Hans Asmussen

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Hans (Christian) Asmussen (* 21. August 1898 in Flensburg; † 30. Dezember 1968 in Speyer) war ein deutscher lutherischer Theologe. Er spielte seit 1933 eine führende Rolle in der Bekennenden Kirche und später in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1933[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Asmussen, Sohn eines Schulleiters, besuchte das Gymnasium in Flensburg und studierte nach dem Einsatz als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg von 1919 bis 1921 Evangelische Theologie an den Universitäten Kiel und Tübingen. Anschließend wurde er Vikar und später Hilfsgeistlicher am Diakonissenhaus in Flensburg. 1925 übernahm er eine Pfarrstelle in Albersdorf (Dithmarschen), von wo er 1932 auf die 2. Pfarrstelle der Hauptkirche St. Trinitatis in Altona wechselte.

Kirchlicher Widerstand gegen den Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem beim sogenannten Altonaer Blutsonntag im Juli 1932 18 Personen bei Straßenkämpfen zwischen SA, Kommunisten und preußischer Polizei ums Leben gekommen waren, gehörte Asmussen zu den Hauptautoren des am 11. Januar 1933 veröffentlichten Wort und Bekenntnis Altonaer Pastoren in der Not und Verwirrung des öffentlichen Lebens, das als Altonaer Bekenntnis in die Geschichte einging. Dieses Bekenntnis gilt als ein Vorbote der späteren und berühmteren Barmer Theologischen Erklärung.

Nach dem Sieg der Deutschen Christen bei den Kirchenwahlen 1933 in der schleswig-holsteinischen Landeskirche wurde Asmussen als deren erklärter Gegner suspendiert und 1934 in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Asmussen zog nach Berlin und übernahm führende Aufgaben in der aus dem im September 1933 gegründeten Pfarrernotbund heraus entstehenden Bekennenden Kirche. Er gehörte dem Reichsbruderrat der BK an, konzipierte mit Karl Barth und Thomas Breit die Barmer Theologische Erklärung und hielt bei der ersten Barmer Bekenntnissynode 1934 das Einbringungsreferat.

1935 wurde Asmussen Gründer und erster Leiter der am 1. November 1935 eröffneten und am selben Tage verbotenen Kirchlichen Hochschule Berlin-Dahlem, er unterrichtete selbst Praktische Theologie, auch nachdem der sogenannte Himmler-Erlass der Bekennenden Kirche jedwede Ausbildung und Prüfung junger Theologen im August 1937 untersagte. Asmussen war Mitunterzeichner der Denkschrift der Evangelischen Kirche im Frühjahr 1936 und hielt den Trauergottesdienst für den am 19. Februar 1937 im KZ Sachsenhausen ermordeten Kanzleivorsteher und juristischen Berater der Vorläufigen Kirchenleitung Friedrich Weißler[1]. 1939 wurde gegen Asmussen ein reichsweites Rede- und Predigtverbot verhängt, er stand auf den Fürbittenlisten der BK für die verfolgten Christen[2]. Bis 1941 gehörte Asmussen dem Dozentenkreis und dem Prüfungsgremium an, das unter dem Vorsitz von Martin Albertz theologische Kandidaten examinierte. Daneben wirkte er als Pfarrer in Berlin-Lichterfelde. Im Mai 1941 wurde Asmussen ebenso wie Albertz, Günther Dehn und Vikarin Elisabeth Grauer (1904–1995) verhaftet und am 22. Dezember 1941 durch das Berliner Sondergericht I im sogenannten Prüfungsprozeß zu einer Haftstrafe verurteilt[3]. 1943 holte Bischof Theophil Wurm ihn in die württembergische Landeskirche.

