Hans Beckers (Matrose)

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Hans Beckers (* 17. Februar 1892 in Alsdorf; † 1971 in Düsseldorf) war ein deutscher Matrose, der als Wortführer an einer Meuterei auf Kriegsschiffen der kaiserlichen Marine beteiligt und später als Pazifist aktiv war.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SMS Prinzregent Luitpold (Foto aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg)

Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete Hans Beckers zunächst als Bergmann. 1912 wurde er dann zum Wehrdienst in die kaiserliche Marine eingezogen. Er versah seinen Dienst als Heizer auf dem Großlinienschiff SMS Prinzregent Luitpold. 1917 war er als einer der Wortführer an einer Meuterei auf den Kriegsschiffen SMS Prinzregent Luitpold sowie SMS Friedrich der Große beteiligt. Die Meuterei scheiterte. Beckers wurde neben den Matrosen Max Reichpietsch, Albin Köbis, Willy Sachse und Wilhelm Weber als „Haupträdelsführer“ wegen „vollendeter kriegsverräterischer Aufstandserhebung“ angeklagt und zum Tode verurteilt. Beckers Antrag auf Begnadigung wurde stattgegeben, nach eigenen Angaben, weil er für sein Gesuch an Admiral Scheer die patriotische Anrede wählte: „Sieger der Skagerrakschlacht!“.[1] Seine Strafe wurde ebenso wie die gegen Sachse und Weber verhängten Todesurteile in Zuchthausstrafen von je 15 Jahren umgewandelt, die Todesurteile gegen Max Reichpietsch und Albin Köbis wurden auf dem Schießplatz Wahn bei Köln am 5. September 1917 vollstreckt. Die Geschehnisse beschrieb Beckers später in seinem Buch Wie ich zum Tode verurteilt wurde. Das Buch wurde 1928 mit einem Vorwort von Kurt Tucholsky veröffentlicht. Dieses Buch wurde 1960, 1986 und 2015 erneut veröffentlicht. Seit 2015 ist es sowohl als E-Book wie auch als Taschenbuch erhältlich.

Ernst Toller verarbeitete u. a. die in Beckers Buch geschilderten Umstände in seinem historischen Schauspiel Feuer aus den Kesseln. Dort werden die beteiligten Matrosen mit ihren tatsächlichen Namen genannt. Toller zitiert im dokumentarischen Anhang zu seinem Schauspiel Teile aus Beckers Buch.[2]

Die Revolution von 1918 brachte Beckers die Freiheit. In der Zeit der Weimarer Republik betrieb Beckers einen Buchverleih in seinem Heimatort Alsdorf. Er engagierte sich in der SPD, bei den Gewerkschaften und ab 1928 auch in der Friedensbewegung. 1930 spielte er seine eigene Rolle im Drama Des Kaisers Kulis von Theodor Plievier unter der Regie von Erwin Piscator.

Während der Zeit des Dritten Reichs wurde er vorübergehend verhaftet, sein Buch Wie ich zum Tode verurteilt wurde wurde auf die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ gesetzt[3] und verboten.

Nach 1945 bis zu seiner Pensionierung war er als Angestellter des Deutschen Gewerkschaftsbundes beschäftigt und anschließend als Archivar für den DGB tätig. In den 1950er Jahren engagierte er sich während der Debatten um die deutsche Wiederbewaffnung im Bereich der Kriegsdienstverweigerung. Ferner organisierte er zahlreiche Jugendweiheveranstaltungen in Nordrhein-Westfalen.

Sein Nachlass wurde im Juli 2007 von Werner Ortmann, einem Freund der Familie Beckers an die Friedrich-Ebert-Stiftung übergeben und seither im Archiv der sozialen Demokratie aufbewahrt.[4] Im Deutschen Literaturarchiv Marbach ist je ein Brief von Hans Beckers an Kurt Tucholsky  und an Erwin Ackerknecht  archiviert.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Beckers Wie ich zum Tode verurteilt wurde – Die Marinetragödie im Sommer 1917. ISBN 978-3-596-30640-4, vier Auflagen (1928,1960,1986 und 2015)[5][6][7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Toller Feuer aus den Kesseln. Essen, 1930. Neuauflage 2013, Paderborner Großdruckbuch Verlag. ISBN 978-3-95584-138-6
  • Klaus Weberskirch Hans Beckers (1892–1971): Kriegserfahrung und persönliche Konsequenzen eines zum Tode verurteilten Bergmannes. in: Krieg und Utopie. Essen, 2006, S. 338–347.
  • Brian Murdoch Remarque, Im Westen nichts Neues. University of Glasgow, French and German Publications, 1991, S. 56.
  • Heinrich Neu Die revolutionäre Bewegung auf der Deutschen Flotte 1917–1918. Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, 1930
  • Wolfgang Günther Die Revolution von 1918/19. Holzberg, 1979, S. 207.
  • Hermann Kunisch, Herbert Wiesner Handbuch der deutschen Gegenwartsliteratur. Nymphenburger, 1981, S. 488.
  • Matthias Schöning Versprengte Gemeinschaft. Vandenhoeck & Ruprecht, 2009, S. 298.
  • Helga Bemmann Kurt Tucholsky: Ein Lebensbild. Verlag der Nation, 1990, S. 488.
  • Die Ursachen des deutschen Zusammenbruches im Jahre 1918. Herausgegeben im Auftrage des Deutschen Reichstags. Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte, Berlin 1928. Kapitel 4.
  • Von Richthofen bis Remarque: deutschsprachige Prosa zum I. Weltkrieg Herausgegeben von Thomas F. Schneider, Hans Wagener, 2003, S. 372
  • Stefan Appelius Pazifismus in Westdeutschland: die Deutsche Friedensgesellschaft 1945–1968, Band 1, 1999, S. 136
  • Stefan Appelius Die Stunde Null, die keine war: Restauration und Remilitarisierung in Wilhelmshaven, VSA-Verlag, 1986, S. 184.
  • Revolutionäre Ereignisse und Probleme in Deutschland während der Periode der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution 1917/1918: Beiträge zum 40. Jahrestag der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution, Akademie-Verlag, 1957, S. 134 ff
  • Deutsches Panorama, Band 2, P & E Information, 1967, S. 110
  • Das Bewältigen des Wirklichen – Untersuchungen zum dramatischen Schaffen Ernst Tollers zwischen den Weltkriegen, Schriften der Ernst Toller Gesellschaft, Band 2, Königshausen & Neumann, Kirsten Reimers, Würzburg 2000, ISBN 3826017668, S. 238
  • Historische Bibliographie, Berichtsjahr 2006, R. Oldenbourg Verlag 2007, ISSN 0933-5420, Seite 1056: Kriegserfahrung und persönliche Konsequenzen eines zum Tode verurteilten Bergmannes in Krieg und Utopie, Essen 2006, S. 338–347
  • Der Spiegel, Ausgabe 6/1961: Titelstory: Seekrieg – Dönitz – Aufgetaucht (siehe Titelbild), Seite 6 von 11 (DER SPIEGEL 6/1961, S. 38)[8]

