtel war von 1998 bis März 2010 Präsident der THW-Bundesvereinigung e. V. und gehört dem Vorstand des Vereins Helfende Hände e. V. an. Im Jahr 2009 engagierte er sich für die Aktion „Für Freiheit und Selbstbestimmung – gegen totalitäre Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände“[18][19] anlässlich des 6. Internationalen Kongresses für Psychiatrie und Seelsorge in Marburg. Fuchtel stimmte 1997 im Bundestag in namentlicher Abstimmung gegen die Änderung des Strafgesetzbuchs, durch die Vergewaltigung in der Ehe zum Straftatbestand erklärt wurde.[20]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hans-Joachim Fuchtel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Matthias Schiermeyer: Griechen-Beauftragter Barthle: „Griechenland kommt über den Berg“. In: Stuttgarter Nachrichten. 25. Oktober 2018, abgerufen am 25. April 2020.
  2. Michael Zerhusen: Die Infrastruktur eines Staatssekretärs / Der Mitarbeiterstab des Hans-Joachim Fuchtel. In: Neckar-Chronik. Südwest Presse, 3. Juli 2010, abgerufen am 25. April 2020.
  3. Deutscher Bundestag - Biografien. Abgerufen am 20. Mai 2020.
  4. Landratsamt Calw: Verwaltungsbericht 2009. 2010, S. 152, Seite 14, urn:https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-opus-121592(?!?!).
  5. Schriftführer im Bundestag – Die heimlichen Fernsehstars Deutscher Bundestag – Blickpunkt 06/2002
  6. Ergebnisse 2017 Wahlkreis 209, bundeswahlleiter.de
  7. Schwarzwälder Bote, Oberndorf Germany: Calw: Fuchtel bereitet Abgang vor - Schwarzwälder Bote. Abgerufen am 20. Oktober 2020.
  8. Hans-Joachim Fuchtel. In: Webseite der Europa-Union Deutschland. Abgerufen am 19. August 2020.
  9. tagesschau.de: Stichwort. Das komplette Bundeskabinett (Memento vom 16. Dezember 2013 im Internet Archive)
  10. DEG-Aufsichtsrat verabschiedet bisherigen Vorsitzenden. DEG, Meldung vom 20. März 2018
  11. Webseite der Deutschen Vertretungen in Griechenland (Memento vom 29. November 2014 im Internet Archive)
  12. Matthias Schiermeyer: Stolz auf erste neue Investitionsbank. Deutsch-Griechische Zusammenarbeit. In: Stuttgarter Zeitung. 1. November 2016, abgerufen am 7. Mai 2020.
  13. Gerd Höhler, Donata Riedel: Eine neue Bank für Griechenland. Procredit unterstützt Mittelstand. In: Handelsblatt. 20. Mai 2016, abgerufen am 7. Mai 2020.
  14. Ausschreitungen nach Fuchtels Aussagen in Thessaloniki. Focus vom 15. November 2012
  15. „Merkels Gauleiter forderte Entlassungen von Tausenden griechischer Arbeitnehmer!“ nafpaktianews.gr vom 14. November 2012 (griechisch)
  16. Daniela Vates: Fuchtelos und das Prinzip Hoffnung. Porträt. In: Frankfurter Rundschau. 22. November 2012, abgerufen am 7. Mai 2020: „Die Griechen haben ihm eine griechische Endung verpasst. Fuchtelos heißt er nun.“
  17. Ralf Wiegand: Staatsauftrag für Rehakles. Als Fußball-Botschafter nach Athen. In: Süddeutsche Zeitung. 13. März 2013, abgerufen am 7. Mai 2020.
  18. Auch Bundestagsabgeordneter Hans-Joachim Fuchtel (CDU) unterstützt „Freiheit und Selbstbestimmung“ Christliches Informationsforum „Medrum“, 13. Mai 2009
  19. Erklärung der Initiative Christliches Informationsforum „Medrum“, 20. April 2009
  20. Plenarprotokoll des Deutschen Bundestages vom 15. Mai 1997, 15800 (PDF)