Theologischer, politischer und beruflicher Weg nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1945 wurde er als Vorsitzender des Bruderrats der EKD gewählt. Bei der Kirchenführerkonferenz in Treysa (heute Schwalmstadt) im August 1945 wurde er in den Rat der entstehenden Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt und zum Leiter der Kirchenkanzlei bestimmt, die er an seinem Wohnort Schwäbisch Gmünd aufbaute. Zu historischer Bedeutung gelangte er durch seine Mitwirkung am Stuttgarter Schuldbekenntnis, worin sich die evangelischen Christen zu ihrer Mitschuld an den Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus bekannten. Von Asmussen und Martin Niemöller konzipiert, wurde es am 19. Oktober 1945 in Stuttgart vom Rat der EKD verabschiedet.

In den folgenden Jahren überwarf Asmussen sich zunehmend sowohl mit Wurm und dem Rat der EKD, weil er eine eigenständigere Rolle des Luthertums innerhalb der EKD forderte. Noch schärfer kritisierte er die von Karl Barth und Niemöller geprägte Haltung des Bruderrats, besonders das Darmstädter Wort von 1947. 1948 wurde er von seinem Amt als Präsident der Kirchenkanzlei entbunden und nicht wieder in den Rat der EKD gewählt. Von 1949 bis 1955 war er Propst in Kiel.

Asmussen, der auch Mitglied der CDU geworden war, kritisierte in den 1950er Jahren den in seinen Augen zu politischen Kurs von weiten Kreisen der evangelischen Kirche. In einer Stellungnahme gegenüber einer Eingabe der Bekenntnis-Bruderschaften an die Synode seiner Kirche rechtfertigte Asmussen die atomare Bewaffnung im Arsenal der NATO-Staaten:

Wer ‚im Namen des Evangeliums‘ über die Atombombe spricht, kann nicht übersehen, dass die Atombombe eine Strafrute in der Hand Gottes ist.[4]

In seinem letzten Lebensjahrzehnt engagierte er sich sehr für die Ökumene und näherte sich stark der römisch-katholischen Kirche an (siehe Hochkirchliche Bewegung).

Asmussen wurde auf dem Parkfriedhof Eichhof bei Kiel beigesetzt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Asmussen erhielt Ehrendoktorwürden der Universitäten von St. Andrews (1939) und Kiel (1949).