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Briefkorrespondenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Korrespondenz von Hans Beckers ist im Deutschen Literaturarchiv Marbach und in der Bayerischen Staatsbibliothek archiviert:

  • Brief von Johann Adam Möhler an Hans Beckers (Bayerische Staatsbibliothek München, München 29. November 1835, 1 Br., Deutsch, Brief, Handschrift, DE-611-HS-999733)[9]
  • Brief von Hans Beckers an Kurt Tucholsky  (Deutsches Literaturarchiv Marbach, Neckar / Handschriftenabteilung, Alsdorf b. Aachen 6. April 1930, 1 Bl., Deutsch, Brief, Handschrift, DE-611-HS-500412)[10]
  • Brief von Hans Beckers an Erwin Ackerknecht  (Deutsches Literaturarchiv Marbach, Neckar / Handschriftenabteilung, Düsseldorf 30. Januar 1951, 1 Br. 1 Bl., Deutsch, Brief, Handschrift, DE-611-HS-733007)[11]
  • Brief von Theodor Plievier an Hans Beckers  (Deutsches Literaturarchiv Marbach, Neckar / Handschriftenabteilung, Wallhausen 10. Februar 1951, 1 Br., 1 Bl.Dg., Deutsch, Brief, Handschrift, DE-611-HS-737383)[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seekrieg/Dönitz: Aufgetaucht. In: Der Spiegel. Nr. 6, 1961 (online1. Februar 1961).
  2. Ernst Toller: Feuer aus den Kesseln. Paderborner Großdruck Verlag, abgerufen am 30. Dezember 2015.
  3. Verbannte Bücher: Online-Veröffentlichung der Liste der von den Nationalsozialisten verbotenen Schriften, berlin.de, abgerufen am 28. Dezember 2015
  4. Diesseits, Zeitschrift des Humanistischen Verbandes, 21. Jahrgang; 3. Quartal, Nr. 80/2007, S.2 (humanismus.de, abgerufen am 1. Januar 2016)
  5. Wie ich zum Tode verurteilt wurde (eBook) (lehmanns.de, abgerufen am 1. Januar 2016)
  6. Diverse Auflagen im Vergleich mit Bildern (Memento des Originals vom 1. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.eurobuch.com (eurobuch.com, abgerufen am 1. Januar 2016)
  7. Deutsche Nationalbibliothek (Leipzig, Frankfurt am Main), ND 43, Stand: 21. Oktober 2015 (d-nb.info Neuerscheinungsdienst, Jahrgang: 2015 ND 43, Stand: 21. Oktober 2015, abgerufen am 1. Januar 2016)
  8. DER SPIEGEL 6/1961, S.38: ...darunter der Matrose Hans Beckers, der für sein Gesuch an Admiral Scheer die patriotische Anrede wählte: "Sieger der Skagerrakschlacht!" Beckers: "So gewann ich in der Lotterie der Justiz."...
  9. Brief von Johann Adam Möhler an Hans Beckers , Bayerische Staatsbibliothek München, kalliope-verbund.info von 2006, abgerufen am 28. Dezember 2015
  10. Brief von Hans Beckers an Kurt Tucholsky , Deutsches Literaturarchiv Marbach, kalliope-verbund.info von 2002, abgerufen am 28. Dezember 2015
  11. Brief von Hans Beckers an Erwin Ackerknecht , Deutsches Literaturarchiv Marbach, kalliope-verbund.info von 2004, abgerufen am 28. Dezember 2015
  12. Brief an Hans Beckers von Theodor Plievier  , Deutsches Literaturarchiv Marbach, kalliope-verbund.info von 2006, abgerufen am 28. Dezember 2015