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Offenbarung und das Amt. 1932, 2. Aufl. 1934.
  • Politik und Christentum. Hanseatische Verlagsanstalt, 1933.
  • Christenlehre. 1934, 6. Aufl. 1946.
  • Die Seelsorge. Praktisches Handbuch über Seelsorge und Seelenführung. 1934, 4. Aufl. 1937.
  • Gottesdienstlehre, Drei Bände, 1936/1937
    • Bd. 1: Die Lehre vom Gottesdienst
    • Bd. 2: Das Kirchenjahr
    • Bd. 3: Ordnung des Gottesdienstes
  • Warum noch Lutherische Kirche? Ein Gespräch mit dem Augsburgischen Bekenntnis. 1949.
  • Das Sakrament. 1957.
  • Die Heilige Schrift. Sechs Kapitel zum Dogma von der Kirche. Verlag „Die Spur“ Herbert Dorbandt, Berlin 1967.
  • Leben und Werk. Hrsg. v. Friedrich Hübner u.a., Verlag die Spur, Berlin 1973ff. (Band 3: Aufsätze, Teil 1: 1927–1934. 1976 ISBN 3-87126-226-9.)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Hering: Asmussen, Hans. In: Hamburgische Biografie. Band 5, Wallstein, Göttingen 2010, ISBN 978-3-8353-0640-0, S. 29–30.
  • Herbert Goltzen, Johann Schmidt, Henning Schröer: Art. Asmussen, Hans. In: Theologische Realenzyklopädie 4 (1979), S. 259–265
  • Juha Pihkala: Mysterium Christi. Kirche bei Hans Asmussen seit 1945. Schriften der Luther-Agricola-Gesellschaft A 17, Helsinki 1978, ISBN 951-9047-11-5.
  • Enno Konukiewitz: Hans Asmussen, ein lutherischer Theologe im Kirchenkampf. Die Lutherische Kirche, Geschichte und Gestalten 6, (1984) 2. Aufl. Mohn, Gütersloh 1985, ISBN 3-579-00115-9.
  • Rudolf Halver: Hans Asmussen – der Kämpfer. In: Wolfgang Prehn (Hrsg.): Zeit, den schmalen Weg zu gehen. Zeugen berichten vom Kirchenkampf in Schleswig-Holstein. Kiel 1985, S. 187–191.
  • Heidi Ditschke: Hans Asmussen. Theologie und Kirchenpolitik bis zum Altonaer Bekenntnis. Stade 1987.
  • Gerhard Besier: Die Auseinandersetzung zwischen Karl Barth und Hans Asmussen - ein Paradigma für die konfessionelle Problematik innerhalb des Protestantismus? In: Berliner Theologische Zeitschrift 6 (1988), 103-123.
  • Wolfgang Lehmann: Hans Asmussen. Ein Leben für die Kirche. Mit 21, teils farbigen Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1988, ISBN 3-525-55406-0.
  • Josef Außermair: Konkretion und Gestalt. „Leiblichkeit“ als wesentliches Element eines sakramentalen Kirchenverständnisses am Beispiel der ekklesiologischen Ansätze Paul Tillichs, Dietrich Bonhoeffers und Hans Asmussens unter ökumenischem Gesichtspunkt. Konfessionskundliche und kontroverstheologische Studien 67. Bonifatius, Paderborn 1997, ISBN 3-87088-875-X.
  • Karl Hauschildt: Hans Asmussen (1898–1968). Ein lutherischer Theologe im Kirchenkampf. Erinnerungen und Vermächtnis. Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis, Hamburg 1998.
  • Josef Außermair (Hrsg.): Hans Asmussen im Kontext heutiger ökumenischer Theologie. Studien zur systematischen Theologie und Ethik 24. Münster 2001, ISBN 3-8258-4852-3.
  • Reinhart Staats: Hans Asmussen und der deutsche Antisemitismus. In: Ders.: Protestanten in der deutschen Geschichte. Geschichtstheologische Rücksichten. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2004, ISBN 3-374-02175-1.
  • Roland Hosselmann: Wende zur kultischen Ontologie im Anliegen des Heils. Eine kontroverstheologische Erinnerung an Hans Asmussen. Studien zur systematischen Theologie und Ethik 40. LIT, Münster 2004, ISBN 3-8258-7175-4.
  • Jan Langfeldt: Der Geistliche beim späten Hans Asmussen. In: Lutherische Beiträge 3/2011, 180-187.
  • Siegfried Hermle: Art. Asmussen, Hans. In: Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Bd. 1, 1998, Sp. 843.
  • Johannes Rempel: Hans Asmussen, in: ders.,: Mit Gott über die Mauer springen. Vom mennonitischen Bauernjungen am Ural zum Kieler Pastor. Herausgegeben von Hans-Joachim Ramm, Husum: Matthiesen 2013, S. 470–486; auch S. 453 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eberhard Röhm, Jörg Thierfelder: Juden, Christen, Deutsche. Band 2/I: 1935–1938. Entrechtet. Calwer, Stuttgart 1992, S. 184f., ISBN 3-7668-3022-8
  2. Eberhard Röhm, Jörg Thierfelder: Evangelische Kirche zwischen Kreuz und Hakenkreuz. Bilder und Texte einer Ausstellung. Calwer, Stuttgart 3. Aufl. 1983, S. 98ff., ISBN 3-7668-0688-2
  3. Heinrich Vogel, Günther Harder: Aufgabe und Weg der Kirchlichen Hochschule Berlin 1935–1955, Berlin 1956, S. 58–61
  4. Evangelisch-Lutherische Kirchenzeitung 7/1958, S. 331.
    Kirchliches Jahrbuch 1958. S. 34–36
    Zehn Gegenthesen von Probst Asmussen. 1958. In: Arbeitskreis Otto Dibelius (Hrsg.): Otto Dibelius 1880–1967. Berlin 2009, S. 118–120; PDF-S. 126–128

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]